Stillen bis zum Abstillen

Ich habe mich bemüht, die wichtigsten Erfahrungen unseres Stillstarts in einem anderen Beitrag zusammenzufassen. Dennoch habe ich überlegt, das Thema noch mal gesondert anzugehen. Weil ich darüber reden möchte, wie es bei uns geklappt hat.

Stillmotivation

Wenn ich euch meine ursprüngliche Beweggründe fürs Stillen nenne, werdet ihr mich für wahnsinnig erklären.
Ich habe mich nicht bewusst für das Stillen entschieden. Schon gar nicht aus überzeugenden Gründen wie „ist gesünder für das Kind“, „macht das Kind klüger“ oder ähnliche wirklich gute Gründe für das Stillen. Vielmehr habe ich mich zunächst bewusst gegen das Industrieprodukt Flaschenmilch entschieden und für das Naturprodukt, egal, was dahinter steht. Weil ich jemand bin, der auch in seiner Küche verarbeitete Lebensmittel meidet. Außerdem bin ich ein Geizkragen und verstehe einfach nicht, warum ich für etwas (viel) Geld zahlen soll, was ich umsonst bekommen kann. Ihr dürft ruhig lachen, aber für mich sind das durchaus triftige Gründe fürs Stillen. Ich habe mich auch nicht vorbereitet aufs Stillen, weil mein Gedanke war, dass das schon funktionieren wird, immerhin haben das schon ein paar Frauen vor mir gemacht.

Ich würde auch nach wie vor kein Buch dazu lesen, bevor es so weit ist. Ich würde allerdings inzwischen darauf achten, eine liebe Hebamme mit langer Stillerfahrung zu suchen und in besonderen Fällen eine Stillberaterin hinzuzuziehen. Und nebenher in Foren wie stillen-und-tragen oder auf der wirklich wundervollen Seite stillkinder.de mitzulesen.

Meine ersten Stillversuche

Unser Anfang war wie gesagt auch recht schwer. Ich frage mich, ob es uns einfacher gefallen wäre und alles besser geklappt hätte, wäre da nicht KISS gewesen. Im Krankenhaus wirkte alles noch so einfach. Die Hebamme half gleich beim Anlegen, unser Stöpsel wirkte nicht unzufrieden, nachdem er kurz stillte und dann weiter schlief. Eine Stillberaterin aus dem Krankenhaus kam später nach der Geburt und half noch mal beim Anlegen und sagte mir, dass man anfangs bis zu 12x täglich stillen sollte. Da ich aber dachte, der Hunger geht vom Kind aus, hatten ihre Worte für mich letztlich keine Relevanz und ich ließ den Kleinen kommen, wenn er Hunger hatte. Sie zeigte mir auch – mehrfach – auf der Seite zu stillen mit dem Baby liegend neben mir. Auch meine Hebamme zeigte mir zu Hause gleich diese Position, weil sie für Mutter und Kind so innig ist und sich so nach dem Stillen auch gut einschlafen ließ, auch nachts. Es dauerte allerdings noch Monate, bis ich und der Stöpsel mit dieser Position wirklich zurecht kamen. Auch weil ich mich immer ins Hohlkreuz begab und davon Rückenschmerzen bekam. Vielleicht muss für einige Mütter der Moment erst kommen, wo diese Position einfach passt. Und so habe ich von Anfang an im Sitzen in der Wiege gestillt und zwar nur so. Das war für mich in Ordnung, auch nachts.

Schwierigkeiten beim Stillen

Dennoch möchte ich an dieser Stelle noch mal wiederholen, weil ich es aus meiner Erfahrung furchtbar wichtig finde: nicht alle Babys kündigen ihren Still-Hunger-Durst an. Das blieb bei uns sogar sehr lang so, bis ins zweite Lebensjahr hinein. In der kompletten Zeit, in der ich voll stillte, gab ich den Takt nach grober Ahnung vor, weil der Stöpsel sich einfach nicht ankündigte. Nicht durch so süße Aktionen wie Shirt anheben (später), nicht durch Schmatzen, weinen, auf mich zu krabbeln, nichts. Unser Stillen nach Bedarf war etwa nach Uhr anzubieten (alle 2-3 Stunden) oder bei Unruhe. Fertig.

Wenn euer Baby eine eindeutigere Sprache von Anfang an hat, dann nutzt das und stillt sie nach ihrem Bedarf. Ansonsten legt sie an und schaut ob sie annehmen. Ich sage es nur deshalb, weil ich die Erfahrung mit der Gelbsucht (ein krankes Kind gleich von Anfang an) wirklich einschüchternd fand und mir wünschen würde, dass es nicht so vielen Frauen wie mir passieren muss.

