Stillen bis zum Abstillen

Ich habe mich bemüht, die wichtigsten Erfahrungen unseres Stillstarts in einem anderen Beitrag zusammenzufassen. Dennoch habe ich überlegt, das Thema noch mal gesondert anzugehen. Weil ich darüber reden möchte, wie es bei uns geklappt hat.

Stillmotivation

Wenn ich euch meine ursprüngliche Beweggründe fürs Stillen nenne, werdet ihr mich für wahnsinnig erklären.
Ich habe mich nicht bewusst für das Stillen entschieden. Schon gar nicht aus überzeugenden Gründen wie „ist gesünder für das Kind“, „macht das Kind klüger“ oder ähnliche wirklich gute Gründe für das Stillen. Vielmehr habe ich mich zunächst bewusst gegen das Industrieprodukt Flaschenmilch entschieden und für das Naturprodukt, egal, was dahinter steht. Weil ich jemand bin, der auch in seiner Küche verarbeitete Lebensmittel meidet. Außerdem bin ich ein Geizkragen und verstehe einfach nicht, warum ich für etwas (viel) Geld zahlen soll, was ich umsonst bekommen kann. Ihr dürft ruhig lachen, aber für mich sind das durchaus triftige Gründe fürs Stillen. Ich habe mich auch nicht vorbereitet aufs Stillen, weil mein Gedanke war, dass das schon funktionieren wird, immerhin haben das schon ein paar Frauen vor mir gemacht.

Ich würde auch nach wie vor kein Buch dazu lesen, bevor es so weit ist. Ich würde allerdings inzwischen darauf achten, eine liebe Hebamme mit langer Stillerfahrung zu suchen und in besonderen Fällen eine Stillberaterin hinzuzuziehen. Und nebenher in Foren wie stillen-und-tragen oder auf der wirklich wundervollen Seite stillkinder.de mitzulesen.

Meine ersten Stillversuche

Unser Anfang war wie gesagt auch recht schwer. Ich frage mich, ob es uns einfacher gefallen wäre und alles besser geklappt hätte, wäre da nicht KISS gewesen. Im Krankenhaus wirkte alles noch so einfach. Die Hebamme half gleich beim Anlegen, unser Stöpsel wirkte nicht unzufrieden, nachdem er kurz stillte und dann weiter schlief. Eine Stillberaterin aus dem Krankenhaus kam später nach der Geburt und half noch mal beim Anlegen und sagte mir, dass man anfangs bis zu 12x täglich stillen sollte. Da ich aber dachte, der Hunger geht vom Kind aus, hatten ihre Worte für mich letztlich keine Relevanz und ich ließ den Kleinen kommen, wenn er Hunger hatte. Sie zeigte mir auch – mehrfach – auf der Seite zu stillen mit dem Baby liegend neben mir. Auch meine Hebamme zeigte mir zu Hause gleich diese Position, weil sie für Mutter und Kind so innig ist und sich so nach dem Stillen auch gut einschlafen ließ, auch nachts. Es dauerte allerdings noch Monate, bis ich und der Stöpsel mit dieser Position wirklich zurecht kamen. Auch weil ich mich immer ins Hohlkreuz begab und davon Rückenschmerzen bekam. Vielleicht muss für einige Mütter der Moment erst kommen, wo diese Position einfach passt. Und so habe ich von Anfang an im Sitzen in der Wiege gestillt und zwar nur so. Das war für mich in Ordnung, auch nachts.

Schwierigkeiten beim Stillen

Dennoch möchte ich an dieser Stelle noch mal wiederholen, weil ich es aus meiner Erfahrung furchtbar wichtig finde: nicht alle Babys kündigen ihren Still-Hunger-Durst an. Das blieb bei uns sogar sehr lang so, bis ins zweite Lebensjahr hinein. In der kompletten Zeit, in der ich voll stillte, gab ich den Takt nach grober Ahnung vor, weil der Stöpsel sich einfach nicht ankündigte. Nicht durch so süße Aktionen wie Shirt anheben (später), nicht durch Schmatzen, weinen, auf mich zu krabbeln, nichts. Unser Stillen nach Bedarf war etwa nach Uhr anzubieten (alle 2-3 Stunden) oder bei Unruhe. Fertig.

Wenn euer Baby eine eindeutigere Sprache von Anfang an hat, dann nutzt das und stillt sie nach ihrem Bedarf. Ansonsten legt sie an und schaut ob sie annehmen. Ich sage es nur deshalb, weil ich die Erfahrung mit der Gelbsucht (ein krankes Kind gleich von Anfang an) wirklich einschüchternd fand und mir wünschen würde, dass es nicht so vielen Frauen wie mir passieren muss.

Ansonsten bekam ich wie gesagt nach wenigen Tage eine Milchpumpe (auf Rezept) gestellt. Wegen zu kurzen Trinkens des Kleinen, wegen der wunden Brustwarzen. Weil der Kleine so unzufrieden war. Die Milchpumpe sagte mir nicht zu. Ich wusste einfach bis zuletzt nicht, welche Intensität ich einstellen sollte, sie war laut und sperrig und stand in einer Ecke. Später holte ich mir eine Handpumpe. Damit klappte es besser.

Und dennoch… stillen und abpumpen und anfangs das viele anlegen zum „still-beruhigen“, das klappte einfach gar nicht. Denn mit einer Milchpumpe kommt einfach nicht immer Milch, egal wie lange und intensiv man pumpt. Es ist halt ein mechanisch nachgeahmter Stillvorgang, der irgendwie anders ist als das saugen und „ausstreichen“ des Babys. Der falsche Zeitpunkt und es kommt keine Milch. Ein anderer Zeitpunkt (meist „volle“ Brüste) und es kommt verdammt viel. Und so pumpte ich manchmal vergebens winzige Mengen die aufzuheben gar nicht erst lohnte. Währenddessen schrie das Kind schon und wollte auch beruhigt werden, es war kein Milchvorrat aus der Flasche mehr da, ich hatte eh vor einer halben Stunde erst das Kind gestillt-beruhigt. Also da war richtig der Wurm drin. Was jetzt schon ein wenig nach leicht amüsantem Chaos klingt, hat mir in Wahrheit damals die Tränen ins Auge getrieben, immer wieder. Da haben es Frauen, die einfach nur erfolgreich stillen können oder nur abpumpen und per Flasche füttern um einiges einfacher. Dennoch würde ich es heute wieder so probieren, weil ich weiß nicht, ob der Stöpsel je wieder angefangen hätte ordentlich zu stillen hätten wir nicht zwischendurch über Monate immer wieder die Brust angeboten.

Und dennoch war es nicht einfach, beim Stillen dranzubleiben. Weil es einfach nicht ordentlich klappte. Weil es weh tat. Weil wir die Erfahrung mit dem Milchpulver machten, bei der man einfach gleich das Gefühl bekommt, dass das Baby gesättigt ist. Beim Stillen sieht man einfach nicht, wie viel das Baby trinkt und wenn es anschließend weint, dann lässt es einen einfach nicht los, dass es nicht satt geworden ist. Da gibt es keine Vernunft und kein Bauchgefühl mehr, die einem sagen „es wird schon alles in Ordnung sein“. Im Nachhinein glaube ich aber, er hat das bekommen, was er brauchte, wenn auch in vielen kleinen Etappen.

Auch ich hatte in den ersten Wochen Momente, in denen ich überlegte, ob ich das Stillen lasse, weil es so, wie ich es anging, immens kompliziert war. Aber ich blieb dran. Ich setzte mir ein Ultimatum. Ich suchte mir ein Datum einige Wochen in der Zukunft (ich glaub, es waren 4 Wochen bzw. insgesamt dann 6 Wochen nach der Geburt) und sagte mir, wenn es bis dahin immer noch nicht klappt, der Kleine schlecht zunimmt, ich unzufrieden bin, dann gibt’s nur noch fertige Fläschchen. Mir half das zu wissen, dass ich kämpfen werde, aber auch, bis wann ich kämpfen werde und ab wann ich aufgebe, meinen Nerven zuliebe.

Nachdem die Gelbsucht überstanden war, nutzte ich die Milchpumpe eigentlich nur noch einmal täglich. Die Hebamme beobachtete ja sein Gewicht und so lange die Zunahme gut war (was sie zum Glück auch blieb), tat ich mir den Stress nicht an mit dem Abpumpen-Stillen-Beruhigen und stillte statt dessen nur noch mit Stillhütchen und pumpte vorm Bettgehen eine Portion Milch ab, damit der Papa nach der Arbeit am nächsten Tag auch mal „Stillen“ konnte.

Auf die Stillhütchen bin ich an anderer Stelle eigentlich schon eingegangen, ich möchte es aber hier noch mal wiederholen. Durch die Starke Wundheit meiner Brustwarzen fiel mir nach ein paar Tagen das Stillen so schwer, dass ich mich kaum noch überwinden konnte, den Kleinen anzulegen. Und abzupumpen, was dann auch etwas weh tat. Meine arme Hebamme musste mich zwar förmlich  zwingen, die Stillhütchen zu probieren (das künstliche Objekt auf meiner Brust, an dem das Kind saugte, war mir einfach nicht geheuer), aber es war wirklich so, dass mir das Stillen damit einfach nicht mehr weh tat. Wobei man das Hütchen dafür auch richtig aufsetzen muss und dem Baby helfen, ordentlich anzudocken und nicht nur auf den langen „Nippel“ zu beißen. Meist habe ich mit den Fingern die Ränder gehalten (damit das Baby das Hütchen nicht ganz in den Mund zieht). Für den Stöpsel machte es nur geringfügig einen Unterschied, er schien die Brust besser halten zu können damit, aber er stillte immer noch kurz. So kurz, dass verwunderlich war, dass er überhaupt zunahm. Man sagt ja immer, dass die erste Milch dünn und wässrig ist – für den Durst – und erst später die fettige nahrhafte Milch kommt. Aber der Stöpsel stillte von Anfang an im Schnitt nicht mehr als 4 Minuten. Dennoch nahm er gut zu, später sogar richtig gut.

Ich stillte zwar regelmäßig auch mal ohne Hütchen (gerne mal nachts, wenn ich grad im Dunklen kein Stillhütchen fand), blieb aber bis zur erfolgreichen KISS-Behandlung dabei meist mit zu stillen. Und nach der Behandlung klappte es nach wenigen Wochen komplett ohne Stillhütchen und ohne, dass der Stöpsel ständig los ließ. Aber wie gesagt stillte er auch weiterhin nur kurz, bis er irgendwann das Nuckeln für sich entdeckte, sehr spät erst, mit dem Zahnen vermutlich.

Während der ganzen Stillzeit hatte ich – zum Glück – nur zweimal einen Milchstau. Vermutlich beide während des Zahnens. Einmal mitten in der Nacht, einmal morgens. Ohne zu wissen, dass es ein Milchstau war und was man dagegen tut, habe ich beide Male erstmal abgepumpt, alles was ging, die Brust danach regelmäßig massiert an der schmerzhaften Stelle (so in etwa ein Ausstreichen) und anschließend den Stöpsel dazu genötigt etwas häufiger als sonst die Brust zu probieren. Jedes Mal tat es über Stunden weh und ich befürchtete, dass es bestimmt schlimmer wird, weil der Schmerz nicht wegging. Aber der Schmerz ging weg. So dass ich meist nach einem halben Tag den Ärger los war.

Eine Stillsorge liegt mir dennoch so am Herzen, dass ich sie noch mal betonen möchte. Das Stillen nach Bedarf, das eigentlich – wie man einschlägig liest – vom Baby vorgegeben wird, gibt es nicht bei allen Babys. Ich war einige Male bei einer Stillgruppe und wenn wir über das Stillen sprachen, dann klang das immer danach, als würden die Babys der anderen ganz klare Sprachen sprechen. Ich war immer frustriert, denn bei uns gab es keine klare Sprache (auch nicht unterschiedliche Arten zu Weinen, wie andere Frauen das gerne mal beschrieben). Das hat mich allerdings auch nicht davon abgehalten mit dem Stillen aufzuhören. Unsere Methode war einfach auf die Uhr zu sehen und regelmäßig anzubieten, alle 2 bis 3 Stunden wie gesagt. Nachts nach Aufwachen. Anders geht es dann einfach nicht. Aber es hat für uns auch ganz gut geklappt.

Zum Stillen nach Bedarf gehört auch (und DAS hatten wir dann anfangs auch) häufiger anzulegen, wenn es das Baby häufiger einfordert. Es gibt einfach bestimmte Wachstumsschübe, die den Milchbedarf erhöhen – auch dauerhaft – und dazu ist es einfach nötig, dem Kind das zu erlauben, damit dieses meinem Körper wiederum signalisieren kann „bitte in Zukunft mehr davon“. Ähnlich ist es bei Durst an heißen Tagen. Ich habe mir einfach angewöhnt, wenn ich unsicher bin, was dem Kind jetzt gut tun würde, dann einfach mal die Brust anbieten. Punkt. Fertig. Einfach. Keine Regeln.

Zu den langfristigen Stillsorgen gehört auch das zeitweise Desinteresse am Stillen oder die Unruhe, das Zappeln oder ständig wegdrehen.Wenn das Kind mal ein paar Stunden, sogar Tage, weniger trinkt oder schlechter trinkt, ist das völlig normal. Das sind Phasen, die mit der Entwicklung (Wahrnehmung der Umgebung, das Zahnen, Ablenkung) und so weiter zusammen hängen. Ich kann eine gute Stillberatung nicht ersetzen, d.h. wer unsicher ist oder Ängste hat, dass das Kleine deshalb schlecht gedeiht, der sollte mit jemandem darüber reden, der viel Ahnung hat. Ansonsten hilft nur eins – etwas, was wir eh viel gemacht haben – in ruhigen Ecken, sogar dunklen Räumen ohne viel Ablenkung stillen. Das wird beim Zahnen natürlich auch nicht helfen. Da hilft es nur zu warten, bis euer Kind wieder stillen mag.

Ein letzter Punkt, der irgendwie auch zum Stillen gehört, den ich aber auch schon wieder verdrängt hatte: nicht ärgern lassen. Von niemandem. Am besten ist anfangs ein Bodyguard gegen blöde Sprüche. Meine Bekannte hatte ihren Mann, der sich – auch gegenüber seiner Mama – behauptete, wenn die mal wieder mit Besserwissertum daher kam, z.B. mit dem Satz „Mama, es ist ihr Kind, sie weiß schon, was richtig dafür ist.“. Mein Mann hätte das nicht gemacht und so kamen letztendlich viele Tränen, viel Stress, viel Aufregung und womöglich auch anfangs einige Kommunikationsprobleme (mit Stöpsel) beim Stillen nicht zuletzt dadurch, dass ich in Gedanken vergangene Gespräch mit der Schwiegermutter noch verarbeitete, darüber wütete, einfach abgelenkt war. Ich habe zum Glück nicht gemerkt, dass durch den Stress zeitweise die Milch versiegte. Ich habe allerdings davon in Foren gelesen. Also wenn ihr unbedingt stillen möchtet, haltet die Menschen aus eurer Umgebung fern, die euch Stress machen. Wenigstens für die Zeit, in denen eure Stillbeziehung noch aufgebaut wird.

Zubehör fürs Stillen / Abpumpen

Eigentlich braucht man fürs Stillen nichts. Es ist ja alles da. Das Stillkissen z.B. ist gar nicht so hilfreich, wie man denken könnte. Vielleicht testet man das gleich im Krankenhaus. Ich jedenfalls habe es nur ein paar Male untergelegt. Zum Glück ist das Stillkissen super als Stütze für Beine oder Oberkörper im Bett, so dass wir es noch weiter verwenden.
Einen Still-BH brauchte ich nicht, da ich sonst gerne elastische BHs ohne Bügel trage, die ich in der Stillzeit einfach weiter verwendete. Wer Bügel-BHs trägt, dem sei allerdings ein Still-BH empfohlen, ebenso wie ein paar wenige Stilloberteile, die man unterziehen kann, wenn man weiß, dass man unterwegs stillen wird.

Ansonsten braucht man nichts, außer einen gemütlichen Sitzplatz, den man in der Anfangszeit mit Säugling verwenden kann, um viele Stunden dort zu verbringen. Manche kaufen sich extra Stühle / Sessel fürs Stillen. Wenn man sich daraus eine kleine Kuschelecke baut, ist das sicherlich schön. Notwendig ist das aber nicht.

Als Fläschchen (für die Muttermilch und die wenigen zugefütterten Pulverfläschchen) haben wir übrigens einfache Glasfläschchen mit Silikonsauger genutzt. Ich hatte einfach kein gutes Gefühl dabei, Plastik (auch BPA-freies) mit Hitze anzuwärmen. Ich habe mir auch keinen Flaschenwärmer geholt, sondern stattdessen ein gutes Küchenthermometer, das ich jetzt noch in der Küche verwende, und die Flasche in eine Tasse mit heißem Wasser gestellt, immer wieder vorsichtig geschüttelt (ohne viel Schaum zu produzieren) bis die Milch bei 36°C – 37°C Temperatur war.

