Einschlafen geht nicht, Ausschlafen auch!

Ich tue mich gerade verdammt schwer damit, einen Anfang für das Thema zu finden, das unser „anderes Baby“ am meisten ausmacht. Es ist ein so unendlich ausführliches Thema. Es gibt so viel zu sagen. Und ich versuche mich seit Tagen in die mentale Lage zurückzuversetzen, wie verzweifelt ich vor einem Jahr noch war. Es klappt aber nicht.

Hier und Jetzt

Ich hatte es bereits erwähnt, dass die Schlafschwierigkeiten (und deren Folgen) so gut wie weg sind. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich selbst inzwischen viel erholter bin, weil der Stöpsel halt auch richtig durchschläft. Es hat aber mehr damit zu tun, dass er selbst viel erholter ist, weil er durch das Durchschlafen und den langen Mittagsschaf ausgeschlafener ist. Er ist und bleibt eine Lerche, die gerne früh aufwacht. Vor allem mit Aufwachzeiten vor 7 Uhr habe ich immer noch stark zu kämpfen. Er schläft nachts recht kurz. Wenn es 10 Stunden sind, dann freue ich mich, aber meist sind es eher 8,5 und 9,5 Stunden. Wenn man sich wünscht, abends Auszeiten zu haben, wenigstens eine kurze kinderfreie Zeit, dann ist das natürlich eine viel zu kurze Schlafenszeit.

Vor einigen Monaten gab es einen Punkt, da hatte ich das gute Gefühl, dass der Stöpsel jetzt auch beim Papa einschlafen könnte. Und es funktionierte direkt beim ersten Versuch und er weinte auch nur ganz kurz. Seither habe ich zwei bis drei Abende die Woche Zeit für mich. Zeit für uns als Paar gibt es immer noch nicht, da der, der im Bett liegt meist dabei auch einschläft oder zu müde ist, um dann noch mal für 30 Minuten aufzustehen.
In den schwierigen Zeiten war auch der Papa viel müde, weshalb wir am Wochenende immer etwas darum kämpften, wer mit dem Stöpsel aufstehen soll. Inzwischen kann ich mich darauf verlassen, dass ich am Wochenende ausschlafen darf, weil der Papa aufsteht, wenn der Stöpsel nicht mehr schlafen möchte. Der ist nämlich ab 6 Uhr meist selbst schon wach, wenn nicht sogar schon aufgestanden. So kann ich meinen eigenen Schlafbedarf auch mal ausschlafen. Oder einfach mal noch eine Stunde die Ruhe im Bett genießen.

Der Mittagsschlaf klappt inzwischen recht gut. Manchmal schläft er 3 Stunden, manchmal nur 90 Minuten, allerdings immer noch nur zu Hause im abgedunkelten Schlafzimmer. Neuerdings darf ich mittags nach dem Einschlafen aufstehen, ohne dass er davon aufwacht. Es kann passieren, dass er aufheult im Schlaf. Dann gehe ich einfach zu ihm, rede ihm gut zu, kuschele mich kurz an ihn und dann schläft er weiter. Früher wäre er dann aufgewacht, hätte miese Laune gehabt und ewig geweint und gemotzt.

Phasenweise haben wir immer noch Schwierigkeiten damit zu erkennen, wie wir seinen Mittagsschlafbedarf erfüllen. So ganz mit sich selbst im Rhythmus ist der Stöpsel da immer noch nicht. Wir haben irgendwann vor 6 Monaten der Einfachheit halber auf einen Mittagsschlaf umgestellt, weil eh kein eigener Rhythmus erkennbar war: haben wir ihn nämlich trotz Müdigkeitsanzeichen (um 10 Uhr morgens z.B. oder später mittags um 2 Uhr) hingelegt, hat er trotzdem nicht geschlafen. Seit etwa 6 Monaten schläft er einfach gegen 12 / 13 Uhr. Punkt. Fertig. Das klappt auch ganz gut. Und dennoch gibt es Zeiten wenige Stunden nach dem Aufstehen, da scheint er an einen toten Punkt zu kommen. In letzter Zeit ist das etwa um 10 Uhr morgens und manchmal am frühen Abend noch mal. Er reibt sich dann die Augen, wird quengeliger, ruhiger… und wenn wir dann vormittags unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er im Buggy oder auf dem Rücken einschläft. Was ich versuche zu vermeiden, da er dann nur kurz schläft, zu Hause im Bett dann nicht mehr einschlafen kann und der restliche Tag tendenziell anstrengend ist. Ansonsten bleibt es einfach so, dass er nicht einschlafen kann, wenn er müde ist. Je länger der Tag anhält, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er dann auch – trotz Müdigkeit – die Kurve in den Schlaf bekommt. Ohne das eigene Bett im dunklen Zimmer sowieso nicht.

Alles in allem haben wir aufgehört, am Schlaf herumzudoktern. Man könnte meinen, der beste Weg ist es, auf die Zeichen des Kindes zu achten – und ich komme auch immer wieder in Versuchung, den Schlaf nach seinem Takt zu probieren oder so Methoden wie „wach halten, bis er einfach nicht mehr kann“ – aber tatsächlich hat es bei uns besser geklappt, ihm die Schlafbedingungen vorzugeben. Nach all den Büchern zum Schlaf (die bedürfnisorientierten Bücher), die ich gelesen habe, ist das ja eigentlich eher ungewöhnlich. Normalerweise fahren Eltern besser damit, auf das Kind zu achten und zu hören, um die besten Schlafbedingungen zu ermitteln.

Mein letzter Wunsch wäre es, dass der Stöpsel bald auch die Reife hat, dass er erst lernt die Kurve in den Schlaf zu bekommen und dann irgendwann ohne uns gut einzuschlafen. Ich dränge ihn nicht dazu. Es wird schon gesehen, wenn es geschieht. Aber das wäre mein letzter Wunsch bezüglich Schlaf. Zurzeit verbringen wir noch wahnsinnig viel Zeit im Bett mit ihm, bis er eingeschlafen ist. Mittags meist eine halbe Stunde, abends gerne mal über eine Stunde. Oft noch so lange, dass ich durch die Dunkelheit müde werde und teilweise mit einschlafe. Er kriecht beim Einschlafen dann wie ein Irrer durchs Bett hin und her (das macht er auch schon sehr lange, seit dem 1. Geburtstag mindestens), knabbert und knirscht auf unseren Kissen herum (das macht er erst seit Abstillen). Er kann überhaupt nicht ruhig liegen bleiben, nicht mal 2 Sekunden. Das macht er (abends) eine Stunde lang und länger, bis er plötzlich in einer Position verharrt und dann friedlich und ratzfatz einschläft. Neuerdings dreht er sogar so sehr auf, dass er in Redelaune verfällt oder gar aufsteht. Was ihn da in den Wahnsinn treibt, warum er trotz Müdigkeit und inzwischen sogar Vorfreude aufs Bett nicht still liegen kann, sondern eher wieder aufdreht, ist uns ein Rätsel. Und Hilfsmittel wie ein Gute-Nacht-Lied oder Vorlesen helfen bei ihm nicht. Beim Singen fängt er an zu quatschen, um mich vom Singen abzubringen. Vorlesen ist eh nicht sein Ding. Aber es ist wie es ist und auch wenn es Tage gibt, an denen mich das Knirschen auf den Kissen wütend macht oder die Tatsache, dass die Zeit im Bett einfach nicht vergeht, es ist einfach so unendlich viel einfacher geworden mit dem Stöpsel, seit er sein Schlafbedürfnis wenigstens halbwegs erfüllt bekommt und tagsüber bessere Launen dadurch hat.
Zu dem Thema Einschlafen lernen (ohne Begleitung) kann euch Kathrin von Nestling noch viel besser erklären, mit welchen Erwartungen man da heran gehen kann. Wir schlafen übrigens immer noch gemeinsam im Familienbett, bei weißem Rauschen. Auch zum Thema Familienbett gibt es bei Nestling ausführliche Infos.

Mit Babys Schlafstörungen bist du allein!

Schlafstörungen bei Babys und Kleinkindern sind eine wirklich schwierige Angelegenheit. Und eine Angelegenheit, die man scheinbar besser in seinen eigenen vier Wänden ausficht. Denn sobald man Menschen hinzuzieht – mögen es Vertraute, Bekannte oder „Experten“ sein – ist man nur frustriert. Wenn man anderen Eltern mit Schlafproblemen kommt, nicken sie alle verständnisvoll und erzählen einem, wie lang es gedauert hat, bis das eigene Kind durchgeschlafen hat. Dass das mit dem Durchschlafen nicht unsere Sorge war, dass es ernsthafte Schlafprobleme gibt, das kann man diesen Eltern dann gar nicht vermitteln.
Geht man in der Verwandtschaft mit dem „nicht einschlafen können und ständig aufwachen“ hausieren, erntet man nur Zweifel, ob man denn wirklich alles richtig macht, auch wirklich alles probiert habe oder ob man nicht ein wenig übertreibt. Verständlicherweise wird man allerdings auch gerne darauf hingewiesen, dass manche Kinder einfach nicht so viel Schlaf brauchen bzw. dass sie sich doch den Schlaf holen den sie brauchen und schon einschlafen werden, wenn sie müde sind. Ich weiß noch, wie die Schwiegermutter irgendwann im zweiten Jahr nach allem, was sie inzwischen über Stöpsels Schlafprobleme hätte wissen sollen, fragte, ob er denn auch nicht beim Spielen einschliefe. Da blieb mir erstmal der Mund offen stehen. Abgesehen davon, dass sie eigentlich auch wusste, dass er sich nicht selbst beschäftigte, davon auszugehen, dass wenn er nirgends verlässlich einschläft trotz Müdigkeit, dann ja möglicherweise beim Spielen… ich kam mir schon ein wenig veräppelt vor. Da fällt mir auch wieder ein, wie sie mich in den ersten Monaten auf meine Schlaferzählungen hin immer gerne daran erinnerte, wie toll ihr Sohn als Baby immer und überall geschlafen habe. Immer und immer wieder. Anfangs fand ich das seltsam. Irgendwann sah ich darin einen nett verpackten Angriff auf meine Gene, bzw. eine Andeutung, dass es ja dann meine Schuld sein muss, weil ihr prächtiger Sohn kann so ein schlechtes Verhalten ja nicht vererbt haben. Dann irgendwann, als die ganze Familie zusammengekommen war, versuchte sie es erneut. Nach so vielen Vorlagen kam dann aber die richtige Antwort aus mir geschossen, in der ich sie daran erinnerte, welche Schlafprobleme ihr Sohn jetzt als Erwachsener habe. Dass er ja auch tagsüber nicht schlafen kann (stimmt wirklich!), schon gar nicht bei Licht (stimmt wirklich!), dass er nachts ständig aufwacht (stimmt wirklich!) und auch ansonsten ein unruhiger Wälzer ist. Sie hat mich danach nie wieder daran erinnert, wie prächtig ihr Sohn als Baby geschlafen hat. Touché!

In der Rückbildung lernte ich eine andere Frau kennen, deren Baby auch einen schwereren Start hatte. Es fühlte sich so schön an, mit einer Mama zu sprechen, die ähnliche Verzweiflung durchgemacht hatte. Allerdings stellte sich auch heraus, dass der Spuk bei ihr nach den üblichen 3 Monaten weitgehend vorüber war. Und so spendete sie mir weiterhin Trost und Verständnis für Situationen, die sie schon lange hinter sich gelassen hatte. Sie dachte, sie verstand unsere Schlafprobleme, aber ich merkte bald, dass sie das gar nicht konnte. Denn bei ihr hatte ja immer irgendwas geholfen und es ging vorbei. Ihr Babysohn schlief auch in seinem eigenen Bett, hielt meist ordentlichen Mittagsschlaf und sie konnte, während er friedlich im Laufstall spielte, den Haushalt schmeißen. Dass bei uns nichts half und nichts vorbei ging, das machte mich zusehends wütend, wenn sie mich wieder ausführlich darüber belehrte, was sie alles mit Erfolg probiert hatte und glaubte, das muntere mich auf oder half mir daran zu glauben, dass es bald vorbei sei.

Wenn man ein Baby bindungsorientiert aufwachsen lassen möchte, dann bekommt man auch keinen vernünftigen Rat von Ärzten. Natürlich können diese helfen, mit einer Überweisung in die Schreiambulanz, wenn die Mutter einfach nicht mehr kann, aber spätestens da wird einem nur einer helfen, wenn man von seinem Wunsch abkommt, dass man die Bedürfnisse seines Kindes erfüllen möchte. Da gehören nämlich zur „Erziehung“ des Kindes (zu mehr Schlaf, Erholtsein und weniger Anhänglichkeit), ihm all die Dinge abzugewöhnen, die es zu stark an die Mutter bindet: (nächtliches) Stillen, Familienbett, viel Nähe und Trost. Das mag in verzweifelten Situationen hilfreich sein, für mich wäre das allerdings der falsche Weg gewesen, meinem Kind zu helfen.

Aber auch mit andersgesinnten Experten, Heilpraktikern z.B., hatte ich so meine Verständnisprobleme diesbezüglich. Unsere Schlafprobleme wurden dann gerne auf unsere Erwartungen geschoben (ich finde es nicht wirklich anspruchsvoll zu wollen, dass das Kind ausgeschlafen ist tagsüber) oder aufs Stillen („natürlich wacht es nachts häufiger auf, wenn er weiß, dass er dann gestillt wird“). Oder wir ernteten gut gemeinte Ratschläge zur Tagesgestaltung, die den Schlaf des Kindes sicherlich von alleine verbessern würden. Natürlich kannten wir die alle und hatten schon lange festgestellt, dass die Tagesgestaltung keinen Einfluss auf das Schlafverhalten hatte.

Jeder weiß, was zu tun ist bei schlaflosen Kindern. Es gibt sogar Kinderlose, die mit Tipps aufwarten können. Aber keiner, nicht ein einziger von all den Menschen bis jetzt konnte uns sagen, was unser Kind braucht, um die Kurve in den Schlaf zu bekommen statt wie ein Duracell-Männchen immer weiter und weiter und weiter zu machen. Der Kampf mit Stöpsels vielfältigen und doch irgendwie zusammenhängenden Schlafproblemen war dann halt letztendlich unser – und unser allein. Wobei wir am Ende doch einen Weg einschlugen, für den wir Hilfe holten.