Ansonsten bekam ich wie gesagt nach wenigen Tage eine Milchpumpe (auf Rezept) gestellt. Wegen zu kurzen Trinkens des Kleinen, wegen der wunden Brustwarzen. Weil der Kleine so unzufrieden war. Die Milchpumpe sagte mir nicht zu. Ich wusste einfach bis zuletzt nicht, welche Intensität ich einstellen sollte, sie war laut und sperrig und stand in einer Ecke. Später holte ich mir eine Handpumpe. Damit klappte es besser.

Und dennoch… stillen und abpumpen und anfangs das viele anlegen zum „still-beruhigen“, das klappte einfach gar nicht. Denn mit einer Milchpumpe kommt einfach nicht immer Milch, egal wie lange und intensiv man pumpt. Es ist halt ein mechanisch nachgeahmter Stillvorgang, der irgendwie anders ist als das saugen und „ausstreichen“ des Babys. Der falsche Zeitpunkt und es kommt keine Milch. Ein anderer Zeitpunkt (meist „volle“ Brüste) und es kommt verdammt viel. Und so pumpte ich manchmal vergebens winzige Mengen die aufzuheben gar nicht erst lohnte. Währenddessen schrie das Kind schon und wollte auch beruhigt werden, es war kein Milchvorrat aus der Flasche mehr da, ich hatte eh vor einer halben Stunde erst das Kind gestillt-beruhigt. Also da war richtig der Wurm drin. Was jetzt schon ein wenig nach leicht amüsantem Chaos klingt, hat mir in Wahrheit damals die Tränen ins Auge getrieben, immer wieder. Da haben es Frauen, die einfach nur erfolgreich stillen können oder nur abpumpen und per Flasche füttern um einiges einfacher. Dennoch würde ich es heute wieder so probieren, weil ich weiß nicht, ob der Stöpsel je wieder angefangen hätte ordentlich zu stillen hätten wir nicht zwischendurch über Monate immer wieder die Brust angeboten.

Und dennoch war es nicht einfach, beim Stillen dranzubleiben. Weil es einfach nicht ordentlich klappte. Weil es weh tat. Weil wir die Erfahrung mit dem Milchpulver machten, bei der man einfach gleich das Gefühl bekommt, dass das Baby gesättigt ist. Beim Stillen sieht man einfach nicht, wie viel das Baby trinkt und wenn es anschließend weint, dann lässt es einen einfach nicht los, dass es nicht satt geworden ist. Da gibt es keine Vernunft und kein Bauchgefühl mehr, die einem sagen „es wird schon alles in Ordnung sein“. Im Nachhinein glaube ich aber, er hat das bekommen, was er brauchte, wenn auch in vielen kleinen Etappen.

Auch ich hatte in den ersten Wochen Momente, in denen ich überlegte, ob ich das Stillen lasse, weil es so, wie ich es anging, immens kompliziert war. Aber ich blieb dran. Ich setzte mir ein Ultimatum. Ich suchte mir ein Datum einige Wochen in der Zukunft (ich glaub, es waren 4 Wochen bzw. insgesamt dann 6 Wochen nach der Geburt) und sagte mir, wenn es bis dahin immer noch nicht klappt, der Kleine schlecht zunimmt, ich unzufrieden bin, dann gibt’s nur noch fertige Fläschchen. Mir half das zu wissen, dass ich kämpfen werde, aber auch, bis wann ich kämpfen werde und ab wann ich aufgebe, meinen Nerven zuliebe.

Nachdem die Gelbsucht überstanden war, nutzte ich die Milchpumpe eigentlich nur noch einmal täglich. Die Hebamme beobachtete ja sein Gewicht und so lange die Zunahme gut war (was sie zum Glück auch blieb), tat ich mir den Stress nicht an mit dem Abpumpen-Stillen-Beruhigen und stillte statt dessen nur noch mit Stillhütchen und pumpte vorm Bettgehen eine Portion Milch ab, damit der Papa nach der Arbeit am nächsten Tag auch mal „Stillen“ konnte.