Wir probierten einen speziellen Sauger für Stillkinder, richtig teuer aus der Apotheke, der das Trinken an der Brust imitieren soll, indem das Baby stark saugen muss, um etwas rauszubekommen. Damit sich die Kinder durch das „leichte“ Saugen an normalen Saugern nicht das Stillen abgewöhnen. So gut diese Dinger gemeint sind, für saugschwache Kinder kann ich sie wirklich nicht empfehlen. Wir benutzten also einfache Sauger.

Und wenn ich schon dabei bin, wir haben unsere Flaschen nicht sterilisiert. Nie. Ich habe sie nach Kauf einmal ausgekocht und anschließend immer in einer sauberen Schüssel gut ausgespült und in einem speziellen Fläschchenhalter lange austropfen und trocknen lassen. Diese Fläschchenhalter sind übrigens wahnsinnig praktisch, wenn man schon auf Fläschchen angewiesen ist.

Anekdötchen aus der Stillzeit

Da habe ich nicht viele. Aber aus der Anfangszeit zumindest drei Stillfakten, die mich immer noch zum Schmunzeln bringen.

Mein Gesichtsausdruck in den ersten Tagen, wenn der Stöpsel angedockt hatte, muss Bände gesprochen haben. Der Zug an der Brust ist schon immens am Anfang, so dass ich die Luft durch die Zähne zog und mein Gesicht verzog. Sogar mein Mann musste dann sagen „oh, er hat angedockt!“, als er den Gesichtsausdruck sah.

Später – auch in den ersten Wochen – hatte ich gelegentlich eine Milisekunde vor dem Andocken so ein Ziehen in der Brust, als würde die Brust schon ohne vollständiges Andocken spüren, dass es jetzt losgeht. Nach ein bisschen Recherche vermutete ich damals, dass das der Milchspendereflex sein muss, den ich da spüre.
Warum ich diesen aber spürte, „bevor“ der Stöpsel angesaugt war, das bleibt für mich weiterhin verwunderlich, zeigt aber, dass die Natur des Menschen doch komplexer ist als einfache Biochemie und Mechanik.

Die letzte Anekdote lässt auch meinen Mann mit schmunzeln, wenn wir heute daran denken. Über mehrere Monate setzte immer wenige Sekunden nach Stillbeginn dieses wahnsinnige Gefühl bei mir ein, als würde ich jetzt auf der Stelle verdursten müssen. Blöd nur, wenn man dann das Kind schon im Arm hat und nicht mehr so mobil ist. Und so wurde mein Mann für lange Zeit mein Laufbursche für Wasser, weil ich ständig vergaß, mir Wasser bereitzustellen. Später reichte ein einfacher Blickaustausch und mein Mann wusste sofort, was mich plagte und organisierte mir eine neue Wasserflasche.

Stillen versus die Flasche

Auch ich kam vereinzelt in Versuchung, mein Kind auf die Flasche umzustellen. Weil ich wenige Male zufütterte und danach das Gefühl hatte, mein Stöpsel konnte danach ruhig und friedlich dahinschlummern. Auch die Erfahrungen meiner Bekannten, die viel mit Zufüttern experimentierte und letztlich gute Erfahrungen mit der Kombination Abendfläschchen und erholsamer Schlaf (erholsam für die Mama) machte, waren durchaus reizend. Dennoch widerstand ich.

Und doch stolpere ich heute noch über diese Diskussionen, wo das eine (Stillen) oder andere (Fläschchen) schlecht geredet wird. Dabei hat doch eigentlich beides seine Daseinsberechtigung. Schon alleine, weil es nicht jede Frau schafft zu stillen, so sehr sie es auch möchte. Es ist doch gut, dass die Alternative zum Stillen nicht lauten muss: „dann muss dein Kind halt verhungern“. Ebenso ist das Stillen einfach nicht für jeden.

Was mich noch wütender macht als Menschen, die einem aus mangelnder Erfahrung (selbst Flasche gegeben) jedes Vorurteil zum Thema Stillen vor den Latz knallen, sind Frauen, die auf Fläschchenmamas rumhacken. Natürlich ist es ein Industrieprodukt und es ist aus Milch gemacht, die für ein anderes Säugetier gedacht war. Aber was gibt einer erfolgreich stillenden Frau das Recht, auf Mamas rumzuhacken, die sich nicht wohl beim Stillen fühlen (immerhin passt es irgendwie nicht in unsere moderne Welt, das spüre auch ich) oder – und auch das habe ich gelesen – jede Frau abwerten, die „mal“ zugefüttert hat, so nach dem Motto: eine zugefütterte Flasche reicht und du darfst nicht behaupten, dass du voll gestillt hast.

Ich für meinen Teil bin dankbar, dass ich das Stillen für mich entdeckt habe. Und das, obwohl ich bisher überhaupt keinen Kontakt mit Stillenden hatte. Ich jedenfalls finde diese ganzen Diskussionen total dämlich. Genauso dämlich eigentlich wie die Kommentare von Menschen, die gestillt haben, weil die Experten das ja heutzutage so empfehlen oder weil die Wissenschaft „Wunderkinder“ verspricht (verdammter Perfektionswahn).
Ich weiß noch, wie ein Nachbar (der selbst Kinder hat) auf meine Information hin, dass ich mein 6 Monate altes Kind noch stille, zu mir meinte, dass man das doch gar nicht mehr muss, dass 3 Monate doch vollkommen ausreichen. Als ob man nur stillt, weil es der Kinderarzt besser findet. Oder die Frau im Wartezimmer des Kinderarztes, die ihrem Bekannten beim Stillen ihres Babys erzählte, dass sie froh sei, wenn die 6 Monate vorbei wären und sie abstillen kann. Das passiert nämlich dann. Menschen, die denken, sie müssen stillen, wegen der Werbeversprechen, das Stillen aber gar nicht „spüren“. Ich kann nur hoffen, dass deren Babys nicht die Abneigung gegen das Stillen spüren können. Ich finde, Stillen muss sich richtig anfühlen. Und es sollte der Mutter auch irgendwie Spaß machen oder sie könnte zumindest das Gefühl haben, dass es praktisch ist. Hauptsache mit dem Stillen ist irgendetwas positives assoziiert, und das Kind spürt das auch. Oder nicht? Wahrscheinlich (oder hoffentlich) gibt es aber wenige Mütter, die im Stillen einen Zwang sehen.

Ich lese eigentlich eher selten davon, was schlecht am Stillen sein soll. Das ist auch ganz gut so. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass im Stillen gerne die Ursache für viele „Babyprobleme“ gesehen wird: die schlechte „Gewohnheit“ Einschlafstillen, das häufige Aufwachen nachts, der Grund fürs viele Weinen (Stillen sättigt nicht). Auch mir legte unser Kinderarzt nahe, dem Kind nachts die Brust vorzuenthalten, ich weiß allerdings nicht mehr warum. Der Stöpsel war da 4 oder 6 Monate alt. Ich erinnere mich noch daran, wie er sagte, dass der Kleine nachts keine Nahrung mehr braucht. Schlecht ist Stillen gewiss nicht, es scheint auch wenig Fakten gegen das Stillen zu geben, aber das hält die Menschen – von Laie bis Profi – auch nicht davon ab, dagegen zu wettern. Wie dieser Artikel liebevoll ausdrückt.

Contra Stillen

Was mich gleich zu den Punkten bringt, die ich an Stillen selbst nicht mochte bzw. die mich verunsichert haben.
Auch beim 2. Baby, so das Stillen auch hoffentlich funktioniert, werde ich mich vermutlich stark davor scheuen, in der Öffentlichkeit zu stillen und es so gut es geht vermeiden. Ich habe von Natur aus kein dickes Fell und ich komme weder mit blöden Blicken, dummen Kommentaren von Bekannten – Fremde werden dich eher selten ansprechen – noch damit klar, dass ich mehr von meinem Körper zeigen muss als mir lieb ist. Ich fühle mich auch einfach nicht wohl dabei, in Anwesenheit von Menschen zu stillen, die selbst nie gestillt haben, weil die gaffen ja bestimmt erst recht. Und ich bin einfach nicht gesegnet mit dem körperlichen Selbstbewusstsein, dass mich nicht daran zweifeln lässt, dass alle um mich rum meine schlechte Haut, meine Cellulite oder meine Schwangerschaftsstreifen sehen. Die Brust ist dabei nämlich – finde ich – noch das geringste Problem, denn die ist ja in den ersten Stillwochen ja so schön prall und groß, was ja durchaus Vorzeigecharakter hat (das schreibe ich mit einem eindeutigen Zwinkern). Ohne Stilloberteil zeigt man immer seinen Bauch, der nach der Schwangerschaft bestimmt bei allen Frauen selten wunderschön ist. Und auch wenn die Brust meist gut verdeckt ist vom Kind, das Kind kommt garantiert zu irgendeinem Zeitpunkt in einer Zappelphase, wo es einfach weniger stillt als sich wehrt oder dreht oder anderes… und dann liegt garantiert alles blank.

Und so hatte für mich Stillen noch einen Nachteil – am Anfang – ich wollte auch in Gesellschaft nicht raus, weil irgendwann in 2 Stunden würde der Stöpsel wieder an die Brust müssen und so schnell ist selten ein Ausflug erledigt. Es sei denn, er führt einen vor die Tür. In einem 2-Stunden-Fenster zu planen, das fand ich immer so schwer, dass ich es einfach ganz ließ. Später allerdings entdeckte ich Wickel- oder Stillräume in der Stadt für mich oder im Notfall auch Café-Toiletten, zumindest die gepflegten, in denen ich dann doch unterwegs stillte.

Aber das noch größere Problem war, dass mich sehr, sehr, sehr lange der Gedanke nicht los ließ, dass das Stillen Schuld sein könnte an den Schlafproblemen, an der verzögerten Entwicklung, an allem, was uns in der „24h-Zeit“ das Leben schwerer gemacht hat.
Wobei, falsch, ich hatte nicht das Gefühl, das Stillen sei Schuld, sondern vielleicht „meine“ Milch. Ich habe mich nämlich nicht so gesund ernährt, wie es einer stillenden Frau immer nahegelegt wird. Wie auch – ich hatte wirklich ganz andere Sorgen. Und so fragte ich mich immer wieder mal, ob meiner Milch vielleicht gewisse Nährstoffe fehlten oder ob der Kaffee, den ich trank, Schuld war an der Schlaflosigkeit.
Schlussendlich kann ich hier aber Entwarnung geben. Die meisten Sorgen lösten sich ohne eine Umstellung meiner Ernährung in Luft auf. Und auch ein regelmäßiger kompletter Kaffeeentzug über ein paar Wochen besserte nichts.
Dennoch wollte ich es erwähnen, weil es mich doch öfter stärker verunsicherte, als mir lieb war.

Übrigens nimmt nicht jede Frau automatisch durch das Stillen ab. Bei mir war es das Gegenteil. Während des Wochenbetts nahm auch ich noch ab und danach schön regelmäßig immer und immer weiter zu. So sehr, dass ich irgendwann zum Arzt ging, weil ich vermutete, dass es vielleicht an der Schilddrüse liegen könne und ich falsch eingestellt bin. Ich nahm damals über Jahre schon Pillen gegen eine Unterfunktion, die ich inzwischen nicht mehr brauche. Meine Ärztin sagte dazu allerdings nur ganz frech, dass ich vermutlich zunehme, weil ich meinen Nährstoffbedarf überschätze, das passiere bei stillenden Frauen öfter mal, und vermutlich einfach zu viel esse. Na, das hört eine stillende Frau ja auch wahnsinnig gerne. Wen es interessiert, letztendlich schob ich das weitere Zunehmen auf die Folgen von Stress und Schlafentzug. Das setzt die Hormone gerne mal in totales Chaos und führt nicht zuletzt dadurch zu Gewichtszunahme. Ein Bewegungsmangel (Muskelabbau) gehörte sicherlich auch dazu.

Pro Stillen

Trotzdem spricht für mich alles fürs Stillen – sofern man es selbst möchte. Die Beziehung zum Kind ist eine andere: die Nähe, das Trost spenden. Es fühlt sich für mich einfach wunderschön an. Natürlich darf man nicht vergessen, dass Muttermilch einfach die besser verdaulichere Milch für einen Säugling ist, dass sie das Immunsystem des Kindes unterstützt, dass Kinder davon intelligenter werden sollen und und und. Aber auch ohne wissenschaftliche Forschung bezüglich der Vorzüge des Stillens würde ich stillen, weil ich einfach daran glaube, dass es die bessere Nahrung ist und es die wärmere Ernährungsform. An die Panikmache, dass Babys von der Muttermilch irgendwann nicht mehr satt werden, oder dass sie Nährstoffmangel bekommen, wenn man nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt zufüttert, daran glaube ich eigentlich nicht, da ich fest davon überzeugt bin, dass die Menschheit dann nicht überlebt hätte, wenn das stimmen würde.

Das klingt jetzt nicht wirklich nach viel, weil die überzeugenden Fakten an Masse mangeln, aber die wenigen PRO Fakten haben für mich ein immenses Gewicht, dass sie in meinen Augen völlig ausreichen, um überzeugend zu klingen.

Wer übrigens nicht sicher ist, ob das Stillen so seins ist, dem kann ich noch folgende Seite empfehlen, die mit einigen Vorurteilen zum Stillen aufräumt. Und auch folgenden Artikel, der sich mit dem hartnäckigen Vorurteil beschäftigt, dass Stillen weh tun muss.

Langzeitstillen

Auf die Idee, über Stöpsels erstes Lebensjahr hinaus zu stillen, kam ich übrigens erst später. Ich ging zunächst davon aus, dass ich rund ein Jahr stillen würde. Wie ich auf ein Jahr kam, was ja schon verdammt viel ist, weiß ich gar nicht mehr.

Erst über Recherchen zum Thema Stillen stieß ich auf die Tatsache, dass es Frauen gibt, die länger stillen, bis ins Kleinkindalter. Ja, auf die Tatsache, dass eigentlich überall auf der Welt länger gestillt wird als in unserer westlichen Welt. Dass die WHO 2 Jahre Stillen empfiehlt ist mir – wie alle Empfehlungen grundsätzlich – sogar egal. Es gibt auch Dinge, die die WHO empfiehlt, die mir überhaupt nicht gefallen.

Ich werde auch niemandem eine Empfehlung fürs Langzeitstillen aussprechen. Darauf muss jeder selbst kommen. Ich möchte es nur in den Raum werfen, weil ich diese Möglichkeit nie in Erwägung gezogen hätte, wäre ich nicht zufällig darüber gestolpert. Schöne Erfahrungsberichte zum Thema Langzeitstillen findet man auf jeden Fall auf der Seite stillkinder.de.

Vorgenommen hatte ich mir also 2 Jahre und dann „mal sehen“. Letztendlich kam mein Wunsch, die Familienplanung „abzuschließen“ zuvor, so dass es für Stöpsel nicht 2 Jahre wurden.

Abstillen

Aber immerhin wurden es knapp über 19 oder 20 Monate. Genau kann ich es nicht sagen, weil ich tatsächlich nicht ganz mitbekam, wann der Stöpsel sich abstillte, da er weiterhin nuckelte. Ich wusste, dass ich mit einer Schwangerschaft ein Abstillen auslösen könnte. Und während ich mir noch Sorgen machte, was wohl passiert, erledigte sich die Frage in 2 Phasen von allein. Irgendwann muss Stöpsel aufgehört haben zu trinken. Und ich war wohl zu unachtsam es direkt zu merken. Ach, dachte ich, das Nuckeln hilft ihm, das kann er zum Abend hin ruhig noch weiter machen. Da hatten aber meine Hormone noch ein Mitreden. Und so lernte ich, dass es ohne Hormone gar nicht möglich ist, das „Nuckeln“ an der Brust auszuhalten, ohne dass es Kribbelgefühle auslöst. Ich fühlte mich auf einmal gar nicht mehr wohl dabei, das Nuckeln zuzulassen. Es war allerdings auch kein großes Thema. Es waren 1, höchstens 2 Abende, da versuchte ich es zuzulassen, entstöpselte ihn aber nach kurzer Zeit, weil es einfach nicht ging, er weinte kurz auf und akzeptierte es. Zum Glück… ich hätte sicherlich auch mehr Geduld zum Abstillen aufgebracht, aber es ist doch schön, wenn es sich einfach fügt.