Die Bandbreite von Schlafstörungen

Dass ein Baby Schlafstörungen haben kann, können sich scheinbar nur wenige vorstellen. Ist man unterwegs in der Stadt, schlafen nämlich irgendwie alle Babys, die man in Kinderwagen oder neuerdings immer öfter in Tragehilfen auf der Brust ihrer Mutter sieht.
Ich lasse das Thema „Durchschlafstörung“ übrigens erst mal außen vor, weil ich nach all dem, was ich gelesen habe, z.B. diese schöne Zusammenfassung von Nestling (ihr ahnt schon: eine ganz tolle Seite), es als normal erachte, dass Kinder teilweise bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr mehrfach nachts erwachen, besonders Stillkinder. Für mich gibt es keine da Durchschlafstörung, es sei denn, es ist wie bei uns: das Kind wird häufig wach, kann dann einfach nicht mehr richtig in den Schlaf finden – trotz Stillens und Trost und ist morgens unerholt.

Unser Alltag jedenfalls drehte sich bis letzten Herbst ausschließlich um das Thema Schlaf. Es fing damit an, dass der Stöpsel oft zwischen 5 und 6 Uhr morgens schon wach wurde, man mit ihm aufstehen musste und er dann trotzdem unausgeschlafen war. Wieso unausgeschlafen? Unausgeschlafen war er für uns, weil er oft sofort, meist nach kurzer Zeit, vielleicht 15 Minuten, quengelig wurde, weinte, unzufrieden war, an mir hing, alles blöd fand incl. Wickeln, Tragen, Kuscheln, auf dem Schoß sitzen oder liegen. Für mich ist das kein ausgeglichenes Baby, ergo: unausgeschlafen. Das viele Gähnen und Augenreiben bestätigte das nur. Wobei es Zeiten gab, wo er komischerweise diese deutlichen Müdigkeitsanzeichen einfach mal wegließ, aber trotzdem genau so schlecht drauf war, so dass wir auf „müde“ schlossen. Wie oft las ich nach, woran man sicher erkennt, dass ein Baby müde ist. Ich wollte ja mein Kind nicht zum Schlafen zwingen, wenn es nicht müde war. Ich fand heraus, dass das Augenreiben und das ans Ohr greifen eindeutige Zeichen sind. Gähnen auch. Dann soll man das auch in den Augen erkennen. Sie sehen einfach müde aus, starren „leer“. Blöd nur, wenn das Kind gerade erst aufgestanden ist und die Müdigkeitszeichen von Anfang an zeigt.  Oder – wenn das Kind schon ewig quengelig ist und man sicher ist, dass es eigentlich müde ist – aber ausnahmsweise die eindeutigen Signale gar nicht von sich gibt.
Ich habe so oft gelesen, dass eine Mutter weiß, wann ihr Kind müde ist. Hmm… also ich nicht. Ich konnte auch diese „Fenster“ nie erahnen, in denen es scheinbar am besten funktionieren sollte, die Babys hinzulegen. Verpasst man diese Einschlaffenster nämlich, wird das Baby nicht schlafen und man muss 45 Minuten warten, bis sich das nächste Einschlaffenster ergibt. Wir mussten immer warten, also war es egal, ob Fenster oder nicht.

Und so drehte sich der Tag darum zu überlegen, wann man ihn wieder hinlegt und wie man dazwischen die schlecht gelaunten Phasen gestaltet.
Manchmal habe ich ihn dann tatsächlich um 7 Uhr morgens schon wieder hingelegt. Später versuchten wir, mindestens 90 Minuten seit dem letzten Aufwachen abzuwarten. Denn dann kam das nächste Problem dazu: trotz Müdigkeit war er tagsüber einfach nicht zum Schlafen zu bekommen.

Auf dem Arm in den Schlaf schaukeln – aufrecht oder liegend, Singen, „Shhh“ machen, Rauschen, Melodien aus dem Babyphone, Streicheln, auf einem Gymnastikball in den Schlaf hüpfen, im Tragetuch schaukeln, im Dunklen, im Hellen, auf dem Arm im Wohnzimmer, in seinem Bett (schlafend und wach), draußen, drinnen, in unserem Bett liegend und stillend… wir haben wirklich alles probiert, um eine verlässliche Methode zu finden, wie der Stöpsel gut einschlafen kann. Was ich jetzt hier in wenigen Sätzen abhandele, war in Wirklichkeit ein sehr nervenaufreibender Prozess, jeden Tag, jedes einzelne Hinlegen davon. Wir beobachteten den Stöpsel und seine Müdigkeitsanzeichen, sein Weinen, seine Unzufriedenheit. Wir analysierten, wenn er mal gut schlief oder einschlief, woran es gelegen haben könnte und suchten nach Zusammenhängen. Wir probierten systematisch alles durch, was uns einfiel und zusagte (Staubsauger und Fön waren nicht unsere Methoden und zum Glück ohnehin nicht akzeptiert). Und trotzdem funktionierte nichts, von dem man sagen konnte „gut, wenn wir das machen, dann braucht er zwar seine Zeit, aber er schläft dann!“.

Hatten wir mal zwei Tage Erfolg mit einer Methode, was schon selten genug war – oder Glück? – waren wir schon fast euphorisch, jetzt endlich am Ziel angekommen zu sein. Dann schlug der Wind aber doch wieder schnell um, und der Stöpsel fand diese Methode dann doch nicht mehr so hilfreich. Meist verbrachte ich die Zeit mit Ideensuche fürs Einschlafen, was einfach daran lag, dass der Stöpsel ab einem gewissen Zeitpunkt den Papa verweigerte, was vermutlich nicht zuletzt am Stillen lag. Aber wenn ich dann regelmäßig doch die Nerven verlor, musste der Papa ran. Manchmal half das, vermutlich, weil ich selbst dann einfach zu aufgebracht war. Aber wenn der Stöpsel nicht schlafen konnte, dann gab auch der Papa regelmäßig auf. Und dann blieb der schlecht gelaunte Stöpsel halt wach. Bis zum nächsten (vergeblichen) Versuch einige Zeit später.

Die vergeblichen Einschlafversuche waren die, die mich am meisten verzweifeln ließen. Besonders an Tagen, wo es mehrfach vergeblich war. Immer wieder der Versuch des Hinlegens und immer wieder stieg man mit mies gelauntem Baby aus dem Bett raus und wusste, dass man gleich einfach irgendwie weiter ausharren musste.

So in etwa spielten sich ab dem 4. bis zum etwa 18. / 19. Lebensmonat die Tage ab. Ich war übermüdet, weil er Stöpsel so früh wach wurde, dann schlecht drauf war, viele Versuche ihn hinzulegen scheiterten, ich dann weiter ausharren musste mit miesgelauntem Baby, bis zum nächsten Versuch und übernächsten Versuch usw.
Wenn er einschlief, dann übrigens meistens für nur 30 Minuten. Es gab einzelne Male, da schaffte er auch 45 Minuten, aber die Regel waren 30 Minuten. Es gab also Tage, da lag der Stöpsel vier oder fünf Mal im Bett tagsüber für 20-30 Minuten und das waren schlaftechnisch gesehen dann tatsächlich die „guten“ Tage. An der Laune änderten Kurzschläfe allerdings gar nichts.

Abends hatten wir dann andere Schlafgeschichten zu bewältigen. Der nächtliche Schlaf war anders anstrengend. Wir hatten da anfangs noch recht elternfreundliche Abende, später dann leider immer seltener. Elternfreundlich war, der Stöpsel meldete sich nach Einschlafen erst nach mindestens 2 Stunden Schlaf wieder. Das waren 2 Stunden für die Eltern, immerhin. Ich gewöhnte mir schon recht früh an, nach den 2 Stunden von alleine ins Bett zu gehen. Es gab aber auch Abende, an denen er nach Einschlafen alle 30 Minuten aufwachte. Damals war ich davon aber noch nicht so aufgebracht darüber, wie später, denn normalerweise waren es die ersten vier bis sechs Monate folgende Schlafrhythmen nach Einschlafen: 4 Stunden, Stillen, und ab da alle 2 Stunden und Stillen. Es gab allerdings auch einfach nur etwa alle 2 Stunden und dann stillen.
Um den 6. Monat wurde es aber schlimmer und häufiger, dass er aufwachte, direkt nach Einschlafen und auch die restliche Nacht. Und – was ab da richtig anstrengend wurde – sich oft nicht mit Stillen wieder zum kompletten Einschlafen bewegen lassen konnte oder sich gleich gegen das Stillen wehrte.

Das Aufwachen blieb lange unvorhersehbar. Er konnte um 5 Uhr aufwachen, oder um 8 Uhr. Gerne auch an 2 aufeinanderfolgenden Tagen in der Reihenfolge. Ich kann mir vorstellen, dass das anfangs aber völlig normal ist. Aber bei allen Schlafproblemen die wir zu bewältigen hatten, war es immens ärgerlich einfach keine Ahnung zu haben, welche ungefähre Uhrzeit einem das Kind am nächsten Morgen bescheren würde.

Etwa um das erste halbe Jahr herum fingen wir auch an, das Babybett nur noch als Rausfallschutz zu nutzen und vollständig zu akzeptieren, dass er dort jetzt einfach gar nicht mehr schlafen wollte. Das funktionierte nämlich bis dahin zeitweise noch recht gut, manchmal immerhin für 1-2 Schlafphasen nachts, manchmal mittags für seine „Mini-Naps“ und ganz selten sogar bis zum frühen Morgen. Dass um das erste halbe Jahr irgendwas mit den Kindern geschieht, was auch noch mal am Schlaf dreht, las ich auch hier. Das bestätigt das Gefühl, dass in dieser Zeit irgendwas passiert, weil auch wir nahmen einen schlagartigen (keinen guten) Wechsel der Schlafgewohnheiten wahr, der von da an blieb. Inzwischen würde ich sagen, es sind die Zähne. Aber was soll ich auch sonst für eine Erklärung haben?
Ich weiß noch, dass ich in seinem 8. Lebensmonat irgendwann Nägel mit Köpfen machte und sagte: ok, dann liegt er halt immer neben mir und ok, dann muss ich auch beim Schlafen bei ihm bleiben. Was so klingt, als hätte ich eine große Abneigung dagegen gehabt, habe ich eigentlich gerne gemacht, in der Hoffnung es könnte ihm helfen. Aber der unglückliche Nebeneffekt war halt: gar keine Zeit mehr für mich (das wiederum störte mich schon). Ich hatte die Hoffnung, das „mit ihm schlafen“ würde ihm helfen, nicht immer nach 30 Minuten aufzuwachen, was ja offensichtlich keine Erholung brachte. Egal, wie lange er auch brauchen würde das zu lernen. Denn auch der Versuch, mich einfach neben sein Bett zu legen und ihn beim Aufwachen mit Streicheln oder Zureden so zu beruhigen, dass er weiter schlief, scheiterte. Bzw. der Versuch glückte, für einige Tage, und dann wachte er wieder nach 30 Minuten auf.

Es waren sehr lange Monate, in denen ich immer mit ihm im Bett lag. Mittags, abends… immer. Was diese vielen Monate so schlimm machte war wie gesagt, dass ich meine Rechte auf eigene Zeit aufgab, es die Schlafsituation im Allgemeinen aber nicht verbesserte. Dass ich also viel im abgedunkelten Zimmer lag mit ihm und versuchte, dabei nicht einzuschlafen. Denn es ist einfach grausam, selbst mit einzuschlafen und dann nach 20 oder 30 Minuten wieder geweckt zu werden und gleich funktionieren zu müssen. So viel zum Rat der „Profis“, sich selbst mit hinzulegen; das mag gut gehen, wenn das Kind einen ordentlichen Mittagsschlaf hält, aber nicht bei 30-Minuten Schläfern. Und trotzdem schlief ich ständig ungewollt mit ein und war nach 20-30 Minuten Schlaf völlig groggy. Und auch sonst bessere sich nichts. Stöpsels Launen besserten sich von meiner Schlafbegleitung nicht. Das Interesse an der Umwelt besserte sich nicht. Durch meine Anwesenheit klappte es zeitweise etwas besser mit dem Einschlafen, dank des Stillens. Das war aber kein dauerhafter Erfolg und mit der Mobilität kam dazu, dass er nach dem Stillen wieder aufdrehte und durch das Bett kroch. Ein Problem, das wir  ja jetzt noch haben. Er schlief nicht regelmäßig länger, auch nachts nicht, wo er jetzt immer neben mir lag. Und er wachte morgens trotzdem viel zu früh auf. Das war schon frustrierend.
Dass er aufwachte, wenn ich versuchte, mich „mal“ raus zu schleichen (man muss halt auch mal auf Toilette), war noch frustrierender. Und so musste ich tagsüber den Papa rufen, wenn ich rauskroch oder nachts den Papa sogar wecken, wenn ich dringend aufstehen musste, weil es garantiert war, dass der Stöpsel davon aufwachen würde. Er war überhaupt sehr reizempfindlich. Nahm jede Bewegung wahr im Schlaf. Jedes Türöffnen. Alles. Das wurde irgendwann so schlimm, dass es keine andere Lösung gab, als den Papa eine Weile auf der Couch schlafen zu lassen, weil der morgens so früh raus musste und dabei öfter als mir lieb war ungewollt den Stöpsel mit weckte.

Und dann kamen trotz allem manchmal Phasen dazu, wo es einfach noch schlimmer wurde. In denen er auch nachts alle 30-60 Minuten aufwachte, und morgens ab 4 Uhr nur noch sehr unruhig schlief, um 5 aufwachte, tagsüber sich noch öfter gegen das Einschlafen wehrte. Das waren dann sehr lange Tage. Noch länger als sonst. Wo ich doch eh schon auf niedriger Flamme funktionierte. Aber bei diesen Phasen blieb mir trotzdem nichts anderes übrig als Augen zu und durch. Dass ich in diesen Zeiten besonders viel fern sah und besonders viel Süßes vertilgte… ich glaube, das darf man mir wirklich nicht vorwerfen.