Auf die Stillhütchen bin ich an anderer Stelle eigentlich schon eingegangen, ich möchte es aber hier noch mal wiederholen. Durch die Starke Wundheit meiner Brustwarzen fiel mir nach ein paar Tagen das Stillen so schwer, dass ich mich kaum noch überwinden konnte, den Kleinen anzulegen. Und abzupumpen, was dann auch etwas weh tat. Meine arme Hebamme musste mich zwar förmlich  zwingen, die Stillhütchen zu probieren (das künstliche Objekt auf meiner Brust, an dem das Kind saugte, war mir einfach nicht geheuer), aber es war wirklich so, dass mir das Stillen damit einfach nicht mehr weh tat. Wobei man das Hütchen dafür auch richtig aufsetzen muss und dem Baby helfen, ordentlich anzudocken und nicht nur auf den langen „Nippel“ zu beißen. Meist habe ich mit den Fingern die Ränder gehalten (damit das Baby das Hütchen nicht ganz in den Mund zieht). Für den Stöpsel machte es nur geringfügig einen Unterschied, er schien die Brust besser halten zu können damit, aber er stillte immer noch kurz. So kurz, dass verwunderlich war, dass er überhaupt zunahm. Man sagt ja immer, dass die erste Milch dünn und wässrig ist – für den Durst – und erst später die fettige nahrhafte Milch kommt. Aber der Stöpsel stillte von Anfang an im Schnitt nicht mehr als 4 Minuten. Dennoch nahm er gut zu, später sogar richtig gut.

Ich stillte zwar regelmäßig auch mal ohne Hütchen (gerne mal nachts, wenn ich grad im Dunklen kein Stillhütchen fand), blieb aber bis zur erfolgreichen KISS-Behandlung dabei meist mit zu stillen. Und nach der Behandlung klappte es nach wenigen Wochen komplett ohne Stillhütchen und ohne, dass der Stöpsel ständig los ließ. Aber wie gesagt stillte er auch weiterhin nur kurz, bis er irgendwann das Nuckeln für sich entdeckte, sehr spät erst, mit dem Zahnen vermutlich.

Während der ganzen Stillzeit hatte ich – zum Glück – nur zweimal einen Milchstau. Vermutlich beide während des Zahnens. Einmal mitten in der Nacht, einmal morgens. Ohne zu wissen, dass es ein Milchstau war und was man dagegen tut, habe ich beide Male erstmal abgepumpt, alles was ging, die Brust danach regelmäßig massiert an der schmerzhaften Stelle (so in etwa ein Ausstreichen) und anschließend den Stöpsel dazu genötigt etwas häufiger als sonst die Brust zu probieren. Jedes Mal tat es über Stunden weh und ich befürchtete, dass es bestimmt schlimmer wird, weil der Schmerz nicht wegging. Aber der Schmerz ging weg. So dass ich meist nach einem halben Tag den Ärger los war.

Eine Stillsorge liegt mir dennoch so am Herzen, dass ich sie noch mal betonen möchte. Das Stillen nach Bedarf, das eigentlich – wie man einschlägig liest – vom Baby vorgegeben wird, gibt es nicht bei allen Babys. Ich war einige Male bei einer Stillgruppe und wenn wir über das Stillen sprachen, dann klang das immer danach, als würden die Babys der anderen ganz klare Sprachen sprechen. Ich war immer frustriert, denn bei uns gab es keine klare Sprache (auch nicht unterschiedliche Arten zu Weinen, wie andere Frauen das gerne mal beschrieben). Das hat mich allerdings auch nicht davon abgehalten mit dem Stillen aufzuhören. Unsere Methode war einfach auf die Uhr zu sehen und regelmäßig anzubieten, alle 2 bis 3 Stunden wie gesagt. Nachts nach Aufwachen. Anders geht es dann einfach nicht. Aber es hat für uns auch ganz gut geklappt.

Zum Stillen nach Bedarf gehört auch (und DAS hatten wir dann anfangs auch) häufiger anzulegen, wenn es das Baby häufiger einfordert. Es gibt einfach bestimmte Wachstumsschübe, die den Milchbedarf erhöhen – auch dauerhaft – und dazu ist es einfach nötig, dem Kind das zu erlauben, damit dieses meinem Körper wiederum signalisieren kann „bitte in Zukunft mehr davon“. Ähnlich ist es bei Durst an heißen Tagen. Ich habe mir einfach angewöhnt, wenn ich unsicher bin, was dem Kind jetzt gut tun würde, dann einfach mal die Brust anbieten. Punkt. Fertig. Einfach. Keine Regeln.

Zu den langfristigen Stillsorgen gehört auch das zeitweise Desinteresse am Stillen oder die Unruhe, das Zappeln oder ständig wegdrehen.Wenn das Kind mal ein paar Stunden, sogar Tage, weniger trinkt oder schlechter trinkt, ist das völlig normal. Das sind Phasen, die mit der Entwicklung (Wahrnehmung der Umgebung, das Zahnen, Ablenkung) und so weiter zusammen hängen. Ich kann eine gute Stillberatung nicht ersetzen, d.h. wer unsicher ist oder Ängste hat, dass das Kleine deshalb schlecht gedeiht, der sollte mit jemandem darüber reden, der viel Ahnung hat. Ansonsten hilft nur eins – etwas, was wir eh viel gemacht haben – in ruhigen Ecken, sogar dunklen Räumen ohne viel Ablenkung stillen. Das wird beim Zahnen natürlich auch nicht helfen. Da hilft es nur zu warten, bis euer Kind wieder stillen mag.

