Ein kleiner Vorgeschmack: die verzweifelte Mama

Hallo ihr Lieben,

ich bin zurzeit noch schwer beschäftigt, meine Notizen von bald 2 Jahren zu sortieren. Erst dann kann ich anfangen, mein erstes Thema zu schreiben.

Aber ich bin gerade über einen Artikel von mir gestolpert, den ich aus irgendeinem Grund schon fast ausgeschrieben hatte. Und den finde ich schon so berührend, dass ich ihn als kleinen Vorgeschmack mit euch teilen möchte. Ich denke, er bietet jetzt schon mal einen guten Querschnitt über die Gefühle und Sorgen, die mich regelmäßig übermannt haben.

Einen Tag nach Weihnachten (Alter des Kleinen: 7 Monate) erreichte ich damals einen neuen Tiefpunkt. Auf einmal brach meine ganze Welt im Kopf zusammen. Ich lag im Bett, konnte mich nicht aufraffen, wollte mich nicht aufraffen, wollte weinen, konnte nicht weinen. Diese Gedanken kamen mir.

Ich liege völlig verzweifelt im Bett. Vorhin war die Welt noch in Ordnung. Mein Schatz hatte den Kleinen zum Schlafen bekommen, ich hatte einen Moment Pause. Ich hatte gerade angefangen, meine Fotoausbeute vom Weihnachtsabend zu begutachten, da wachte der Kleine schon wieder auf, von Anfang an mies gelaunt. Natürlich war er nicht ausgeschlafen. Ich arbeitete weiterhin an meinen Fotos mit dem Kleinen auf dem Schoß. Mein Mann hatte angefangen, den Haushalt zu versorgen.

Leider war der kleine so schlecht drauf, auch mit mehr Aufmerksamkeit war er nur am Motzen, dass ich die Fotos liegen ließ, um mich noch mal mit ihm hinzulegen. 15 Minuten rangelte ich mit ihm im Bett: er strampelte, motzte und weinte, ich sang, redete ihm ruhig zu, kuschelte ihn, gab ihm Platz und versuchte ihn zu stillen. Als er schließlich anfing richtig bitterlich zu weinen, fing ich an zu verzweifeln. Ich wollte nur schreien. Ich wollte dem Kleinen so gern helfen, denn irgendwas plagte ihn ja wieder (vielleicht jetzt nach allem Übel gleich noch die oberen Schneidezähne hinterher?), aber ich konnte einfach nicht die Kraft aufbringen, ihn weiterhin geduldig zur Ruhe zu bringen. Ich war völlig verzweifelt. Mein Mann kam und bot sich an, den Kleinen in seinem Bett zum Schlafen zu bringen. Ich rückte auf, drehte mich um und harrte aus… 10 Minuten später schlief der Kleine (zwar nicht lang, aber Zeit genug, um sich währenddessen im Bett liegend darüber zu ärgern, dass ich versagt hatte und nicht nur darin, den Kleinen zum Schlafen zu bekommen). Auf einmal brach alles über mir zusammen.

Meine Ehe war ein Scherbenhaufen, drohte zwar nicht zu scheitern, aber die einstige Wärme aus der Beziehung war dahin. Mein Mann hatte mir morgens noch offenbart, dass er Angst hat, ich finde ihn nicht mehr sexy. Vor lauter „Baby schlaf doch mal“ war dieser Teil der Beziehung vollends eingeschlafen. Ich fühlte mich schuldig, weil ich es war, die bei so schlechtem Schlaf und so unvorhersehbaren, verzweifelten und anstrengenden Tagen nicht einmal daran dachte, sich körperliche Nähe zu suchen (ich, die ich einst dachte, dass ich ohne Kuscheln und Sex nicht überleben kann, die, die ich einst dachte, dass MIR das nie passieren könnte, dass meine Beziehung sexlos wird).