Wir gaben schon ziemlich früh auf, noch weitere neue Methoden zu probieren. Ich weiß noch, dass ich in meiner letzten Verzweiflungstat das Buch „Schlafen statt Schreien“ las. In der Hoffnung, dass dort etwas für uns stand. Es ist übrigens ein wirklich schönes Buch zum Thema Schlaf, wenn jegliche Schreienlassen-Methoden für einen nicht in Frage kommen, aber unser Problem konnte es leider trotz vieler wahnsinnig guter Einsichten nicht lösen. Zum Beispiel probierten wir es durch das Buch inspiriert noch mal mit einem festen Tagesrhythmus. Ich strukturierte den Tag komplett durch in Aufwachzeiten, Frühstückszeiten, Spazierzeiten, Schlafzeiten, und in welchen Zeitfenstern ich mich wie mit ihm beschäftigte. 2 Tage klappte der Rhythmus, dann nicht mehr. Und ich probierte es noch lange. Durch seine Müdigkeit wurden mir jegliche Pläne zunichte gemacht. Ich musste ihn doch anders hinlegen, weil er nur rumjaulte. Das Spielen funktionierte nicht, weil er einfach null Bock hatte und nur motzte. Ich konnte das Essen nicht vorbereiten, weil er an mir klebte. Das Essen schmiss er nur durch die Gegend. Ich gab also auf und sah die schönen Tipps aus dem Buch für uns als sinnlos an. Wobei es dennoch ein schönes Buch ist mit liebevollen „Umgewöhnungs“-Ideen für unzufriedene Eltern. Nur einen Kritikpunkt habe ich an dem Buch: dass der Tagschlaf einfach zu kurz kommt. Die Autorin (selbst verzweifelte Mama eines nachts ständig aufwachenden Juniors) löste einen Teil ihrer Schlafprobleme durch einen festen Mittagsschlaf, den der Kleine vorher scheinbar einfach nicht zu brauchen schien. Wie sie ihrem Kleinen den Mittagsschlaf angewöhnte, warum sie welche Zeit wählte und überhaupt wie man als Eltern das Tagschlafbedürfnis erahnen kann, das fehlt in dem Buch leider.

Nachdem ich angefangen hatte, als allerletzte Lösung, mich immer dazuzulegen (siehe oben), änderte ich erst nach dem ersten Geburtstag noch mal etwas: den Schlafrhythmus. Ab da legte ich ihn einmal vormittags und einmal nachmittags hin. Es war mein Versuch, für mich etwas Planung in die Tage zu bekommen. Zwischen diesen Schlafphasen harrte ich meist trotzdem mit unglücklichem Kind aus, das natürlich wegen der ausgedehnten Wachphasen jetzt noch müder war.  Bis zur Schlafenszeit lebte ich in ständiger Sehnsucht nach der nächsten Schlafpause. Denn das war sie inzwischen für mich geworden: eine Pause. Trotz, dass ich im Bett gefangen war, nutzte ich die Pausen, um Hörbücher zu hören oder digitale Bücher zu lesen. Auf zwei feste Schlafphasen umzustellen, das war im Übrigen wirklich harte Arbeit – über Monate. Ich weiß noch, dass ich meine Bekannte damals verzweifelt fragte, wie lange es gedauert hat, bis ihr Wurm den einzigen Mittagsschlaf verinnerlicht hatte. Sie hatte ihn kurz vor dem 1. Geburtstag umgestellt, weil sie wieder arbeiten wollte und die zwei Mittagsschläfe die er sonst hielt, für die Betreuung unpraktisch gewesen wären. 2 – 4 Wochen dauerte die Umgewöhnung sagte sie. Der Stöpsel war noch 2 Monate später zu den falschen Zeiten müde. Was besonders nachmittags echt ärgerlich war, weil er nämlich sehr oft müde war, wenn wir zu Abend aßen. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt. Der Stöpsel brauchte ohnehin immens lange, bis er sich für Nahrung interessierte. Und dann war er zu unserer Hauptmahlzeit abends immer müde. So müde, dass er entweder nichts aß oder lustlos aß und sich dann ständig am Essen verschluckte. So oft würgte er am Essen, mehrfach hatten wir das Gefühl, er kriegt keine Luft mehr. Und scheinbar einfach nur, weil er zu müde und lustlos war, essen zu lernen.

Um Stöpsels ersten Geburtstag herum, ich glaub im April 2015, änderte sich der Mittagsschlaf immerhin langsam insofern, als dass er immer öfter länger als 30 Minuten schlief, bis zu 90 Minuten sogar. Es war etwa zu der Zeit, dass wir zum ersten Mal etwas probierten, was erst beim zweiten Versuch ein halbes Jahr später anschlug. Was genau das übrigens war, kommt gleich noch.  Wenn ich mich also wach halten konnte mittags, dann hatte ich wirklich viel Zeit zum Lesen. Stöpsels Unzufriedenheit blieb allerdings und auch das Unausgeschlafen sein. Und die Nächte wurden auch immer anstrengender.

Alles in allem waren die Nächte wirklich harte Arbeit für mich. Die Nächte waren einfach mit mehr „Wache halten“ verbunden als mir lieb war. So oft musste ich nachts stundenlang wach bleiben, weil er so oft hintereinander unruhig wurde und das Beruhigen ja auch nicht einfach mit Stillen funktionierte. Die Phasen, in denen er nah an mir lag und in denen er seinen eigenen Platz brauchte, wechselten sich ab. Mit den körpernahen Phasen tat ich mich etwas schwerer, weil ich da in eine Seitenlage gezwungen war, in der ich nicht einschlafen konnte.
Und dann gab es dann zu meinem Leidwesen die Tage, in denen der Stöpsel „mal“ längere Phasen nachts schlief und ich nicht einschlafen konnte aus Angst, ich könnte gleich wieder geweckt werden. Das allerdings denke ich, kann jeder Mama von Zeit zu Zeit mal passieren. Wir Erwachsenen sind ja auch keine Schlafroboter, die unter jeder Bedingung und jeder Anspannung einfach einschlafen können. Es ist sicherlich normal, nach einer anstrengenden Zeit gelegentlich mal in der Angst zu leben, nicht mal 2 Stunden am Stück schlafen zu dürfen und deshalb gar nicht erst einschlafen zu können.

Es gibt übrigens noch so ein Randthema, das irgendwie mit in den Schlaf einspielte. Stöpsels Radar oder Antenne. Er hatte eine sehr sensible Antenne für alles: Bewegungen im Schlaf, Geräusche im Schlaf, unsere Launen. Die Antenne, die meinen Mann am meisten in den Wahnsinn trieb (Männer! :-)), war die, die uns die Kuschelzeit verwehrte. Oder sollte ich lieber schreiben: Bedürfnisbefriedigung. Der Stöpsel nahm es irgendwie wahr, dass wir was vor hatten und schlief dann einfach nicht ein bzw. brauchte besonders lange, so dass mindestens ich, wenn nicht auch mein Mann dabei gleich mit einschliefen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht vergessen, dass er unterwegs natürlich auch nicht geschlafen hat. Bzw. genauso unzuverlässig wie zu Hause. Vereinzelte Male ist er im Tragetuch eingeschlafen. Im Kinderwagen ist er genau einmal eingeschlafen und das auch erst nach über 3 Stunden Spazieren. Kam der Kinderwagen zum Stillstand, bzw. betraten wir das Haus (auch mit Tragetuch), war er sofort wach. Solche Aktionen wie unterwegs zum Schlafen bekommen und dann zu Hause schnell ins Bett legen wären bei uns völlig undenkbar gewesen. Selbst wenn er nicht mit Betreten eines Gebäudes aufwachte (Veränderung der Akkustik, die er wahr nahm, egal, ob er gerade eingeschlafen war oder schon 20 Minuten schlief), dann reichte das aus der Tragehilfe nehmen und er war sofort wach.

Die Facetten der Verzweiflung

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist es wirklich schwer nach so langer Zeit genau auszudrücken, wie die Zeit sich zog, wie ich tagsüber unter Strom stand, wie ich die Tage rum bekam.

Geweint habe ich damals nicht oft. Irgendwie fehlte mir für Tränen oft die Kraft oder ich fühlte mich zu gelähmt. Statt dessen hab ich meine Sinne auf Durchzug gestellt. Oder ich habe mich mit meinem Mann gestritten. Wenn das Drumrum (die Partnerschaft, der Haushalt, die Erledigungen) nämlich auch liegen bleibt, gibt es wahnsinnig viel Streitpotential. Oder ich hab gemeckert, über alles und jeden. Oder ich habe geschrien. Ins Kissen.  Oder geschimpft. Ich habe auch den Stöpsel mal angeschimpft. Ich habe ihn nie geschlagen oder ihn geschüttelt. Ich musste ihn allerdings wenige Male einfach trotz Schreiens ignorieren. Ich glaube, selbst die größte Verfechterin davon, die Bedürfnisse des Babys nach Trost zu stillen, kann verstehen, dass es in Ausnahmesituationen mal besser ist, das Kind für einen Augenblick sich selbst zu überlassen statt die Kontrolle zu verlieren. Wenn jedenfalls kein anderer da ist. Ja, ich bin auch mal aus dem  Zimmer gerannt, obwohl der Stöpsel im Bett schrie (wenn der Papa da war, übernahm er dann). Oder ich hab ihn mal 2 Minuten neben mir liegend ungetröstet schreien lassen. Später im 2. Lebensjahr kam es auch zwei- oder dreimal vor, dass ich ihn bewusst von mir wegschob, wenn er immer wieder angekrochen kam um getröstet zu werden. Weil er sich eh nicht trösten ließ und mich das gelegentlich wirklich rasend machte und ich für den Moment jetzt einfach nicht mehr wollte. Auch ein Gefühl, dass nur jemand nachvollziehen kann, der die Verzweiflung kennt, dass das eigene Kind einfach keine Methode des Trostes akzeptiert. Solche grausamen Zurückweisungen, die wirklich, wirklich selten waren, taten mir hinterher immens leid. Aber es war für mich wichtig, es manchmal genau so zu tun, bevor ich meine Wut am Kind auslasse. So konnte ich kurz abschalten, einmal tief Luft holen und nach wenigen Minuten den Stöpsel wieder in meine Arme schließen und lieb haben. Klingt einfach. Ist aber an sich wirklich richtig harte Arbeit an einem selbst.

Folgende Worte schrieb ich mir in der Zeit irgendwo mal auf:

… Aber ich hab es einfach durchlitten. Ohne von irgendwem Trost oder Verständnis zu bekommen. Ich habe Bekannte verprellt. Ich habe mich fett gefressen. Ich habe richtig viel schlechte Laune gehabt. Ich musste allen Kummer runterschlucken, habe manchmal geweint. Und trotzdem musste ich jeden Morgen aufstehen, den Kleinen versorgen… Ihn drücken wenn ich es konnte. Nur um im nächsten Moment wieder die pure Verzweiflung zu spüren. Monatelang. Ohne Ausgleich. Weil entweder ist das Baby wach (und man mit Baby beschäftigt) oder man ist mit ihm im Bett. Also 24 Stunden Baby, Baby, Baby. Das kann sich einfach keiner vorstellen. Auch mein Mann konnte manchmal nicht verstehen wie es mir geht. Obwohl er zwei Monate zu Hause bei mir war. Obwohl er selbst müde war. Obwohl er zeitweise genau so verzweifelte an gescheiterten Einschlafversuchen. Und trotzdem verstand er meine Ausbrüche nicht. …

Ich möchte gerne noch ein Wort zum Thema Schütteln loswerden. Ich habe es wie gesagt nicht gemacht. Ich möchte schreiben „ich habe es natürlich nicht gemacht“. Das geht aber nicht. Ich möchte allen sofort die Illusion nehmen, dass das nur „schlechten“ Menschen passieren kann. Das ist nämlich nicht so. Ich habe dazu noch einen eigenen Artikel in petto, den ich vor anderthalb Jahren schon geschrieben hatte. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sein Kind nicht schüttelt. Es ist selbstverständlich, dass man das bei guter Nervengesundheit nicht möchte. Aber das Schütteln ist ein Reflex, der scheinbar in uns steckt und bei extremer Anspannung einfach kommt. Es sind – meines Erachtens – Bedingungen wie Sicherheit, Rückhalt und Entlastung, die verhindern, dass uns der Reflex überkommt und wir nachgeben. Oder geübte Überlebensstrategien wie Distanz suchen. Ich habe diesen Drang zu Schütteln verspürt. Mein Mann sicherlich auch. Wir haben widerstanden. Die meisten verzweifelten Eltern können widerstehen. Aller leider nicht. Ein so unendlich trauriges Thema.

Ich habe von Anfang an eigentlich keine Zweifel daran gehabt, dass ich all das mache, was eine Mama so machen muss. Ich bin zum Glück nicht in die Falle gegangen, dass ich an meinen Mamafähigkeiten zweifelte, weil sich mein Kind schwer tat, schlecht schlief, zu viel schrie oder sonst was. Nie dachte ich, ich hätte irgendwie versagt. Und ich hatte nie das Gefühl, dass ich mein Kind deshalb emotional abstoße. Im Gegenteil. Ich hatte zwar nicht die Kraft, alles immer gut zu bewältigen, aber ich liebe mein Kind über alles und gab ihm auch nie die Schuld für unsere Misere. Das wäre auch das aller-aller-aller-erste, was ich einer Frau sagen würde, wenn sie mir von ihren Babysorgen erzählt. Es ist nicht deine Schuld. Du hast nichts falsch gemacht. Dein Kind ist so. Es liebt dich trotzdem. Es braucht nur viel Hilfe. Punkt.
Und trotzdem habe ich mich hinterfragt, während ich so zum vielen Nichtstun gezwungen war. Ich habe den Stöpsel beobachtet, ich habe mich beobachtet. Ich habe mir z.B. immer wieder solche Fragen gestellt, meine durch Müdigkeit manchmal eingeschränkte Aufmerksamkeit Schuld daran seien, dass das Problem Schlaf unlösbar war. Das ist natürlich Quatsch, weil auch durch gesteigerte Aufmerksamkeit änderte sich ja nichts und ich verweigerte ihm ja auch nicht die Nähe, die er brauchte. Oder ich fragte mich, ob er noch mehr Nähe braucht, ob er vielleicht „verstört“ ist dadurch, dass ich ihn ganz am Anfang zu oft ablegen wollte oder habe, wenn er zufrieden war. Oder ob wir gar nicht erst mit dem eigenen Bett hätten anfangen dürfen. Oder ob das ständige Rausschleichen Schäden hinterlassen hat. Ob ihn dieses immer wieder allein aufwachen anfangs verunsichert hat und das Problem so geschaffen hat. Oder hätte ich von Anfang an Schlafzeiten einführen müssen? Viele solche Fragen schwirrten mir im Kopf umher. Sie sind allerdings nicht zielführend, weil rückwirkend lässt sich eh nichts mehr ändern. Inzwischen glaube ich, dass wenn man irgendwann später erst damit anfängt, die Bedürfnisse eines Babys korrekt zu beantworten, muss das doch eigentlich spätestens dann Besserung herbeiführen. Ist ja bei uns auch nicht so gewesen.

