Das hätte ich gerne vorher gewusst…

Ich dachte, ich wäre gut auf ein Kind vorbereitet gewesen. Ich dachte, die Tatsache, dass ich in einer Großfamilie aufgewachsen bin, hätte mich gut auf eigene Kinder vorbereitet. Ich bin voller Selbstbewusstsein an die Sache „Mama“ herangegangen. Und ohne jegliche Vorbereitung. Und ich bin immer noch fest davon überzeugt, dass ich nichts hätte vorbereiten können, um das gefasster zu nehmen, was mich mit dem ersten Kind erwartet hat.

Und dennoch gibt es eine Ausnahme, ein Thema, eine Sache, bei der ich gerne vorher mehr gewusst hätte, meinem Kind zuliebe: wie Babys ticken!

Wir alle kennen die Bilder von süßen Babys, die friedlich und süß anzusehen in ihren hübschen Babybettchen schlafen. Die Bilder von den Babys, die im Kinderwagen schlafen. Auch ich kannte sie und sie dienten mir als Orientierung, auf was ich mich anfangs vorbereite.

Dennoch machte ich es etwas anders. Trotz frei stehenden Zimmers gab es kein Kinderzimmer. Ganz einfach aus dem Grund, dass ich in den vergangenen Jahren nur von Kindern mitbekommen hatten, die trotz eingerichteten Kinderzimmers bei ihren Eltern im Bett oder Beistellbett schliefen. Und das hübsche Kinderzimmer wurde lediglich zum Wickeln genutzt. Das fand ich total dämlich. Es entzieht sich mir jeglicher Logik, warum ich Platz und Geld verschwenden soll für etwas, was dann eh nicht genutzt wird. Und ein Zimmer nur zum Wickeln fand ich ohnehin Verschwendung. Das lag aber nicht zuletzt daran, dass ich in der Bekanntschaft den Tipp bekommen hatte, einfach eine Wickeltasche zu nutzen und mobil zu wickeln – auch zu Hause. Das machte ein süßes Babyzimmer völlig überflüssig. Statt dessen gab es bei uns ein Babybett im Schlafzimmer.

Auch stolperte ich schon vor der Geburt über das Tragen, was mir so sympathisch erschien, dass ich mir zunächst zur Geburt nur ein Tragetuch wünschte. Einen Kinderwagen gab es nicht. Dass man überall las ohne Trageberatung sollte man nicht tragen, das ignorierte ich, weil ich es einfach Quatsch fand. [Im Übrigen habe ich später eine Trageberatung gemacht, weil ich zunächst mit dem Tuch nicht zurecht kam, die war allerdings herausgeschmissenes Geld, weil die Beraterin nicht in der Lage war, nach meinen Bedürfnissen zu beraten, sondern mir stattdessen ihre Bindeweise „aufzwang“, die ich aber einfach nicht hinbekam.]

Und trotzdem schaffte ich es nicht, das gewöhnliche Bild vom Baby zu hinterfragen. Immer noch schwebte mir eine Neugeborenenzeit vor, in der ich mein Kind mehrmals täglich ins Bett brachte, es schlief oder es beim Spazieren schlief und ich in diesen Zeiten Zeit für mich und meine Gedanken hatte.

Dann kam Stöpsel und weinte viel und ließ sich einfach gar nicht ablegen. Für die ersten Tage zu Hause spielte sich folgendes Schema ab: Baby schlief auf meinem Arm ein, ich genoss das eine Weile, legte das Baby ab, Baby wachte auf. Und heulte dann. Und heulte. Und heulte. Einige Tage verzweifelte ich unter Tränen, weil ich es nicht verstand. Warum darf ich das Baby nicht ablegen? Und warum hört das Kleine nicht auf zu weinen? Eine Woche und viel Fluchen darüber, warum einem keiner sagen konnte, warum mein Kind so viel weinte und warum ich es nicht ablegen konnte… und ich bestellte mein erstes Buch.

Daraufhin veränderte sich meine Sicht auf Babys schlagartig. Das Buch kam, ich fing sofort an zu lesen und bald lag mein Kind ständig auf meinem Schoß, während ich das Buch verschlang. Ich fing an, die wahren Bedürfnisse meines Babys zu verstehen, die nicht darin bestanden, einsam im Kinderwagen durch die Gegend gefahren zu werden, einsam im Babybett zu liegen und eigentlich überhaupt darin, irgendetwas ohne Körperkontakt zu machen.

Und genau das ist es, was ich gerne vor der Geburt gewusst hätte. Dass Neugeborene mindestens für die ersten Monate viel Körperkontakt brauchen. Auch viel Stillen (bei uns war allerdings Stillen nicht so hoch im Kurs, zu unseren Stillproblemen später), aber auf jeden Fall ständigen Kontakt zur Mama.
Mit dem Wissen wurde es nach wenigen Tagen etwas ruhiger bei uns, denn Stöpsel durfte tagsüber immer in meiner Nähe sein, spätestens wenn er es einforderte, ich fand Wege, mich während seines Schlafs mit Büchern oder Tablet zu beschäftigen.

Leider ließ die nächste Krise nicht lange warten. Denn hatte ich jetzt verstanden, was mein Kleiner brauchte, kamen nach ca. 2-3 Wochen (eigentlich nach ausgeheilter Gelbsucht) die nächsten Probleme auf uns zu, die sich auch mit viel Körperkontakt und Stillen nicht lösen ließen.

Das Buch, das mir in den ersten Tagen in die Hände fiel war übrigens „Das Glücklichste Baby der Welt“. Weißgott kein herausragendes Buch, wie ich finde, aber ein sehr hilfreiches, wenn man zum ersten Mal anfängt, sich mit den Bedürfnissen von Neugeborenen auseinanderzusetzen. Wer noch mehr zu dem Thema erfahren will, dem kann ich auch das Buch „In Liebe Wachsen“ nahelegen. Es gibt weitere, neuere Bücher zum Thema „Attachment Parenting“ oder zu deutsch: der bindungsorientierten Erziehung, die ich nicht gelesen habe, die aber sehr vielversprechend klingen. Z.B. noch recht neu das Buch „artgerecht – Das andere Babybuch“, „Das Geheimnis zufriedener Babys“ und eigentlich alles, was zu dem Thema von Herbert Renz-Polster geschrieben wurde.

Ich würde mir einfach wünschen, dass mehr Nicht-Eltern davon erfahren, wie Neugeborene ticken und was sie wirklich brauchen. Und dass dieses Wissen althergebrachte Weisheiten über Babys abwechselt, damit der Schock, der die Eltern nach der Geburt erwartet, ausbleibt. Dann müssten weniger Eltern in dieser Anfangszeit an ihren Kleinen verzweifeln und könnten sich von Anfang an darauf konzentrieren, ihren Würmchen alles zu geben, was sie brauchen. Denn noch immer sehe ich unterwegs viele Eltern, die verzweifelt den Kinderwagen wippen, damit das Kleine aufhört zu weinen und weiterschläft, statt es einfach mal einen Augenblick im Arm zu trösten und dann wieder abzulegen, wenn es sich beruhigt hat. Es könnten einfach so viele mehr Babys sein, die von Anfang an die Sicherheit haben, die sie benötigen, damit mal etwas großartiges aus ihnen werden kann.

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