Ein letzter Punkt, der irgendwie auch zum Stillen gehört, den ich aber auch schon wieder verdrängt hatte: nicht ärgern lassen. Von niemandem. Am besten ist anfangs ein Bodyguard gegen blöde Sprüche. Meine Bekannte hatte ihren Mann, der sich – auch gegenüber seiner Mama – behauptete, wenn die mal wieder mit Besserwissertum daher kam, z.B. mit dem Satz „Mama, es ist ihr Kind, sie weiß schon, was richtig dafür ist.“. Mein Mann hätte das nicht gemacht und so kamen letztendlich viele Tränen, viel Stress, viel Aufregung und womöglich auch anfangs einige Kommunikationsprobleme (mit Stöpsel) beim Stillen nicht zuletzt dadurch, dass ich in Gedanken vergangene Gespräch mit der Schwiegermutter noch verarbeitete, darüber wütete, einfach abgelenkt war. Ich habe zum Glück nicht gemerkt, dass durch den Stress zeitweise die Milch versiegte. Ich habe allerdings davon in Foren gelesen. Also wenn ihr unbedingt stillen möchtet, haltet die Menschen aus eurer Umgebung fern, die euch Stress machen. Wenigstens für die Zeit, in denen eure Stillbeziehung noch aufgebaut wird.

Zubehör fürs Stillen / Abpumpen

Eigentlich braucht man fürs Stillen nichts. Es ist ja alles da. Das Stillkissen z.B. ist gar nicht so hilfreich, wie man denken könnte. Vielleicht testet man das gleich im Krankenhaus. Ich jedenfalls habe es nur ein paar Male untergelegt. Zum Glück ist das Stillkissen super als Stütze für Beine oder Oberkörper im Bett, so dass wir es noch weiter verwenden.
Einen Still-BH brauchte ich nicht, da ich sonst gerne elastische BHs ohne Bügel trage, die ich in der Stillzeit einfach weiter verwendete. Wer Bügel-BHs trägt, dem sei allerdings ein Still-BH empfohlen, ebenso wie ein paar wenige Stilloberteile, die man unterziehen kann, wenn man weiß, dass man unterwegs stillen wird.

Ansonsten braucht man nichts, außer einen gemütlichen Sitzplatz, den man in der Anfangszeit mit Säugling verwenden kann, um viele Stunden dort zu verbringen. Manche kaufen sich extra Stühle / Sessel fürs Stillen. Wenn man sich daraus eine kleine Kuschelecke baut, ist das sicherlich schön. Notwendig ist das aber nicht.

Als Fläschchen (für die Muttermilch und die wenigen zugefütterten Pulverfläschchen) haben wir übrigens einfache Glasfläschchen mit Silikonsauger genutzt. Ich hatte einfach kein gutes Gefühl dabei, Plastik (auch BPA-freies) mit Hitze anzuwärmen. Ich habe mir auch keinen Flaschenwärmer geholt, sondern stattdessen ein gutes Küchenthermometer, das ich jetzt noch in der Küche verwende, und die Flasche in eine Tasse mit heißem Wasser gestellt, immer wieder vorsichtig geschüttelt (ohne viel Schaum zu produzieren) bis die Milch bei 36°C – 37°C Temperatur war.

Wir probierten einen speziellen Sauger für Stillkinder, richtig teuer aus der Apotheke, der das Trinken an der Brust imitieren soll, indem das Baby stark saugen muss, um etwas rauszubekommen. Damit sich die Kinder durch das „leichte“ Saugen an normalen Saugern nicht das Stillen abgewöhnen. So gut diese Dinger gemeint sind, für saugschwache Kinder kann ich sie wirklich nicht empfehlen. Wir benutzten also einfache Sauger.

Und wenn ich schon dabei bin, wir haben unsere Flaschen nicht sterilisiert. Nie. Ich habe sie nach Kauf einmal ausgekocht und anschließend immer in einer sauberen Schüssel gut ausgespült und in einem speziellen Fläschchenhalter lange austropfen und trocknen lassen. Diese Fläschchenhalter sind übrigens wahnsinnig praktisch, wenn man schon auf Fläschchen angewiesen ist.

Anekdötchen aus der Stillzeit

Da habe ich nicht viele. Aber aus der Anfangszeit zumindest drei Stillfakten, die mich immer noch zum Schmunzeln bringen.