Und trotz gesundem Selbstvertrauen hinterfragte ich ständig, ob ich das Einschlafstillen aufhören müsse oder die dauernde Einschlafbegleitung. Ob die vielleicht doch irgendwie Schuld wären, ob sie die schlechten „Gewohnheiten“ heraufbeschworen haben, die es unmöglich machten, dass er jemals noch mal schlafen lernen wird.
Heute kann ich sagen, dass sich alles von alleine gerichtet hat. Das Durchschlafen kam von alleine. Das Einschlafen ging auch ganz plötzlich ohne Stillen. Die längeren Schlafphasen hat er bewältigt, ohne dass ich ihm meine Anwesenheit wieder abgewöhnen musste. Also waren die Schlafhilfen auch nicht Schuld.

Und immer, wenn ich keine Erklärung dafür fand, warum es jetzt schon wieder schlimmer wurde als vorher, dann suchte ich mir die Wachstumsschübe raus, die man von Babys ja kennt. Aber irgendwie stecken Babys ja auch genau so oft in Wachstumsschüben wie nicht. Und doch bemerkten wir den Beginn eines Wachstumsschubs später doch eindeutig daran, dass der Stöpsel jetzt noch häufiger den Schlaf verweigerte als vorher. Mehr aber auch nicht. Wir nahmen auch nicht die neuen Entwicklungen beim Stöpsel wahr, die der Schub so mit sich bringen sollte.
Was allerdings mit jedem Wachstumsschub von neuem passierte, war, dass ich es mit der Angst bekam, die neusten Schlafveränderungen (die niemals gut waren), würden nach dem Schub bleiben: z.B. das Erwachen um 5 Uhr oder die komplette Einschlafverweigerung. Das war zum Glück nicht so. Hinterher war einfach alles normal anstrengend.

Das schlimmste an der Zeit war aber meine starke Müdigkeit. Sogar mein Mann, selbst Lerche, brauchte in den Monaten wahnsinnig viel Schlaf. Ich bin ja eh von Natur aus Vielschläfer. Aber wenn man so viel Zeit im dunklen Zimmer verbringt, mehrfach mittags teilweise, dann sogar mit einnickt, abends um 7 bis 8 Uhr ins Bett geht, nachts mindestens 4x, meist eher 5-6x aufwacht und die Nacht um 5 oder halb 6 Uhr morgens vorbei ist, dann ist man nie ausgeschlafen, nie erholt. Ich glaube sogar fast, dass ich nachher einfach selbst zu viel geschlafen habe und schon alleine dadurch ständig müde war.
Die Müdigkeit hat mir jedenfalls die meiste Kraft geraubt. Mich missmutig gemacht, schlechte Launen ausgelöst, mich ungeduldig mit anderen Menschen gemacht. Ich wollte oft auch gar nicht funktionieren. Das ist sicherlich auch ein kleiner Teufelskreis. Müde Mama, schwieriges Baby. Aber oft genug habe ich alle Kräfte zusammengenommen – immer und immer wieder – um mich wieder ein paar Tage mehr darum zu bemühen, den schlechten Tagen mit irgendwelchen neuen Ideen positiv entgegenzusteuern. Und stellte oft genug fest, dass sich damit auch keine Sorgen lösen ließen. Deshalb weiß ich auch bis heute, dass ich nicht das Problem war. Oder meine Ideenarmut. Oder irgendetwas, was ich machte. Weil wir so viel probierten, mit so viel Geduld, weil ich mich immer wieder selbst zu „mehr“ zwang und nichts am Ende einen Unterschied machte. Das machte mich wütend, manchmal. Dass man mit einem Baby konfrontiert ist, dem man nichts geben kann, gar nichts. Dem man nicht helfen kann. Das man manchmal nicht mal richtig trösten kann. Ich habe viel aufgegeben. Zeitweise habe ich mich dem Stöpsel zuliebe selbst aufgegeben. Und nichts, absolut gar nichts, hat irgendeinen Unterschied gemacht für Stöpsels Schlafprobleme und die folgende Unzufriedenheit. Ich war so müde so viele Monate lang. Durchaus selbstverschuldet, weil ich dem Würmchen ja die Hilfe beim Schlafen geben wollte. Und es hat nichts gebracht. Das hat mich schon wütend gemacht. Oft. Und immer wieder.

Hier noch ein Ausschnitt aus meinen Notizen. Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich nicht ambitioniert war, das Kind einfach zum vielen Schlafen zu bekommen. Ich möchte klarstellen: der Stöpsel war einfach nie erholt. Deshalb hab ich so viel Kraft ins Schlafen gesteckt. In solchen Notizen wird das deutlich:

Schlechte Laune – schon wieder. Mir geht dir Energie aus. Wieder so ’ne Nacht wo Stöpsel irgendwann einfach nicht mehr schlafen kann. Jault und motzt. Alles probiert… gestillt, bei Licht bespaßt, gehalten, gekuschelt, gestreichelt. Immer wieder jammert er auf. Neben mir schläft der Papa der Atmung zu urteilen schon wieder ein. Und ich halte Wache und probiere. Habe wieder in einen meiner Babybücher gelesen und bekomme echt Frust dabei. Ich mach alles richtig… Ok fast. Manchmal muss ich ihn einfach mal einen Augenblick motzen lassen. Aber sonst: stillen tragen nicht schreien lassen geduldig sein. Ich mach alles wovon ich glaube dass er es braucht. Und ich kriege keine Belohnung dafür. Er ist immer noch immer müde. Er mag immer noch nicht sich allein beschäftigen. Er schläft immer noch nicht besser. Und jetzt sogar nachts NOCH schlechter. Keine Pause. Keiner da, der ihn vormittags mal 2 Stunden in der Nähe bei Laune hält, während ich einfach mal alle Sinne abschalten kann.

Und während ich das schreibe hängt er über der Couch (morgens im 5:21 Uhr) auf seinen Knien. Er ist motiviert, stehen und laufen zu lernen um mir überall hin zu folgen, aber nicht sitzen zu lernen damit er sich selbst mal beschäftigen kann mit seinem Spielzeug.

Der Entwicklung nach muss ich das um den ersten Geburtstag geschrieben haben, etwas früher. Denn der Stöpsel hat sich tatsächlich erst mit einem Jahr aufgesetzt, obwohl er mit 6 Monaten krabbeln konnte. Ich glaube er bewegte sich schon wochenlang sicher an Möbeln entlang, bevor er mit dem Sitzen anfing.

Wenn ich übrigens andere Blogs lese, die sich mit dem Thema Schlafen, Durschlafen oder ähnlichem beschäftigen, dann klingt das zwar alles auch sehr nervenaufreibend mit dem Babyschlaf, aber dennoch nicht nach großer Verzweiflung. Oft habe ich mich gefragt, ob ich einfach ein zu schwaches Nervenkostüm habe und es deshalb bei uns so ungleich viel schwerer ist. Aber auch hier komme ich eigentlich zu dem Schluss, dass das nicht sein kann.

Häufig habe ich mich auch gefragt, ob ich einfach mit den falschen Erwartungen an das Thema herangehe. Auch das kann natürlich nicht sein, weil ich ja meine eigenen Erwartungen am Ende nach hinten gesteckt habe.
Und eigentlich finde die Erwartungen einfach nicht zu hoch gesteckt, wenn man erwartet, dass ein müder Mensch (ob groß oder klein) spätestens am toten Punkt die Augen zufallen lässt, egal wann und wo. Dass das Baby nach dem Schlaf erholt und wach ist. Dass auch ein Baby sich lesen lässt: wie lange es wach bleiben kann, wann es müde ist, wie viel Schlaf in etwa es braucht.
Die Erwartung, dass es irgendwann wenigstens kurz Pausen für Anderes gibt, weil Kinder nun mal mehr Schlaf brauchen als Erwachsene, finde ich auch nicht allzu ungewöhnlich. Wenn ich mich umhörte, hatten die meisten Mamas das. Ja, und irgendwie erwartete ich in der ganzen Zeit, dass es doch auch für uns eine verlässliche Schlafhilfe geben muss. Irgendwas half bei anderen ja immer.
ALL das finde ich sind Punkte, die bei anderen Kindern einfach funktionieren. So scheint es zumindest. Bei einigen natürlich nicht alle Punkte. Aber bei uns hat keines davon geklappt. Und das ist die Tatsache, an der ich mich bis heute aufhänge, dass bei uns einfach irgendwas anders ist.

Den Versuch wert

Es gibt einige Hilfsmittel, von denen ich lese, dass sie bei anderen Babys helfen um gut zu (einzu)schlafen. Allen voran: mehr Nähe anbieten. Ganz häufig lese ich heute noch so Sätze wie „Hilfe, mein Kind schläft nur im Tragetuch“. Es gab ja die Anfangszeiten, da habe ich ja selbst noch darüber geschimpft, warum sich mein Kind nicht ablegen ließ. Glaubt mir, später kamen mir bei Gemotze darüber, dass das Kind nur getragen oder auf dem Bauch oder sonst wie an der Mutter schläft fast die Tränen und ich hätte gerne zurück geschrien: „Hallo, seid dankbar!!! Immerhin habt ihr eine Methode! Meinem Kind hilft gar nichts beim Einschlafen!“ Natürlich ist es anstrengend und man hat sich das anders vorgestellt. Aber ich wäre so dankbar gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass der Stöpsel auf dem Bauch, auf dem Rücken, beim Hopsen, beim Spazieren, nach dem Baden, unter irgendwelchen Bedingungen hätte gut schlafen können. Denn wir hatten keine Methode. Gar keine. Und ohne unser abgedunkeltes Schlafzimmer auch keine Chance!
So wie in diesem Video wäre es schön gewesen.

Die gut gemeinten Ratschläge, die Reize zu reduzieren – was ich ernsthaft auch als sinnvoll erachte – haben bei uns auch nichts gebracht. Und wir haben so reizarm gelebt, wie wir es ermöglichen konnten. Wir haben nie viel unternommen, schon gar nicht an reizüberfluteten Orten und wenn wir unterwegs waren, dann haben wir den Stöpsel immer auf dem Bauch getragen, damit er nicht so wahnsinnig viel mitbekommt. Zu Hause hielten wir es reizarm. Wir probierte es mit TV-freien Zeiten und später auch eine Weile mit Ausquartieren des Fernsehers in das leer stehende Zimmer. Wir probierten es mit Spaziergängen am späten Abend vorm Schlafen. Durch nichts schlief der Stöpsel später besser ein oder länger durch.

Um zur Beruhigung beizutragen vorm Einschlafen gab es noch mehr Experimente. Wir probierten es mit ruhiger Musik, mit klassischer Musik. Mit Kinderliedern. Mit Singen. Wir probierten ein fest definiertes Einschlafritual mit gleich bleibender Reihenfolge. Wie gesagt probierte ich auch einen festen Tagesrhythmus. Man könnte ja meinen, dass das Kind irgendwann wahrnimmt, dass Mama (und Papa) daneben schlafen und das Schlafen so lernt. Das kann er aber bis heute nicht. Ob das normal ist oder nicht weiß ich nicht.

Nichts funktionierte beim Stöpsel, auch nicht beim Versuch, ihn zum „länger schlafen“ zu animieren. Kein Streicheln beim „fast“ aufwachen, kein Händchen halten. Kein Reden und mit Stimme beruhigen. Um uns die langwierige Einschlafbegleitung am Abend zu ersparen probierten wir, ihn einfach abends bei uns im Wohnzimmer zu lassen, bis er von allein einschlief, z.B. beim Stillen. Aber da weinte er nur mehr, weil er ja eh zu müde war, nicht schlafen konnte und jetzt auch noch unser helles Abendprogramm als „Reizüberflutung“ dazu kam.

Ich habe inzwischen sehr viel darüber gelesen, was andere verzweifelte Eltern so probieren. Zum Beispiel fand ich diesen netten Artikel einer Mama, die versuchte am Durchschlafen rumzuschrauben, ohne nachhaltigen Erfolg. Vielleicht ist ja für euch etwas dabei. Ich las auch von Eltern, die mit Magnesium oder Eisen nachhelfen, also Nahrungsergänzungsmitteln. Während ich es für mich selbst als normal erachte, hier mal ne Pille Magnesium oder da mal eine Kapsel Vitamin D einzuschmeißen, irgendwas sagt mir, das ist nix für Babys. Eine eindeutige Ursache für Schlafprobleme kann der Mangel an Nährstoffen allerdings auch nicht sein, sonst hätten Flaschenkinder diese Schlafprobleme ja nicht. Die Milch ist ja gut angereichert mit allen Nahrungsmitteln, die ein Baby braucht. Wobei ja auch ich anfangs einmal die Erfahrung machte, dass der Stöpsel nach Premilch schlafen konnte. Eisenmangel schloss ich übrigens als Übelttäter auch aus, indem ich (später) einen Monat lang sehr gezielt auf eisenhaltige Lebensmittel achtete (Haferflocken, Sesam(mus), pürierte Linsen, etc.)

Ein wenig hilft übrigens auch, als stillende Mutter, manchmal etwas innezuhalten, bevor man das aufwachende Kind nachts mit Stillen tröstet. Es ist wohl wirklich so, dass Babys sich daran gewöhnen, direkt versorgt zu werden. Einfach nachts mal abzuwarten hilft einem und dem Baby zu lernen, dass es auch allein klar kommt (nicht, wenn es heult). Ich habe manchmal wirklich daneben gelegen und einfach abgewartet, was der Stöpsel jetzt macht. Und tatsächlich hat er manchmal selbst die Kurve bekommen. Nicht regelmäßig, schon gar nicht immer. Aber manchmal halt.

