Die ersten Wochen

Eins muss ich gleich vorweg schicken, bevor ich mich an das Abenteuer begebe, die ersten Wochen mit Baby ins Gedächtnis zu rufen: es ist verdammt schwer bis unmöglich, sich richtig an die Details aus der Zeit zu erinnern. So früh wusste ich ja noch nicht, dass die schwere Zeit so immens lange andauern würde und habe kein Tagebuch geführt. In der Anfangszeit mit dem ersten Kind hat man auch wirklich andere Probleme als zu gucken, wie man zwischen Tür und Angel noch irgendetwas aufschreibt. Es gibt einige Fakten, die ich noch in der Erinnerung habe und ansonsten schwebt da nur die Emotion Verzweiflung über dieser Zeit. Und davon eine Menge…

Schon mit der Verlassen des Krankenhauses wurde es sehr unruhig bei uns. Die Nacht davor eigentlich, weil der Stöpsel so wahnsinnig viel weinte, und ich ihn nicht beruhigt bekam, bis ich ihn schlussendlich zu mir ins Bett holte und bis zum frühen Morgen kuschelte. Auf dem Heimweg im Auto am nächsten Mittag weinte der Stöpsel durchgehend. Obwohl ich neben ihm saß, ihm gut zuredete und die Hand auf ihn legte hörte das Weinen nicht auf. Aus diesem Grund bin ich so unendlich froh, dass wir beim zweiten Kind wegen Umzugs in die Stadt nicht mehr auf das Auto angewiesen sind, weil Autofahren blieb für lange Zeit ein Grauen – für Stöpsel und uns, obwohl ich schon früh anfing, immer hinten bei ihm zu sitzen statt auf dem Beifahrersitz.  Wie soll man auch ein Baby trösten, das man nicht auf den Arm nehmen kann? Außer mit so abenteuerlichen Aktionen, von denen ich gelesen habe, bei denen Frauen sich quer über das Baby legen, Brüste auspacken und in dieser Position das Baby stillen.

Zu Hause angekommen ging das Geheule weiter. Ich weiß noch, dass der erste Tag ein absolutes Grauen für uns beide war. Das bisher schweigsame Baby weinte ständig, wenn es wach war und obwohl ich stillte und es im Arm hielt. Es war richtig erschreckend: warum ließ sich ein geliebtes Baby nicht beruhigen, das konnte doch gar nicht sein? Man denkt da gleich, dass man alles tun will, um dieses kleine Würmchen zu beschützen und ihm zu helfen und merkt gleich in den ersten Tagen, dass das gar nicht geht. Am nächsten Tag kam zum Glück gleich die Hebamme. Sie vermutete, dass das Weinen von den beginnenden 3-Monats-Koliken sein könnte und das Baby bestimmt Bauchschmerzen hat. Nichtsdestotrotz bekam sie ihn beruhigt (und uns!) und wir widmeten uns zunächst ausschließlich der Gelbsucht. Die Lösung: Stillen, stillen, stillen. Und zwar tags wie nachts. Alle 2 Stunden aufstehen (Wecker stellen!) und stillen. Und wenn das Kind weinte zusätzlich.

Das Stillen

Wie genau es dann alles ablief, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß noch, dass meine Hebamme binnen weniger Tage (2 Tage?) eine Milchpumpe organisierte, da ich Probleme mit wunden Brustwarzen bekam, der Kleine immer nur ganz kurz trank und wir versuchen sollten, ihm die Muttermilch aus der Flasche zu geben bzw. Muttermilch zuzufüttern, wenn er kurz stillte und danach immer noch weinte. Mit der abgepumpten Milch sollte der Papa mich auch entlasten, da ich einfach völlig fertig war nach der langen Geburt und einigen schlaflosen Nächten. An dieser Stelle sei übrigens klargestellt: auch wenn ich überzeugt bin, dass später an meinem Baby irgendetwas „anders“ war, ich glaube zu diesem Zeitpunkt hatten wir ganz gewöhnliche Probleme, die viele Eltern anfangs erleben. Die Umstellung auf einen Tagesablauf ausschließlich fürs Baby, die Müdigkeit, den schweren Stillstart (sofern man stillt), die vielen Fragen… nichts an dem, was uns in den ersten Wochen widerfahren ist, ist einzigartig. Nichtsdestotrotz zeichneten sich in diesen Tagen schon die Probleme ab, die uns später noch das Leben schwerer machen würden: die außergewöhnlichen Stillprobleme und etwas später das schlaflose Baby.

Mit der Milchpumpe konnte ich mich übrigens nicht anfreunden. Einen ordentlichen Rhythmus zu finden – wann stillen, wann abpumpen, wann die Flasche und dabei darauf zu achten, den Flaschenvorrat aufrechtzuerhalten – das gab mir den Rest. Vor allem, weil man ein Kind ja nicht nur alle 2 Stunden anlegt und damit hat sich die Sache. Stillen beruhigt das Baby und ist sozusagen nach dem Hochnehmen und Halten das erste Beruhigungsmittel, woran mich meine liebe Hebamme die ersten Tage immer wieder erinnerte. Und der Stöpsel hat oft geweint, so dass ich zeitweise alle 30 Minuten stillte und es dann überhaupt keinen Takt mehr gab. Meine Hebamme sagte immer, dass ich erst abpumpen soll (alle 2-3 Stunden) und dann den Kleinen stillen. Sie sagte auch, ich solle mir keine Sorgen machen, mein Körper sorgt schon für genug Muttermilch, der Kleine verhungert schon nicht. Und dennoch… ich kam einfach nicht hinterher, mit dem Abpumpen, mit dem Stillen, mit allem. Was dazu führte, dass ich immer wieder versuchte, den Kleinen so anzulegen, weil es schneller ging und wenig Organisation erforderte, was aber von Mal zu Mal schmerzhafter wurde. Schlussendlich war unsere Lösung das Stillhütchen. Meine Hebamme ließ mir schon nach ein, zwei Tagen 2 Stillhütchen zum Probieren da, aber der Gedanke daran, ein Stück Silikon zwischen mich und mein Kind zu legen, der sagte mir irgendwie nicht zu. Schlussendlich überwogen dann doch die Schmerzen durch die Wundheit der Brustwarzen und die Hebamme setzte sich durch – mit Erfolg. Mit Stillhütchen tat es gleich weniger weh. Der Kleine trank fortan besser und auch länger und die Brüste heilten. Seither hatte ich beim Stillen nie wieder mit wunden Brustwarzen zu kämpfen – und wir stillten noch sehr lange. Starkes Ziehen und dadurch etwas schmerzempfindlichere Brustwarzen später ja, wenn der Kleine stark zahnte. Aber nie wieder Wundheit.

Und so stillten wir erfolgreich die Gelbsucht weg. Ein wenig Lichttherapie (ein dauernd geöffnetes Dachfenster bei Sonnenschein) gehörte auch dazu. Es dauerte allerdings vermutlich 1-2 Wochen, bis der Stöpsel nicht mehr so „braun gebrannt“ aussah. Die Milchpumpe verwendete ich noch etwas weiter und kaufte mir anschließend eine Handpumpe, die ich überall nutzen konnte. Ich fand es einfach schön, dem Papa einmal am Tag die Gelegenheit zu geben, Mama zu spielen und den Kleinen zu stillen. Meist pumpte ich dafür spät abends gegen 22 oder 23 Uhr – wenn der Kleine auf jeden Fall schlief – eine Portion ab. Das wurde mit der Zeit immer mehr, so dass ich vereinzelt sogar eine Flasche voll bekam, was verdammt viel ist. Das alles klingt beim Lesen bestimmt so, als wäre uns von da an alles einfach von der Hand gegangen, jetzt wo das Stillen klappte. Das war natürlich nicht so. Das viele Stillen und zwischendurch Abpumpen setzte mich wahnsinnig unter Stress. Dazu das viele untröstliche Weinen und die Auseinandersetzung mit der Verwandtschaft. Das setzte mir ganz schön zu. Ich kam mit dem Duschen nicht hinterher, was ja unheimlich wichtig ist, damit nach der Geburt die Wunden gut abheilten. Essen funktionierte die ersten Wochen überhaupt nicht. Das war allerdings nicht wirklich meine größte Sorge, hat mich nur geärgert, wenn ich mal wirklich Hunger hatte und keine Hand frei hatte, um das Brot zu greifen, das mein Mann mir liebevoll vorbereitet hatte. Weil Baby ablegen ging ja nicht.