Ich glaube, das Stillen hätte ihm für ein paar weitere Monate noch gut getan. Es hat ihm das Zahnen immer so erleichtert. Aber es ist, wie es ist, und wir akzeptieren es. Wenn er mich nackt sieht, dann will er auch gelegentlich noch mal dran. Ich lasse ihn probieren, bzw. habe es bis vor kurzem noch. Denn er macht tatsächlich gar nichts. Er ist ein wenig verwirrt, wenn er „probiert“. Es sieht danach aus, als wüsste er gar nicht mehr, was er tun soll, so dass er von alleine nach 1 Sekunde loslässt, sowieso gar nicht erst ansaugt, und von allein von dannen zieht.
Ich bin mal gespannt, was kommt, wenn ein anderes Lebewesen demnächst dann den ganzen Tag „nuckel nuckel“ macht. Und was er in seiner Eifersucht dann machen möchte. Ich habe den Tipp gelesen, einfach probieren lassen, meistens lassen die Kinder das von selbst direkt. Hauptsache, sie denken sie dürfen nicht und werden noch eifersüchtiger. Wissen, wie es geht, tun ohnehin die wenigstens eine Weile nach Abstillen. Wobei ich auch von Kindern gelesen habe, die mit dem nächsten Kind wieder angefangen haben zu stillen. Ich stelle mir das anstrengend vor, aber ich schließe nichts aus.

Zum Thema Abstillen habe ich auch noch folgenden Text, ja es ist fast ein Gedicht, gefunden, den ich euch gerne zeigen möchte. Und einen schönen Erfahrungsbericht zum Abstillen eines Kleinkindes, der sogar mir ein wenig die Tränen in die Augen lockte.

Ohne geht’s nicht

Zuallerletzt möchte gerne noch betonen, dass das Stillen ohne meinen Mann nie funktioniert hätte. Ich denke, diesen Teil darf man nicht unterschätzen, auch wenn die Frau während der ganzen Stillzeit die „Arbeit“ hat. Fürs Stillen ist es verdammt wichtig, dass der Mann beim Stillstart beisteht, einen unterstützt, einem Wasser bringt, den Rücken stärkt, wenn es nicht klappt, einem gut zuredet, das Stillkissen unterlegt…. Wichtiger aber noch ist die Stillunterstützung durch den Mann, weil das Baby durch das Stillen so unendlich viel Aufmerksamkeit mehr bekommt als der Mann. Steht der Mann nicht voll hinterm Stillen, wird die Belastung, die dadurch in der Beziehung entsteht unerträglich, was nicht zuletzt auch Einfluss auf das Stillen hat.

In dem Sinne sei an dieser Stelle meinem Mann gedankt, der mir oft die Gelegenheit gibt, zu walten, wie ich es für unser Kind am wichtigsten halte, auch beim Stillthema.

Die ersten Wochen

Eins muss ich gleich vorweg schicken, bevor ich mich an das Abenteuer begebe, die ersten Wochen mit Baby ins Gedächtnis zu rufen: es ist verdammt schwer bis unmöglich, sich richtig an die Details aus der Zeit zu erinnern. So früh wusste ich ja noch nicht, dass die schwere Zeit so immens lange andauern würde und habe kein Tagebuch geführt. In der Anfangszeit mit dem ersten Kind hat man auch wirklich andere Probleme als zu gucken, wie man zwischen Tür und Angel noch irgendetwas aufschreibt. Es gibt einige Fakten, die ich noch in der Erinnerung habe und ansonsten schwebt da nur die Emotion Verzweiflung über dieser Zeit. Und davon eine Menge…

Schon mit der Verlassen des Krankenhauses wurde es sehr unruhig bei uns. Die Nacht davor eigentlich, weil der Stöpsel so wahnsinnig viel weinte, und ich ihn nicht beruhigt bekam, bis ich ihn schlussendlich zu mir ins Bett holte und bis zum frühen Morgen kuschelte. Auf dem Heimweg im Auto am nächsten Mittag weinte der Stöpsel durchgehend. Obwohl ich neben ihm saß, ihm gut zuredete und die Hand auf ihn legte hörte das Weinen nicht auf. Aus diesem Grund bin ich so unendlich froh, dass wir beim zweiten Kind wegen Umzugs in die Stadt nicht mehr auf das Auto angewiesen sind, weil Autofahren blieb für lange Zeit ein Grauen – für Stöpsel und uns, obwohl ich schon früh anfing, immer hinten bei ihm zu sitzen statt auf dem Beifahrersitz.  Wie soll man auch ein Baby trösten, das man nicht auf den Arm nehmen kann? Außer mit so abenteuerlichen Aktionen, von denen ich gelesen habe, bei denen Frauen sich quer über das Baby legen, Brüste auspacken und in dieser Position das Baby stillen.

Zu Hause angekommen ging das Geheule weiter. Ich weiß noch, dass der erste Tag ein absolutes Grauen für uns beide war. Das bisher schweigsame Baby weinte ständig, wenn es wach war und obwohl ich stillte und es im Arm hielt. Es war richtig erschreckend: warum ließ sich ein geliebtes Baby nicht beruhigen, das konnte doch gar nicht sein? Man denkt da gleich, dass man alles tun will, um dieses kleine Würmchen zu beschützen und ihm zu helfen und merkt gleich in den ersten Tagen, dass das gar nicht geht. Am nächsten Tag kam zum Glück gleich die Hebamme. Sie vermutete, dass das Weinen von den beginnenden 3-Monats-Koliken sein könnte und das Baby bestimmt Bauchschmerzen hat. Nichtsdestotrotz bekam sie ihn beruhigt (und uns!) und wir widmeten uns zunächst ausschließlich der Gelbsucht. Die Lösung: Stillen, stillen, stillen. Und zwar tags wie nachts. Alle 2 Stunden aufstehen (Wecker stellen!) und stillen. Und wenn das Kind weinte zusätzlich.

Das Stillen

Wie genau es dann alles ablief, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß noch, dass meine Hebamme binnen weniger Tage (2 Tage?) eine Milchpumpe organisierte, da ich Probleme mit wunden Brustwarzen bekam, der Kleine immer nur ganz kurz trank und wir versuchen sollten, ihm die Muttermilch aus der Flasche zu geben bzw. Muttermilch zuzufüttern, wenn er kurz stillte und danach immer noch weinte. Mit der abgepumpten Milch sollte der Papa mich auch entlasten, da ich einfach völlig fertig war nach der langen Geburt und einigen schlaflosen Nächten. An dieser Stelle sei übrigens klargestellt: auch wenn ich überzeugt bin, dass später an meinem Baby irgendetwas „anders“ war, ich glaube zu diesem Zeitpunkt hatten wir ganz gewöhnliche Probleme, die viele Eltern anfangs erleben. Die Umstellung auf einen Tagesablauf ausschließlich fürs Baby, die Müdigkeit, den schweren Stillstart (sofern man stillt), die vielen Fragen… nichts an dem, was uns in den ersten Wochen widerfahren ist, ist einzigartig. Nichtsdestotrotz zeichneten sich in diesen Tagen schon die Probleme ab, die uns später noch das Leben schwerer machen würden: die außergewöhnlichen Stillprobleme und etwas später das schlaflose Baby.

Mit der Milchpumpe konnte ich mich übrigens nicht anfreunden. Einen ordentlichen Rhythmus zu finden – wann stillen, wann abpumpen, wann die Flasche und dabei darauf zu achten, den Flaschenvorrat aufrechtzuerhalten – das gab mir den Rest. Vor allem, weil man ein Kind ja nicht nur alle 2 Stunden anlegt und damit hat sich die Sache. Stillen beruhigt das Baby und ist sozusagen nach dem Hochnehmen und Halten das erste Beruhigungsmittel, woran mich meine liebe Hebamme die ersten Tage immer wieder erinnerte. Und der Stöpsel hat oft geweint, so dass ich zeitweise alle 30 Minuten stillte und es dann überhaupt keinen Takt mehr gab. Meine Hebamme sagte immer, dass ich erst abpumpen soll (alle 2-3 Stunden) und dann den Kleinen stillen. Sie sagte auch, ich solle mir keine Sorgen machen, mein Körper sorgt schon für genug Muttermilch, der Kleine verhungert schon nicht. Und dennoch… ich kam einfach nicht hinterher, mit dem Abpumpen, mit dem Stillen, mit allem. Was dazu führte, dass ich immer wieder versuchte, den Kleinen so anzulegen, weil es schneller ging und wenig Organisation erforderte, was aber von Mal zu Mal schmerzhafter wurde. Schlussendlich war unsere Lösung das Stillhütchen. Meine Hebamme ließ mir schon nach ein, zwei Tagen 2 Stillhütchen zum Probieren da, aber der Gedanke daran, ein Stück Silikon zwischen mich und mein Kind zu legen, der sagte mir irgendwie nicht zu. Schlussendlich überwogen dann doch die Schmerzen durch die Wundheit der Brustwarzen und die Hebamme setzte sich durch – mit Erfolg. Mit Stillhütchen tat es gleich weniger weh. Der Kleine trank fortan besser und auch länger und die Brüste heilten. Seither hatte ich beim Stillen nie wieder mit wunden Brustwarzen zu kämpfen – und wir stillten noch sehr lange. Starkes Ziehen und dadurch etwas schmerzempfindlichere Brustwarzen später ja, wenn der Kleine stark zahnte. Aber nie wieder Wundheit.

Und so stillten wir erfolgreich die Gelbsucht weg. Ein wenig Lichttherapie (ein dauernd geöffnetes Dachfenster bei Sonnenschein) gehörte auch dazu. Es dauerte allerdings vermutlich 1-2 Wochen, bis der Stöpsel nicht mehr so „braun gebrannt“ aussah. Die Milchpumpe verwendete ich noch etwas weiter und kaufte mir anschließend eine Handpumpe, die ich überall nutzen konnte. Ich fand es einfach schön, dem Papa einmal am Tag die Gelegenheit zu geben, Mama zu spielen und den Kleinen zu stillen. Meist pumpte ich dafür spät abends gegen 22 oder 23 Uhr – wenn der Kleine auf jeden Fall schlief – eine Portion ab. Das wurde mit der Zeit immer mehr, so dass ich vereinzelt sogar eine Flasche voll bekam, was verdammt viel ist. Das alles klingt beim Lesen bestimmt so, als wäre uns von da an alles einfach von der Hand gegangen, jetzt wo das Stillen klappte. Das war natürlich nicht so. Das viele Stillen und zwischendurch Abpumpen setzte mich wahnsinnig unter Stress. Dazu das viele untröstliche Weinen und die Auseinandersetzung mit der Verwandtschaft. Das setzte mir ganz schön zu. Ich kam mit dem Duschen nicht hinterher, was ja unheimlich wichtig ist, damit nach der Geburt die Wunden gut abheilten. Essen funktionierte die ersten Wochen überhaupt nicht. Das war allerdings nicht wirklich meine größte Sorge, hat mich nur geärgert, wenn ich mal wirklich Hunger hatte und keine Hand frei hatte, um das Brot zu greifen, das mein Mann mir liebevoll vorbereitet hatte. Weil Baby ablegen ging ja nicht.

Darüber muss ich aber so im Nachhinein echt schmunzeln. Ich hatte Probleme. Da freut man sich auf ein Baby, Monat um Monat, und dann ist es da und man ist gleich von Anfang an genervt, dass es einem so viel abverlangt. Ach wie gerne würde ich diese Zeit zurückdrehen, um diese ersten Wochen noch mal mit einer anderen Ruhe anzugehen. Kuschelecke, Lektüre, Snacks und dann einfach den ganzen Tag dasitzen und schlafendes Baby genießen. So würde ich es jetzt machen. Eine Ruhe, die ich beim zweiten Kind vermutlich nicht haben werde, weil dann ist ja das erste Kind mit eigenen Bedürfnissen auch noch da.

Das Schlafen

In dieser Anfangszeit (die ersten zwei Wochen, vielleicht drei) schlief der Stöpsel übrigens wahnsinnig gut – und viel – auf meinem Schoß oder in meinen Armen. Auch nachts wachte er nur zum Stillen auf, weshalb es sich für mich anfühlte, als würde er durchschlafen. Es macht einen wahnsinnigen Unterschied für den Erholungseffekt – finde ich – wenn das Baby durch das Stillen wieder einschläft. Dann ist es bei mir wirklich so gewesen, wie man immer liest, dass ich es selbst kaum mitbekomme und danach auch gut weiter schlafe. Wenn das Baby nach dem Stillen allerdings unruhig bleibt und nicht wieder einschläft (später!), dann wird das häufige nächtliche Aufwachen zu einer echten Tortur.
Ich hatte übrigens wahnsinnige Sorgen, das Neugeborene nachts neben mich zu legen statt ins Babybett, obwohl ich wirklich überzeugt vom Familienbett war. Das Babybett stellten wir zwar gleich so um, dass es neben meinem Schlafplatz stand, aber darin konnte man ihn halt nicht immer ablegen. Die Sorge, dass man aber auf das Kind rollt oder es zudeckt ist ja schon wahnsinnig groß, größer als die Sorge, dass man dem Kind die Nähe verwehrt, die es braucht. An der Stelle bekam ich den Tipp, das Kind doch einfach auf die Bettdecke zu legen, unter der ich liege. Und so schlief das Baby nachts zumindest doch teilweise neben mir, meist gegen Morgen.

Es gab eine Sache am guten Schlafen, die ich erst lernen musste, damit auch der Tagschlaf gut blieb. Manche Babys lassen sich einfach nicht im Schlaf ablegen. Sie wachen dann unmittelbar auf. Sie spüren die Bewegungen irgendwie viel sensibler als andere, als hätten sie dafür einen Radar im Schlaf. Bei Stöpsel war der Radar noch feinfühliger, weshalb ich ständig dazwischen springen musste, wenn Bekannte versuchen, das putzige Baby im Schlaf anzufassen. Eine Faszination, die ich allerdings auch nicht verstehe. Genauso wenig wie die Faszination, sich (später) tierisch daran zu erfreuen, wenn einem das süße Baby im Gesicht rumfummelt.

Die ersten 3 Monate waren übrigens die einzige Zeit bis jetzt, an denen ich noch freie Abende hatte, bis jetzt sozusagen. Wir legten ihn abends in sein Bett – das ging da noch, aber auch nur abends – und er schlief da ein, zwar mit mehrfachem Aufwachen, aber man konnte ihn schnell wieder in den Schlaf trösten. Gut, an wenigen Abenden hielt ich ihn auch auf dem Schoß im Wohnzimmer. Das waren die etwas frustrierenderen Tage für mich, weil ich ja schon tagsüber ausschließlich für seine Bedürfnisse da war, aber oft klappte es zu dieser Zeit noch mit dem Schlafen im Bett.

Das nächtliche Schlafen (Tag-Nacht-Ryhthmus) hatte er zum Glück von Anfang an recht gut verstanden. Während eine Bekannte, die ich gleich sicher noch erwähnen werde, in der Anfangszeit damit kämpfte, dass ihr Würmchen nachts aufwachte – und dann wach war – ließ sich der Stöpsel mit Stillen immer wieder in den Schlaf trösten und schlief die Nacht „durch“. Wobei die morgentliche „Drückphase“, die nach einigen Wochen anfing, meine Nächte morgens um 4-5 Uhr schon beendeten. Seine nicht, weil das alles im Schlaf passierte.

Das Schreien

Unser Spatz weinte aber wie gesagt viel, sehr viel. Und oft untröstlich. Auch nach ausgestandener Gelbsucht. Es stand immer noch das Problem mit den 3-Monats-Koliken im Raum. Eine irgendwie veraltete Diagnose die besagt, dass das Baby viel schreit, weil es Bauchschmerzen hat oder Blähungen oder so. Ich bin kein „Spezialist“, deshalb nenne ich es einfach weiterhin Koliken. Ob es jetzt Regulationsstörung heißt, Schreikind, Koliken ist mir persönlich schnuppe, die Nutzung des Fachbegriffs macht mir mein Leben ja auch nicht wirklich einfacher. An dieser Stelle kam mir das Glücklichste Baby der Welt von Karp, der übrigens US amerikanischer Kinderarzt ist, ganz gelegen, das – wenn ich mich richtig erinnere – auf die Theorien über Koliken eingeht, sie zusammenfasst und auch widerlegt. Dass es also Bauchschmerzen sein können, aber in den seltensten Fällen auch sind. Das löste meine Sorgen allerdings auch zunächst nicht (ich hoffe, ich werfe hier nicht ein paar Bücher durcheinander).