Noch etwas zum Allheilmittel Rhythmus und Rituale. Sagt man ja immer. Gib deinem Kind einem Schlafrhythmus vor und ein eindeutiges Schlafritual, halte die Tagesabläufe konstant und schon ist das Thema Babyschlaf ein Selbstläufer. Das mit dem Tagesrhythmus hatte ich ja probiert. Der Rest…?
Fangen wir doch einfach an dem Punkt an, über den die meisten dann gar nicht reden. Ich selbst kann Rhythmus nicht. Ich bin kein getakteter Mensch. Wenn ich morgens aufstehe, renne ich manchmal als erstes zur Kaffeemaschine und erst dann aufs Klo. Am nächsten Morgen mache ich es andersherum. Manchmal laufe ich noch eine Stunde in Schlafmontur rum, manchmal muss ich sofort angezogen sein. Manchmal ist erst Stöpsel dran mit anziehen und manchmal ich. Manchmal muss ich erst aufräumen und manchmal brauche ich erstmal eine Weile Musik und rumsitzen. Ich esse, wenn ich Hunger (oder Appetit) habe, nicht wenn 12 Uhr schlägt. Abends habe ich oft gar keine Lust auf Essen und manchmal könnte ich dann wieder Berge davon verschlingen. Ich orientiere mich zwar an einer ungefähren Schlafenszeit, die schwankt aber mindestens 1 Stunde nach vorne und hinten. Ich tue mich schwer, jeden Tag dasselbe zu machen. Ich kann Rhythmus also einfach nicht. Und so schwer es mir fiel, ich habe es für mein Kind trotzdem probiert. Und es hat nicht funktioniert. Für ihn auch nicht. Vielleicht ist er auch kein Rhythmus Mensch. Rituale, die wir mehrfach probiert haben, klappten übrigens bei uns auch nicht. Selbst heute haben wir im Grunde genommen dasselbe Einschlafritual, ungeplant.

Ich kann euch wirklich absolut nicht sagen, was ihr machen könnt, wenn euer Baby auch nicht einschlafen kann. Ich kann euch nur sagen, was ich probiert habe. Den Rest muss ich eurem Gefühl und eurer Kreativität überlassen.
Als der Stöpsel übrigens mit 9 Monaten das erste Mal krank wurde, sagte die Ärztin zu uns, dass der Kleine jetzt vermutlich ganz viel Schlaf brauchen würde. Ich weiß noch, dass mein Mann und ich uns damals ansahen und sehr skeptisch waren. Und wir hatten allen Grund dazu. Auch Kranksein half ihm nicht, besser zu schlafen (eher schlechter). Und als er wegen der verstopften Nase nachts auf einmal gar nicht mehr einschlafen konnte, half am Ende nichts andere als eine Nachtschicht mit Tragen. Denn da half die Tragehilfe ausnahmsweise mal verlässlich beim Schlafen.

Und wenn ihr mal wieder verzweifelt, dann habe ich noch eine kleine Geschichte für euch. Das Buch „Go the Fuck to Sleep“ bzw. die gelesenen Versionen davon, wie z.B. diese: Go the Fuck to Sleep Read by Samuel L Jackson.

Öffentliche Meinungen zum Thema Babyschlaf

Ich habe inzwischen so einiges gelesen im Internet und in Büchern zum Thema Babyschlaf. Ich hatte einfach oft das Bedürfnis zu erfahren, wie es andere handhaben. Beispielsweise war ich ja anfangs auch verwundert darüber, dass man ein Baby nicht wach hinlegen kann und dann schläft es. Oder ich fragte mich, ob das jetzt mit dem Stillen zum Einschlafen so bleiben würde. Natürlich wünscht man es sich als Eltern eines Kindes so einfach, dass das alles wie von allein funktioniert. Aber ich bin dankbar über meine Recherchen, denn so konnte ich einfach so unendlich viel über mein Kind lernen. Inzwischen sehe ich diese Anhänglichkeit oder sollte ich sagen Abhängigkeit des Kindes als völlig normal an. Das hat sich aber auch erst entwickelt.

Vor anderthalb Jahren noch erfuhr ich im Gespräch mit einer anderen Familie, dass sie gerade versuchte ihr paar Monate altes Kind dazu zu bekommen, dass es erst ohne Händchen halten einschlafen kann und dann völlig alleine. Es sei eine schlechte Angewohnheit. Und überhaupt wird es Zeit, dass das Kind lernt allein einzuschlafen. Dafür lag das Kind abends im Bett, Mama daneben und weinte sich neben Mama in den Schlaf, ohne dass Mama die Hand hielt wie gewohnt. Damals kam ich ins Grübeln. Ich stillte mein Kind zur der Zeit in den Schlaf und hatte bis dahin auch nicht das drängende Bedürfnis, das zu ändern. Dennoch grübelte ich, ob man das Einschlafstillen auch abgewöhnen musste. Es folgte eine lange Recherche, bei der ich z.B. diese Diskussionen fand: Langzeitstillen und Einschlafhilfe, Einschlafstillen schlechte Angewohnheit. Außerdem fand ich noch diesen Austausch darüber.

Seither mag ich das Wort Gewohnheit überhaupt nicht mehr und weigere mich, irgendeiner Einschlafhilfe das Unwort Gewohnheit zu verpassen. Natürlich ist es eine Gewohnheit des Kindes, irgendetwas zum Einschlafen zu brauchen. Das Wort Gewohnheit wiederum ist allerdings in unserer Sprache so negativ besetzt und deutet an, dass es sich um etwas handelt, was es besser so nicht gäbe. Alle Einschlafhilfen wie Einschlafstillen, wie Körperkontakt, wie überhaupt das Familienbett gelten in der „Volkspädagogik“ als Gewohnheit, die sich nachher nicht mehr abgewöhnen lassen, wenn man es nicht rechtzeitig abgewöhnt.
Ich habe mich inzwischen von diesem Gedanken distanziert, dass es sich um abzugewöhnendes Verhalten handelt, dem Kind etwas zu geben, was ihm hilft, den Schlaf positiv zu assoziieren, bis es den Schlaf gut genug verstanden hat, aus eigener Ressource heraus positiv in den Schlaf zu finden. Das sehen zum Glück auch viele andere Mütter so.

Ich werde meinen Stöpsel also weiterhin ausgiebig mit Schlafhilfe verwöhnen, wenn auch nicht immer mit unendlicher Geduld, und mein zweites Kind wird den Luxus erhalten, diese Behandlung von Anfang an zu erhalten, so ich diese neben einem immer noch schlafgestörten Kind anbieten kann.

Natürlich ist es ärgerlich, dass es nicht einfacher geht. Es geht ja auch im die eigenen Freizeit. Und ich werde mich bestimmt noch sehr lange traurig dazu äußern, dass all diese liebevolle Zuwendung nicht gegen Stöpsels Schlafprobleme geholfen hat. Aber es ist Zeit nach vorn zu blicken und ich weiß, dass ich mich in der Zukunft an dem Gedanken erfreuen kann, meinem Stöpsel so gut es ging ein gutes Gefühl beim Schlaf vermittelt zu haben. Den Mangel an Freizeit werde ich nämlich sicherlich irgendwann vergessen haben.

Dennoch werden mich vermutlich auch mit Würmchen #2 einige Fragen sicherlich erneut beschäftigen. Es sei denn, dieses Würmchen kommuniziert eindeutiger mit mir, so dass sich diese Fragen gar nicht erst stellen. Der nächtliche Schlaf ergibt sich sicherlich von selbst. Aber was den Mittagsschlaf betrifft, kann ich mir immer noch nicht beantworten, woran ich erkenne, dass ich den Mittagsschlaf des Kindes offiziell ins Bett verlege und wann und wie häufig? Dazu habe ich damals auch schon auch viel recherchiert und so Diskussionen wie diese gefunden. Die Antworten der Mütter halfen bei uns natürlich nicht, aber es macht mir ein wenig Hoffnung, dass es mit einem „kommunikativen“ Kind einfacher wird, weil es alles von allein signalisiert.

Zum Abschluss noch ein Video zum Thema Rausschleichen. Auch etwas, was bei uns so nie funktioniert hat. Das Video dient daher weniger als Inspiration für Ideen als dafür, euch einen Grund zu lachen zu geben.

Unsere Lösung

Jetzt seid ihr sicherlich gespannt wie ein Flitzebogen, was denn jetzt bei uns Erleichterung im Schlafthema gebracht hat. Es war jedenfalls kein Schlaftraining (offensichtlich!). Was ich von Schlaftraining halte (auch genannt Ferbern), darüber werde ich mich gleich noch kurz auslassen.

Nachdem Schreiambulanzen, Ärzte im Allgemeinen für uns nicht in Frage kamen, dachten wir lange Zeit, es gäbe dann einfach nichts mehr, was man tun kann.

Und doch stolperte ich per Zufall damals im Frühjahr 2015 wieder über die Homöopathie, die die Hebamme ja schon probiert hatte gegen die „Koliken“. Ich bin genau so skeptisch gewesen wie der nächste, dass ein bisschen Zucker ohne Wirkstoff funktionieren kann. Ich hatte früher mal eine Ärztin, die mir vereinzelte Male Kügelchen in die Hand drückte, die meiner Meinung nach nicht wirkten.
Dennoch fing ich zunächst an selbst zu recherchieren in Foren, was dort bekannt war über Schlafprobleme und Homöopathie. Da ich keinen Schaden befürchtete, probierte ich sogar 1-2 solcher Mittel aus, nachdem sie in Foren empfohlen wurden. Auch hier kein Unterschied. Den Gang zum Homöopathen schloss ich jedoch aus. Weil warum soll ich viel Geld zahlen, wenn es doch Bücher gibt und das Internet.

Wir sind am Ende doch zu einer ordentlich ausgebildeten Homöopathin gegangen. Weil ich so viel von Familien las, die sich komplett homöopathisch begleiten ließen und damit gute Erfahrungen machten. Ich blieb dennoch skeptisch, dass es helfen könnte, so aufgeschlossen ich sonst auch den Naturheilmethoden bin. Aber den Versuch war es uns wert. Im März 2015 fanden wir eine Homöopathin, die uns auch 2 Monate begleitete. Ich brach die Therapie allerdings ab, weil mich bei ihr das Gefühl nicht losließ, dass sie mich als Ursache für seine Schlafprobleme sah. Oder die Schlafprobleme nicht als Problem sah. Zu dem Zeitpunkt war der Stöpsel seit Februar dauererkältet gewesen. Das therapierte sie auch mit Erfolg. Da sie mich aber sonst irgendwie nicht ernst nahm, brach ich ab und hakte die Homöopathie zunächst ab. Womöglich würde sie eh nicht beim Schlafen helfen.

Erst als ich im September einige Monate später wieder eine riesengroße Verzweiflung verspürte, wieder drohte ich ein tiefes Loch zu fallen, kam der Wunsch wieder auf, es noch mal zu probieren. Da ich zu dem Zeitpunkt schon wusste, dass wir kurz- oder mittelfristig umziehen würden, suchte ich an unserem zukünftigen Wohnort nach einem Homöopathen. Und fand eine Homöopathin, mit der ich mich gleich darüber verständigte, dass es mir wichtig ist, dass sie mir das Stillen nicht ausredet und sie Schlafprobleme bei Kleinkindern auch ernst nimmt. Im Oktober wurde Stöpsels Erstanamnese gemacht. Auch diese Homöopathin ließ sich wenig von unseren Einschlafproblemen bzw. Ein- und Ausschlafproblemen beeindrucken. Ich bekam gleich Zweifel, ob wir an der richtigen Stelle waren. Sie betonte allerdings, dass ihr das häufige Aufwachen nachts ein Dorn im Auge war. Durchschlafen war bekanntlich nicht meine größte Ambition, aber ich akzeptierte, dass sie das angehen wollte.

Ab da wurde es besser. Wie genau und in welcher Reihenfolge weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Es dauerte auf jeden Fall einige Wochen bis sich was bemerkbar machte. Diese Geduld muss man auch mitbringen. Der Stöpsel schlief auf jeden Fall noch vor dem neuen Jahr durch, ich glaube sogar einige Wochen später schon. Der Mittagsschlaf wurde viel besser, so dass ich auf einen Mittagsschlaf umstellen konnte. Der Stöpsel wurde auch ansonsten gesünder. Weniger Probleme mit ständigem Schnupfen, nicht mehr so blass und so weiter. Es wurde besser mit den Launen tagsüber. Mit der Neugierde. Und seit März fängt er nach einer Umstellung der „Arznei“ auch endlich, endlich, endlich mit der Sprache an.

Ich weiß, dass Homöopathie nicht wirklich eine beliebte Behandlungsmethode in der Öffentlichkeit ist. Glaubt mir, ich hatte selbst meine Zweifel. Es ist auch wirklich kein günstiges Unterfangen, sich homöopathisch behandeln zu lassen, wenn man chronische Leiden hat (der erste Termin kostet schon mehrere hundert Euro). Denn immer wieder muss die Arznei gewechselt werden oder man muss sich austauschen darüber, ob eine Gabe wiederholt werden soll. Diese Zwischengespräche sind mitunter noch mal sehr teuer. Aber für uns hat sich dieser Weg bewährt. Und wir sind froh ihn gegangen zu sein. Weil ich lese in letzter Zeit wieder öfter, wie spätentwickelt manche dieser „regulationsgestörten“ Kinder werden. Und momentan habe ich das Gefühl, der Stöpsel holt wieder auf.

Ich verzichte hier übrigens bewusst auf die Nennung der Namen der Globuli, die wir gegeben haben. So funktioniert die klassische Homöopathie nämlich einfach nicht. Da steckt eine Lehre dahinter, die sogar ich mir nicht zutraue, über Recherchen nachzuvollziehen. Und ich habe es oft probiert. Und probiere es immer noch, wann auch immer wir ein neues Mittel bekommen. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, warum unsere Frau H. jetzt diese Globuli verabreichen möchte, wie sie darauf gekommen ist. Manchmal habe ich auch das Gefühl, sie lag falsch. Aber das gehört zu dem Weg dazu. Dann wird halt was anderes gesucht.

Ich kann euch nicht empfehlen, ob ihr es auch probieren sollt. Ihr müsst euch wohl damit fühlen. Wenn ihr euch auch daran probieren wollt, dann kann ich euch nach unserer Erfahrung nur empfehlen, den Homöopathen sehr sorgfältig auszuwählen. Fachlich sind sie sicherlich alle gut auf ihre Weise. Aber ohne ein gewisses Verständnis füreinander wird die Homöopathie nicht funktionieren. Wenn eine Homöopathin noch wenig Kontakt zu Babys mit Schlafproblemen hatte, wird sie – wie alle anderen – erstmal anfangen, euch zu analysieren und entsprechend zu belehren. Das ist nicht zielführend. Auch unsere Frau H., mit der wir sehr glücklich sind, hat Momente, in denen sie mir das Gefühl vermittelt, es läge an unseren anspruchsvollen Erwartungen.