Mein Gesichtsausdruck in den ersten Tagen, wenn der Stöpsel angedockt hatte, muss Bände gesprochen haben. Der Zug an der Brust ist schon immens am Anfang, so dass ich die Luft durch die Zähne zog und mein Gesicht verzog. Sogar mein Mann musste dann sagen „oh, er hat angedockt!“, als er den Gesichtsausdruck sah.

Später – auch in den ersten Wochen – hatte ich gelegentlich eine Milisekunde vor dem Andocken so ein Ziehen in der Brust, als würde die Brust schon ohne vollständiges Andocken spüren, dass es jetzt losgeht. Nach ein bisschen Recherche vermutete ich damals, dass das der Milchspendereflex sein muss, den ich da spüre.
Warum ich diesen aber spürte, „bevor“ der Stöpsel angesaugt war, das bleibt für mich weiterhin verwunderlich, zeigt aber, dass die Natur des Menschen doch komplexer ist als einfache Biochemie und Mechanik.

Die letzte Anekdote lässt auch meinen Mann mit schmunzeln, wenn wir heute daran denken. Über mehrere Monate setzte immer wenige Sekunden nach Stillbeginn dieses wahnsinnige Gefühl bei mir ein, als würde ich jetzt auf der Stelle verdursten müssen. Blöd nur, wenn man dann das Kind schon im Arm hat und nicht mehr so mobil ist. Und so wurde mein Mann für lange Zeit mein Laufbursche für Wasser, weil ich ständig vergaß, mir Wasser bereitzustellen. Später reichte ein einfacher Blickaustausch und mein Mann wusste sofort, was mich plagte und organisierte mir eine neue Wasserflasche.

Stillen versus die Flasche

Auch ich kam vereinzelt in Versuchung, mein Kind auf die Flasche umzustellen. Weil ich wenige Male zufütterte und danach das Gefühl hatte, mein Stöpsel konnte danach ruhig und friedlich dahinschlummern. Auch die Erfahrungen meiner Bekannten, die viel mit Zufüttern experimentierte und letztlich gute Erfahrungen mit der Kombination Abendfläschchen und erholsamer Schlaf (erholsam für die Mama) machte, waren durchaus reizend. Dennoch widerstand ich.

Und doch stolpere ich heute noch über diese Diskussionen, wo das eine (Stillen) oder andere (Fläschchen) schlecht geredet wird. Dabei hat doch eigentlich beides seine Daseinsberechtigung. Schon alleine, weil es nicht jede Frau schafft zu stillen, so sehr sie es auch möchte. Es ist doch gut, dass die Alternative zum Stillen nicht lauten muss: „dann muss dein Kind halt verhungern“. Ebenso ist das Stillen einfach nicht für jeden.

Was mich noch wütender macht als Menschen, die einem aus mangelnder Erfahrung (selbst Flasche gegeben) jedes Vorurteil zum Thema Stillen vor den Latz knallen, sind Frauen, die auf Fläschchenmamas rumhacken. Natürlich ist es ein Industrieprodukt und es ist aus Milch gemacht, die für ein anderes Säugetier gedacht war. Aber was gibt einer erfolgreich stillenden Frau das Recht, auf Mamas rumzuhacken, die sich nicht wohl beim Stillen fühlen (immerhin passt es irgendwie nicht in unsere moderne Welt, das spüre auch ich) oder – und auch das habe ich gelesen – jede Frau abwerten, die „mal“ zugefüttert hat, so nach dem Motto: eine zugefütterte Flasche reicht und du darfst nicht behaupten, dass du voll gestillt hast.

Ich für meinen Teil bin dankbar, dass ich das Stillen für mich entdeckt habe. Und das, obwohl ich bisher überhaupt keinen Kontakt mit Stillenden hatte. Ich jedenfalls finde diese ganzen Diskussionen total dämlich. Genauso dämlich eigentlich wie die Kommentare von Menschen, die gestillt haben, weil die Experten das ja heutzutage so empfehlen oder weil die Wissenschaft „Wunderkinder“ verspricht (verdammter Perfektionswahn).
Ich weiß noch, wie ein Nachbar (der selbst Kinder hat) auf meine Information hin, dass ich mein 6 Monate altes Kind noch stille, zu mir meinte, dass man das doch gar nicht mehr muss, dass 3 Monate doch vollkommen ausreichen. Als ob man nur stillt, weil es der Kinderarzt besser findet. Oder die Frau im Wartezimmer des Kinderarztes, die ihrem Bekannten beim Stillen ihres Babys erzählte, dass sie froh sei, wenn die 6 Monate vorbei wären und sie abstillen kann. Das passiert nämlich dann. Menschen, die denken, sie müssen stillen, wegen der Werbeversprechen, das Stillen aber gar nicht „spüren“. Ich kann nur hoffen, dass deren Babys nicht die Abneigung gegen das Stillen spüren können. Ich finde, Stillen muss sich richtig anfühlen. Und es sollte der Mutter auch irgendwie Spaß machen oder sie könnte zumindest das Gefühl haben, dass es praktisch ist. Hauptsache mit dem Stillen ist irgendetwas positives assoziiert, und das Kind spürt das auch. Oder nicht? Wahrscheinlich (oder hoffentlich) gibt es aber wenige Mütter, die im Stillen einen Zwang sehen.