Mir wurde übrigens in den ersten Wochen schon klar, dass auch ich Mitauslöser oder Verstärker des Weinens war. An jenem einen Tag – es war wieder einer der Tage mit ganz viel Weinen – kam die Hebamme und es dauerte nur wenige Augenblicke und der Stöpsel beruhigte sich in ihren Armen, was uns seit längerer Zeit nicht gelungen war, und nicht nur allein wegen des Fliegergriffs, den sie probierte. Mir wurde ganz schnell bewusst, dass ich etwas an mir habe, was den Süßen Spatz beunruhigte. Und so übte ich mich fortan darin, gelassener und optimistischer an das Beruhigen heranzugehen. Es hilft dabei ungemein, wenn man lernt zu akzeptieren, dass das Kind nun mal weint – egal warum – statt darüber zu grübeln, dass es einen Grund geben muss, den man beseitigen muss und dass man optimistisch bleibt, ihm irgendwie helfen zu können, egal ob er aufhört zu weinen oder nicht. Das geht natürlich nicht immer, unsere Nerven haben ja auch ihre Grenzen. Es ist aber eine wichtige Einstellung, die man offenbar lernen muss, weil das Kind sie irgendwie spürt. Ich habe später noch oft bei der Schlafbegleitung neben dem Stöpsel im Bett gelegen und wenn er einfach nicht schlief, versuchte ich auf meinen Puls zu hören, darauf zu achten, dass meine Körperteile ohne Anspannung waren, einfach herunterzukommen. Ansonsten: zum Trösten gegen viel und langes Weinen hilft übrigens wirklich Karps Beruhigungsmethode, weshalb ich sie allen Eltern nur ans Herz legen kann. Sie hilft nicht immer, aber sehr oft. Dafür muss man eigentlich auch nicht das Buch lesen, die 5S-Methode findet man auch im Internet. Da das Buch aber auch einen großen Einfluss auf meine Gesinnung bezüglich Babys hatte, kann ich es trotzdem empfehlen.

Dass meine Gelassenheit half, ihn ruhiger zu halten, sah ich übrigens darin, dass ich es nach einer Weile fast immer schaffte, den Winzling zu beruhigen, mein Mann aber nicht. Er lernte erst später die Gelassenheit, die Unruhe im Kind zu akzeptieren und dennoch die Ruhe zu bewahren.
Ich glaub, für Männer – vielleicht nicht alle, aber viele – ist das auch ein schwieriges Thema. Wir Frauen haben unsere Hormone, die Gefühle aus der Schwangerschaft und einfach einen anderen Bezug. Meinen Mann machte es unglaublich traurig zu sehen, dass er sein eigenes Kind nicht beruhigen konnte. Er dachte, das Kind liebe ihn nicht oder er mache etwas falsch. Man kann da nur versuchen, dem Mann gut zuzureden, ihm Mut zu machen, ihn daran zu erinnern, wie einfach die Mutter es von Natur aus mit dem Baby hat, die Gefühlswelt des Babys zu erklären und betonen dass der Papa das Beruhigen genau so lernen kann. Der gelegentliche Missmut (der ja sicherlich auch aus Eifersucht auf das Baby kommt) blieb zwar, aber der Papa fand auch irgendwann seine eigene Rolle und das macht er bis heute ganz gut. Das gibt mir das wohlige Gefühl, dass die beiden ihre eigene Beziehung aufbauen und vor allem, dass ich weiß, wenn ich nicht mehr kann oder will, dann schafft der Papa das allein.

Dennoch das viele Weinen blieb. Und die Unkontrollierbarkeit, ob ich ihn getröstet bekomme auch. Weshalb es sehr, sehr, sehr lange dauerte, bis ich mich mit meinem Kleinen aus dem Haus traute.
Ohne die gerade erwähnte Bekannte, die nur wenige Wochen nach mir ein Kind bekam, und ebenso die 3-Monats-Koliken durchlief, wäre ich auch weiterhin zu Hause geblieben. Und so halfen wir uns gegenseitig durch diese schwere Zeit und spornten uns gegenseitig an, uns trotz ständig plärrender Babys rauszutrauen. Es dauerte im Übrigen auch fast ein Jahr, bis ich mich das erste Mal allein mit meinem Kleinen hinaus traute und auch da blieb ich in der Nähe von zu Hause. Immer wenn ich irgendwo las oder mitbekam, was andere Frauen nach der Geburt an Ausflügen machten mit ihren Neugeborenen oder Babys, kam ich ins Grübeln, wie sie das wohl machten. Das wäre bei uns völlig undenkbar gewesen. Nicht nur wegen des vielen Weinens, sondern weil der Stöpsel bis vor kurzem unterwegs nicht schlafen konnte und damit der nächste Heulanfall aus völliger Übermüdung vorprogrammiert war.

Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob der Stöpsel ein Schreikind war. Per definitionem weinen Schreikinder 3 Stunden an 3 Tagen über mindestens 3 Wochen, der Stöpsel kam aber nicht auf 3 Stunden. Er kam eher auf 1-2 Stunden an 7 Tagen über mehrere Monate. Natürlich gab es mal einen Tag, wo es mehr als 3 Stunden waren. Aber es waren weder die typischen Zeiten (vor allem abends) noch wie gesagt 3 Stunden.
Ich wage es daher nicht, mich mit Müttern zu vergleichen, die täglich stundenlanges Brüllen aushalten müssen, über Wochen, Monate, einige wenige sogar Jahre. Ich kann aber sehr gut mit ihnen fühlen, weil mich brachten „nur“ 2 Stunden schon an meine Grenzen. Wobei der Begriff Grenze als Mama ja dehnbar ist, denn es gibt keine Grenzen, eher Komfortzonen, alles danach ist ja ohnehin Strapaze. Und man macht ja irgendwie eh einfach weiter.

Ach, siehste… eine Beruhigungsmethode ist mir noch eingefallen. Ich hatte sie schon verdrängt / vergessen. Dabei ist sie doch der Grund dafür, dass der Stöpsel Stöpsel heißt. Auch wir haben sehr lange einen Schnuller gehabt. Er nahm ihn anfangs auch gut an und es half zeitweise, ihn zu beruhigen. Mit der Zeit lehnte der Stöpsel seinen Stöpsel aber immer öfter ab. Mit 10 Monaten entstöpselte er sich selbst, was zu diesem Zeitpunkt aber überhaupt nicht mehr so dramatisch weil, weil er bis dahin super gerne stillte, also auch besonders das Mama-Nuckeln genoss, wenn es auch für mich erstmal nicht leicht war, ganz ohne Nuckelersatz sein Nuckelbedürfnis, vor allem beim Einschlafen.
Ich habe nichts gegen den Schnuller und auch die Sache mit der Saugverwirrung ist mir bekannt, war mir unter unseren Umständen aber ehrlich gesagt egal. Saugverwirrung war ja eh nicht die Ursache unserer Stillprobleme.
Es hat mich damals allerdings schon ein wenig traumatisiert, wie andere Menschen meinem Kind verzweifelt immer wieder den Nuckel in den Mund schoben, wenn er mal nicht aufhörte zu schreien. Das erinnert mich bis heute daran, wie gefährlich so ein Nuckel werden kann, wenn Eltern (und andere) die Kinder förmlich dazu zwingen, davon abhängig zu werden, also im wahrsten Sinne des Wortes als Stöpsel missbrauchen, bis das Kind verstanden hat, dass es sich mit Stöpsel beruhigen soll. Ein Grund, weshalb ich beim zweiten Kind gut (aber spontan) überlegen werde, ob ich überhaupt einen Schnuller möchte.

Die Schlaflosigkeit

Nach kürzester Zeit, vermutlich etwa um die Zeit herum, als sich das Stillen einpendelte und von der Gelbsucht nichts mehr zu sehen war, bekamen wir übrigens eine Sorge hinzu.
Ab jetzt schlief der Kleine tagsüber so gut wie gar nicht mehr.  War er vorher in allen Positionen und überall noch eingeschlafen, hielt er sich ab jetzt wach. Und nickte höchstens mal für ein paar Minuten auf dem Arm ein. Ich weiß noch, dass ich sehr viel über das Schlafbedürfnis der Kleinen im Internet recherchierte (mein Tablet war ein treuer Begleiter in der Anfangszeit mit Baby) und dass dort immer viel mehr Stunden Schlaf für Neugeborene standen als wir bei unserem Stöpsel beobachteten.

Ich fragte mich in der Zeit sehr oft, wo all diese Frauen mit ihren schlafenden Babys in der Stadt herkamen? War eher das Schlafen im Kinderwagen (oder Tragehilfe) unterwegs normal oder waren mehr Babys unterwegs wach, als mir bisher aufgefallen war? Auf jeden Fall wurmte es mich, dass unser Stöpsel unterwegs immer wach war und wenn überhaupt nur mal für kurze Augenblicke die Augen schloss, um beim nächsten Stillstand gleich die Augen wieder zu aufzureißen.

Was uns noch mehr wurmte, war, dass er komischerweise bei Besuch einschlafen konnte, wir den „Besuch“ ohne Besuch aber nicht imitiert bekamen. Wir probierten es mit Fernsehen, mit Unterhaltungen, mit Radio. Wir gingen mit dem kurz später doch noch gekauften Kinderwagen raus, in der Hoffnung, die Geräuschkulisse könne dem Baby beim Einschlafen helfen. Nichts. Unser Baby blieb wach. Es schlief wenn dann nur durch zufällige Umstände ein, die wir nie verstanden – und meistens dann, wenn jemand dabei war, bei dem wir uns vorher ausgeheult hatten, dass unser Baby einfach nicht schlief.

Auf der Suche nach weiteren Beruhigungsmethoden – und  Einschlafhilfen – fing ich nach einer Woche zu Hause an, mich mit dem Binden des Tragetuchs auseinanderzusetzen. Es gibt massig schöne Videoanleitungen im Internet. Das klappte eigentlich auch ganz gut, ich stellte aber fest, dass ein paar kleine Unsicherheiten blieben, z.B. ob das Kind gestützt genug gebunden war. Und so holte ich mir doch noch eine Trageberatung nach Hause. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, hat uns das nicht geholfen. Zunächst bemäkelte die Beraterin mein Tuch, das ja viel zu dünn war und zu lang. Und statt mir dann mit der geübten Bindeweise zu helfen, versuchte sie mich von ihrer Bindeweise zu überzeugen, die wir aber weder unter ihrer Anleitung noch später beim Üben gebunden bekamen (das Känguru). Unser Problem bestand vor allem darin, dass der Kleine sich durchstreckte, und – so schön diese Bindeweise auch ist – beim Känguru dauert es eine ganze Weile, bis das Kind ohne Hände halbwegs gesichert auf der Brust hängt, während man fertig bindet und das geht mit einem Durchstreckkind einfach nicht. Später übten wir unsere andere Bindeweise weiter und die klappte dann auch besser als erwartet, brachte aber leider nicht die erwartete Lösung für die Beruhigung und den Schlaf unseres Babys. Dass er meckerte beim Einbinden, daran gewöhnte ich mich schnell. Dass er dann aber eingebunden wenn überhaupt nur still war, während ich in ständiger Bewegung war, er sich ständig durchstreckte, dass er eingebunden nur ganz, ganz, ganz selten einschlief und nur für wenige Minuten und sich durch den Körperkontakt auch nicht beruhigen ließ, wenn nichts anderes mehr ging, sondern sich eher wand und durchstreckte, das hat mich dann schon geärgert. Liest man doch immer, wie schön das Tragen für die Kleinen ist. Nur so am Rande: wir trugen ihn dennoch eine ganze Weile, erst nur ich, dann später mit einer einfachen Tragehilfe auch der Papa. Es ist einfach unheimlich praktisch, unterwegs mit Bus und Bahn oder beim Spazieren. Man hat keine Hindernisse wie mit dem Kinderwagen und die Hände auch immer frei. Wir tragen ihn gelegentlich immer noch, bzw. der Papa. Ich habe ja zurzeit meinen eigenen Tragling dabei.

Weitere Dinge, die wir probierten, die andere Babys LIEBEN, unseres aber nicht mochte, schon gar nicht zur Beruhigung: viel Kuscheln mit dem Baby, am besten im Bett und nackt, damit der Kleine ganz viel Haut spürt. Brachte unseren zum Kreischen. Schlafen auf meinem Bauch. Nicht mit ihm – wobei es ein oder zwei Mal doch funktionierte, was ich soooooo genoss. Babymassage… ich probierte es gelegentlich, es ließ den Stöpsel nicht noch mehr weinen, aber auch nicht weniger. Und dass er daran Genuss fand, das konnte ich ihm auch nicht ansehen. Weshalb wir die Babymassage auch nicht in unsere täglichen Routinen einarbeiteten, sondern nur gelegentlich anwandten, wenn wir vermuteten, dass es seiner Verdauung helfen könnte.

Zum Thema Stillen möchte ich gerne noch einen Gedanken ergänzen, den ich dann anschließend im Raum stehen lassen muss. Auch wir fütterten in den ersten paar Wochen gelegentlich zu. Insgesamt aber auch nicht mehr als 5 Fläschchen. Es gab auf jeden Fall einen Tag, da war der Wurm drin, an dem gaben wir bestimmt zwei Fläschchen Premilch hinzu. Und das Verrückte daran war, dass der Stöpsel anschließend 2 Stunden schlief, neben uns im Hellen auf der Couch, einfach so. Man liest ja schon, dass es diese Vorurteile gibt, dass flaschengefütterte Babys besser schlafen und früher durchschlafen. Man liest auch, dass das wenn dann überhaupt an der Folgemilch liegt, die den Darm so fordert, dass das Kind viel schlafen muss, was aber nichts Gutes ist (oder so ähnlich). Aber ansonsten spalten sich die Gemüter bei dem Thema. Premilch solle den Effekt auf keinen Fall hervorrufen, weil sie ja der Muttermilch nachempfunden ist. Als Kritiker von Kuhmilch und deren gesundheitlichen Nutzen zweifle ich allerdings ein wenig an dieser These. Mich lässt jedenfalls nach meiner Erfahrung der Gedanke nicht los, dass doch irgendwas an der Flaschenmilch dazu geführt hat, dass der Stöpsel auf einmal doch schlafen kann. Was auch später bei mir immer wieder den Gedanken hervorgerufen hat, ob Schlafprobleme auch eine Folge von Nährstoffmangel sein könnten. Die ich allerdings rückwirkend ausschließen möchte, weil meine und seine Nährstoffzufuhr wurde nicht verändert in den Zeiten, in denen es besser wurde.
Ich jedenfalls schaffte es irgendwie, dem Drang zu widerstehen, auf Flaschenmilch umzustellen, um meine Probleme zu lösen.

Meine Bekannte übrigens hatte mehr Glück mit den bisher genannten Methoden. Sie hatte es auch weißgott nicht leicht anfangs mit ihrem Schreiling, der auch nachts viel weinte (da hatten wir anfangs so gut wie immer Pause!), aber bei ihr halfen Massage, Dauerstillen und Schaukeln, um ihren Wurm zu trösten. Sie hatte auch weniger Probleme mit dem Stillen und Tagschlaf (wobei sie früh zufütterte, weil sie das ewige Stillen störte, und auch nach 6 Monaten froh war abzustillen, nachdem sie ohnehin feststellte, dass die Flasche am Abend ihren Kleinen besser schlafen ließ).
Sie hatte außerdem so eine schöne Art, ihren Kleinen zum Schlafen zu bekommen. Sie wippte und schaukelte ihren Kleinen in einem ganz bestimmten Takt und in ihrer eigenen Schrittfolge auf dem Arm, der kleine Mann schlief ein und nach mehreren Minuten weiter im selben Takt konnte sie ihn problemlos ablegen, auch im hellen Wohnzimmer, wo er dann unterschiedlich lang schlief, und das mehrfach am Tag. Wenn das nicht ging, dann schlief ihr Würmchen garantiert im Maxi Cosi (auch zu Hause), in der Schaukel oder beim Spazieren im Kinderwagen ein. Und später, nachdem ich sie von einer Tragehilfe überzeugt hatte, weil ihr Wurm in meiner Trage sofort und ohne Weinen einschlief, auch dort. Wie gesagt, auch für sie war es furchtbar anstrengend, weil ihr Wurm einfach grundunzfrieden war, wenn er wach wach, aber sie hatte funktionierende Lösungen, auf die ich so unendlich neidisch war. Und die ich natürlich auch alle probierte. Ich lieh mir ihre Schaukel, weil unsere schöne Hängematte nicht funktionierte, probierte den Maxi Cosi, ihr Einschlafschaukeln (sie auch). Alles neue funktionierte exakt einmal um meinen Stöpsel zum Schlafen zu bekommen und auf keinen Fall ein zweites Mal.