Die Lösung Schlaftraining

Wer versucht, sein Baby oder Kleinkind besser zum Schlafen zu bringen, wird früher oder später im Internet oder mit Büchern über das Thema „Ferbern“ stoßen. Auch ich bin schon ganz früh darüber gestolpert. Ich musste allerdings nicht lange überlegen, um derartige Methoden abscheulich zu finden und gar nicht weiter in Betracht zu ziehen. Ziel des Ferbern, des Schlaftrainings oder wie auch immer man es nennen möchte, ist es einfach, dem Kind „beizubringen“, dass es ohne Hilfe einschlafen kann. Ich habe nie genau nachgelesen, wie das funktioniert. Es reicht zu wissen: Baby wird ins Bett gelegt, es wird dann noch liebevoll in den Schlaf verabschiedet, dann geht man aus dem Zimmer und lässt das Kind sich in den Schlaf weinen. Zwischendurch darf man das Kind auch mal trösten, auf ganz besondere Weise. Binnen Tagen hat das Kind „gelernt“ zu schlafen. Es klingt ganz einfach.

Die Kritiker dieser Methode (zum Glück viele, scheinbar wie ich lese inzwischen Herr Ferber selbst) äußern viele Gründe, die gegen diese Methode sprechen, vor allem langfristige an der Psyche des Kindes. Ihr werdet noch feststellen, dass ich kein großer Freund von Studien bin. Es mag wissenschaftlich zwar nachgewiesen sein, welche furchtbaren Folgen Schlaftrainings mit sich bringen. Für mich zählt allerdings ein ganz einfacher Gedanke, der mir sagt, dass das nicht zielführend sein kann. Guckt euch doch mal genauer euer Baby an. Es ist ein Meister im Dazulernen, ja. Aber ehrlich, glaubt ihr es ist in der Lage zu lernen: „wenn Mama nicht mehr beim Schlafen da ist, erwartet sie, dass ich das ab jetzt alleine schaffe.“ Das fänd ich schon eine enorme Leistung für so ein kleines Wesen. Zu wissen, dass Mama das absichtlich macht, dass Mama damit eine Erwartung hat. Können sie in dem Alter das Konzept des „Wiederkommens der Mutter“ überhaupt verstehen? Erst vor ein paar Tagen las ich, dass man hier gerne damit argumentiert, ab wann die Kleinen das Thema „Objektpermanenz“ verstehen, und dass das offensichtlich die Grundlage dafür ist, dass das Kind natürlich versteht und vertraut, dass die Mutter wiederkehrt, wenn es da alleine im Bett liegend lernt einzuschlafen. Das finde ich ehrlich gesagt etwas einfach gedacht. Aber ich bin auch kein Psychologe (oder nur ein halber).

Weshalb ich das Thema Schlaftrainings wider Erwarten jetzt doch noch mal aufgreife, hat allerdings weniger Aufklärungsgründe als die Tatsache, dass ich die Tage erst über etwas gestolpert bin, was mich stark ins Grübeln brachte. Ich habe im Internet einige Foren gefunden, in denen sich Mütter von KISS-Kindern, von Schreikindern oder regulationsgestörten Kindern austauschen. In einem dieser Foren las ich frisch einen Bericht einer verzweifelten Mutter, die sich jetzt in stationäre Hilfe mit ihrem Kind begeben hat, weil sie einfach nicht mehr konnte. Dort wird sie therapeutisch begleitet. Zum Hintergrund: das ehemalige Schreikind hat jetzt auch starke Schlafprobleme und ist wirklich sehr unausgeglichen tagsüber. Interessiert verfolgte ich den Austausch zwischen allen neugierigen Müttern. Denen, die den Weg schon beschritten hatten (mit Erfolg), die, die sich nicht trauten und all die Frauen mit Fragen.

Jetzt erst langsam wird mir klar, wie naheliegend auch für uns die Diagnose „regulationsgestört“ schon die ganze Zeit war. Das Wort hatte ja eigentlich nur Britta, Stöpsels Physiotherapeutin und Osteopathin, verwendet. Denn wie ich nach weiteren Recherchen herauslese, gibt es doch viel mehr Kinder, die einen identischen Leidensweg hinter sich haben. Die ersten Monate viel Schreien. Anschließend immense Schlaf- und Wachprobleme und Entwicklungsverzögerungen. Nicht jedes Kind hat KISS. Nicht jedes Schreikind bekommt Schlafprobleme. Es gibt ganz unterschiedliche Facetten einer „Regulationsstörung“. Aber unterm Strich lerne ich gerade: es gibt noch viel mehr Kinder mit dem exakten Problem“spektrum“ wie der Stöpsel.

Und wie ich lese, gibt es in diesen Fachkliniken, in denen diese Störungen behandelt werden, eine ganz gezielte Methode der Therapie: Schlaftraining und Mutterentzug. In diesen Kliniken, so wie ich lese, ist man fest davon überzeugt, dass in dieser starken Bindung zur Mutter das eigentliche Problem liegt. Dass die Kinder zu abhängig sind von der Mutter um selbstständig zu werden oder das Kind gelernt hat, die Mutter herumzuscheuchen mit seiner Heulerei. Also versucht man die Bindung zu lösen. Jedem seine Ansichten. Ich glaube, dass wenn das Kind ein Problem hat, die Brücke in einen erholsamen Schlaf zu finden, dann liegt die Ursache im Nervensystem oder der Entwicklung des Gehirns und nicht in der Bindung zur Mutter.

Ich las also weiter den besagten Bericht aus der Klinik und stellte fest, dass die Mütter in der Klinik wirklich überzeugt werden davon, dass die dort verwendete Therapie Hand und Fuß hat, logisch ist. Und so geben die Mütter fortan für den weiteren Aufenthalt ihre Kinder freiwillig in die Hände von gelernten Schwestern, die ihnen die harte Aufgabe des Schreienlassens beim Schlaftraining abnehmen. Sie geben ihre Kinder stundenweise in Fremdbetreuung, während es sich die Mütter gut gehen lassen mit Wellness und Meditation und ähnlichem, damit das Kind lernt dass die Mama wieder kommt. Die Auszeit gönne ich den Müttern.

Und doch stolpere ich über eine Tatsache, die mich stutzig macht. Das Schlaftraining hilft. Nein, ich meine nicht, dass das Kind durchschläft. Dass das hilft, weiß ja jeder. Das Schlaftraining hilft insofern, als dass diese Kinder, die wie Stöpsel unausgeglichen, unausgeschlafen und immer schlecht drauf sind, die Kurve bekommen. Sie haben gelernt sich „selbst zu regulieren“. Sie schlafen binnen weniger Minuten Einschlafbegleitung ein. Sie schlafen sich aus. Sie sind erholt. Gut drauf. Und entwickeln sich ab da wieder ziemlich normal.
Wie kann das sein? Was haben die Kleinen wirklich gelernt? Wie kann etwas so grausames so wirkungsvoll sein? Bitte sag mir doch jemand, dass die langfristigen Schäden trotzdem zu immens sind, dass ich mit meiner liebevollen und alternativen Methode, besser dran bin. Oder wirkt dieses blöde Training am Ende nur, weil der einzige Übeltäter für alles am Ende ausschließlich das Schlafdefizit ist und wenn das Kind einmal genug Schlaf für seine Bedürfnisse bekommt, der Rest von alleine läuft?

Wer will kann sich hierzu gerne eine Dokumentation zum Thema Schreikinder ansehen. Da sieht man so eine Therapie sogar. Unser Stöpsel war so extrem nicht. Ob die „Störung“ bei ihm weniger ausgeprägt war oder ihm meine Sonderbehandlung mit Familienbett und Schlafbegleitung dabei half, sich nicht mit so lautstarkem Brüllen gegen das Schlafen zu wehren wie diese Babys kann natürlich keiner sagen. Aber wenn ich das Video schaue, fühle ich mich durch und durch verstanden mit unseren Problemen.

Trainiert eure Kinder bitte trotzdem nicht in den Schlaf, damit es ihnen nicht so gehen muss.

Zeit verbringen mit Baby und Kleinkind

Heute möchte über ich ein Baby-Thema schreiben, an dem nicht wirklich viel „anderes Baby“ dran ist. Es ist für mich ein wahnsinnig wichtiges Thema, weil es sich mit dem Punkt beschäftigt, der für mich die größte eigene Entwicklung ins Elternwerden darstellt. Der Punkt, in dem ich am meisten über mich lernen muss. Der Punkt, in dem ich mein bisheriges Leben bisher am meisten auf den Kopf stellen musste und in dem ich auch weiterhin nach Ideen suche. Und ein Thema, über das ich noch nie etwas gelesen habe: Beschäftigung bzw. Langeweile mit dem eigenen Kind.
Ob das daran liegt, dass darüber keiner reden möchte oder ob es niemanden gibt, der solche „Sorgen“ auch hat, weiß ich nicht. Ich habe dazu mal eine Weile recherchiert und nur einen Blogartikel gefunden. Ansonsten lese ich in den einschlägigen Mamaforen nur wüste Beschimpfungen von Müttern, die Langeweile zu Hause mit Baby nicht nachvollziehen können.

Früher habe ich sehr digital gelebt. Eigentlich nur digital. Oder ich habe mich gelangweilt. Ich habe entweder am PC gesessen und viel gelesen und recherchiert. Oder ich habe Fernsehserien geschaut. Oder ich habe auf meinem Handy „rumgedaddelt“. Und während meines Studiums vor einigen Jahren habe ich auch noch die zeitraubenste digitale Beschäftigung von allen für mich entdeckt, die nebenher auch die größte Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag darstellt: das Zocken.
Ich bin nicht dumm oder schlecht erzogen. Meine Vorliegen hängen vermutlich damit zusammen, dass ich ein eher häuslicher Typ bin, schon immer war und irgendwann gerne in der Bequemlichkeit gelebt hat, dass nach einem Tag Arbeit und einem Minimum an Haushalt ein unüberschaubares Angebot an medialer Unterhaltung folgte. Vermutlich gar nicht so verwunderlich, wenn man fernab der Natur und umgeben von Menschen aufwächst, die ebenso medienaffin sind.

Dann kam der Stöpsel in mein Leben. Natürlich wusste ich während der Schwangerschaft, dass der bisherige Lebensstil so nicht mehr funktionieren wird. Wer will schon Mama werden und das Kind einfach in denselben Alltag einbauen, ihm sozusagen ein Vorbild für all die Dinge sein, die man ihm nicht vermitteln möchte. Ich habe immer eine Szene aus der ersten Folge der Internetserie „The Guild“ – gibt’s auf YouTube – vor Augen, wie eine spielsüchtige Mamas ihre Kinder handhabt. Und auch wenn ich darüber schmunzel, so lustig finde ich das für die Realität wirklich nicht.
Was ich während der Schwangerschaft aber noch unterschätzt habe: es ist schon schwer, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden. Aber noch schwerer ist es: Ersatzbeschäftigung zu finden.

Und so kämpfe ich seit Geburt des Stöpsels damit, Tagesabläufe zu erfinden, an denen mein Kind und ich nicht zu kurz kommen wir uns nicht täglich in demselben Trott langweilen. Trotzdem: ich kann euch sagen, dass sich meine Tage wie mehrere anfühlen. Und jeder Wochentag geht einher mit der wahnsinnigen Sehnsucht nach dem Feierabend meines Mannes – noch immer.

Aber eins nach dem anderen…

Die ersten Monate

In den ersten Monaten war das Leben noch halbwegs wie vorher. Die Tage waren anstrengend, ja, wegen des vielen Weinens und anderer Startschwierigkeiten. Aber im wachen Zustand konnte ich den Stöpsel neben mich legen oder auf dem Arm halten und mich beschäftigen. Die meisten meiner bisherigen Hobbies blieben da nicht mal gänzlich auf der Strecke. Selbst für eine Runde am PC blieb abends etwas Zeit.
Dennoch kämpfte ich selbst mit mir in der Zeit, diese häufige Stille auszuhalten. War ich es doch gewohnt, dass von irgendwo Geräusche, Musik, Stimmen etc. kamen. Ich bekam es gleich anfangs mit dem schlechten Gewissen zu tun, wenn mich die Ruhe wahnsinnig machte, und ich dagegen den Fernseher einschaltete. Natürlich ist das nicht gut für ein Kind, vor allem für ein Kind, das viel weint. Ist ja der Fernseher die pure Reizüberflutung, die es ja eher zu reduzieren gilt bei Schreikindern. Wenn das schlechte Gewissen überwog, recherchierte ich auf dem iPad oder las ein Buch. Mehr gab es anfangs nicht. Aber verglichen mit dem, was folge, war das noch harmlos – auch wenn ich schon zu der Zeit darüber schimpfte, dass ich mich nicht mit Kind auch irgendwie beschäftigen kann.
Der Haushalt musste erledigt werden, wenn der Papa da war. Entweder er machte ihn oder ich, während der Papa den Stöpsel hielt. Bei uns klappte das einfach nicht, die Hausarbeit zu machen, während der Stöpsel im Tragetuch lag. Das war ihm „zu ruhig“. Ohnehin finde ich es leichter gesagt als getan, mit Kind im Tragetuch den Haushalt zu machen. Geschirr, Wäsche, für all diese Tätigkeiten muss man sich verdammt viel bücken. Abgesehen davon, dass Tragen bei uns nicht gut ankam, Bücken mit Kind auf dem Bauch finde ich wirklich unangenehm.

Anfangs gehen viele mit ihren Babys spazieren. Wie bereits erwähnt habe ich mich das kaum getraut, weil ich immer befürchtete, dass der Stöpsel unterwegs wieder einen untröstlichen Schreianfall bekommen könnte. Aber ich mag spazieren alleine ohnehin nicht. Es macht mir keinen Spaß, niemanden dabei zu haben, mit dem man sich unterhalten kann. Ich weiß, andere machen es gerne, weil sie dann gut abschalten können, sich ihren Gedanken überlassen können, endlich mal alleine sind. Ich bin es gewohnt, so viel allein zu sein, dass für mich allein (mit Kind) spazieren keinen Reiz hatte. Vor allem, weil der Stöpsel unterwegs auch nicht schlafen konnte (weder im Tragetuch noch im Kinderwagen). Wenn ich raus gegangen bin, was ein paar Male vorkam, dann fühlte ich mich hinterher meist furchtbar einsam.