Darüber muss ich aber so im Nachhinein echt schmunzeln. Ich hatte Probleme. Da freut man sich auf ein Baby, Monat um Monat, und dann ist es da und man ist gleich von Anfang an genervt, dass es einem so viel abverlangt. Ach wie gerne würde ich diese Zeit zurückdrehen, um diese ersten Wochen noch mal mit einer anderen Ruhe anzugehen. Kuschelecke, Lektüre, Snacks und dann einfach den ganzen Tag dasitzen und schlafendes Baby genießen. So würde ich es jetzt machen. Eine Ruhe, die ich beim zweiten Kind vermutlich nicht haben werde, weil dann ist ja das erste Kind mit eigenen Bedürfnissen auch noch da.

Das Schlafen

In dieser Anfangszeit (die ersten zwei Wochen, vielleicht drei) schlief der Stöpsel übrigens wahnsinnig gut – und viel – auf meinem Schoß oder in meinen Armen. Auch nachts wachte er nur zum Stillen auf, weshalb es sich für mich anfühlte, als würde er durchschlafen. Es macht einen wahnsinnigen Unterschied für den Erholungseffekt – finde ich – wenn das Baby durch das Stillen wieder einschläft. Dann ist es bei mir wirklich so gewesen, wie man immer liest, dass ich es selbst kaum mitbekomme und danach auch gut weiter schlafe. Wenn das Baby nach dem Stillen allerdings unruhig bleibt und nicht wieder einschläft (später!), dann wird das häufige nächtliche Aufwachen zu einer echten Tortur.
Ich hatte übrigens wahnsinnige Sorgen, das Neugeborene nachts neben mich zu legen statt ins Babybett, obwohl ich wirklich überzeugt vom Familienbett war. Das Babybett stellten wir zwar gleich so um, dass es neben meinem Schlafplatz stand, aber darin konnte man ihn halt nicht immer ablegen. Die Sorge, dass man aber auf das Kind rollt oder es zudeckt ist ja schon wahnsinnig groß, größer als die Sorge, dass man dem Kind die Nähe verwehrt, die es braucht. An der Stelle bekam ich den Tipp, das Kind doch einfach auf die Bettdecke zu legen, unter der ich liege. Und so schlief das Baby nachts zumindest doch teilweise neben mir, meist gegen Morgen.

Es gab eine Sache am guten Schlafen, die ich erst lernen musste, damit auch der Tagschlaf gut blieb. Manche Babys lassen sich einfach nicht im Schlaf ablegen. Sie wachen dann unmittelbar auf. Sie spüren die Bewegungen irgendwie viel sensibler als andere, als hätten sie dafür einen Radar im Schlaf. Bei Stöpsel war der Radar noch feinfühliger, weshalb ich ständig dazwischen springen musste, wenn Bekannte versuchen, das putzige Baby im Schlaf anzufassen. Eine Faszination, die ich allerdings auch nicht verstehe. Genauso wenig wie die Faszination, sich (später) tierisch daran zu erfreuen, wenn einem das süße Baby im Gesicht rumfummelt.

Die ersten 3 Monate waren übrigens die einzige Zeit bis jetzt, an denen ich noch freie Abende hatte, bis jetzt sozusagen. Wir legten ihn abends in sein Bett – das ging da noch, aber auch nur abends – und er schlief da ein, zwar mit mehrfachem Aufwachen, aber man konnte ihn schnell wieder in den Schlaf trösten. Gut, an wenigen Abenden hielt ich ihn auch auf dem Schoß im Wohnzimmer. Das waren die etwas frustrierenderen Tage für mich, weil ich ja schon tagsüber ausschließlich für seine Bedürfnisse da war, aber oft klappte es zu dieser Zeit noch mit dem Schlafen im Bett.

Das nächtliche Schlafen (Tag-Nacht-Ryhthmus) hatte er zum Glück von Anfang an recht gut verstanden. Während eine Bekannte, die ich gleich sicher noch erwähnen werde, in der Anfangszeit damit kämpfte, dass ihr Würmchen nachts aufwachte – und dann wach war – ließ sich der Stöpsel mit Stillen immer wieder in den Schlaf trösten und schlief die Nacht „durch“. Wobei die morgentliche „Drückphase“, die nach einigen Wochen anfing, meine Nächte morgens um 4-5 Uhr schon beendeten. Seine nicht, weil das alles im Schlaf passierte.

Das Schreien

Unser Spatz weinte aber wie gesagt viel, sehr viel. Und oft untröstlich. Auch nach ausgestandener Gelbsucht. Es stand immer noch das Problem mit den 3-Monats-Koliken im Raum. Eine irgendwie veraltete Diagnose die besagt, dass das Baby viel schreit, weil es Bauchschmerzen hat oder Blähungen oder so. Ich bin kein „Spezialist“, deshalb nenne ich es einfach weiterhin Koliken. Ob es jetzt Regulationsstörung heißt, Schreikind, Koliken ist mir persönlich schnuppe, die Nutzung des Fachbegriffs macht mir mein Leben ja auch nicht wirklich einfacher. An dieser Stelle kam mir das Glücklichste Baby der Welt von Karp, der übrigens US amerikanischer Kinderarzt ist, ganz gelegen, das – wenn ich mich richtig erinnere – auf die Theorien über Koliken eingeht, sie zusammenfasst und auch widerlegt. Dass es also Bauchschmerzen sein können, aber in den seltensten Fällen auch sind. Das löste meine Sorgen allerdings auch zunächst nicht (ich hoffe, ich werfe hier nicht ein paar Bücher durcheinander).

Mir wurde übrigens in den ersten Wochen schon klar, dass auch ich Mitauslöser oder Verstärker des Weinens war. An jenem einen Tag – es war wieder einer der Tage mit ganz viel Weinen – kam die Hebamme und es dauerte nur wenige Augenblicke und der Stöpsel beruhigte sich in ihren Armen, was uns seit längerer Zeit nicht gelungen war, und nicht nur allein wegen des Fliegergriffs, den sie probierte. Mir wurde ganz schnell bewusst, dass ich etwas an mir habe, was den Süßen Spatz beunruhigte. Und so übte ich mich fortan darin, gelassener und optimistischer an das Beruhigen heranzugehen. Es hilft dabei ungemein, wenn man lernt zu akzeptieren, dass das Kind nun mal weint – egal warum – statt darüber zu grübeln, dass es einen Grund geben muss, den man beseitigen muss und dass man optimistisch bleibt, ihm irgendwie helfen zu können, egal ob er aufhört zu weinen oder nicht. Das geht natürlich nicht immer, unsere Nerven haben ja auch ihre Grenzen. Es ist aber eine wichtige Einstellung, die man offenbar lernen muss, weil das Kind sie irgendwie spürt. Ich habe später noch oft bei der Schlafbegleitung neben dem Stöpsel im Bett gelegen und wenn er einfach nicht schlief, versuchte ich auf meinen Puls zu hören, darauf zu achten, dass meine Körperteile ohne Anspannung waren, einfach herunterzukommen. Ansonsten: zum Trösten gegen viel und langes Weinen hilft übrigens wirklich Karps Beruhigungsmethode, weshalb ich sie allen Eltern nur ans Herz legen kann. Sie hilft nicht immer, aber sehr oft. Dafür muss man eigentlich auch nicht das Buch lesen, die 5S-Methode findet man auch im Internet. Da das Buch aber auch einen großen Einfluss auf meine Gesinnung bezüglich Babys hatte, kann ich es trotzdem empfehlen.