Ich lese eigentlich eher selten davon, was schlecht am Stillen sein soll. Das ist auch ganz gut so. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass im Stillen gerne die Ursache für viele „Babyprobleme“ gesehen wird: die schlechte „Gewohnheit“ Einschlafstillen, das häufige Aufwachen nachts, der Grund fürs viele Weinen (Stillen sättigt nicht). Auch mir legte unser Kinderarzt nahe, dem Kind nachts die Brust vorzuenthalten, ich weiß allerdings nicht mehr warum. Der Stöpsel war da 4 oder 6 Monate alt. Ich erinnere mich noch daran, wie er sagte, dass der Kleine nachts keine Nahrung mehr braucht. Schlecht ist Stillen gewiss nicht, es scheint auch wenig Fakten gegen das Stillen zu geben, aber das hält die Menschen – von Laie bis Profi – auch nicht davon ab, dagegen zu wettern. Wie dieser Artikel liebevoll ausdrückt.

Contra Stillen

Was mich gleich zu den Punkten bringt, die ich an Stillen selbst nicht mochte bzw. die mich verunsichert haben.
Auch beim 2. Baby, so das Stillen auch hoffentlich funktioniert, werde ich mich vermutlich stark davor scheuen, in der Öffentlichkeit zu stillen und es so gut es geht vermeiden. Ich habe von Natur aus kein dickes Fell und ich komme weder mit blöden Blicken, dummen Kommentaren von Bekannten – Fremde werden dich eher selten ansprechen – noch damit klar, dass ich mehr von meinem Körper zeigen muss als mir lieb ist. Ich fühle mich auch einfach nicht wohl dabei, in Anwesenheit von Menschen zu stillen, die selbst nie gestillt haben, weil die gaffen ja bestimmt erst recht. Und ich bin einfach nicht gesegnet mit dem körperlichen Selbstbewusstsein, dass mich nicht daran zweifeln lässt, dass alle um mich rum meine schlechte Haut, meine Cellulite oder meine Schwangerschaftsstreifen sehen. Die Brust ist dabei nämlich – finde ich – noch das geringste Problem, denn die ist ja in den ersten Stillwochen ja so schön prall und groß, was ja durchaus Vorzeigecharakter hat (das schreibe ich mit einem eindeutigen Zwinkern). Ohne Stilloberteil zeigt man immer seinen Bauch, der nach der Schwangerschaft bestimmt bei allen Frauen selten wunderschön ist. Und auch wenn die Brust meist gut verdeckt ist vom Kind, das Kind kommt garantiert zu irgendeinem Zeitpunkt in einer Zappelphase, wo es einfach weniger stillt als sich wehrt oder dreht oder anderes… und dann liegt garantiert alles blank.

Und so hatte für mich Stillen noch einen Nachteil – am Anfang – ich wollte auch in Gesellschaft nicht raus, weil irgendwann in 2 Stunden würde der Stöpsel wieder an die Brust müssen und so schnell ist selten ein Ausflug erledigt. Es sei denn, er führt einen vor die Tür. In einem 2-Stunden-Fenster zu planen, das fand ich immer so schwer, dass ich es einfach ganz ließ. Später allerdings entdeckte ich Wickel- oder Stillräume in der Stadt für mich oder im Notfall auch Café-Toiletten, zumindest die gepflegten, in denen ich dann doch unterwegs stillte.