Zum Thema Maxi Cosi: immer wieder hört und sieht man auch unterwegs, dass die Kinder darin gut schlafen können. Auch meine Bekannte machte damit so gute Erfahrungen, so dass sie den Kinderwagen ständig umbaute, weil ihr Kleiner in der Liegeschale immer weinte. Und dennoch verunsicherte sie die Tatsache, dass alle immer vom zu vielen Liegen im Maxi Cosi abrieten. Deshalb fing ich auch gar nicht erst an, den Stöpsel zu Hause groß in die Babyschale zu legen, obwohl auch er darin – zufälligerweise – gelegentlich mal gut schlief. Letztendlich sagte mir aber mein Gefühl, wenn das Baby da gut schläft, sich ausschläft, dann kann man das doch machen, oder? Hätte der Maxi Cosi bei uns verlässlich funktioniert, hätte ich das nämlich auch gemacht.
Es gibt nämlich eine Sache, die für den Maxi Cosi spricht, derselbe Grund, dass unser Stöpsel mehrere Monate (bis er sich drehte) vom Stillkissen umrandet schlief. Babys müssen sich fühlen können und / oder brauchen Enge. Vermutlich ist das die Übergangslösung, um sich von Mutterleib auf die Außenwelt gewöhnen zu können. Jedenfalls hilft es den Kleinsten, wenn sie sich im Schlaf „spüren“, wenn sie sich bewegen, wenn sie an Grenzen stoßen.

Was auf jeden Fall half – es zumindest einfacher machte, ihn länger am Schlafen zu halten – war pucken! Ob mit Pucksack oder Tuch, wenn er mal schlief, schlief er länger als ein paar Minuten. Wir bemerkten, dass dies vor allem durch die „eingeschnürten“ Arme kam. Wenn wir ihn nämlich ohne pucken schlafen ließen, merkten wir, dass er sich durch das Fuchteln mit den Armen im Schlaf (manchmal schreckte er im Schlaf auf und dann bewegten sich gleich die Arme vom Körper weg) selbst weckte. Sowas bleibt beim Pucken aus.

Was den Mittagsschlaf betraf, so grübelte ich noch wochenlang, wie ich das jetzt löse, wo ich den Stöpsel hinlege, wann ich ihn hinlege (ab wann macht ein Baby wohl richtigen Mittagsschlaf und wie oft?) und wie ich ihn wohl zum Einschlafen bekomme. Als er etwa 8 Wochen alt war (ich weiß das noch, weil es der Tag war, an dem meine Hebamme das letzte Mal kam) legte ich ihn zum allerersten Mal in seinem Bett tagsüber hin, das Schlafzimmer vollkommen abgedunkelt. Einfach so. Ich legte mich dazu, streichelte seinen Bauch… und es klappte… Stöpsel schlief… und schlief… und schlief. Bis die Hebamme wieder ging. Wer jetzt glaubt, ab da wir hätten dann die Kurve bekommen, der täuscht. Es blieb in diesen anfänglichen Monaten eher eine Ausnahme, dass das tagsüber so klappte. Dennoch war das der Zeitpunkt, ab dem ich seinen Mittagsschlaf in die dunkle Stube verlegte.

Zu recht könnte man mich übrigens jetzt fragen: warum habt ihr ihn nicht einfach wach gelassen, wenn er nicht schlafen wollte? Einer meiner „Lieblingssprüche“ zu der Zeit war, dass er doch nichts verpassen möchte, wir ihn doch einfach wach lassen sollen. Ach, wie putzig das klingt, und wie sehr es mich genervt hat.
Die Antwort auf die Frage ist nicht ganz einfach. Mein Gefühl sagte mir, dass ihm der wenige Schlaf nicht gut tut und dass ich das wirklich nicht „normal“ finde, dass er auch unterwegs nicht schläft. Ich war fest davon überzeugt, dass ein Kind, das nur auf 12 Stunden Schlaf nachts plus eine geschätzte Stunde tagsüber kam, zu kurz kam. Außerdem sehnte ich mich tagsüber nach kurzen Pausen, vom Weinen, vom Halten…
Das mag der ein oder andere falsch finden, aber letztendlich folgte ich meinem Gefühl das sagte, das ist so einfach nicht richtig und eine Lösung her muss.

Die KISS-Diagnose

Das kurze Stillen, das extrem kurze Stillen (nur wenige Minuten am Stück, selten 5 Minuten) veranlasste meine Hebamme, uns schon früh den Rat zu geben, unseren Stöpsel osteopathisch durchchecken zu lassen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich selbst schon einiges gelesen über Osteopathie bei Säuglingen, von welchen Wundern andere nach Behandlungen berichteten und sogar über KISS stolperte ich so schon sehr früh, noch bevor meine Hebamme so Fragen stellte, wie ob der Kleine eine Lieblingsseite hat, auf die er seinen Kopf dreht. KISS schloss ich trotz aller Heftigkeit unseres Alltags ziemlich früh aus, aber eigentlich nur weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie wohl ein Baby aussieht, was wie ein umgekehrtes C da liegt. So wurde es nämlich meistens beschrieben. Und nach einem umgekehrten C sah der Stöpsel irgendwie nicht aus.

Schon die Trageberaterin einige Wochen vorher, so blöd die ich Trageberatung fand, sah die Stillhütchen rumliegen und ließ uns als gut gemeinten Rat ein Kärtchen einer Osteopathin da, weil sie der Ansicht war, dass wenn das Kind ohne Stillhütchen immer wieder loslässt, dann sollte man das besser abklären.

Und so verfolgte ich – jetzt doppelt bestärkt – den Tipp meiner Hebamme und besorgte mir einen Termin bei einer bekannten Praxis für Physiotherapie in der Nähe. Das war mir letztendlich auch lieber, da ich die Physiotherapie nicht aus eigener Tasche zahlen musste, obwohl sie für Osteopathie geschult waren, sondern auf Rezept bekam, wenn auch ein sehr, sehr, sehr hart und unter Tränen erkämpftes Rezept.

Der erste Termin war erst mal frustrierend. Nach all dem, was ich gelesen hatte über Osteopathie, dachte ich, ich gehe da rein, die wissen was zu tun ist, und alles wird schlagartig besser. Das ist natürlich nicht so (aber hoffen kann man in seiner Verzweiflung ja). Statt dessen spazierte ich da rein und die Britta sagte gefühlt schon auf der Schwelle in den Behandlungsraum, dass wir einen Termin bei einer Spezialistin brauchen. In Wirklichkeit sagte sie das natürlich einige Minuten später. Frustriert war ich dennoch. Mich jetzt noch um weitere Termine zu bemühen, Begleitung zu dem Termin zu finden (die Spezialistin war eine anerkannte Ärztin in Köln), das kriegte ich jetzt einfach nicht mehr hin, dachte ich. Letztendlich raffte ich mich aber zusammen und das war auch gut so.

Das war übrigens Brittas Art uns direkt mit dem ersten Blick darauf hinzuweisen, dass unser Kleiner KISS hatte, dringend eine andere Behandlung braucht, für die Osteopathie ungeeignet ist. Das ist wichtig, weil ich heute noch oft lese, dass viele glauben, Osteopathen können KISS beheben. Brittas professionellem Blick jedenfalls ist es zu verdanken, dass der Stöpsel schon mit 3 Monaten KISS-frei war. Sie selbst überbrückte die 6 Wochen Wartezeit, indem sie den Kleinen alle 1-2 Wochen „lockerte“. Denn es war so (ich versuche es mal als Laie zu beschreiben, wie ich es in Erinnerung habe, Fehler vorbehalten): Abgesehen von der „Nackenblockade“, waren Stöpsels Schädelplatten, die normalerweise nach der Geburt beweglich aneinander sitzen, ziemlich unbeweglich und fest (aber nicht festgewachsen). Der oder das KISS wiederum machte es unmöglich, diese Festigkeit (Blockaden) dauerhaft zu lösen. Was dazu führte, dass Stöpsel ein schiefes Gesicht hatte, was mir nicht auffiel, bis man mir zeigte, wie ich ihn angucken muss, um es zu erkennen. Die Ohren saßen z.B. auf unterschiedlicher Höhe. Er hatte durch die eingeschränkten Kopfbewegungen einen leicht platten Schädel (dafür bekamen wir dieses Lochkissen ausgeliehen, auf dass wir Stöpsel betteten). Außerdem war unser Spatz durch KISS so unglaublich angespannt. Er machte eigentlich dauernd Fäustchen und hielt es (gebogenen) Maxi Cosi nicht aus, weil ihm die vorgegebene Position der Babyschale weh tat. Das erkannte man daran, dass er nach den Behandlungen immer richtig in die Schale hineinfiel, während er auf da Fahrt da hin versuchte so flach wie möglich darin zu liegen. Wenn man keine anderen Kinder hat, weiß man ja nicht, dass Babys eigentlich entspannter liegen, ohne viel Fäustchen, ohne Durchstrecken. Stöpsel mochte es überhaupt nicht, auf dem Bauch liegen. Was er vom Tragen hielt, wisst ihr ja schon. Und durch die dauernde Anspannung war er extrem berührungsempfindlich, weshalb er vermutlich auch jedes Umlegen / Ablegen / Verrücken so stark spürte, dass er davon aufwachte.

Stöpsels Kieferknochen selbst waren auch einseitig stark eingeschränkt in ihrer Bewegung – was uns später die Ärztin erst so richtig deutlich zeigte. Das machte es dem Stöpsel so schwer, die Brust beim Stillen zu halten, vor allem lange zu halten. Mit anderen Worten: ihm tat das Stillen richtig weh, was sie uns auch zeigte, indem sie seine Kieferknochen aufeinander zu bewegte und er sich sofort anfing zu winden. Zurecht fragte ich die Ärztin nachdem sie mir das erklärt hatte, warum der Kleine dann nicht den ganzen Tag und ständig beim Stillen weint, wie ein richtiges Schreikind. Und ich werde niemals vergessen, was sie zu mir sagte, weil es das aller-aller-aller-erste Mal war, das mir jemand sagte, dass ich etwas richtig gemacht hatte in den ersten 3 Monaten als Mama und ich mich einfach mal „gedrückt“ fühlte dadurch: „weil seine Mama so eine unheimliche Gelassenheit ausstrahlt und ihn das beruhigt“.

Ich werde an der Stelle abkürzen, weil ich ohnehin nicht mehr alle Details zusammenbekomme. Der Stöpsel wurde osteopathisch behandelt bis zu dieser KISS-Behandlung bei der Ärztin mit 3 Monaten. Seine Blockaden (er hatte neben der Nackenblockade auch eine Beckenblockade) wurde auf diese Weise regelmäßig gelockert. Außerdem unterstützte uns Britta mit den richtigen „Handgriffen“ dabei, dass der Stöpsel nach den Behandlungen ausnahmsweise mal friedlich einschlief und zur Ruhe kam.

Die richtige KISS-Behandlung war grauenvoll anzusehen, der Stöpsel weinte danach auch eine ganze Weile, es hat ihm aber letztendlich wirklich geholfen. Und egal, wo man nachliest, es steht überall, dass die Behandlung nicht weh tut und die Babys aus Schreck weinen. Die Ärztin sagte nach der Behandlung zu uns, dass seine Blockaden sehr ausgeprägt waren. Wir hatten also wahnsinniges Glück, so früh ein so heftiges Leiden von ihm zu nehmen. Alles in allem: Stöpsel wurde dadurch entspannter, weinte weniger, und das Stillen wurde besser, viel, viel besser. Die Stillhütchen ließen wir kurz später weg. Eigentlich hatte ich mir durch die Behandlung auch Wunder bei unseren Einschlaf-Unterwegschlafproblemen erhofft, aber dieses Wunder kam nicht.

Nach der KISS-Behandlung bekam der Kleine noch eine ganze Weile Krankengymnastik. Britta löste in den ersten Monaten noch regelmäßig Blockaden, die sich danach wieder einstellten. Das Zahnen z.B. löst alte Blockaden wieder aus, die sich mit der Zeit aber von alleine lösen sollten, vor allem, wenn das Kind mobil wird. Britta beobachtete seine Übungen zum mobil werden, gab uns Tipps oder Übungen für zu Hause. Nach einem Jahr gab sie grünes Licht, dass er sich körperlich bestens entwickelte.

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass laut Britta auch das vermehrte Spucken und der häufige Schluckauf mit den Nackenblockaden zusammenhängen. Ich hatte fast schon vergessen, dass der Stöpsel zeitweise viel spuckte und auch oft Schluckauf hatte. Später erkannten wir für eine Weile das Zahnen daran, dass er wieder häufiger Schluckauf hatte. Das ging aber von alleine wieder weg. Genau so eigentlich, wie Britta gesagt hatte: beim Zahnen wird es mit den Blockaden noch mal schlimmer, aber das geht irgendwann von alleine wieder weg.

Die Verdauung

Noch so ein Thema, das ich beinahe vergessen hätte. Es gehört vermutlich irgendwie bei den meisten Babys zu der Anfangszeit dazu und nicht nur bei Babys mit Koliken. Die ersten 3 Monate, ich glaub etwas länger noch, sind irgendwie geprägt von der Entwicklung des Darms. Im Grunde genommen ist es ein wahnsinnig langweiliges Thema, wenn es uns Eltern nicht manchmal unheimlich fordern würde.

Da kommt das viele Gerede mit den Blähungen auch her. Wobei ich bei dem Thema nicht wirklich mitreden konnte, weil Blähungen heißt für mich, da kommt auf Luft raus („pups“) und beim Stöpsel kam da nie was. Er hatte in dieser Zeit aber auch einen wahnsinnig dickliches Bäuchlein. Die Hebamme nannte es Milchbauch, für mich sah es aus wie ein Blähbauch. Vielleicht ist das ja auch normal. Ich hatte ja nur dieses eine Baby, das ich täglich nackt sah. Aber Blähungen, wie ich sie kenne („hups, ein Pups“) das gab es bei uns nicht. Statt dessen machten wir Erfahrungen mit großen Geschäften, die mit einem lauten Getöse in die Windel geschossen kamen, was wir eigentlich immer sehr belustigend fanden. Wie gut, dass die Kleinsten sich deshalb noch nicht schämen können.

Was diese Verdauungsphase aber so wahnsinnig anstrengend macht sind die Nächte. Eltern, die ihre Kleinsten bei sich im Zimmer haben, werden sich daran erinnern: das frühmorgendliche Pressen, Stöhnen, Grunzen, Winden, diese Unruhe im Bett, bei dem das Baby aber meist nicht aufwacht und wie ich lese selten weint. Die Mutter (und oft auch der Vater) sind in dieser Zeit wach, grübelnd, was das ist, wo das herkommt, ob man dem Baby helfen muss, wenn ja wie oder ob man damit sogar zum Arzt muss. Ich habe es die Drückphase genannt, weil es sich so anhörte, als würde der Stöpsel Luft oder gleich sein Geschäft rausdrücken wollen. Für Eltern ist das eine wirklich harte Zeit, weil sie davon aufwachen und dann wach bleiben. Was in dieser Zeit physiologisch passiert, das habe ich nie versucht herauszufinden, es war mir letztendlich auch egal, weil tun konnte man eh nichts und es ging (zum Glück) von allein wieder vorbei. Ich habe den Stöpsel in manchen Nächten einfach näher an mich gezogen, seine Beine angewinkelt auf meinen Schenkel gelegt und gehofft, das erleichtert ihm das „Drücken“.

Wir hatten durch die Beckenblockade mit weiteren Verdauungsproblem zu kämpfen. Und es waren vermutlich dennoch keine Blähungen, eher die Unfähigkeit, das Geschäft rauszubekommen. In dieser Zeit wurde das Weinen nämlich wieder öfter untröstlicher. Und jetzt hatte ich wirklich das Gefühl, dass er Bauchschmerzen hatte. Eine Schlussfolgerung, die irgendwie logisch ist, wenn das Kind tagelang eine „Geschäfts“pause einlegt. Gut, auch ich kenne die Sprüche, dass der Stillstuhl auch gerne mal 14 Tage auf sich warten lässt, aber wenn nach 3-4 Tagen ohne Windelinhalt mein Kind besonders leidlich wird und ich mir das nicht erklären kann, dann heißt das für mich: vielleicht ist er verstopft. Die Britta hatte dafür übrigens auch einen Handgriff, zum „Auslösen“. Das war auch ihr allererster Handgriff bei der ersten Behandlung. Unmittelbar danach schoß der Stuhl in die Windel. Es ließ mich also nicht mehr los, dass der Kleine Starthilfe brauchte für sein Geschäft. Meine Hebamme versuchte mich in dieser Zeit mit Globuli (Homöopathie) zu unterstützen, ich war immerhin offen für alles, die halfen aber meiner Meinung nach nicht.