Dass meine Gelassenheit half, ihn ruhiger zu halten, sah ich übrigens darin, dass ich es nach einer Weile fast immer schaffte, den Winzling zu beruhigen, mein Mann aber nicht. Er lernte erst später die Gelassenheit, die Unruhe im Kind zu akzeptieren und dennoch die Ruhe zu bewahren.
Ich glaub, für Männer – vielleicht nicht alle, aber viele – ist das auch ein schwieriges Thema. Wir Frauen haben unsere Hormone, die Gefühle aus der Schwangerschaft und einfach einen anderen Bezug. Meinen Mann machte es unglaublich traurig zu sehen, dass er sein eigenes Kind nicht beruhigen konnte. Er dachte, das Kind liebe ihn nicht oder er mache etwas falsch. Man kann da nur versuchen, dem Mann gut zuzureden, ihm Mut zu machen, ihn daran zu erinnern, wie einfach die Mutter es von Natur aus mit dem Baby hat, die Gefühlswelt des Babys zu erklären und betonen dass der Papa das Beruhigen genau so lernen kann. Der gelegentliche Missmut (der ja sicherlich auch aus Eifersucht auf das Baby kommt) blieb zwar, aber der Papa fand auch irgendwann seine eigene Rolle und das macht er bis heute ganz gut. Das gibt mir das wohlige Gefühl, dass die beiden ihre eigene Beziehung aufbauen und vor allem, dass ich weiß, wenn ich nicht mehr kann oder will, dann schafft der Papa das allein.

Dennoch das viele Weinen blieb. Und die Unkontrollierbarkeit, ob ich ihn getröstet bekomme auch. Weshalb es sehr, sehr, sehr lange dauerte, bis ich mich mit meinem Kleinen aus dem Haus traute.
Ohne die gerade erwähnte Bekannte, die nur wenige Wochen nach mir ein Kind bekam, und ebenso die 3-Monats-Koliken durchlief, wäre ich auch weiterhin zu Hause geblieben. Und so halfen wir uns gegenseitig durch diese schwere Zeit und spornten uns gegenseitig an, uns trotz ständig plärrender Babys rauszutrauen. Es dauerte im Übrigen auch fast ein Jahr, bis ich mich das erste Mal allein mit meinem Kleinen hinaus traute und auch da blieb ich in der Nähe von zu Hause. Immer wenn ich irgendwo las oder mitbekam, was andere Frauen nach der Geburt an Ausflügen machten mit ihren Neugeborenen oder Babys, kam ich ins Grübeln, wie sie das wohl machten. Das wäre bei uns völlig undenkbar gewesen. Nicht nur wegen des vielen Weinens, sondern weil der Stöpsel bis vor kurzem unterwegs nicht schlafen konnte und damit der nächste Heulanfall aus völliger Übermüdung vorprogrammiert war.

Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob der Stöpsel ein Schreikind war. Per definitionem weinen Schreikinder 3 Stunden an 3 Tagen über mindestens 3 Wochen, der Stöpsel kam aber nicht auf 3 Stunden. Er kam eher auf 1-2 Stunden an 7 Tagen über mehrere Monate. Natürlich gab es mal einen Tag, wo es mehr als 3 Stunden waren. Aber es waren weder die typischen Zeiten (vor allem abends) noch wie gesagt 3 Stunden.
Ich wage es daher nicht, mich mit Müttern zu vergleichen, die täglich stundenlanges Brüllen aushalten müssen, über Wochen, Monate, einige wenige sogar Jahre. Ich kann aber sehr gut mit ihnen fühlen, weil mich brachten „nur“ 2 Stunden schon an meine Grenzen. Wobei der Begriff Grenze als Mama ja dehnbar ist, denn es gibt keine Grenzen, eher Komfortzonen, alles danach ist ja ohnehin Strapaze. Und man macht ja irgendwie eh einfach weiter.

Ach, siehste… eine Beruhigungsmethode ist mir noch eingefallen. Ich hatte sie schon verdrängt / vergessen. Dabei ist sie doch der Grund dafür, dass der Stöpsel Stöpsel heißt. Auch wir haben sehr lange einen Schnuller gehabt. Er nahm ihn anfangs auch gut an und es half zeitweise, ihn zu beruhigen. Mit der Zeit lehnte der Stöpsel seinen Stöpsel aber immer öfter ab. Mit 10 Monaten entstöpselte er sich selbst, was zu diesem Zeitpunkt aber überhaupt nicht mehr so dramatisch weil, weil er bis dahin super gerne stillte, also auch besonders das Mama-Nuckeln genoss, wenn es auch für mich erstmal nicht leicht war, ganz ohne Nuckelersatz sein Nuckelbedürfnis, vor allem beim Einschlafen.
Ich habe nichts gegen den Schnuller und auch die Sache mit der Saugverwirrung ist mir bekannt, war mir unter unseren Umständen aber ehrlich gesagt egal. Saugverwirrung war ja eh nicht die Ursache unserer Stillprobleme.
Es hat mich damals allerdings schon ein wenig traumatisiert, wie andere Menschen meinem Kind verzweifelt immer wieder den Nuckel in den Mund schoben, wenn er mal nicht aufhörte zu schreien. Das erinnert mich bis heute daran, wie gefährlich so ein Nuckel werden kann, wenn Eltern (und andere) die Kinder förmlich dazu zwingen, davon abhängig zu werden, also im wahrsten Sinne des Wortes als Stöpsel missbrauchen, bis das Kind verstanden hat, dass es sich mit Stöpsel beruhigen soll. Ein Grund, weshalb ich beim zweiten Kind gut (aber spontan) überlegen werde, ob ich überhaupt einen Schnuller möchte.

Die Schlaflosigkeit

Nach kürzester Zeit, vermutlich etwa um die Zeit herum, als sich das Stillen einpendelte und von der Gelbsucht nichts mehr zu sehen war, bekamen wir übrigens eine Sorge hinzu.
Ab jetzt schlief der Kleine tagsüber so gut wie gar nicht mehr.  War er vorher in allen Positionen und überall noch eingeschlafen, hielt er sich ab jetzt wach. Und nickte höchstens mal für ein paar Minuten auf dem Arm ein. Ich weiß noch, dass ich sehr viel über das Schlafbedürfnis der Kleinen im Internet recherchierte (mein Tablet war ein treuer Begleiter in der Anfangszeit mit Baby) und dass dort immer viel mehr Stunden Schlaf für Neugeborene standen als wir bei unserem Stöpsel beobachteten.

Ich fragte mich in der Zeit sehr oft, wo all diese Frauen mit ihren schlafenden Babys in der Stadt herkamen? War eher das Schlafen im Kinderwagen (oder Tragehilfe) unterwegs normal oder waren mehr Babys unterwegs wach, als mir bisher aufgefallen war? Auf jeden Fall wurmte es mich, dass unser Stöpsel unterwegs immer wach war und wenn überhaupt nur mal für kurze Augenblicke die Augen schloss, um beim nächsten Stillstand gleich die Augen wieder zu aufzureißen.

Was uns noch mehr wurmte, war, dass er komischerweise bei Besuch einschlafen konnte, wir den „Besuch“ ohne Besuch aber nicht imitiert bekamen. Wir probierten es mit Fernsehen, mit Unterhaltungen, mit Radio. Wir gingen mit dem kurz später doch noch gekauften Kinderwagen raus, in der Hoffnung, die Geräuschkulisse könne dem Baby beim Einschlafen helfen. Nichts. Unser Baby blieb wach. Es schlief wenn dann nur durch zufällige Umstände ein, die wir nie verstanden – und meistens dann, wenn jemand dabei war, bei dem wir uns vorher ausgeheult hatten, dass unser Baby einfach nicht schlief.