Aber das noch größere Problem war, dass mich sehr, sehr, sehr lange der Gedanke nicht los ließ, dass das Stillen Schuld sein könnte an den Schlafproblemen, an der verzögerten Entwicklung, an allem, was uns in der „24h-Zeit“ das Leben schwerer gemacht hat.
Wobei, falsch, ich hatte nicht das Gefühl, das Stillen sei Schuld, sondern vielleicht „meine“ Milch. Ich habe mich nämlich nicht so gesund ernährt, wie es einer stillenden Frau immer nahegelegt wird. Wie auch – ich hatte wirklich ganz andere Sorgen. Und so fragte ich mich immer wieder mal, ob meiner Milch vielleicht gewisse Nährstoffe fehlten oder ob der Kaffee, den ich trank, Schuld war an der Schlaflosigkeit.
Schlussendlich kann ich hier aber Entwarnung geben. Die meisten Sorgen lösten sich ohne eine Umstellung meiner Ernährung in Luft auf. Und auch ein regelmäßiger kompletter Kaffeeentzug über ein paar Wochen besserte nichts.
Dennoch wollte ich es erwähnen, weil es mich doch öfter stärker verunsicherte, als mir lieb war.

Übrigens nimmt nicht jede Frau automatisch durch das Stillen ab. Bei mir war es das Gegenteil. Während des Wochenbetts nahm auch ich noch ab und danach schön regelmäßig immer und immer weiter zu. So sehr, dass ich irgendwann zum Arzt ging, weil ich vermutete, dass es vielleicht an der Schilddrüse liegen könne und ich falsch eingestellt bin. Ich nahm damals über Jahre schon Pillen gegen eine Unterfunktion, die ich inzwischen nicht mehr brauche. Meine Ärztin sagte dazu allerdings nur ganz frech, dass ich vermutlich zunehme, weil ich meinen Nährstoffbedarf überschätze, das passiere bei stillenden Frauen öfter mal, und vermutlich einfach zu viel esse. Na, das hört eine stillende Frau ja auch wahnsinnig gerne. Wen es interessiert, letztendlich schob ich das weitere Zunehmen auf die Folgen von Stress und Schlafentzug. Das setzt die Hormone gerne mal in totales Chaos und führt nicht zuletzt dadurch zu Gewichtszunahme. Ein Bewegungsmangel (Muskelabbau) gehörte sicherlich auch dazu.

Pro Stillen

Trotzdem spricht für mich alles fürs Stillen – sofern man es selbst möchte. Die Beziehung zum Kind ist eine andere: die Nähe, das Trost spenden. Es fühlt sich für mich einfach wunderschön an. Natürlich darf man nicht vergessen, dass Muttermilch einfach die besser verdaulichere Milch für einen Säugling ist, dass sie das Immunsystem des Kindes unterstützt, dass Kinder davon intelligenter werden sollen und und und. Aber auch ohne wissenschaftliche Forschung bezüglich der Vorzüge des Stillens würde ich stillen, weil ich einfach daran glaube, dass es die bessere Nahrung ist und es die wärmere Ernährungsform. An die Panikmache, dass Babys von der Muttermilch irgendwann nicht mehr satt werden, oder dass sie Nährstoffmangel bekommen, wenn man nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt zufüttert, daran glaube ich eigentlich nicht, da ich fest davon überzeugt bin, dass die Menschheit dann nicht überlebt hätte, wenn das stimmen würde.

Das klingt jetzt nicht wirklich nach viel, weil die überzeugenden Fakten an Masse mangeln, aber die wenigen PRO Fakten haben für mich ein immenses Gewicht, dass sie in meinen Augen völlig ausreichen, um überzeugend zu klingen.

Wer übrigens nicht sicher ist, ob das Stillen so seins ist, dem kann ich noch folgende Seite empfehlen, die mit einigen Vorurteilen zum Stillen aufräumt. Und auch folgenden Artikel, der sich mit dem hartnäckigen Vorurteil beschäftigt, dass Stillen weh tun muss.

Langzeitstillen

Auf die Idee, über Stöpsels erstes Lebensjahr hinaus zu stillen, kam ich übrigens erst später. Ich ging zunächst davon aus, dass ich rund ein Jahr stillen würde. Wie ich auf ein Jahr kam, was ja schon verdammt viel ist, weiß ich gar nicht mehr.

Erst über Recherchen zum Thema Stillen stieß ich auf die Tatsache, dass es Frauen gibt, die länger stillen, bis ins Kleinkindalter. Ja, auf die Tatsache, dass eigentlich überall auf der Welt länger gestillt wird als in unserer westlichen Welt. Dass die WHO 2 Jahre Stillen empfiehlt ist mir – wie alle Empfehlungen grundsätzlich – sogar egal. Es gibt auch Dinge, die die WHO empfiehlt, die mir überhaupt nicht gefallen.

Ich werde auch niemandem eine Empfehlung fürs Langzeitstillen aussprechen. Darauf muss jeder selbst kommen. Ich möchte es nur in den Raum werfen, weil ich diese Möglichkeit nie in Erwägung gezogen hätte, wäre ich nicht zufällig darüber gestolpert. Schöne Erfahrungsberichte zum Thema Langzeitstillen findet man auf jeden Fall auf der Seite stillkinder.de.