Nur eine ernsthaftere Sorge hatte ich in diesen ersten Monaten. Da hatte ich jetzt ein Kind, in das ich trotz allem völlig verliebt war und wusste einfach nicht, was ich mit ihm machen kann. Irgendwie sah ich mich in der Pflicht, das Kind zu beschäftigen, es nur einfach da liegen lassen kann ja nicht ausreichen. Oder? Nur wie beschäftigt man ein Neugeborenes? In einem anderen Blog las ich zu der Zeit von einer Neu-Mama, die sich dazu etwa so äußerte: mit Singspielen, Fingerspielen und ähnlichem beschäftigte sie ihren Spross… und war dann irgendwann genervt, weil die Tage dadurch so eintönig waren, sie sich langweilte und auf Dauer keinen Spaß mehr an immer denselben Spielen hatte. Natürlich habe ich solche Dinge wie Fingerspielchen auch „mal“ gemacht, aber das ist doch ehrlich gesagt auf Dauer auch wirklich langweilig. Das macht doch keiner den ganzen Tag. Und so kam ich wieder zu der Frage, wie ich das Kind nun beschäftige.
Inzwischen würde ich mich das nicht mehr fragen. Zeit zurückgedreht, würde ich einfach meinem Alltag nachgehen (wie ich ihn jetzt etwa gestalte), und zwischendurch die Bedürfnisse des Babys stillen. Ich denke für einen Säugling ist das für eine lange Zeit völlig ausreichend. Und wer weiß, vielleicht ist mein zweites Kind dann auch ein (Gerne-)Tragling, so dass es einfacher wird, mit Bündel auf dem Bauch seinem Leben nachzugehen.

Zwei Tipps aus dem eigenen Repertoire habe ich allerdings, falls es euch ähnlich geht mit der Frage, wie man sich mit Säugling beschäftigt.

  1. Fotos: Ich habe einige Male richtige Fotosessions gemacht. Ich habe mir eine Weile gut überlegt, wo man das Kind fotografieren könne, in welchem Outfit und mit welchen Requisiten. Ich habe dann mit einer guten Kamera (eine Handykamera geht natürlich auch) gefühlte 100 Fotos gemacht (aber bitte ohne Blitz!), von oben, aus der Froschperspektive, mit veränderten Requisiten, so dass ich letztendlich ein oder zwei schöne Portraits aussuchen konnte, die Vorzeigecharakter hatten.
    Noch schöner ist das natürlich, wenn sich der Partner auch für Fotos interessiert und man auf diese Weise Motive mit Baby und Mama oder Baby und Papa aufnehmen kann. Es macht auf jeden Fall Spaß, auch dem neugierigen Baby und vertreibt gelegentlich mal die Zeit, wenn sie doch mal angehalten hat.
  2. Tagebuch führen: das macht man zwar nicht mit Baby, aber ich bereue es, nicht früher damit angefangen zu haben. Ich habe es erst mit etwa 7 Monaten für mich entdeckt. Das tolle dabei: es gibt Apps, mit denen man auf dem Handy Tagebuch führen kann. Das hat mir anfangs wirklich geholfen, da man das Handy ja doch oft in der Nähe hat, ein Notizbuch oder den Computer nicht.
    Ich führe übrigens noch heute Tagebuch. Mal täglich, mal alle paar Wochen. Und da kommt alles rein: wie der Stöpsel sich entwickelt, wann er welchen Zahn bekommen hat, was wir wann und mit wem schönes erlebt haben, was wir weniger schönes erlebt haben. Vor allem kann ich anhand des Tagebuchs heute noch einigermaßen nachvollziehen, wie sich Stöpsels Schlafprobleme verschlechtert und verbessert haben und wie es mir damit gegangen ist. Und die süßesten Schnappschüsse vom Stöpsel sind auch im Tagebuch hinterlegt. Das tolle am Handy: auch unterwegs kann man schnell eine Notiz hinterlegen, wenn man gerade etwas Aufregendes erlebt hat.
    Ein Tipp am Rande: Wenn ihr Tagebuch führen möchtet und es digital macht, denkt bitte unbedingt daran, eure Worte sowie Fotos regelmäßig zu sichern, zusätzlich auch als Kopie auf dem PC einer Freundin z.B. Es wäre doch unendlich schade, wenn wegen Diebstahls oder Defekt des Handys irgendwann alles weg ist.

Schön zusammengefasst findet man weitere Beschäftigungen mit Baby auch auf der Seite Zehn Dinge, die man mit seinem Baby unbedingt machen sollte und Wie beschäftige ich mein Baby (0-6 Monate)?. Beim zweiten Artikel muss ich allerdings gestehen, dass ich beim Lesen schon ein wenig verbittert werde. So einfach wie beschrieben ist es mit KISS/24h-Baby natürlich nicht. In unserem Fall fielen viel Tragen und viel Kuscheln ja weg. Zufrieden und ausgeschlafen war der Stöpsel ja auch nicht so oft, was man auch am mangelnden Interesse an der Umwelt gemerkt hat – ein Thema, das uns noch bis ins zweite Lebensjahr verfolgte. Es ist dennoch ein schöner Artikel, der mich rechtzeitig zum zweiten Kind daran erinnert, wie ich es unter „normalen“ Bedingungen machen kann.

Die Decke auf dem Kopf

Und dann kamen die Zeiten, in denen ich mir angewöhnen musste, ohne aktive Beschäftigung zu leben. Zeit allein hatte ich ja nun seit Geburt schon nicht (ich muss gestehen, ich sehne mich auch nicht nach Alleinsein). Aber gar keine Zeit für eigene Interessen, u.a. auch wegen fehlender Schlafpausen, zu haben ist schon ziemlich grausam. Und ich gehöre nicht mal zu den Frauen, die Schlafpausen nutzen, um als erstes den Haushalt zu reinigen. Es gab einfach keine Schlaf“pausen“. Gelegentlich versuchte ich es während Stöpsels Wachzeiten, irgendetwas für mich zu tun zu finden, lernte aber immer wieder, dass der Stöpsel dann noch unzufriedener wurde. Und so ertrug ich das Nichtstun bis der Stöpsel gut anderthalb war. Rückwirkend kann ich euch gar nicht mehr sagen, wie ich das geschafft habe. Die Zeit hielt bei uns jedenfalls verdammt oft an.

Aus dieser Zeit werde ich noch genauer berichten. Das war die Zeit, in der ich wahnsinnig viel Zeit mit dem Stöpsel im Bett verbrachte. Die Zeit, in der er nicht schlief, ohne dass ich bei ihm war. Die Zeit, in der er auch trotz mir so schlecht schlief, dass er eigentlich immer unerholt war. Die Zeit, in der ich mir die Feierabendaktivitäten komplett abgewöhnen musste, weil der Stöpsel auch abends ohne mich ständig aufwachte. Und die Zeit, in der der Stöpsel mobil wurde und (entgegen meiner Erwartung) nicht anfing zu spielen und die Welt zu erkunden, sondern trotzdem meistens im wachen Zustand auf oder später an mir hing. Die Zeit, in der die Nächte immer kürzer wurden und das Aufwachen immer häufiger. Die Zeit, in der ich tagsüber dazu gezwungen war, meinen Haushalt komplett liegen zu lassen, also auch die Zubereitung von Essen.
Und es war nicht nur hart für mich – auch für meinen Mann. Denn er musste nach der Arbeit den Hausmann mimen, die Küche aufräumen, die Wäsche waschen und das Essen kochen. Das Minimum an Haushalt regeln halt. Der restliche Hausputz fiel auf hart erarbeitete 1-2 Stunden samstags, in denen der Stöpsel bei Papa bleiben musste, aber meist nicht wollte.

Die Tage in diesem Jahr waren ziemlich eintönig. Wenn der Stöpsel seine wenigen gut gelaunten Momente hatte und die Welt erkundete, konnte ich die Zeit dennoch nicht nutzen, weil es sich meist um 5-10 Minuten handelte. Die ich dann höchstens nutzen konnte, schnell etwas auf dem Handy zu lesen.

Spielzeug kam in der Zeit nicht gut an, auch früh die Rasseln und selbst gebauten Kuscheltier-Mobiles kamen ja schon nicht an. Eine lange Zeit lang kauften wir immer mehr und mehr Spielzeug, in der Hoffnung, dass irgendwann etwas dabei ist, was den lieben Stöpsel in Bann hält. Ich kann euch sagen: Spielzeug kann man getrost lassen, auch das blinkende, piepsende, sprechende Spielzeug. Wenn das Kind keinen Erkundungsdrang hat, dann gibt es auch kein Interesse am Spielzeug. Höchstens das Spielzeug, das Mama und Papa mal in der Hand halten. Nur das sogar.
Trotzdem probierte ich es immer und immer wieder mit Spielzeug. Auch indem ich mit ihm spielte. Er nahm mir das Spielzeug dann allerdings nur ab und schleuderte es durch die Gegend. Das gehört sicherlich auch zur Entwicklung dazu, ist allerdings schon frustrierend, wenn man ja gerne möchte, dass sich das Kind für irgendetwas fasziniert, Gegenstände auch mal genau betrachtet, sie vielleicht sogar in den Mund nimmt.
Dem Stöpsel Bücher vorzulesen (Kinderbücher oder meine) war auch unmöglich. Dafür war der Stöpsel zu unruhig. Ich hatte ohnehin nie das Gefühl, dass er mir zuhört. Später klaute er mir dann sogar die Bücher und blätterte einfach wild umher und schmiss das Buch weg. Überhaupt, wenn ich höre, dass Kinder es mögen, dass man ihnen vorliest oder sie sich für bunte Bilderbücher faszinieren: das gilt wohl nicht für alle Kinder.

Allerdings entdeckte der Stöpsel gelegentlich eine Faszination für Küchenutensilien. Der Stöpsel krabbelte gerne in die Küche und nahm dort die unteren Küchenschränke auseinander. Und das durfte er auch. Ich hatte dort die komplette Tupper- und Schüsselsammlung verstaut, die er auch mit Vorliebe auseinander nahm. Immerhin etwas, was er gelegentlich gerne machte. Die Küche war übrigens so beliebt, dass ich ab Sitzalter (mit 1) anfing, ihn in seinem Hochstuhl neben mich in die Küche zu stellen, während ich anfing, einfache Aufgaben in der Küche zu übernehmen. Das ging leider ganz oft auch nicht, er wollte lieber auf meinen Arm, aber wenn es ging, nutze ich es aus, um endlich selbst mal was tun zu können und wenn es kleine Gerichte kochen oder wischen war. Ich empfehle übrigens unbedingt einen „Lernturm“ ab Stehalter (Laufen ist nicht nötig). Das ist so eine Art Stehbalkon auf Küchenzeilenhöhe. In den Phasen, in denen Stöpsel gut drauf war, konnte man ihn so gleich an der Küchenzeile einbinden. Zugegeben, es ist wahnsinnig anstrengend, weil die Kleinen immer das wollen, was man ihnen nicht geben will, aber es ist endlich mal eine Beschäftigung mit Kind, die funktioniert.

Diese Zeiten, in denen das Baby erkunden wollte oder wir gemeinsam etwas machten, waren aber ohnehin rar gesät, sehr rar. Manchmal lag es an seiner schlechten Laune, manchmal konnte ich einfach nicht mehr bzw. musste meine Sinne auf „Durchzug“ schalten. Weil die letzte Nacht wieder stark geprägt war von wieder und wieder in den Schlaf helfen, der Morgen um 5 oder halb 6 beendet wurde (meist in Kombi, lange Nacht und frühes Ende) oder ich seit morgens damit beschäftigt war, es irgendwie mit Tagschlaf hinzubekommen, dass der Stöpsel endlich mal ausgeruht und gut gelaunt war und nicht ständig gähnte und seine Augen rieb.

Alles in allem waren unsere Tage eher geprägt von Rumsitzen, Leerlauf, Trost spenden und Langeweile. Jeden Tag. Der Stöpsel wollte den ganzen Tag nur Mama, auch wenn wir unter Menschen waren. Wenn wir nicht sowieso im Bett lagen und „schlafen geübt“ haben. Bei meiner Bekannten z.B. saß er immer auf meinem Schoß, obwohl er schon krabbeln konnte und es dort einen anderen Knirps in seinem Alter gab.
Natürlich probierte ich auch mehrfach, einen Rhythmus zu etablieren, in dem ich vielleicht doch den Haushalt einbauen konnte, aber das klappte in vielen Anläufen nie, weil die Launen und die ständige Müdigkeit jegliche zeitlichen Rhythmen unmöglich machten.

Was also tun, wenn man zum Nichtstun gezwungen ist und jegliche Beschäftigungen auf Eis legen muss? In der Zeit schaute ich wahnsinnig viel fern. Da ich gewöhnliches Fernsehprogramm nicht ertrage, meistens eine Serien-DVD nach der anderen.
Da ich aber eigentlich überhaupt nichts davon halte, Kindern (auch Babys schon) ein Leben im Fernseher vorzuleben, probierte ich es alternativ immer wieder mal mit Hörbüchern. Allerdings stellte ich fest, dass das regelmäßige Gequengel es mir einfach unmöglich machte, genügend vom Buch mitzubekommen. Und so lernte ich, im Leerlauf zu leben oder den Fernseher laufen zu lassen. Und dabei den Stöpsel zu halten, ihn stillen zu lassen und ihn irgendwie bei Laune zu halten.

Sitzen kam bei uns leider erst mit einem Jahr, aber ab dem Zeitpunkt ging es auch häufiger auf den Spielplatz, damit das Kind ein wenig Wiese und Sand erkunden konnte. Man kann natürlich – je nach Jahreszeit – auch schon im Krabbelalter gut auf Spielplätze gehen. Bei uns war das aber Winter. Ich hatte ja gehofft, wenn ich mich dazu zwinge, statt spazieren zu gehen auf den Spielplatz zu gehen, würde mir das gut tun, weil es dort andere Kinder und Mütter gibt, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es vormittags nur selten Kinder auf Spielplätzen gibt. Und nachmittags schliefen wir bis der Papa kam und Familienleben angesagt war.