Auf der Suche nach weiteren Beruhigungsmethoden – und  Einschlafhilfen – fing ich nach einer Woche zu Hause an, mich mit dem Binden des Tragetuchs auseinanderzusetzen. Es gibt massig schöne Videoanleitungen im Internet. Das klappte eigentlich auch ganz gut, ich stellte aber fest, dass ein paar kleine Unsicherheiten blieben, z.B. ob das Kind gestützt genug gebunden war. Und so holte ich mir doch noch eine Trageberatung nach Hause. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, hat uns das nicht geholfen. Zunächst bemäkelte die Beraterin mein Tuch, das ja viel zu dünn war und zu lang. Und statt mir dann mit der geübten Bindeweise zu helfen, versuchte sie mich von ihrer Bindeweise zu überzeugen, die wir aber weder unter ihrer Anleitung noch später beim Üben gebunden bekamen (das Känguru). Unser Problem bestand vor allem darin, dass der Kleine sich durchstreckte, und – so schön diese Bindeweise auch ist – beim Känguru dauert es eine ganze Weile, bis das Kind ohne Hände halbwegs gesichert auf der Brust hängt, während man fertig bindet und das geht mit einem Durchstreckkind einfach nicht. Später übten wir unsere andere Bindeweise weiter und die klappte dann auch besser als erwartet, brachte aber leider nicht die erwartete Lösung für die Beruhigung und den Schlaf unseres Babys. Dass er meckerte beim Einbinden, daran gewöhnte ich mich schnell. Dass er dann aber eingebunden wenn überhaupt nur still war, während ich in ständiger Bewegung war, er sich ständig durchstreckte, dass er eingebunden nur ganz, ganz, ganz selten einschlief und nur für wenige Minuten und sich durch den Körperkontakt auch nicht beruhigen ließ, wenn nichts anderes mehr ging, sondern sich eher wand und durchstreckte, das hat mich dann schon geärgert. Liest man doch immer, wie schön das Tragen für die Kleinen ist. Nur so am Rande: wir trugen ihn dennoch eine ganze Weile, erst nur ich, dann später mit einer einfachen Tragehilfe auch der Papa. Es ist einfach unheimlich praktisch, unterwegs mit Bus und Bahn oder beim Spazieren. Man hat keine Hindernisse wie mit dem Kinderwagen und die Hände auch immer frei. Wir tragen ihn gelegentlich immer noch, bzw. der Papa. Ich habe ja zurzeit meinen eigenen Tragling dabei.

Weitere Dinge, die wir probierten, die andere Babys LIEBEN, unseres aber nicht mochte, schon gar nicht zur Beruhigung: viel Kuscheln mit dem Baby, am besten im Bett und nackt, damit der Kleine ganz viel Haut spürt. Brachte unseren zum Kreischen. Schlafen auf meinem Bauch. Nicht mit ihm – wobei es ein oder zwei Mal doch funktionierte, was ich soooooo genoss. Babymassage… ich probierte es gelegentlich, es ließ den Stöpsel nicht noch mehr weinen, aber auch nicht weniger. Und dass er daran Genuss fand, das konnte ich ihm auch nicht ansehen. Weshalb wir die Babymassage auch nicht in unsere täglichen Routinen einarbeiteten, sondern nur gelegentlich anwandten, wenn wir vermuteten, dass es seiner Verdauung helfen könnte.

Zum Thema Stillen möchte ich gerne noch einen Gedanken ergänzen, den ich dann anschließend im Raum stehen lassen muss. Auch wir fütterten in den ersten paar Wochen gelegentlich zu. Insgesamt aber auch nicht mehr als 5 Fläschchen. Es gab auf jeden Fall einen Tag, da war der Wurm drin, an dem gaben wir bestimmt zwei Fläschchen Premilch hinzu. Und das Verrückte daran war, dass der Stöpsel anschließend 2 Stunden schlief, neben uns im Hellen auf der Couch, einfach so. Man liest ja schon, dass es diese Vorurteile gibt, dass flaschengefütterte Babys besser schlafen und früher durchschlafen. Man liest auch, dass das wenn dann überhaupt an der Folgemilch liegt, die den Darm so fordert, dass das Kind viel schlafen muss, was aber nichts Gutes ist (oder so ähnlich). Aber ansonsten spalten sich die Gemüter bei dem Thema. Premilch solle den Effekt auf keinen Fall hervorrufen, weil sie ja der Muttermilch nachempfunden ist. Als Kritiker von Kuhmilch und deren gesundheitlichen Nutzen zweifle ich allerdings ein wenig an dieser These. Mich lässt jedenfalls nach meiner Erfahrung der Gedanke nicht los, dass doch irgendwas an der Flaschenmilch dazu geführt hat, dass der Stöpsel auf einmal doch schlafen kann. Was auch später bei mir immer wieder den Gedanken hervorgerufen hat, ob Schlafprobleme auch eine Folge von Nährstoffmangel sein könnten. Die ich allerdings rückwirkend ausschließen möchte, weil meine und seine Nährstoffzufuhr wurde nicht verändert in den Zeiten, in denen es besser wurde.
Ich jedenfalls schaffte es irgendwie, dem Drang zu widerstehen, auf Flaschenmilch umzustellen, um meine Probleme zu lösen.

Meine Bekannte übrigens hatte mehr Glück mit den bisher genannten Methoden. Sie hatte es auch weißgott nicht leicht anfangs mit ihrem Schreiling, der auch nachts viel weinte (da hatten wir anfangs so gut wie immer Pause!), aber bei ihr halfen Massage, Dauerstillen und Schaukeln, um ihren Wurm zu trösten. Sie hatte auch weniger Probleme mit dem Stillen und Tagschlaf (wobei sie früh zufütterte, weil sie das ewige Stillen störte, und auch nach 6 Monaten froh war abzustillen, nachdem sie ohnehin feststellte, dass die Flasche am Abend ihren Kleinen besser schlafen ließ).
Sie hatte außerdem so eine schöne Art, ihren Kleinen zum Schlafen zu bekommen. Sie wippte und schaukelte ihren Kleinen in einem ganz bestimmten Takt und in ihrer eigenen Schrittfolge auf dem Arm, der kleine Mann schlief ein und nach mehreren Minuten weiter im selben Takt konnte sie ihn problemlos ablegen, auch im hellen Wohnzimmer, wo er dann unterschiedlich lang schlief, und das mehrfach am Tag. Wenn das nicht ging, dann schlief ihr Würmchen garantiert im Maxi Cosi (auch zu Hause), in der Schaukel oder beim Spazieren im Kinderwagen ein. Und später, nachdem ich sie von einer Tragehilfe überzeugt hatte, weil ihr Wurm in meiner Trage sofort und ohne Weinen einschlief, auch dort. Wie gesagt, auch für sie war es furchtbar anstrengend, weil ihr Wurm einfach grundunzfrieden war, wenn er wach wach, aber sie hatte funktionierende Lösungen, auf die ich so unendlich neidisch war. Und die ich natürlich auch alle probierte. Ich lieh mir ihre Schaukel, weil unsere schöne Hängematte nicht funktionierte, probierte den Maxi Cosi, ihr Einschlafschaukeln (sie auch). Alles neue funktionierte exakt einmal um meinen Stöpsel zum Schlafen zu bekommen und auf keinen Fall ein zweites Mal.

Zum Thema Maxi Cosi: immer wieder hört und sieht man auch unterwegs, dass die Kinder darin gut schlafen können. Auch meine Bekannte machte damit so gute Erfahrungen, so dass sie den Kinderwagen ständig umbaute, weil ihr Kleiner in der Liegeschale immer weinte. Und dennoch verunsicherte sie die Tatsache, dass alle immer vom zu vielen Liegen im Maxi Cosi abrieten. Deshalb fing ich auch gar nicht erst an, den Stöpsel zu Hause groß in die Babyschale zu legen, obwohl auch er darin – zufälligerweise – gelegentlich mal gut schlief. Letztendlich sagte mir aber mein Gefühl, wenn das Baby da gut schläft, sich ausschläft, dann kann man das doch machen, oder? Hätte der Maxi Cosi bei uns verlässlich funktioniert, hätte ich das nämlich auch gemacht.
Es gibt nämlich eine Sache, die für den Maxi Cosi spricht, derselbe Grund, dass unser Stöpsel mehrere Monate (bis er sich drehte) vom Stillkissen umrandet schlief. Babys müssen sich fühlen können und / oder brauchen Enge. Vermutlich ist das die Übergangslösung, um sich von Mutterleib auf die Außenwelt gewöhnen zu können. Jedenfalls hilft es den Kleinsten, wenn sie sich im Schlaf „spüren“, wenn sie sich bewegen, wenn sie an Grenzen stoßen.