Vorgenommen hatte ich mir also 2 Jahre und dann „mal sehen“. Letztendlich kam mein Wunsch, die Familienplanung „abzuschließen“ zuvor, so dass es für Stöpsel nicht 2 Jahre wurden.

Abstillen

Aber immerhin wurden es knapp über 19 oder 20 Monate. Genau kann ich es nicht sagen, weil ich tatsächlich nicht ganz mitbekam, wann der Stöpsel sich abstillte, da er weiterhin nuckelte. Ich wusste, dass ich mit einer Schwangerschaft ein Abstillen auslösen könnte. Und während ich mir noch Sorgen machte, was wohl passiert, erledigte sich die Frage in 2 Phasen von allein. Irgendwann muss Stöpsel aufgehört haben zu trinken. Und ich war wohl zu unachtsam es direkt zu merken. Ach, dachte ich, das Nuckeln hilft ihm, das kann er zum Abend hin ruhig noch weiter machen. Da hatten aber meine Hormone noch ein Mitreden. Und so lernte ich, dass es ohne Hormone gar nicht möglich ist, das „Nuckeln“ an der Brust auszuhalten, ohne dass es Kribbelgefühle auslöst. Ich fühlte mich auf einmal gar nicht mehr wohl dabei, das Nuckeln zuzulassen. Es war allerdings auch kein großes Thema. Es waren 1, höchstens 2 Abende, da versuchte ich es zuzulassen, entstöpselte ihn aber nach kurzer Zeit, weil es einfach nicht ging, er weinte kurz auf und akzeptierte es. Zum Glück… ich hätte sicherlich auch mehr Geduld zum Abstillen aufgebracht, aber es ist doch schön, wenn es sich einfach fügt.

Ich glaube, das Stillen hätte ihm für ein paar weitere Monate noch gut getan. Es hat ihm das Zahnen immer so erleichtert. Aber es ist, wie es ist, und wir akzeptieren es. Wenn er mich nackt sieht, dann will er auch gelegentlich noch mal dran. Ich lasse ihn probieren, bzw. habe es bis vor kurzem noch. Denn er macht tatsächlich gar nichts. Er ist ein wenig verwirrt, wenn er „probiert“. Es sieht danach aus, als wüsste er gar nicht mehr, was er tun soll, so dass er von alleine nach 1 Sekunde loslässt, sowieso gar nicht erst ansaugt, und von allein von dannen zieht.
Ich bin mal gespannt, was kommt, wenn ein anderes Lebewesen demnächst dann den ganzen Tag „nuckel nuckel“ macht. Und was er in seiner Eifersucht dann machen möchte. Ich habe den Tipp gelesen, einfach probieren lassen, meistens lassen die Kinder das von selbst direkt. Hauptsache, sie denken sie dürfen nicht und werden noch eifersüchtiger. Wissen, wie es geht, tun ohnehin die wenigstens eine Weile nach Abstillen. Wobei ich auch von Kindern gelesen habe, die mit dem nächsten Kind wieder angefangen haben zu stillen. Ich stelle mir das anstrengend vor, aber ich schließe nichts aus.

Zum Thema Abstillen habe ich auch noch folgenden Text, ja es ist fast ein Gedicht, gefunden, den ich euch gerne zeigen möchte. Und einen schönen Erfahrungsbericht zum Abstillen eines Kleinkindes, der sogar mir ein wenig die Tränen in die Augen lockte.

Ohne geht’s nicht

Zuallerletzt möchte gerne noch betonen, dass das Stillen ohne meinen Mann nie funktioniert hätte. Ich denke, diesen Teil darf man nicht unterschätzen, auch wenn die Frau während der ganzen Stillzeit die „Arbeit“ hat. Fürs Stillen ist es verdammt wichtig, dass der Mann beim Stillstart beisteht, einen unterstützt, einem Wasser bringt, den Rücken stärkt, wenn es nicht klappt, einem gut zuredet, das Stillkissen unterlegt…. Wichtiger aber noch ist die Stillunterstützung durch den Mann, weil das Baby durch das Stillen so unendlich viel Aufmerksamkeit mehr bekommt als der Mann. Steht der Mann nicht voll hinterm Stillen, wird die Belastung, die dadurch in der Beziehung entsteht unerträglich, was nicht zuletzt auch Einfluss auf das Stillen hat.

In dem Sinne sei an dieser Stelle meinem Mann gedankt, der mir oft die Gelegenheit gibt, zu walten, wie ich es für unser Kind am wichtigsten halte, auch beim Stillthema.

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