Durch Zufall stellte ich Tage oder Wochen später auch noch fest, dass auch so etwas wie „Fieber messen“ ein Geschäft auslöste, in unserem Fall ein Geschäft, dass mehrere Windeln füllte. Das fand ich interessant und recherchierte. Und fand heraus, dass viele Mütter das als Methode nutzen, ihre Kleinen in dieser leidvollen Zeit von ihrem Leid zu erlösen. Thermometer in den Po und raus mit der Luft (oder mehr). Ein kritisches Thema, das richtige Streitigkeiten in Internetforen auslöst. Die eine Fraktion, denen sogar ihr Arzt diese Methode (oder ähnliche) nahegelegt hatte. Die andere, die das grausam fanden, dem Kind so etwas anzutun und womöglich für ihr ganzes Leben zu schaden.
Ich erwähne es nur, weil für mich war der Erfolg dieser Behandlung (die ich GANZ EHRLICH selbst noch ein paar wenige Male wiederholte) eigentlich Beweis dafür, dass der Kleine unter Verstopfung litt, Muttermilchstuhl und die Theorien darum hin oder her, weil nachher, wenn auch nicht unmittelbar danach, ging es ihm immer besser (er weinte weniger).

Wer sein Baby liebevoll durch diese Zeit begleiten möchte, dem kann ich Massagen unbedingt empfehlen. Bei uns wirkten sie ja wie gesagt nicht (vermutlich wegen der Blockade) und der Stöpsel mochte es auch nicht sonderlich, wenn ihm auf dem Bauch rumgefahren wurde, aber bei meiner Bekannten wirkte die Massage Wunder, ebenso wie das „Fahradfahren“ (die Beine des Babys so bewegen als würde es Fahrrad fahren). Ebenso hilfreich habe ich festgestellt ist übrigens auch das Tragen mit Tragetuch oder Tragehilfe. Mamas oder Papas Bauch massieren sozusagen von ganz alleine den Bauch des Babys. Das hat nicht nur bei mir manchmal unterwegs beim Spazieren eine plötzliche Klosuche ausgelöst, sondern auch die Windel füllte sich gerne mal während des Spazierengehens bzw. unmittelbar danach.

Die Belehrungen

Bei diesem Thema habe ich lange gegrübelt, ob ich es öffentlich in einem Blog breit trete. Und komme zu dem Schluss, dass es nicht nur mir gut tut, meinen Kummer aus diesen Tagen mal auszusprechen, nein, ich glaube, nichts ist beruhigender für euch – wenn ihr ähnliche Sorgen habt – wenn jemand Klartext spricht.

Zum Glück hatte in während des Wochenbetts genug Sorgen, um zu viele Menschen um mich zu scharen. Dazu kam, dass meine eigene Familie, die einem nun mal meistens näher steht, weiter weg wohnte und Besuch auch deshalb rar war. Durch wenig Besuch blieb mir zum Glück weitgehend das Leid erspart, mich unnötig mit veralteten Meinungen auseinandersetzen zu müssen, mit denen man konfrontiert wird, wenn man einen achtsameren Babyumgang pflegt. Ganz drum rum kommt man um „blöde“ Sprüche leider nicht, aber ich hatte das Glück, nicht allzu viel damit zu tun zu haben. Jedoch, wenn ich mal um meine Überzeugungen kämpfen musste, machte mich das irgendwie immer wütend.

Am schlimmsten traf es mich mit meiner Schwiegermutter. Eine liebenswerte, gutherzige und vor allem großzügige Person (mit der ich mich bis vor der Schwangerschaft wirklich sehr gerne unterhielt), die für mich durch ihre ständigen „aber“ während Schwangerschaft und nach der Geburt zu einer taktlosen und unsensiblen Frau mutierte, der ich letztendlich versuchte, so viele Informationen wie möglich vorzuenthalten um zu verhindern, dass sie mir zu persönliche Fragen stellte oder mir ihre Meinung aufs Auge drücken würde, die mich eigentlich gar nicht interessierte, weil sie einfach nur aus Volksweisheiten bestand, die ich für altmodisch und uninformiert empfand. Dazu kam, dass sie (was eigentlich eine ganz tolle Eigenschaft ist), ein Mensch ist, die sehr gerne und viel gibt, ich aber nicht gerne „bekomme“ und mich materielle Dinge ohnehin wenig interessieren.

Und so ging es schon während der Schwangerschaft los mit den ständigen Diskussionen darum, was wir alles nicht brauchen, aber ihrer Meinung nach schon (das Kinderzimmer, das neue große Familienauto). Auch mit verzweifelten Kommentare wie „das Geld fällt ja nicht vom Himmel“ brachte ich sie nicht zum Schweigen. Beim Thema Geschenk zur Geburt winkte ich viele Male ab, weil – wie ihr noch feststellen werdet – ich bin halt ein Minimalist und mit dieser Einstellung bin ich auch an die Babyausstattung herangegangen und wirklich erstaunlich gut damit gefahren (es gibt ja Amazon für Notfälle, wenn man doch schnell was braucht, wie Bücher, die einem mit dem Beruhigen von Babys helfen oder Pucksäcke, von denen man vorher nie gehört hatte).

Richtig schlimm wurde es dann aber nach der Geburt. Denn die liebe Frau Schwiegermama, die netterweise versucht, für die ganze Familie mitzudenken (und gerne vergisst, dass ich jetzt die Frau im Leben ihres Sohnes bin), rief schon einen Tag nach Heimkehr aus dem Krankenhaus an und diskutierte mit meinem Mann darüber, was das Kind jetzt für seine Versicherungen bedeute. Dieses Telefonat hat meine Beziehung zu ihr für den Rest meines Lebens sehr empfindlich gestört. Nicht nur die Tatsache, dass sie dieses Thema in aller Muße mit meinem Mann besprach, während ich im Hintergrund an einem schreienden Kind verzweifelte (Stöpsels Schreien schien sie gerne zu überhören, später auch in Telefonaten mit mir, weshalb ich einfach nicht mehr ans Telefon ging, wenn er schrie), nein, nennt mich überempfindlich, aber ich finde es ziemlich unsensibel und taktlos, frisch nach der Geburt eines Lebewesens (ein Geschenk der Natur, wenn du so willst) so unwichtige Dinge wie Regeln der Versicherungshaie zu besprechen. Dass ich die Formalitäten meines Mannes sowieso im Griff habe, und sehr wohl wusste, was ein Kind für seine Versicherungen bedeute (und dass er dafür noch viele, viele, viele Wochen Zeit hat), es also unnötig war, sich einzumischen, erwähne ich jetzt mal ganz am Rande. Und während ich so mit meinem schreienden Kind kämpfte, stellte sie im weiteren Telefonat die Anfrage nach Fotos für die Verwandtschaft, vor allem die Uroma, am liebsten welche, wo man auch das schöne Geschenk mit dem Neugeborenen sieht. Weil ich während des Wochenbetts mit einem schreienden Kind unter Tränen nichts besseres zu tun hätte, als dafür zu sorgen, dass alle ein Vorzeigebild meines Babys hätten. Mein Mann jedenfalls hätte ich darum nicht gekümmert.

Natürlich besprach ich im Verlauf des Wochenbetts auch all die Klassiker – wiederholt – mit ihr: dass Familienbett die Kinder nicht anhänglicher macht, dass Stillen sättigt, dass Muttermilch mehr ist als einfach eine Sorte Milch, sondern sich den Bedürfnissen des Kindes anpasst, dass Tragen nicht den Rücken schädigt, dass ein Kind nicht gleich von jedem Windzug krank wird. Sie schien ständig zu denken, dass ich mein Kind umbringen möchte oder zu doof bin, es am leben zu halten – je nachdem, wie man es sieht. Das ging mir irgendwann mächtig auf die Nerven. Wenn sie panisch um mich rumtanzte, weil es windig draußen war und der Maxi Cosi ihrer Meinung nach falsch gedreht war und der kleine von dem Zug krank werden könnte („es ist nur Wind“ sagte ich dann gerne). Oder die ständigen Versuche mich davon zu überzeugen, dem Stöpsel Wasser, Tee oder sogar ein Fläschchen mit Milchpulver zu geben (er schreit ja, weil er Hunger und Durst hat). Schwieriger wurde es, als sie mich mit „aber andere Mütter… “ Themen konfrontierte. Wie bringt man jemandem bei, dass einem gesellschaftliche Erwartungen egal sind, weil man gerne ein Individuum ist. Besonders barsch fand ich beispielsweise den Kommentar, den ich zu unseren Problemen mit dem viel weinenden und schlaflosen Baby bekam, dass das ja so nicht sein kann, andere Frauen müssen ja trotz Baby noch arbeiten, was ja unter unseren Bedingungen unmöglich wäre. Ja, was soll man dazu noch sagen? Ich arbeitete nicht und ich hatte auch keine Lösungen für die Probleme, so war es nun mal. Wieso sollten mich solche hypothetischen Horrorszenarien also irgendwie unter Druck setzen?

Und so kam ich irgendwann nach den ersten Wochen als Mama zu dem Schluss… je weniger sie wusste, desto weniger musste ich meine „moderne“ Meinung und vor allem mein Bauchgefühl (!) diskutieren und Gegenargumente parat haben. Und je weniger wir uns sahen, desto weniger musste ich mich aufregen. Letztendlich ist der Kontakt seltener geworden und beschränkt sich bei Begegnungen seither weitgehend auf Gespräche darüber, wie unpassend fürs Wetter der Stöpsel angezogen sein könnte und was man ihm schenken kann. Ansonsten sorgt zum Glück die alleinige Anwesenheit dieses kleinen Kindes dafür, dass man mir nicht zuhören muss, wenn wir ein Gespräch führen. Weil ich bin ja wirklich nicht so putzig wie ein kleines Kind, deshalb kann man sich mitten im Gespräch dem putzigeren Wesen zuwenden.

„Mittelchen“ für die ersten Monate

Eigentlich widerstrebt es mir, einem Baby Medizin zu geben. Viele Babys bekommen in den ersten Monaten ja schon ihre ersten Impfungen, sie erhalten gegen die „Koliken“ entschäumende Mittel („Sab Simplex“), um die Blähungen zu verbessern, Vitamin D sowieso. Es gibt sogar inzwischen schon Ärzte, die die Darmflora gleich in den ersten Monaten mit Bakterien aufbauen möchten gegen die „Bauchschmerzen“ (sog. Bigaia-Tropfen). Es gibt allerhand Dinge, die die Kinder bekommen, damit den Eltern das Leben erleichtert wird. Ich hatte damals ja schon immer die Frage, woher andere Eltern so sicher wissen, dass ihre Babys Bauchschmerzen haben. Ob es einfach die einzige Erklärung für Weinen für einige ist?

Auch ich bekam einige Mittel von der Hebamme – allerdings nur natürliche Mittel und Homöopathie. Weil Kümmel bei Blähungen hilft, probierten wir es mit Kümmelöl zur Massage und Kümmelzäpfchen (Carum Carvi). Gegen das Weinen und die Unruhe bekamen wir vom Arzt Viburcol Zäpfchen, die auch homöopathisch sind. Die Hebamme versuchte es im Kampf gegen die Unruhe (oder Koliken?) mit Chamomilla / Belladonna und Carbo Vegetabilis. Gegen Einschlafprobleme probierten wir glaube ich schon in den ersten Monaten die Passiflora Zäpfchen, später auch noch vereinzelt. Wie bereits gesagt, war der Stöpsel resistent gegen alle Mittelchen, die wir gaben. Ob es nun gegen die „Koliken“ war oder gegen die Schlafprobleme.

Ich kann niemandem raten, womit er seinem leidenden Kind zu Leibe rückt in den ersten Wochen. Ich erwähne hier nur, was wir probiert haben. Ansonsten gibt es auch Seiten im Internet mit Tipps zu alternativen Heilmitteln (Schlaf oder hier: Koliken). Ansonsten kann man es wohl auch mit den sog. Pupsglobuli (die korrekterweise Paderbordner Pupsglobuli heißen). Gedanklich bin ich ja auch schon beim nächsten Kind und auch bei diesem beim Ankommen in der Welt mit etwas Weinen und Verdauungsübungen. Möglicherweise könnte für mich das ein oder andere Mittel anfangs auch noch mal in Frage kommen – und hoffentlich Tragen.

Überlebenstipps fürs Wochenbett

Wenn ihr es nicht selbst schon hinter euch habt, dann kann ich euch eigentlich nur ganz wenige Empfehlungen für die erste Zeit mit Baby geben:

  • Vergesst süß verpackte Babygeschenke: das größte Geschenk während des Wochenbettes sind die Menschen, die euch vertrauen, denen ihr natürlich vertraut und die euch so unterstützen, wie ihr es nötig habt. Die beste Unterstützung während des Wochenbettes sind Haushaltshilfen und starke Schultern.
  • Es ist verdammt schwer, in dieser Zeit ein dickes Fell aufrechtzuerhalten, deshalb heißt meine Devise: wer zu viel diskutiert, muss nicht eingeladen werden, auch nicht zum helfen!

Ich wünsche euch aus ganzem Herzen einen leichteren Start in euer neues Leben. Sollte das nicht so sein, bitte verzweifelt nicht, sprecht darüber. Ihr dürft mir und anderen Lesern gerne Kommentare hinterlassen! Ihr seid ganz bestimmt nicht allein mit euren Sorgen!

Nachtrag Kind 2

Jetzt habe so viel Zeit verstreichen lassen. Inzwischen ist mein 2. Baby 4 Wochen alt. Und – wie es mein Glück so will – auch ein Schreikind, aber vermutlich weniger ein Schreikind aus Schmerzen bzw. KISS, sondern ein ganz „typisches“ 3-Monats-Koliken Kind, das ein wenig mit der Verdauung zu kämpfen hat und gegen Abend immer größere Schwierigkeiten hat, aus dem Schreien in den Schlaf zu finden, weil wegen fehlendem Schlaf sie irgendwann – und das merkt man – völlig reizüberflutet ist. Jedenfalls hoffe ich dass es „nur“ so bleibt. Bisher schläft sie super – wenn ihr geholfen wird mit Körperkontakt, Tragen etc. Es macht mir das Leben etwas schwer, keine Frage, vor allem, weil der Stöpsel ja auch bei mir zu Hause ist, und gerade mehr vernachlässigt wird / werden muss, als mir lieb ist.

Dennoch möchte in an dieser Stelle – für alle, die ein „typisches“ Schreikind haben – sagen, wie gut sich das bewältigen lässt mit Körperkontakt und Tragen. An Tagen, an denen ich trage, ist meine Mausi pflegeleicht, weil sie eigentlich den ganzen Tag schläft. Außerdem hilft ihr das Tragen im Tragetuch (der Fliegergriff würde ähnlich helfen), um das Pupsen anzuregen. Denn sie presst tagsüber und abends verdammt viel. Und man merkt auch, dass an Tagen, an denen sie kaum pupst auch viel schlechter drauf ist, weil sie dann auch sehr, sehr schlecht schläft und im Schlaf wie wach ständig am Pressen ist. Ja…

Natürlich haben wir nach unserer Vorgeschichte gleich einen Osteopathen aufgesucht. Wobei ich dazu sagen muss, die meisten Osteopathen lieber 2-3 Monate warten, bis sie sich die Säuglinge das erste Mal ansehen. Ich habe jetzt eine gefunden, die wegen Schreien unsere Maus jetzt schon angesehen hat. Und wie es aussieht, sind wir von KISS und Blockaden verschont geblieben. Sie hat mir allerdings gleich den Tipp geben, dass das hin und her schuckeln, was ich die ganze Zeit mache für solche Babys wie Mausi völlig ungeeignet ist. Statt dessen tut es ein kräftiges Auf und Ab, Hoch und Runter, ob jetzt im Arm oder im Tragetuch. Das erklärt, warum so viele mit dem Gymnastikball / Pezziball arbeiten, diese Bewegung wäre für meine Maus jetzt auch ganz gut. Nun habe ich aber keinen Ball grad da. Und es erklärt, warum so viele Eltern auf die Federwiege schwört, weil auch die schuckelt hoch und runter.

Das hätte ich gerne vorher gewusst…

Ich dachte, ich wäre gut auf ein Kind vorbereitet gewesen. Ich dachte, die Tatsache, dass ich in einer Großfamilie aufgewachsen bin, hätte mich gut auf eigene Kinder vorbereitet. Ich bin voller Selbstbewusstsein an die Sache „Mama“ herangegangen. Und ohne jegliche Vorbereitung. Und ich bin immer noch fest davon überzeugt, dass ich nichts hätte vorbereiten können, um das gefasster zu nehmen, was mich mit dem ersten Kind erwartet hat.

Und dennoch gibt es eine Ausnahme, ein Thema, eine Sache, bei der ich gerne vorher mehr gewusst hätte, meinem Kind zuliebe: wie Babys ticken!

Wir alle kennen die Bilder von süßen Babys, die friedlich und süß anzusehen in ihren hübschen Babybettchen schlafen. Die Bilder von den Babys, die im Kinderwagen schlafen. Auch ich kannte sie und sie dienten mir als Orientierung, auf was ich mich anfangs vorbereite.