Was auf jeden Fall half – es zumindest einfacher machte, ihn länger am Schlafen zu halten – war pucken! Ob mit Pucksack oder Tuch, wenn er mal schlief, schlief er länger als ein paar Minuten. Wir bemerkten, dass dies vor allem durch die „eingeschnürten“ Arme kam. Wenn wir ihn nämlich ohne pucken schlafen ließen, merkten wir, dass er sich durch das Fuchteln mit den Armen im Schlaf (manchmal schreckte er im Schlaf auf und dann bewegten sich gleich die Arme vom Körper weg) selbst weckte. Sowas bleibt beim Pucken aus.

Was den Mittagsschlaf betraf, so grübelte ich noch wochenlang, wie ich das jetzt löse, wo ich den Stöpsel hinlege, wann ich ihn hinlege (ab wann macht ein Baby wohl richtigen Mittagsschlaf und wie oft?) und wie ich ihn wohl zum Einschlafen bekomme. Als er etwa 8 Wochen alt war (ich weiß das noch, weil es der Tag war, an dem meine Hebamme das letzte Mal kam) legte ich ihn zum allerersten Mal in seinem Bett tagsüber hin, das Schlafzimmer vollkommen abgedunkelt. Einfach so. Ich legte mich dazu, streichelte seinen Bauch… und es klappte… Stöpsel schlief… und schlief… und schlief. Bis die Hebamme wieder ging. Wer jetzt glaubt, ab da wir hätten dann die Kurve bekommen, der täuscht. Es blieb in diesen anfänglichen Monaten eher eine Ausnahme, dass das tagsüber so klappte. Dennoch war das der Zeitpunkt, ab dem ich seinen Mittagsschlaf in die dunkle Stube verlegte.

Zu recht könnte man mich übrigens jetzt fragen: warum habt ihr ihn nicht einfach wach gelassen, wenn er nicht schlafen wollte? Einer meiner „Lieblingssprüche“ zu der Zeit war, dass er doch nichts verpassen möchte, wir ihn doch einfach wach lassen sollen. Ach, wie putzig das klingt, und wie sehr es mich genervt hat.
Die Antwort auf die Frage ist nicht ganz einfach. Mein Gefühl sagte mir, dass ihm der wenige Schlaf nicht gut tut und dass ich das wirklich nicht „normal“ finde, dass er auch unterwegs nicht schläft. Ich war fest davon überzeugt, dass ein Kind, das nur auf 12 Stunden Schlaf nachts plus eine geschätzte Stunde tagsüber kam, zu kurz kam. Außerdem sehnte ich mich tagsüber nach kurzen Pausen, vom Weinen, vom Halten…
Das mag der ein oder andere falsch finden, aber letztendlich folgte ich meinem Gefühl das sagte, das ist so einfach nicht richtig und eine Lösung her muss.

Die KISS-Diagnose

Das kurze Stillen, das extrem kurze Stillen (nur wenige Minuten am Stück, selten 5 Minuten) veranlasste meine Hebamme, uns schon früh den Rat zu geben, unseren Stöpsel osteopathisch durchchecken zu lassen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich selbst schon einiges gelesen über Osteopathie bei Säuglingen, von welchen Wundern andere nach Behandlungen berichteten und sogar über KISS stolperte ich so schon sehr früh, noch bevor meine Hebamme so Fragen stellte, wie ob der Kleine eine Lieblingsseite hat, auf die er seinen Kopf dreht. KISS schloss ich trotz aller Heftigkeit unseres Alltags ziemlich früh aus, aber eigentlich nur weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie wohl ein Baby aussieht, was wie ein umgekehrtes C da liegt. So wurde es nämlich meistens beschrieben. Und nach einem umgekehrten C sah der Stöpsel irgendwie nicht aus.

Schon die Trageberaterin einige Wochen vorher, so blöd die ich Trageberatung fand, sah die Stillhütchen rumliegen und ließ uns als gut gemeinten Rat ein Kärtchen einer Osteopathin da, weil sie der Ansicht war, dass wenn das Kind ohne Stillhütchen immer wieder loslässt, dann sollte man das besser abklären.

Und so verfolgte ich – jetzt doppelt bestärkt – den Tipp meiner Hebamme und besorgte mir einen Termin bei einer bekannten Praxis für Physiotherapie in der Nähe. Das war mir letztendlich auch lieber, da ich die Physiotherapie nicht aus eigener Tasche zahlen musste, obwohl sie für Osteopathie geschult waren, sondern auf Rezept bekam, wenn auch ein sehr, sehr, sehr hart und unter Tränen erkämpftes Rezept.

Der erste Termin war erst mal frustrierend. Nach all dem, was ich gelesen hatte über Osteopathie, dachte ich, ich gehe da rein, die wissen was zu tun ist, und alles wird schlagartig besser. Das ist natürlich nicht so (aber hoffen kann man in seiner Verzweiflung ja). Statt dessen spazierte ich da rein und die Britta sagte gefühlt schon auf der Schwelle in den Behandlungsraum, dass wir einen Termin bei einer Spezialistin brauchen. In Wirklichkeit sagte sie das natürlich einige Minuten später. Frustriert war ich dennoch. Mich jetzt noch um weitere Termine zu bemühen, Begleitung zu dem Termin zu finden (die Spezialistin war eine anerkannte Ärztin in Köln), das kriegte ich jetzt einfach nicht mehr hin, dachte ich. Letztendlich raffte ich mich aber zusammen und das war auch gut so.

Das war übrigens Brittas Art uns direkt mit dem ersten Blick darauf hinzuweisen, dass unser Kleiner KISS hatte, dringend eine andere Behandlung braucht, für die Osteopathie ungeeignet ist. Das ist wichtig, weil ich heute noch oft lese, dass viele glauben, Osteopathen können KISS beheben. Brittas professionellem Blick jedenfalls ist es zu verdanken, dass der Stöpsel schon mit 3 Monaten KISS-frei war. Sie selbst überbrückte die 6 Wochen Wartezeit, indem sie den Kleinen alle 1-2 Wochen „lockerte“. Denn es war so (ich versuche es mal als Laie zu beschreiben, wie ich es in Erinnerung habe, Fehler vorbehalten): Abgesehen von der „Nackenblockade“, waren Stöpsels Schädelplatten, die normalerweise nach der Geburt beweglich aneinander sitzen, ziemlich unbeweglich und fest (aber nicht festgewachsen). Der oder das KISS wiederum machte es unmöglich, diese Festigkeit (Blockaden) dauerhaft zu lösen. Was dazu führte, dass Stöpsel ein schiefes Gesicht hatte, was mir nicht auffiel, bis man mir zeigte, wie ich ihn angucken muss, um es zu erkennen. Die Ohren saßen z.B. auf unterschiedlicher Höhe. Er hatte durch die eingeschränkten Kopfbewegungen einen leicht platten Schädel (dafür bekamen wir dieses Lochkissen ausgeliehen, auf dass wir Stöpsel betteten). Außerdem war unser Spatz durch KISS so unglaublich angespannt. Er machte eigentlich dauernd Fäustchen und hielt es (gebogenen) Maxi Cosi nicht aus, weil ihm die vorgegebene Position der Babyschale weh tat. Das erkannte man daran, dass er nach den Behandlungen immer richtig in die Schale hineinfiel, während er auf da Fahrt da hin versuchte so flach wie möglich darin zu liegen. Wenn man keine anderen Kinder hat, weiß man ja nicht, dass Babys eigentlich entspannter liegen, ohne viel Fäustchen, ohne Durchstrecken. Stöpsel mochte es überhaupt nicht, auf dem Bauch liegen. Was er vom Tragen hielt, wisst ihr ja schon. Und durch die dauernde Anspannung war er extrem berührungsempfindlich, weshalb er vermutlich auch jedes Umlegen / Ablegen / Verrücken so stark spürte, dass er davon aufwachte.