Ich war frustriert, weil ich als Mutter versagte. Ich kämpfte einen Krieg gegen die Schlaflosigkeit des Kleinen, der mich so auslaugte, dass in einigen Momenten, wo der Kleine mich richtig brauchte, ich nicht mehr konnte und meinen Mann um Hilfe bitten musste. Und öfter als mir lieb war zuzugeben, kam es mir vor, als würde er meine Arbeit besser machen.

Mein eigenes Leben war nicht mehr existent. Ich hatte alle Lieblingsbeschäftigungen an den Nagel gehängt. Wollte nichts neues mehr anfangen. TV gucken = schlecht für Babys Entwicklung und faulenzen darf eine Mama, deren Haushalt untergeht eh nicht; Lesen = schaff ich höchstens abends auf dem Klo; am PC ein bisschen Zeit totschlagen = ich bin jetzt ne Mama, sowas darf ich jetzt nicht mehr. Ich hatte eigentlich nichts mehr, was ich für mich machte. Tagsüber gehörte ich meinem Baby, abends saß ich und wartete, mit was auch immer grad kam, bis ich ins Bett ging. Ich reagierte nur noch. Etwas neues anfangen… kommt gar nicht in Frage. Jedes Mal, wenn ich was neues anfing, wie z.B. ein kleines kreatives Projekt, was mich ein paar Tage nebenher beschäftigen würde, bekam ich es mit dem schlechten Gewissen, weil ich das Gefühl bekam, ich verplemperte auch die Zeit, die ich dem Kleinen vollends schenken muss. Er war ja immer wach.

Als Frau versagte ich, weil der Haushalt Achterbahn fuhr… ein paar Tage konnte ich die Ordnung halten, dann kam ich nicht mehr gegen die Unordnung an und es stapelte sich stundenlange Arbeit. Mein Mann fing an, Arbeiten im Haushalt zu übernehmen, die ich als meine betrachtete, weil ich mich in der Verantwortung sah als zu Hause bleibende Frau den Haushalt zu bewältigen. Abgesehen davon, dass ich als Frau es nicht mehr schaffte, meinem Mann genügend Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, die er brauchte, um selbst die Tage glücklich zu überstehen.

Und während zu Hause immer ein Stück mehr der Decke auf mein Kopf herabfiel, fiel mir auf, dass ich durch meinen immensen Unmut, meine Ungeduld anfing, Menschen anzufahren, die es nicht verdient hatten. Gestern Abend hatte ich meine Omas blöd angefahren, weil sie mich fragten, ob denn Stillen den Kleinen jetzt (in dem Alter) überhaupt noch sättigt. „Ja, eurer Generation hat man erklärt, dass Stillen schlecht ist…“, fing ich an. Sie unterbrachen mir sofort, stellten klar, dass das nicht stimmt… Da war ich wieder, unbedacht, … beleidigend. Ich hatte keine Geduld mehr, auf falsche Vorurteile, veraltetes Wissen oder Skepsis angemessen zu reagieren. Fast immer wird aus einem „nein“ und einer kurzen Aufklärung meinerseits eine böse Reaktion mit Vorwurf und Zurechtweisung. Auf der einen Seite, klar, sind es eigentlich die anderen, die verstehen müssten, wie es einer Frau geht, die seit 7 Monaten nicht mehr richtig geschlafen hat. Auf der anderen Seite bin ich es, die hinterher allein dasteht, weil sie ihr Maul nicht unter Kontrolle hat und vergessen hat wie man freundlich bleibt.

Es ist wirklich ein grausames Gefühl, was ich gerade habe. Ich liebe mein kleines Baby. Jetzt grad kullern mir die Tränen übers Gesicht, weil mein Mann ihn unterhält, damit es ihm gut geht. Ich würde gerne bei ihm sein, möchte ihn kuscheln, für ihn da sein, ihm in seine großen neugierigen blauen Augen sehen und ihn anlächeln. Statt dessen liege ich ihm Schlafzimmer, kann nicht mehr, will nicht mehr. Weine. Trauere über mein Leben. Und frage mich, wann ich wieder glücklich sein kann.

 

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