Dennoch machte ich es etwas anders. Trotz frei stehenden Zimmers gab es kein Kinderzimmer. Ganz einfach aus dem Grund, dass ich in den vergangenen Jahren nur von Kindern mitbekommen hatten, die trotz eingerichteten Kinderzimmers bei ihren Eltern im Bett oder Beistellbett schliefen. Und das hübsche Kinderzimmer wurde lediglich zum Wickeln genutzt. Das fand ich total dämlich. Es entzieht sich mir jeglicher Logik, warum ich Platz und Geld verschwenden soll für etwas, was dann eh nicht genutzt wird. Und ein Zimmer nur zum Wickeln fand ich ohnehin Verschwendung. Das lag aber nicht zuletzt daran, dass ich in der Bekanntschaft den Tipp bekommen hatte, einfach eine Wickeltasche zu nutzen und mobil zu wickeln – auch zu Hause. Das machte ein süßes Babyzimmer völlig überflüssig. Statt dessen gab es bei uns ein Babybett im Schlafzimmer.

Auch stolperte ich schon vor der Geburt über das Tragen, was mir so sympathisch erschien, dass ich mir zunächst zur Geburt nur ein Tragetuch wünschte. Einen Kinderwagen gab es nicht. Dass man überall las ohne Trageberatung sollte man nicht tragen, das ignorierte ich, weil ich es einfach Quatsch fand. [Im Übrigen habe ich später eine Trageberatung gemacht, weil ich zunächst mit dem Tuch nicht zurecht kam, die war allerdings herausgeschmissenes Geld, weil die Beraterin nicht in der Lage war, nach meinen Bedürfnissen zu beraten, sondern mir stattdessen ihre Bindeweise „aufzwang“, die ich aber einfach nicht hinbekam.]

Und trotzdem schaffte ich es nicht, das gewöhnliche Bild vom Baby zu hinterfragen. Immer noch schwebte mir eine Neugeborenenzeit vor, in der ich mein Kind mehrmals täglich ins Bett brachte, es schlief oder es beim Spazieren schlief und ich in diesen Zeiten Zeit für mich und meine Gedanken hatte.

Dann kam Stöpsel und weinte viel und ließ sich einfach gar nicht ablegen. Für die ersten Tage zu Hause spielte sich folgendes Schema ab: Baby schlief auf meinem Arm ein, ich genoss das eine Weile, legte das Baby ab, Baby wachte auf. Und heulte dann. Und heulte. Und heulte. Einige Tage verzweifelte ich unter Tränen, weil ich es nicht verstand. Warum darf ich das Baby nicht ablegen? Und warum hört das Kleine nicht auf zu weinen? Eine Woche und viel Fluchen darüber, warum einem keiner sagen konnte, warum mein Kind so viel weinte und warum ich es nicht ablegen konnte… und ich bestellte mein erstes Buch.

Daraufhin veränderte sich meine Sicht auf Babys schlagartig. Das Buch kam, ich fing sofort an zu lesen und bald lag mein Kind ständig auf meinem Schoß, während ich das Buch verschlang. Ich fing an, die wahren Bedürfnisse meines Babys zu verstehen, die nicht darin bestanden, einsam im Kinderwagen durch die Gegend gefahren zu werden, einsam im Babybett zu liegen und eigentlich überhaupt darin, irgendetwas ohne Körperkontakt zu machen.

Und genau das ist es, was ich gerne vor der Geburt gewusst hätte. Dass Neugeborene mindestens für die ersten Monate viel Körperkontakt brauchen. Auch viel Stillen (bei uns war allerdings Stillen nicht so hoch im Kurs, zu unseren Stillproblemen später), aber auf jeden Fall ständigen Kontakt zur Mama.
Mit dem Wissen wurde es nach wenigen Tagen etwas ruhiger bei uns, denn Stöpsel durfte tagsüber immer in meiner Nähe sein, spätestens wenn er es einforderte, ich fand Wege, mich während seines Schlafs mit Büchern oder Tablet zu beschäftigen.

Leider ließ die nächste Krise nicht lange warten. Denn hatte ich jetzt verstanden, was mein Kleiner brauchte, kamen nach ca. 2-3 Wochen (eigentlich nach ausgeheilter Gelbsucht) die nächsten Probleme auf uns zu, die sich auch mit viel Körperkontakt und Stillen nicht lösen ließen.

Das Buch, das mir in den ersten Tagen in die Hände fiel war übrigens „Das Glücklichste Baby der Welt“. Weißgott kein herausragendes Buch, wie ich finde, aber ein sehr hilfreiches, wenn man zum ersten Mal anfängt, sich mit den Bedürfnissen von Neugeborenen auseinanderzusetzen. Wer noch mehr zu dem Thema erfahren will, dem kann ich auch das Buch „In Liebe Wachsen“ nahelegen. Es gibt weitere, neuere Bücher zum Thema „Attachment Parenting“ oder zu deutsch: der bindungsorientierten Erziehung, die ich nicht gelesen habe, die aber sehr vielversprechend klingen. Z.B. noch recht neu das Buch „artgerecht – Das andere Babybuch“, „Das Geheimnis zufriedener Babys“ und eigentlich alles, was zu dem Thema von Herbert Renz-Polster geschrieben wurde.

Ich würde mir einfach wünschen, dass mehr Nicht-Eltern davon erfahren, wie Neugeborene ticken und was sie wirklich brauchen. Und dass dieses Wissen althergebrachte Weisheiten über Babys abwechselt, damit der Schock, der die Eltern nach der Geburt erwartet, ausbleibt. Dann müssten weniger Eltern in dieser Anfangszeit an ihren Kleinen verzweifeln und könnten sich von Anfang an darauf konzentrieren, ihren Würmchen alles zu geben, was sie brauchen. Denn noch immer sehe ich unterwegs viele Eltern, die verzweifelt den Kinderwagen wippen, damit das Kleine aufhört zu weinen und weiterschläft, statt es einfach mal einen Augenblick im Arm zu trösten und dann wieder abzulegen, wenn es sich beruhigt hat. Es könnten einfach so viele mehr Babys sein, die von Anfang an die Sicherheit haben, die sie benötigen, damit mal etwas großartiges aus ihnen werden kann.

Bevor es los ging…

Noch heute grübele ich oft, wo die Ursache darin zu suchen ist, dass der Stöpsel ein 24-Stunden-Baby geworden ist. Ob nun Gene, ein Problem während der Schwangerschaft oder ob ich es als Mutter irgendwie heraufbeschworen habe, das werde ich wohl nie sicher erfahren. Ich habe meine eigene Vermutung, was passiert sein könnte und ich schließe aus, dass ich Stöpsel seine Anhänglichkeit angewöhnt habe. Auch wenn volkstümlich gerne auf Mütter geschimpft wird, die ihre Babys von Anfang an mit dem vollen Programm Geborgenheit verwöhnen, glaube ich fest daran, dass es dem Kind die nötige Sicherheit gibt statt dass das Kind zum „Problemkind“ wird.

Heute möchte ich aber darüber schreiben, wie für mich die Schwangerschaft und die ersten Stunden nach der Geburt waren. Weil sie zu meinem Kind dazu gehören.

Meine Schwangerschaft mit Stöpsel war weitgehend unaufregend. Es gab keine Übelkeit, keine auffälligen Befunde von der Ärztin. Obwohl die Ärztin wirklich versucht hat, so oft wie möglich, alle im Rahmen liegenden Tests an mir durchzuführen, um etwas zu finden. Das Nackenfaltenscreening habe ich ausgelassen, weil ich zum einen auf meinen Körper vertraue, ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen und auf der anderen Seite nicht dafür bin, dass Ungeborene abgetrieben werden wegen einer Wahrscheinlichkeitsrechnung mit geringer Voraussagekraft. Jedenfalls nicht bei gesunden Frauen mit genetischen Unaufälligkeiten bei sich und dem Mann.

Gut ging es mir während der Schwangerschaft dennoch nicht. Die Übelkeit im Ersttrimester hatte ich zum Glück nicht, wobei man ihr ja nachsagt, dass sie ein Signal für eine gesunde Schwangerschaft ist. Statt der Übelkeit habe ich jedoch jeglichen Appetit verloren. Auch in der zweiten Schwangerschaft hat mir nach wenigen Wochen nichts mehr geschmeckt: kein Gemüse, nichts mit Aroma, nicht einmal Obst habe ich runterbekommen. Seither ich diese Erfahrung sogar zwei mal hatte, belächel ich die Artikel in den Schwangerschaftsmagazinen, in denen einem eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung nahegelegt wird. Entweder wurden diese Artikel von Frauen ohne Kinder geschrieben oder sie hatten einfach das seltene Glück, dass sie Appetit auf Gesundes hatten. Ich jedenfalls lebte – entgegen meiner normalen Ansichten zum Thema Ernährung – von Weißbrot, Nutella und diverse einfache Nudelgerichte. Keine Gewürze, keine Kräuter, kein Gemüse, nichts Angebratenes. Und obwohl ich normalerweise keine Milchprodukte esse bzw. trinke, tat ich es während der Schwangerschaft. Damit fuhr ich ganz gut bis zum Ende der Schwangerschaft. Auch wenn ich durch zu viel Süßigkeiten und Weißmehl während der Schwangerschaft tierisch zunahm, was die Ärztin insgesamt dreimal dazu veranlasste, sicherheitshalber einen Zuckertest zu machen. Weil statt mich zu fragen, warum ich so schnell zunahm – Interaktion mit dem Patienten ist ja out – nahm sie an, dass es ein Zeichen für Zucker sein könnte. Da klingelt dankbarerweise natürlich auch die Kasse. Überhaupt hat mich diese Faszination mit dem Gewicht tierisch genervt. Als ich gegen Ende der Schwangerschaft ohnehin schon nicht mehr in den Spiegel sehen konnte, bestand die Ärztin trotzdem weiterhin darauf, dass ich mich jedes Mal auf die Waage stelle und laut mein schweres Gewicht vorlese. Meinem Seelenleben tat das gar nicht gut zu wissen, wie schlimm es war.
Dazu kam übrigens auch, dass ich mich ab dem 4. oder 5. Schwangerschaftsmonat schon nicht mehr ohne Schmerzen bewegen konnte. Zu Hause war das kein Problem, aber längere Strecken geradeaus, also 5 Minuten am Stück und mehr, verursachten schlimme Schmerzen im Unterleib, die mich zum sofortigen Stehenbleiben zwangen. Mehrmals sprach ich die Ärztin darauf an und sie sagte lediglich, das hätte sie auch gehabt in ihrer Schwangerschaft und sie hätte sich einfach weniger bewegt. Das würde sie mir auch empfehlen. Und so machte ich mir während der Schwangerschaft einen faulen Lenz. Zu Hause konnte ich mich ja normal bewegen, aber ich ging einfach nicht mehr groß weg. Der zweite Grund vermutlich warum ich so viel zunahm. Und im Übrigen meine Erklärung dafür, warum Stöpsel so geworden ist wie er geworden ist. Vermutlich werden mir viele widersprechen, auch Hebammen und Ärzte, aber mein Gefühl sagt mir, dass mein Baby schon sehr früh in der Schwangerschaft sehr tief (zu tief?) im Becken saß, was mir Schmerzen machte und möglicherweise die Entwicklung im Mutterleib einschränkte. Zumindest die Entwicklung im Bereich des Kopfes. Und das wiederum würde erklären, wie es zum KISS-Symdrom kam und zur Beule am Schädelknochen, die Stöpsel seit Geburt hat und die sich nur langsam auswächst. Auch meine Ärztin sagte schon viele, viele Wochen vor der Entbindung, dass sie den Kopf des Kindes schon spüren kann. Wie gesagt, es ist meine Theorie. Und so lange keiner eine bessere Erklärung hat, was bei meinem Stöpsel anders gelaufen ist, wird es meine Theorie bleiben.

Ansonsten war die Schwangerschaft wie gesagt unauffällig. Letztendlich übertrug ich Stöpsel 6 Tage und auch die Geburt war sehr langwierig. Ich muss gestehen (bitte nicht steinigen!), dass ich mir während der kompletten Schwangerschaft einen Kaiserschnitt wünschte, aus Angst vor der Geburt. Da ich mich aber nicht traute, danach zu fragen kam ich zu dem Schluss, der Natur die Entscheidung zu überlassen, auf welchem Weg mein Kind das Licht der Welt erblickt. Letztendlich ging es ohne Kaiserschnitt, aber mit vielen Schmerzmitteln und anschließender PDA.
Alles in Allem – die Schwangerschaft, nicht nur die Geburt, sind für mich nur Mittel zum Zweck. Ich kann diesem Wunder der Natur wirklich keine Faszination abgewinnen – für mich selbst. Ich mag es nicht, wenn mein Körper strapaziert wird. Man könnte auch sagen, ich habe einfach ein ganz schlechtes Gefühl für meinen Körper. Umso glücklicher bin ich, dass es viele andere Frauen gibt, die mit großer Begeisterung die Veränderungen ihres Körpers erleben und die trotz Schmerzen schönen Momente der Geburt. Noch letzte Woche habe ich einen Geburtsbericht gelesen, der mich zu Tränen gerührt hat, der mich aber – hätte ich die Zeit so erlebt – bestimmt traumatisiert hätte.

Und auch den 3 Tagen im Krankenhaus möchte ich gerne noch ein paar Worte widmen. Trotz „Rooming-In“ (das Baby bleibt bei der Mutter im Beistellbett) und Stillberatung wäre ich am liebsten gleich heim gegangen. Durch eine Geburtswunde hatte ich unglaubliche Schmerzen, was das neue Mutterglück doch sehr stark trübte. Was mir aber gar nicht aufgefallen wäre, denn der Knirps neben mir schlief ohnehin die ganze Zeit und weinte auch so gut wie gar nicht. Eigentlich hätte ich da schon bemerken können / müssen, dass irgendetwas schon mal nicht stimmte. Die Stillberaterin kam und beriet mich, dass das Kind mindestens 12x gestillt werden sollte und half mir geduldig beim Anlegen. Was die Stillberaterin aber nicht erklärte, war, dass wenn das Kind sich nicht meldete, ich es trotzdem besser alle 2 Stunden anlege. Möglicherweise gibt es nur selten Babys, die sich nicht regelmäßig mit Hunger melden, das weiß ich nicht. Ich werfe es der Stillberaterin nicht vor, aber es hätte mir mein Leben wirklich einfacher gemacht, hätte irgendeiner der Frauen auf der Wochenbettstation etwas gesagt, dass ich notfalls selbst alle 2 Stunden wecken und anlegen muss. Denn auch, dass Stöpsel von Anfang an fast durchschlief, wurde nicht weiter kommentiert. Dass Stöpsel nie länger als eine oder zwei Minuten stillte, fiel mir anfangs nicht als ungewöhnlich auf (woher auch, ich hatte ja keinen Vergleich). Und so beschworen wir sozusagen die Gelbsucht herauf, die meine liebe Hebamme bei Stöpsel nach Ankunft zu Hause feststellte. Ich werde mit Sicherheit zu einem anderen Zeitpunkt noch mal darauf eingehen, aber für die, die es interessiert: wir kämpften mehrere Wochen mit Stillen und Abpumpen gegen die Gelbsucht an. Sie war zum Glück nicht stark ausgeprägt, aber alleine die Erhöhung des Takts beim stillen auf alle 2-3 Stunden reichte aus, damit Stöpsel die Gelbsucht los wurde und an Gewicht gewann.

Ein letztes Thema möchte ich abschließend auch noch ansprechen. Ich dachte, nach der Geburt würde mich eine unglaubliche Liebe für mein Kind überkommen. Aber in der Tat lag es von den 3 Tagen im Krankenhaus fast 2 Tage neben mir im Beistellbett. Ich war glücklich und freute mich über das Kind, aber die richtige Mutterliebe blieb zunächst aus. Ich möchte es nur erwähnen, weil es so ein unglaubliches Gefühl war, das mich in der letzten Nacht im Krankenhaus überrollte. Hatte ich die ersten beiden Nächte noch dankbar die Hilfe der Nachtschwestern angenommen, das Baby ein paar Stunden zu beaufsichtigen, weil ich hoffte, etwas zu schlafen, gab ich es ab der letzten Nacht nicht mehr her, legte es auch nur noch ganz selten im Beistellbett ab. Das liegt bestimmt an den nach der Geburt irgendwann später erst einschießenden Milch-/Bindungshormonen. Aber ich kann nur sagen, es ist ein unglaublich schönes Gefühl, dieses vielleicht völlig übertrieben starke Muttergefühl, dass einen dann überkommt, wenn man sein Kind nicht mehr hergeben möchte.