Stöpsels Kieferknochen selbst waren auch einseitig stark eingeschränkt in ihrer Bewegung – was uns später die Ärztin erst so richtig deutlich zeigte. Das machte es dem Stöpsel so schwer, die Brust beim Stillen zu halten, vor allem lange zu halten. Mit anderen Worten: ihm tat das Stillen richtig weh, was sie uns auch zeigte, indem sie seine Kieferknochen aufeinander zu bewegte und er sich sofort anfing zu winden. Zurecht fragte ich die Ärztin nachdem sie mir das erklärt hatte, warum der Kleine dann nicht den ganzen Tag und ständig beim Stillen weint, wie ein richtiges Schreikind. Und ich werde niemals vergessen, was sie zu mir sagte, weil es das aller-aller-aller-erste Mal war, das mir jemand sagte, dass ich etwas richtig gemacht hatte in den ersten 3 Monaten als Mama und ich mich einfach mal „gedrückt“ fühlte dadurch: „weil seine Mama so eine unheimliche Gelassenheit ausstrahlt und ihn das beruhigt“.

Ich werde an der Stelle abkürzen, weil ich ohnehin nicht mehr alle Details zusammenbekomme. Der Stöpsel wurde osteopathisch behandelt bis zu dieser KISS-Behandlung bei der Ärztin mit 3 Monaten. Seine Blockaden (er hatte neben der Nackenblockade auch eine Beckenblockade) wurde auf diese Weise regelmäßig gelockert. Außerdem unterstützte uns Britta mit den richtigen „Handgriffen“ dabei, dass der Stöpsel nach den Behandlungen ausnahmsweise mal friedlich einschlief und zur Ruhe kam.

Die richtige KISS-Behandlung war grauenvoll anzusehen, der Stöpsel weinte danach auch eine ganze Weile, es hat ihm aber letztendlich wirklich geholfen. Und egal, wo man nachliest, es steht überall, dass die Behandlung nicht weh tut und die Babys aus Schreck weinen. Die Ärztin sagte nach der Behandlung zu uns, dass seine Blockaden sehr ausgeprägt waren. Wir hatten also wahnsinniges Glück, so früh ein so heftiges Leiden von ihm zu nehmen. Alles in allem: Stöpsel wurde dadurch entspannter, weinte weniger, und das Stillen wurde besser, viel, viel besser. Die Stillhütchen ließen wir kurz später weg. Eigentlich hatte ich mir durch die Behandlung auch Wunder bei unseren Einschlaf-Unterwegschlafproblemen erhofft, aber dieses Wunder kam nicht.

Nach der KISS-Behandlung bekam der Kleine noch eine ganze Weile Krankengymnastik. Britta löste in den ersten Monaten noch regelmäßig Blockaden, die sich danach wieder einstellten. Das Zahnen z.B. löst alte Blockaden wieder aus, die sich mit der Zeit aber von alleine lösen sollten, vor allem, wenn das Kind mobil wird. Britta beobachtete seine Übungen zum mobil werden, gab uns Tipps oder Übungen für zu Hause. Nach einem Jahr gab sie grünes Licht, dass er sich körperlich bestens entwickelte.

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass laut Britta auch das vermehrte Spucken und der häufige Schluckauf mit den Nackenblockaden zusammenhängen. Ich hatte fast schon vergessen, dass der Stöpsel zeitweise viel spuckte und auch oft Schluckauf hatte. Später erkannten wir für eine Weile das Zahnen daran, dass er wieder häufiger Schluckauf hatte. Das ging aber von alleine wieder weg. Genau so eigentlich, wie Britta gesagt hatte: beim Zahnen wird es mit den Blockaden noch mal schlimmer, aber das geht irgendwann von alleine wieder weg.

Die Verdauung

Noch so ein Thema, das ich beinahe vergessen hätte. Es gehört vermutlich irgendwie bei den meisten Babys zu der Anfangszeit dazu und nicht nur bei Babys mit Koliken. Die ersten 3 Monate, ich glaub etwas länger noch, sind irgendwie geprägt von der Entwicklung des Darms. Im Grunde genommen ist es ein wahnsinnig langweiliges Thema, wenn es uns Eltern nicht manchmal unheimlich fordern würde.

Da kommt das viele Gerede mit den Blähungen auch her. Wobei ich bei dem Thema nicht wirklich mitreden konnte, weil Blähungen heißt für mich, da kommt auf Luft raus („pups“) und beim Stöpsel kam da nie was. Er hatte in dieser Zeit aber auch einen wahnsinnig dickliches Bäuchlein. Die Hebamme nannte es Milchbauch, für mich sah es aus wie ein Blähbauch. Vielleicht ist das ja auch normal. Ich hatte ja nur dieses eine Baby, das ich täglich nackt sah. Aber Blähungen, wie ich sie kenne („hups, ein Pups“) das gab es bei uns nicht. Statt dessen machten wir Erfahrungen mit großen Geschäften, die mit einem lauten Getöse in die Windel geschossen kamen, was wir eigentlich immer sehr belustigend fanden. Wie gut, dass die Kleinsten sich deshalb noch nicht schämen können.

Was diese Verdauungsphase aber so wahnsinnig anstrengend macht sind die Nächte. Eltern, die ihre Kleinsten bei sich im Zimmer haben, werden sich daran erinnern: das frühmorgendliche Pressen, Stöhnen, Grunzen, Winden, diese Unruhe im Bett, bei dem das Baby aber meist nicht aufwacht und wie ich lese selten weint. Die Mutter (und oft auch der Vater) sind in dieser Zeit wach, grübelnd, was das ist, wo das herkommt, ob man dem Baby helfen muss, wenn ja wie oder ob man damit sogar zum Arzt muss. Ich habe es die Drückphase genannt, weil es sich so anhörte, als würde der Stöpsel Luft oder gleich sein Geschäft rausdrücken wollen. Für Eltern ist das eine wirklich harte Zeit, weil sie davon aufwachen und dann wach bleiben. Was in dieser Zeit physiologisch passiert, das habe ich nie versucht herauszufinden, es war mir letztendlich auch egal, weil tun konnte man eh nichts und es ging (zum Glück) von allein wieder vorbei. Ich habe den Stöpsel in manchen Nächten einfach näher an mich gezogen, seine Beine angewinkelt auf meinen Schenkel gelegt und gehofft, das erleichtert ihm das „Drücken“.

Wir hatten durch die Beckenblockade mit weiteren Verdauungsproblem zu kämpfen. Und es waren vermutlich dennoch keine Blähungen, eher die Unfähigkeit, das Geschäft rauszubekommen. In dieser Zeit wurde das Weinen nämlich wieder öfter untröstlicher. Und jetzt hatte ich wirklich das Gefühl, dass er Bauchschmerzen hatte. Eine Schlussfolgerung, die irgendwie logisch ist, wenn das Kind tagelang eine „Geschäfts“pause einlegt. Gut, auch ich kenne die Sprüche, dass der Stillstuhl auch gerne mal 14 Tage auf sich warten lässt, aber wenn nach 3-4 Tagen ohne Windelinhalt mein Kind besonders leidlich wird und ich mir das nicht erklären kann, dann heißt das für mich: vielleicht ist er verstopft. Die Britta hatte dafür übrigens auch einen Handgriff, zum „Auslösen“. Das war auch ihr allererster Handgriff bei der ersten Behandlung. Unmittelbar danach schoß der Stuhl in die Windel. Es ließ mich also nicht mehr los, dass der Kleine Starthilfe brauchte für sein Geschäft. Meine Hebamme versuchte mich in dieser Zeit mit Globuli (Homöopathie) zu unterstützen, ich war immerhin offen für alles, die halfen aber meiner Meinung nach nicht.