Wenn du eine angehende Mutter bist, die sich hierher verirrt hat, dann liegt es mir unglaublich am Herzen, dir aus meiner Erfahrung 2 gute Ratschläge auf den Weg zu geben.
Der erste ist, dass wenn du dein Baby stillen willst und es sich nicht meldet mit Hunger, stille es trotzdem, je häufiger desto besser sogar, weil es den Milcheinschuss beschleunigt. Ich wünsche keiner anderen Mutter diese Sorgen um das Neugeborene, wenn es Gelbsucht hat. Und überhaupt lautet mein zweiter Rat: es ist wichtig für Mutter und Kind, von Anfang an viel Körperkontakt zu halten. Also mach es dir gemütlich mit deinem süßen Zwerg im Arm, so viel es von Anfang an im Krankenhaus geht. Du bekommst bestimmt ein Stillkissen als Rausfallschutz geliehen, damit das Baby gleich von Anfang an bei dir im Bett bleiben kann.
[Am Rande: Wenn man sein Neugeborenes im Krankenhaus mal aus den Händen an eine Schwester gibt, gerne auch für Unterstützung mit einem untröstlich weinenden Baby, sollte man gut aufpassen. In meinem Krankenhaus, sonst stillfreundlich, wurde schnell auch mal zum Fläschchen gegriffen, um das Kind zu beruhigen.]

Also ich jedenfalls freue mich schon auf meine zweite Chance, einem Kind von Anfang an den Körperkontakt zu geben, den es braucht, um gut in der Welt hier draußen anzukommen. Der Stöpsel kam erst ab der 2. oder 3. Woche so richtig in den Genuss, den größten Teil des Tages an mir oder auf mir zu sein, was ich ein wenig bereue.

Am Anfang steht das Ende

Ich habe so vieles, von dem ich berichten möchte, da weiß ich noch gar nicht, wo ich anfangen soll. Nachdem ich jetzt tagelang gegrübelt habe, denke ich, ich fangen ganz hinten an. Nämlich im hier und jetzt.

Ich werde es sicherlich irgendwann noch mal erwähnen, aber ich habe über die vergangenen 2 Jahre keinen Satz so sehr gehasst wie den: „es geht vorbei“. Den klugen Satz, den dir alle Mütter entgegnen, wenn du ihnen ihr Leid klagst. Mir hat dieser Satz keinen Trost gespendet. Für sehr, sehr lange Zeit sah ich nicht, dass sich irgendetwas besserte, was es in naher Zeit möglich machen könnte, dass ich das Leben mit meinem Kind auch mal genießen kann.
Auch jetzt finde ich diesen Satz immer noch unpassend, zumindest für die Mütter, die ein Schreikind zu Hause haben, ein 24h Baby oder auch High Need Baby, für die, deren Baby (noch) KISS hat. Denn es dauert unfassbar lang, bis sich diese Babys halbwegs „angepasst“ haben. Das ist zumindest meine Erfahrung. Und auch das, was ich an anderen Stellen lese. Bis dahin sieht man gleichaltrige Babys, die sich rasch entwickeln, die sich für die Umwelt interessieren, die gut essen, die sich von der Mutter lösen, um auf Erkundungstour zu gehen. Die einfach anders sind als das eigene Kind, das viel weint und sich für nichts interessiert.

Und doch kann ich heute sagen, dass es bei uns tatsächlich vorbei ist. Jedenfalls das Gröbste. Es ist gar nicht so leicht, sich das einzugestehen, weil heute Mittag noch habe ich geflucht darüber, wie sehr die Einschlafbegleitung des Kleinen an meinen Nerven zehrt. Und doch muss ich ehrlich zu mir sein und zugeben, dass das im Vergleich zu dem, wie es vor einem Jahr noch war, Luxusprobleme sind. Andere Eltern haben andere Sorgen. Unser letztes richtiges Problem ist halt das Einschlafen.

Stöpsel wird diese Woche 2 Jahre alt. Und wir feiern diese Woche einen weiteren Meilenstein: Stöpsels letzten Zähne sind irgendwann in den vergangenen Tagen durchgebrochen. Heimlich hoffe und bete ich, dass damit auch die Einschlafprobleme bald ein Ende haben.

Und so möchte ich euch berichten, wo wir jetzt – nach fast 2 Jahren mit besonderem Baby – stehen.
Unsere aller-aller-allergrößte Sorge, das Schlafen, ist reduziert auf eine sehr langwierige Einschlafbegleitung, die wir beiden uns inzwischen teilen, und die ständige Frage, wann überhaupt ein guter Zeitpunkt zum Hinlegen ist. Stöpsel ist ein Kind, das zeitweise gefühlt ständig müde ist oder gar nicht. Und doch versuchen wir die Schlafenszeiten konstant zu halten (plus minus 60 Minuten), so dass er gegen 21 Uhr ins Bett schläft und mittags gegen 12.30 Uhr. Er schläft nachts eher wenig (nur mit viel Glück sind es mal 10 Stunden), mittags ist alles zwischen 90 und 180 Minuten drin. Es gibt aber auch Tage, da ist immer noch der Wurm drin. Aber das ist normal und da wird man sich vermutlich auch schnell mit anderen Eltern einig, dass Kinder halt ihre Phasen haben. Z.B. haben wir gerade ein paar etwas anstrengendere Nächte hinter uns, in denen Stöpsel zwar nicht richtig aufgewacht ist, aber oft aufgeheult hat und dauernd auf Wanderschaft war. Und in denen die Nacht auch mal um halb 6 morgens vorbei war. Das hängt bei uns vermutlich mit dem Zahndurchbruch zusammen. Aber Stöpsel schläft weitestgehend durch.

Stöpsel ist auch ansonsten glaube ich inzwischen ein eher normales Kind. Er isst zum Glück inzwischen halbwegs normal. Er läuft normal. Er trotzt normal. Er beschäftigt sich selbst normal. Oder manchmal gar nicht, was auch normal ist. Er interagiert mal mehr mal weniger mit uns. Er hat schlecht gelaunte Tage, traurige Tage, anhängliche Tage und an manchen Tagen braucht er viel Aktivität. Er ist vermutlich etwas langsamer entwickelt als andere – so viele Vergleichsmöglichkeiten habe ich zurzeit nicht – aber das ist bei dem, was er durchgemacht haben muss auch nicht wirklich überraschend. Die Ärzte wollen uns zurzeit etwas in Panik versetzen, weil er jetzt erst anfängt, sich sprachlich zu entwickeln. Tatsächlich hat er bis vor 2 Monaten fast komplett geschwiegen, wenn er nicht gerade mit Geräuschen oder Weinen kommuniziert hat. Zu meinem Leidwesen ist das süße „Mama“ bisher ausgeblieben. Aber dafür weiß er nach 2 Monaten üben, wie man ein Eis einfordert und anschließend „mehr“ davon. Und einige andere Dinge. Ich wüsste also nicht, warum ich jetzt schon in Panik verfallen sollte, weil er sich mit dem Sprechen Zeit lässt. Mein Gefühl sagt, er brauchte einfach was länger und er ist jetzt am Ball.

Stöpsel schläft im Übrigen immer noch in unserem Bett, inzwischen zwischen Mama und Papa und auch nur selten allein, weil er unsere Abwesenheit zeitweise immer noch spürt. Und er darf es auch weiterhin, auch wenn es mit Geschwisterchen demnächst fraglich ist, wie gut es klappt mit allen 4 in einem Zimmer. Aber so oder so: er wird nicht ausquartiert, es sei denn er wünscht es sich irgendwann so.
Auch gestillt haben wir lange (ja, ich gehöre auch zur Stillen, Tragen, Familienbett-Fraktion). Schwangerschaftsbedingt hat er sich im Dezember abgestillt. Das Nuckeln musste ich ihm anschließend abgewöhnen, weil es sich ohne Stillhormone „komisch“ anfühlte.

Ein paar Eigenheiten bleiben: unser Stöpsel mag Kuscheln nicht. Allgemein Nähe nur, wenn er selbst sie einfordert. Das macht es zeitweise immer noch schwer, ihn zu trösten, weil ein einfaches in den Arm nehmen ist nur selten das, was er dann auch haben will.
Außerdem ist er immer noch etwas reizempfindlich im Schlaf. Zum Glück wacht er nachts so gut wie nie auf, aber ein Rumpeln im Bett, ein Anstoßen, ein Geräusch und er wird ganz unruhig im Schlaf. Und so wird die Familie auch an Stöpsels 2. Geburtstag noch mit Rauschen aus dem Lautsprecher nachts im komplett abgedunkelten Zimmer schlafen und mit ein bisschen Abstand zum Kind. Wobei er immer Körperkontakt mit einem von uns hat, und wenn es nur mit dem Fuß ist.

Ihr seht, ihr lest hier von einem völlig normalen kleinen Individuum. Und ich bin froh, dass wir die schlimme Zeit irgendwie geschafft haben. Ein wenig dankbar für die Erfahrung, aber vor allem glücklich bin ich darüber, dass es vorbei ist mit dem vielen Weinen, dem ständigen an mir kleben, den unendlich vielen Stunden im Bett.

Und so hoffe ich, dass ich es in der nächsten Zeit schaffe, euch mehr darüber zu berichten, wie es war, wie schlimm es war, was wir alles probiert haben und vor allem wie es mir damit ging.

Ein kleiner Vorgeschmack: die verzweifelte Mama

Hallo ihr Lieben,

ich bin zurzeit noch schwer beschäftigt, meine Notizen von bald 2 Jahren zu sortieren. Erst dann kann ich anfangen, mein erstes Thema zu schreiben.

Aber ich bin gerade über einen Artikel von mir gestolpert, den ich aus irgendeinem Grund schon fast ausgeschrieben hatte. Und den finde ich schon so berührend, dass ich ihn als kleinen Vorgeschmack mit euch teilen möchte. Ich denke, er bietet jetzt schon mal einen guten Querschnitt über die Gefühle und Sorgen, die mich regelmäßig übermannt haben.

Einen Tag nach Weihnachten (Alter des Kleinen: 7 Monate) erreichte ich damals einen neuen Tiefpunkt. Auf einmal brach meine ganze Welt im Kopf zusammen. Ich lag im Bett, konnte mich nicht aufraffen, wollte mich nicht aufraffen, wollte weinen, konnte nicht weinen. Diese Gedanken kamen mir.

Ich liege völlig verzweifelt im Bett. Vorhin war die Welt noch in Ordnung. Mein Schatz hatte den Kleinen zum Schlafen bekommen, ich hatte einen Moment Pause. Ich hatte gerade angefangen, meine Fotoausbeute vom Weihnachtsabend zu begutachten, da wachte der Kleine schon wieder auf, von Anfang an mies gelaunt. Natürlich war er nicht ausgeschlafen. Ich arbeitete weiterhin an meinen Fotos mit dem Kleinen auf dem Schoß. Mein Mann hatte angefangen, den Haushalt zu versorgen.

Leider war der kleine so schlecht drauf, auch mit mehr Aufmerksamkeit war er nur am Motzen, dass ich die Fotos liegen ließ, um mich noch mal mit ihm hinzulegen. 15 Minuten rangelte ich mit ihm im Bett: er strampelte, motzte und weinte, ich sang, redete ihm ruhig zu, kuschelte ihn, gab ihm Platz und versuchte ihn zu stillen. Als er schließlich anfing richtig bitterlich zu weinen, fing ich an zu verzweifeln. Ich wollte nur schreien. Ich wollte dem Kleinen so gern helfen, denn irgendwas plagte ihn ja wieder (vielleicht jetzt nach allem Übel gleich noch die oberen Schneidezähne hinterher?), aber ich konnte einfach nicht die Kraft aufbringen, ihn weiterhin geduldig zur Ruhe zu bringen. Ich war völlig verzweifelt. Mein Mann kam und bot sich an, den Kleinen in seinem Bett zum Schlafen zu bringen. Ich rückte auf, drehte mich um und harrte aus… 10 Minuten später schlief der Kleine (zwar nicht lang, aber Zeit genug, um sich währenddessen im Bett liegend darüber zu ärgern, dass ich versagt hatte und nicht nur darin, den Kleinen zum Schlafen zu bekommen). Auf einmal brach alles über mir zusammen.

Meine Ehe war ein Scherbenhaufen, drohte zwar nicht zu scheitern, aber die einstige Wärme aus der Beziehung war dahin. Mein Mann hatte mir morgens noch offenbart, dass er Angst hat, ich finde ihn nicht mehr sexy. Vor lauter „Baby schlaf doch mal“ war dieser Teil der Beziehung vollends eingeschlafen. Ich fühlte mich schuldig, weil ich es war, die bei so schlechtem Schlaf und so unvorhersehbaren, verzweifelten und anstrengenden Tagen nicht einmal daran dachte, sich körperliche Nähe zu suchen (ich, die ich einst dachte, dass ich ohne Kuscheln und Sex nicht überleben kann, die, die ich einst dachte, dass MIR das nie passieren könnte, dass meine Beziehung sexlos wird).

Ich war frustriert, weil ich als Mutter versagte. Ich kämpfte einen Krieg gegen die Schlaflosigkeit des Kleinen, der mich so auslaugte, dass in einigen Momenten, wo der Kleine mich richtig brauchte, ich nicht mehr konnte und meinen Mann um Hilfe bitten musste. Und öfter als mir lieb war zuzugeben, kam es mir vor, als würde er meine Arbeit besser machen.

Mein eigenes Leben war nicht mehr existent. Ich hatte alle Lieblingsbeschäftigungen an den Nagel gehängt. Wollte nichts neues mehr anfangen. TV gucken = schlecht für Babys Entwicklung und faulenzen darf eine Mama, deren Haushalt untergeht eh nicht; Lesen = schaff ich höchstens abends auf dem Klo; am PC ein bisschen Zeit totschlagen = ich bin jetzt ne Mama, sowas darf ich jetzt nicht mehr. Ich hatte eigentlich nichts mehr, was ich für mich machte. Tagsüber gehörte ich meinem Baby, abends saß ich und wartete, mit was auch immer grad kam, bis ich ins Bett ging. Ich reagierte nur noch. Etwas neues anfangen… kommt gar nicht in Frage. Jedes Mal, wenn ich was neues anfing, wie z.B. ein kleines kreatives Projekt, was mich ein paar Tage nebenher beschäftigen würde, bekam ich es mit dem schlechten Gewissen, weil ich das Gefühl bekam, ich verplemperte auch die Zeit, die ich dem Kleinen vollends schenken muss. Er war ja immer wach.

Als Frau versagte ich, weil der Haushalt Achterbahn fuhr… ein paar Tage konnte ich die Ordnung halten, dann kam ich nicht mehr gegen die Unordnung an und es stapelte sich stundenlange Arbeit. Mein Mann fing an, Arbeiten im Haushalt zu übernehmen, die ich als meine betrachtete, weil ich mich in der Verantwortung sah als zu Hause bleibende Frau den Haushalt zu bewältigen. Abgesehen davon, dass ich als Frau es nicht mehr schaffte, meinem Mann genügend Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, die er brauchte, um selbst die Tage glücklich zu überstehen.

Und während zu Hause immer ein Stück mehr der Decke auf mein Kopf herabfiel, fiel mir auf, dass ich durch meinen immensen Unmut, meine Ungeduld anfing, Menschen anzufahren, die es nicht verdient hatten. Gestern Abend hatte ich meine Omas blöd angefahren, weil sie mich fragten, ob denn Stillen den Kleinen jetzt (in dem Alter) überhaupt noch sättigt. „Ja, eurer Generation hat man erklärt, dass Stillen schlecht ist…“, fing ich an. Sie unterbrachen mir sofort, stellten klar, dass das nicht stimmt… Da war ich wieder, unbedacht, … beleidigend. Ich hatte keine Geduld mehr, auf falsche Vorurteile, veraltetes Wissen oder Skepsis angemessen zu reagieren. Fast immer wird aus einem „nein“ und einer kurzen Aufklärung meinerseits eine böse Reaktion mit Vorwurf und Zurechtweisung. Auf der einen Seite, klar, sind es eigentlich die anderen, die verstehen müssten, wie es einer Frau geht, die seit 7 Monaten nicht mehr richtig geschlafen hat. Auf der anderen Seite bin ich es, die hinterher allein dasteht, weil sie ihr Maul nicht unter Kontrolle hat und vergessen hat wie man freundlich bleibt.

Es ist wirklich ein grausames Gefühl, was ich gerade habe. Ich liebe mein kleines Baby. Jetzt grad kullern mir die Tränen übers Gesicht, weil mein Mann ihn unterhält, damit es ihm gut geht. Ich würde gerne bei ihm sein, möchte ihn kuscheln, für ihn da sein, ihm in seine großen neugierigen blauen Augen sehen und ihn anlächeln. Statt dessen liege ich ihm Schlafzimmer, kann nicht mehr, will nicht mehr. Weine. Trauere über mein Leben. Und frage mich, wann ich wieder glücklich sein kann.