Durch Zufall stellte ich Tage oder Wochen später auch noch fest, dass auch so etwas wie „Fieber messen“ ein Geschäft auslöste, in unserem Fall ein Geschäft, dass mehrere Windeln füllte. Das fand ich interessant und recherchierte. Und fand heraus, dass viele Mütter das als Methode nutzen, ihre Kleinen in dieser leidvollen Zeit von ihrem Leid zu erlösen. Thermometer in den Po und raus mit der Luft (oder mehr). Ein kritisches Thema, das richtige Streitigkeiten in Internetforen auslöst. Die eine Fraktion, denen sogar ihr Arzt diese Methode (oder ähnliche) nahegelegt hatte. Die andere, die das grausam fanden, dem Kind so etwas anzutun und womöglich für ihr ganzes Leben zu schaden.
Ich erwähne es nur, weil für mich war der Erfolg dieser Behandlung (die ich GANZ EHRLICH selbst noch ein paar wenige Male wiederholte) eigentlich Beweis dafür, dass der Kleine unter Verstopfung litt, Muttermilchstuhl und die Theorien darum hin oder her, weil nachher, wenn auch nicht unmittelbar danach, ging es ihm immer besser (er weinte weniger).

Wer sein Baby liebevoll durch diese Zeit begleiten möchte, dem kann ich Massagen unbedingt empfehlen. Bei uns wirkten sie ja wie gesagt nicht (vermutlich wegen der Blockade) und der Stöpsel mochte es auch nicht sonderlich, wenn ihm auf dem Bauch rumgefahren wurde, aber bei meiner Bekannten wirkte die Massage Wunder, ebenso wie das „Fahradfahren“ (die Beine des Babys so bewegen als würde es Fahrrad fahren). Ebenso hilfreich habe ich festgestellt ist übrigens auch das Tragen mit Tragetuch oder Tragehilfe. Mamas oder Papas Bauch massieren sozusagen von ganz alleine den Bauch des Babys. Das hat nicht nur bei mir manchmal unterwegs beim Spazieren eine plötzliche Klosuche ausgelöst, sondern auch die Windel füllte sich gerne mal während des Spazierengehens bzw. unmittelbar danach.

Die Belehrungen

Bei diesem Thema habe ich lange gegrübelt, ob ich es öffentlich in einem Blog breit trete. Und komme zu dem Schluss, dass es nicht nur mir gut tut, meinen Kummer aus diesen Tagen mal auszusprechen, nein, ich glaube, nichts ist beruhigender für euch – wenn ihr ähnliche Sorgen habt – wenn jemand Klartext spricht.

Zum Glück hatte in während des Wochenbetts genug Sorgen, um zu viele Menschen um mich zu scharen. Dazu kam, dass meine eigene Familie, die einem nun mal meistens näher steht, weiter weg wohnte und Besuch auch deshalb rar war. Durch wenig Besuch blieb mir zum Glück weitgehend das Leid erspart, mich unnötig mit veralteten Meinungen auseinandersetzen zu müssen, mit denen man konfrontiert wird, wenn man einen achtsameren Babyumgang pflegt. Ganz drum rum kommt man um „blöde“ Sprüche leider nicht, aber ich hatte das Glück, nicht allzu viel damit zu tun zu haben. Jedoch, wenn ich mal um meine Überzeugungen kämpfen musste, machte mich das irgendwie immer wütend.

Am schlimmsten traf es mich mit meiner Schwiegermutter. Eine liebenswerte, gutherzige und vor allem großzügige Person (mit der ich mich bis vor der Schwangerschaft wirklich sehr gerne unterhielt), die für mich durch ihre ständigen „aber“ während Schwangerschaft und nach der Geburt zu einer taktlosen und unsensiblen Frau mutierte, der ich letztendlich versuchte, so viele Informationen wie möglich vorzuenthalten um zu verhindern, dass sie mir zu persönliche Fragen stellte oder mir ihre Meinung aufs Auge drücken würde, die mich eigentlich gar nicht interessierte, weil sie einfach nur aus Volksweisheiten bestand, die ich für altmodisch und uninformiert empfand. Dazu kam, dass sie (was eigentlich eine ganz tolle Eigenschaft ist), ein Mensch ist, die sehr gerne und viel gibt, ich aber nicht gerne „bekomme“ und mich materielle Dinge ohnehin wenig interessieren.

Und so ging es schon während der Schwangerschaft los mit den ständigen Diskussionen darum, was wir alles nicht brauchen, aber ihrer Meinung nach schon (das Kinderzimmer, das neue große Familienauto). Auch mit verzweifelten Kommentare wie „das Geld fällt ja nicht vom Himmel“ brachte ich sie nicht zum Schweigen. Beim Thema Geschenk zur Geburt winkte ich viele Male ab, weil – wie ihr noch feststellen werdet – ich bin halt ein Minimalist und mit dieser Einstellung bin ich auch an die Babyausstattung herangegangen und wirklich erstaunlich gut damit gefahren (es gibt ja Amazon für Notfälle, wenn man doch schnell was braucht, wie Bücher, die einem mit dem Beruhigen von Babys helfen oder Pucksäcke, von denen man vorher nie gehört hatte).

Richtig schlimm wurde es dann aber nach der Geburt. Denn die liebe Frau Schwiegermama, die netterweise versucht, für die ganze Familie mitzudenken (und gerne vergisst, dass ich jetzt die Frau im Leben ihres Sohnes bin), rief schon einen Tag nach Heimkehr aus dem Krankenhaus an und diskutierte mit meinem Mann darüber, was das Kind jetzt für seine Versicherungen bedeute. Dieses Telefonat hat meine Beziehung zu ihr für den Rest meines Lebens sehr empfindlich gestört. Nicht nur die Tatsache, dass sie dieses Thema in aller Muße mit meinem Mann besprach, während ich im Hintergrund an einem schreienden Kind verzweifelte (Stöpsels Schreien schien sie gerne zu überhören, später auch in Telefonaten mit mir, weshalb ich einfach nicht mehr ans Telefon ging, wenn er schrie), nein, nennt mich überempfindlich, aber ich finde es ziemlich unsensibel und taktlos, frisch nach der Geburt eines Lebewesens (ein Geschenk der Natur, wenn du so willst) so unwichtige Dinge wie Regeln der Versicherungshaie zu besprechen. Dass ich die Formalitäten meines Mannes sowieso im Griff habe, und sehr wohl wusste, was ein Kind für seine Versicherungen bedeute (und dass er dafür noch viele, viele, viele Wochen Zeit hat), es also unnötig war, sich einzumischen, erwähne ich jetzt mal ganz am Rande. Und während ich so mit meinem schreienden Kind kämpfte, stellte sie im weiteren Telefonat die Anfrage nach Fotos für die Verwandtschaft, vor allem die Uroma, am liebsten welche, wo man auch das schöne Geschenk mit dem Neugeborenen sieht. Weil ich während des Wochenbetts mit einem schreienden Kind unter Tränen nichts besseres zu tun hätte, als dafür zu sorgen, dass alle ein Vorzeigebild meines Babys hätten. Mein Mann jedenfalls hätte ich darum nicht gekümmert.

Natürlich besprach ich im Verlauf des Wochenbetts auch all die Klassiker – wiederholt – mit ihr: dass Familienbett die Kinder nicht anhänglicher macht, dass Stillen sättigt, dass Muttermilch mehr ist als einfach eine Sorte Milch, sondern sich den Bedürfnissen des Kindes anpasst, dass Tragen nicht den Rücken schädigt, dass ein Kind nicht gleich von jedem Windzug krank wird. Sie schien ständig zu denken, dass ich mein Kind umbringen möchte oder zu doof bin, es am leben zu halten – je nachdem, wie man es sieht. Das ging mir irgendwann mächtig auf die Nerven. Wenn sie panisch um mich rumtanzte, weil es windig draußen war und der Maxi Cosi ihrer Meinung nach falsch gedreht war und der kleine von dem Zug krank werden könnte („es ist nur Wind“ sagte ich dann gerne). Oder die ständigen Versuche mich davon zu überzeugen, dem Stöpsel Wasser, Tee oder sogar ein Fläschchen mit Milchpulver zu geben (er schreit ja, weil er Hunger und Durst hat). Schwieriger wurde es, als sie mich mit „aber andere Mütter… “ Themen konfrontierte. Wie bringt man jemandem bei, dass einem gesellschaftliche Erwartungen egal sind, weil man gerne ein Individuum ist. Besonders barsch fand ich beispielsweise den Kommentar, den ich zu unseren Problemen mit dem viel weinenden und schlaflosen Baby bekam, dass das ja so nicht sein kann, andere Frauen müssen ja trotz Baby noch arbeiten, was ja unter unseren Bedingungen unmöglich wäre. Ja, was soll man dazu noch sagen? Ich arbeitete nicht und ich hatte auch keine Lösungen für die Probleme, so war es nun mal. Wieso sollten mich solche hypothetischen Horrorszenarien also irgendwie unter Druck setzen?

Und so kam ich irgendwann nach den ersten Wochen als Mama zu dem Schluss… je weniger sie wusste, desto weniger musste ich meine „moderne“ Meinung und vor allem mein Bauchgefühl (!) diskutieren und Gegenargumente parat haben. Und je weniger wir uns sahen, desto weniger musste ich mich aufregen. Letztendlich ist der Kontakt seltener geworden und beschränkt sich bei Begegnungen seither weitgehend auf Gespräche darüber, wie unpassend fürs Wetter der Stöpsel angezogen sein könnte und was man ihm schenken kann. Ansonsten sorgt zum Glück die alleinige Anwesenheit dieses kleinen Kindes dafür, dass man mir nicht zuhören muss, wenn wir ein Gespräch führen. Weil ich bin ja wirklich nicht so putzig wie ein kleines Kind, deshalb kann man sich mitten im Gespräch dem putzigeren Wesen zuwenden.

„Mittelchen“ für die ersten Monate

Eigentlich widerstrebt es mir, einem Baby Medizin zu geben. Viele Babys bekommen in den ersten Monaten ja schon ihre ersten Impfungen, sie erhalten gegen die „Koliken“ entschäumende Mittel („Sab Simplex“), um die Blähungen zu verbessern, Vitamin D sowieso. Es gibt sogar inzwischen schon Ärzte, die die Darmflora gleich in den ersten Monaten mit Bakterien aufbauen möchten gegen die „Bauchschmerzen“ (sog. Bigaia-Tropfen). Es gibt allerhand Dinge, die die Kinder bekommen, damit den Eltern das Leben erleichtert wird. Ich hatte damals ja schon immer die Frage, woher andere Eltern so sicher wissen, dass ihre Babys Bauchschmerzen haben. Ob es einfach die einzige Erklärung für Weinen für einige ist?

Auch ich bekam einige Mittel von der Hebamme – allerdings nur natürliche Mittel und Homöopathie. Weil Kümmel bei Blähungen hilft, probierten wir es mit Kümmelöl zur Massage und Kümmelzäpfchen (Carum Carvi). Gegen das Weinen und die Unruhe bekamen wir vom Arzt Viburcol Zäpfchen, die auch homöopathisch sind. Die Hebamme versuchte es im Kampf gegen die Unruhe (oder Koliken?) mit Chamomilla / Belladonna und Carbo Vegetabilis. Gegen Einschlafprobleme probierten wir glaube ich schon in den ersten Monaten die Passiflora Zäpfchen, später auch noch vereinzelt. Wie bereits gesagt, war der Stöpsel resistent gegen alle Mittelchen, die wir gaben. Ob es nun gegen die „Koliken“ war oder gegen die Schlafprobleme.

Ich kann niemandem raten, womit er seinem leidenden Kind zu Leibe rückt in den ersten Wochen. Ich erwähne hier nur, was wir probiert haben. Ansonsten gibt es auch Seiten im Internet mit Tipps zu alternativen Heilmitteln (Schlaf oder hier: Koliken). Ansonsten kann man es wohl auch mit den sog. Pupsglobuli (die korrekterweise Paderbordner Pupsglobuli heißen). Gedanklich bin ich ja auch schon beim nächsten Kind und auch bei diesem beim Ankommen in der Welt mit etwas Weinen und Verdauungsübungen. Möglicherweise könnte für mich das ein oder andere Mittel anfangs auch noch mal in Frage kommen – und hoffentlich Tragen.

Überlebenstipps fürs Wochenbett

Wenn ihr es nicht selbst schon hinter euch habt, dann kann ich euch eigentlich nur ganz wenige Empfehlungen für die erste Zeit mit Baby geben:

  • Vergesst süß verpackte Babygeschenke: das größte Geschenk während des Wochenbettes sind die Menschen, die euch vertrauen, denen ihr natürlich vertraut und die euch so unterstützen, wie ihr es nötig habt. Die beste Unterstützung während des Wochenbettes sind Haushaltshilfen und starke Schultern.
  • Es ist verdammt schwer, in dieser Zeit ein dickes Fell aufrechtzuerhalten, deshalb heißt meine Devise: wer zu viel diskutiert, muss nicht eingeladen werden, auch nicht zum helfen!

Ich wünsche euch aus ganzem Herzen einen leichteren Start in euer neues Leben. Sollte das nicht so sein, bitte verzweifelt nicht, sprecht darüber. Ihr dürft mir und anderen Lesern gerne Kommentare hinterlassen! Ihr seid ganz bestimmt nicht allein mit euren Sorgen!

Nachtrag Kind 2

Jetzt habe so viel Zeit verstreichen lassen. Inzwischen ist mein 2. Baby 4 Wochen alt. Und – wie es mein Glück so will – auch ein Schreikind, aber vermutlich weniger ein Schreikind aus Schmerzen bzw. KISS, sondern ein ganz „typisches“ 3-Monats-Koliken Kind, das ein wenig mit der Verdauung zu kämpfen hat und gegen Abend immer größere Schwierigkeiten hat, aus dem Schreien in den Schlaf zu finden, weil wegen fehlendem Schlaf sie irgendwann – und das merkt man – völlig reizüberflutet ist. Jedenfalls hoffe ich dass es „nur“ so bleibt. Bisher schläft sie super – wenn ihr geholfen wird mit Körperkontakt, Tragen etc. Es macht mir das Leben etwas schwer, keine Frage, vor allem, weil der Stöpsel ja auch bei mir zu Hause ist, und gerade mehr vernachlässigt wird / werden muss, als mir lieb ist.

Dennoch möchte in an dieser Stelle – für alle, die ein „typisches“ Schreikind haben – sagen, wie gut sich das bewältigen lässt mit Körperkontakt und Tragen. An Tagen, an denen ich trage, ist meine Mausi pflegeleicht, weil sie eigentlich den ganzen Tag schläft. Außerdem hilft ihr das Tragen im Tragetuch (der Fliegergriff würde ähnlich helfen), um das Pupsen anzuregen. Denn sie presst tagsüber und abends verdammt viel. Und man merkt auch, dass an Tagen, an denen sie kaum pupst auch viel schlechter drauf ist, weil sie dann auch sehr, sehr schlecht schläft und im Schlaf wie wach ständig am Pressen ist. Ja…

Natürlich haben wir nach unserer Vorgeschichte gleich einen Osteopathen aufgesucht. Wobei ich dazu sagen muss, die meisten Osteopathen lieber 2-3 Monate warten, bis sie sich die Säuglinge das erste Mal ansehen. Ich habe jetzt eine gefunden, die wegen Schreien unsere Maus jetzt schon angesehen hat. Und wie es aussieht, sind wir von KISS und Blockaden verschont geblieben. Sie hat mir allerdings gleich den Tipp geben, dass das hin und her schuckeln, was ich die ganze Zeit mache für solche Babys wie Mausi völlig ungeeignet ist. Statt dessen tut es ein kräftiges Auf und Ab, Hoch und Runter, ob jetzt im Arm oder im Tragetuch. Das erklärt, warum so viele mit dem Gymnastikball / Pezziball arbeiten, diese Bewegung wäre für meine Maus jetzt auch ganz gut. Nun habe ich aber keinen Ball grad da. Und es erklärt, warum so viele Eltern auf die Federwiege schwört, weil auch die schuckelt hoch und runter.

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