Wenn ihr es mit eurem Würmchen auch über die ersten paar Monate hinaus recht schwer habt, dann kann ich eigentlich nur – für euren Seelenfrieden – sagen: tut, worauf ihr Lust habt. Wirklich! Und wenn es der Fernseher wird: jeder wird euch beschimpfen, der böse Fernseher buhuu! Es funktioniert aber einfach nicht, den ganzen Tag geduldig mit einem unzufriedenen, müden, desinteressierten Kind auf dem Teppich zu sitzen und zu versuchen es von irgendetwas zu begeistern. Dann doch lieber trösten und euch dabei selbst unterhalten (lassen). Ich finde wie gesagt Fernsehen wirklich keine kinderfreundliche Beschäftigung. Aber bevor euch die Decke auf den Kopf fällt und ihr irgendwann nicht mehr wisst, wofür ihr noch aufsteht, oder gar das Kind verflucht, schaut doch lieber eine nette TV-Serie, die euch auf fröhliche Gedanken bringt.  Eine Beschäftigung im Übrigen, die euch das Kind nicht aus der Hand klauen kann.

In der Heimat und mit besser gelauntem Kind

Seit gut einem halben Jahr, ein wenig länger, hat der Stöpsel oft gute Laune und nimmt mir die Bude auseinander. Langsam kommt Ruhe bei uns rein und seither sind die Tage entspannter. Sein Spielzeug kommt jetzt auch viel besser an. Und nicht nur, weil wir es dekorativ und übersichtlich in ein offenes Regal sortiert haben. In Kisten liegen jetzt nur noch die sperrigen Bausteine aus Plastik.
Man kann ihn dank seines Lernturms sehr gut in der Küche einbinden, was er auch oft einfordert, wenn ich in der Küche bin.

Seit wir umgezogen sind, gehen wir viel öfter raus. Wir probieren Spielplätze, gehen Einkaufen (das ging vorher ohne Auto nicht), gehen nebenan in den Park, in dem immer viele Hunde unterwegs sind und wo der Kleine gerne Äste, Steine, Kiesel und Büsche erkundet. Oder im nassen Rasen herumrobbt. All diese Dinge wären vor einem Jahr noch undenkbar gewesen. Für mich aus Energiegründen und für ihn aus Desinteresse.

Gerade begeistert er sich für ein Wörterlernbuch mit vielen bunten Abbildungen. Vorlesen darf ich ihm immer noch nicht, aber das besagte Buch blättert er gerne durch und lässt sich von mir auf Bilder zeigen, damit er das Wort sagen kann (das sind noch nicht viele).
Und er hat eine neue Faszination fürs Wasser entdeckt. Auf dem Wasserspielplatz um die Ecke, im Minipool auf dem Balkon oder in der Badewanne vergeht gerne mal eine Stunde, während der Stöpsel mit Hilfe von Bechern, Schüsseln und Gießkannen Wasser hin und her gießt. Es ist so unglaublich beruhigend zu wissen, dass er die Kurve noch bekommen hat und jetzt in seinem Tempo die Welt entdeckt.

Natürlich braucht er mich und meine „Unterhaltung“ auch noch regelmäßig. Denn er beschäftigt sich immer nur kurz mit einer Sache (was auch völlig normal und altersgerecht ist) und weiß dann manchmal nicht so recht, was er mit sich anfangen soll. Oder er braucht mal 15 Minuten auf meinem Schoß oder sitzt einfach nur unmittelbar neben mir mit seinem Spielzeug, so dass er „Kontakt“ mit mir hält. Das finde ich völlig normal und auch schön. Es ist wohl seine Art, mit mir zu kuscheln.

Dennoch sind unsere Tage nicht einfach. Vor allem für mich. Ich habe es geschafft, mir inzwischen jegliche Medienabhängigkeit abzugewöhnen. OK, gut, nicht ganz. Mein Handy ist immer noch täglicher Begleiter, für wenige Unterhaltungen, für Musik, meine Hörbücher im Bett und natürlich das Tagebuch mit Fotos. Am Laptop sitze ich in letzter Zeit auch häufiger, um hier die Texte zu schreiben. Ansonsten vermisse ich weder Spiele, Filme noch Serien. An deren Stelle sind lesen, haushalten und weggehen gerückt. Das macht mich wahnsinnig stolz.
Aber ein Tag ist immer noch sehr lang. Ich lasse mir wirklich viel für den Stöpsel einfallen (es mangelt mir ja wirklich nicht an Kreativität), das habe ich irgendwie in meiner Verzweiflung ja auch schon immer gemusst. Ich inspiriere ihn, wie er sein Spielzeug nutzen kann, hole Spielsachen raus, die er schon länger nicht mehr angefasst hat. Spiele ihm vor. Ich bastel für ihn, male ihm was vor. Mache laienhaft etwas Musik für ihn. Ich lasse mir wirklich viel einfallen. Aber da seine Geduld nun mal nicht länger als für 15 Minuten reicht, muss ich das tagsüber halt ziemlich häufig machen. Und so viele Ideen habe ich dann auch wieder nicht. Weshalb sich die Tage ziehen wie Kaugummi.

Dafür habe ich Stöpsel ein wenig zur Medienabhängigkeit erzogen. Was ich ihm mangels Alternativen für die Tagesgestaltung auch nicht ganz abgewöhnen kann gerade. Während des ersten Trimesters meiner Schwangerschaft lag ich wegen starken Unwohlseins sehr häufig auf der Couch und irgendwie schaffte es der Stöpsel in dieser Zeit, sich selbst die Bedienung meines Tablets beizubringen. Dort hatte ich damals einige Kinderlieder in Audio- und Videoform für ihn gespeichert. Die sah er sich gerne an. Immer und immer wieder. Anschließend entdeckte er YouTube für sich, nachdem ich ein paar Videos gefunden hatte, die ich akzeptabel fand, und er lernte durch wildes Antippen der Symbole, YouTube irgendwann selbst zu bedienen, zumindest anhand von Empfehlungen.
Früher hätte es mich wahnsinnig stolz gemacht zu behaupten, dass mein 20 Monate altes Kind die Bedienung eines Tablets beherrscht. Wenn er nicht irgendwann so wahnsinnig viel Zeit damit verbracht hätte und zuletzt nur noch Schrott (für Kinder) geschaut hätte. Die Tabletentwöhnung die folgte war zum Glück einfach. Noch einige Tage versuchte er das leergelaufene Tablet zu nutzen, beschwerte sich aber auch nicht groß darüber, dass es nicht ging.
Dafür habe ich ihm seine einzige Lieblingsserie auf dem Fernseher ermöglicht. Weil ich einfach immer noch keine Ahnung habe, wie ich einen ganzen Tag (vor allem bei schlechtem Wetter) mit ihm organisiere, so dass wir ganz ohne Glotze auskommen. Und ich versuche wirklich, Alternativen für das Problem zu finden.

Abschließend zu dem Thema muss ich auf jeden Fall sagen, dass ich festgestellt habe, dass Langeweile und Leerlauf eine wichtige Voraussetzung dafür waren, dass er angefangen hat, sich für sein Spielzeug zu interessieren.
Natürlich muss ich oft nachhelfen, indem ich ihm ein Spielzeug aussuche, das ich ihm auf dem Wohnzimmerteppich lege und ihm vorspiele. Oder indem ich seine Spieleecke aufräume, was ihn immer magisch anzieht, damit er gleich wieder alles auseinandernehmen kann.

Ansonsten, wer Ideen braucht zu Beschäftigung mit Kleinkindern, der findet im Internet sicherlich viele schöne Ideen, z.B. mit Hilfe von Diskussionen wie hier bei mamikreisel.

Kinderbetreuung

Der Vorsatz also, bei seinem Kind zu Hause zu bleiben und es die ersten Jahre selbst zu begleiten, stellt sich als wahre Herausforderung dar, muss ich feststellen. Nicht nur, weil der Stöpsel halt bisher so viel schlecht drauf und uninteressiert war. Weshalb ich auch verstehen kann, dass heutzutage so viele Kinder mit einem Jahr schon fremdbetreut werden.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, gleich meinen Senf zu dem Thema Betreuung zu geben. Mein Mann und ich waren uns seit eh und je einig darin, dass wir keine Kinder bekommen würden, um sie dann früh wegzugeben. Insbesondere für mich gilt: das ist einfach, wer ich bin. Ich bin in Heimbetreuung aufgewachsen (ich war später vormittags im Kindergarten und habe heute keine positiven Erinnerungen daran) und mir persönlich ist es wichtig, die ersten 3 Jahre zu nutzen, mein Kind kennenzulernen, so schwer es sich manchmal auch gestaltet. Mir persönlich ist das wichtig.

Ich bin dennoch auch kein Freund von U3-Betreuung. Ich werde mit niemandem darüber diskutieren, der es für seinen Lebensentwurf als wichtig erachtet. Das ist auch dessen Meinung zu fällen nicht meine. U3-Kinderbetreuung kann man allerdings nicht schönreden mit Argumenten, die betonen, was daran gut für Kinder sein soll. Diese Argumente sind für mich uninteressant, da ich ohnehin kein Interesse habe, mein Kind in irgendeiner Weise für das Leben zu trainieren, das macht das Leben schon ganz allein. Es gibt in meinen Augen nur einen Grund für U3-Betreuung: beide Elternteile so lang wie möglich für den Beruf freizustellen (EDIT: hierzu noch schnell den Blog-Artikel Kindergärten: (k)ein Ort für Kinder!? nachgereicht, den ich frisch entdeckt habe. Kritisch und vollständig, wie ich finde.).
Und da sind wir beim eigentlichen Grund, warum ich kein Freund von früher Fremdbetreuung bin. Mir gefällt dieses moderne Gesellschaftsbild einfach nicht mehr, in dem „berufliches Schaffen“ das Zentrum unseres Daseins darstellt und wir uns immer weiter von unserer Natur entfernen, die irgendwie immer auch die eigenen Kinder mit einbezogen hat. Und jetzt sind Kinder dabei, aber irgendwie weggesteckt. Das Bild gefällt mir einfach nicht. Es mag am Alter liegen, aber das ist meine Ansicht, die keiner teilen muss. Ich möchte sie lediglich erklären. Und bevor jemand denkt „das sagt die so einfach, die haben bestimmt genug Geld, so dass sie nicht arbeiten muss“: nein, haben wir nicht. Und es geht trotzdem. Irgendwie.

Der Stöpsel wird mit 3 in den Kindergarten kommen, sofern wir den gewünschten Platz bekommen. Denn ich bin unheimlich dankbar für die Möglichkeit, mein Kind ab diesem Alter für wenige Stunden am Tag mit anderen Kindern spielen zu lassen. Und auch nur das: spielen, nicht erziehen, nicht sozial fördern.

Nichtsdestotrotz habe ich mich bisher schon einige Male mit der Frage beschäftigt, ob ich von meinen Prinzipien abkomme und den Stöpsel doch früher in die Betreuung entlasse. Um mich zu entlasten, mir jeden Tag ein Programm für uns beide überlegen zu müssen, wie die Tage gut vergehen. Um mir vielleicht auch eine berufliche und sinnvolle Aufgabe für wenige Stunden am Tag zu suchen, mit der ich mir das bisschen Bestätigung abholen kann, das man als Frau im Haushalt mit Kind nun mal nicht bekommt. Und doch bin ich davon abgekommen. Stattdessen mache ich es mir gerade zur Aufgabe, am neuen Wohnort ein Umfeld zu schaffen, das mir bisher fehlte, um mit mehr Spaß und Leichtigkeit eine Umgebung zu schaffen, in der ich meine Kinder aufwachsen sehen möchte.

Das Umfeld

Es wird euch sicher schon aufgefallen sein, dass ich mich eigentlich immer nur in meiner kleinen Familie aufhalte, während ich erzähle. Es gibt da noch die Bekannte (die in Wirklichkeit meine bisherige Nachbarin war) und ansonsten niemand. Und genau das sehe ich inzwischen als größtes Problem beim Kinder haben an.

Es ist heute eine verdammt einsame Aufgabe, Mama zu sein. Denn ich glaube bei vielen gibt es da nach der Geburt erst mal niemanden außer einem selbst, zumindest am Tag. Der Papa arbeitet, die Omas und Opas arbeiten, die Geschwister arbeiten, die Freunde arbeiten. Mamas die nur Mamas sind gibt es (meist) höchstens für 12 Monate. Und ich glaube, trotz all der Kurse, die man mit seinem Baby in dieser Zeit belegen kann, ist man doch recht viel allein. Weshalb ich auch verstehen kann, dass man sich nach einem Jahr erlöst fühlt, wenn man endlich wieder arbeiten kann.

Aber es muss doch irgendwie auch anders gehen? Es muss doch irgendwo Mütter geben, die gerne bei ihren Kindern geblieben sind oder zumindest die meiste Zeit, die auch nach Gesellschaft tagsüber suchen (vor allem vormittags). Ich habe sie bisher auch in der Stadt (noch) nicht gefunden. Auch hier sind die Spielplätze leer.

Ich kann mir vorstellen, mit so einem Netzwerk an Müttern lässt es sich einfach viel schöner Kinder haben. Nicht nur, dass das Leid in der Anfangszeit gelindert ist, wenn man nicht nur ausschließlich mit sich selbst und dem Baby umgeben ist. Es ist sicherlich auch eine viel spannendere Erziehungszeit, wenn die Mutter sich nicht allein fühlt, auch mal mehr als „bababa“ und „wääääh“ hört.

Meine Bekannte übrigens hat das wahnsinnige Glück, in einer großen Familie aufgewachsen zu sein, in der es viele Mamas gibt. Als sie anfing sich nach halbwegs überstandener Koliken-Zeit unter Menschen zu trauen empfing sie eine große Familie, die sie und ihren Spross an ihren freien Tagen (sie arbeitete später 2 Tage die Woche) ordentlich auf Trab hielt. Man merkte ihr gleich an, wie gut ihr das tat, täglich in großer Gesellschaft zu sein und wie unentspannt es im Umgang mit ihrem Kleinen an Tagen wurde, an denen sie wegen Wäsche und Co. mal zu Hause „gefangen“ war und ich sie besuchte.

In dem Sinne lauten meine Abschlussworte zu diesem Thema wie folgt: wenn ihr nicht gerade wie ich fernab der eigenen Heimat lebt und ein Netzwerk an Freunden habt, von denen einige z.B. in Schicht arbeiten oder ohnehin mit Kindern zu Hause sind: es ist das beste, was euch passieren kann, wenn ihr dieses Netzwerk aktiviert!

Und so bin ich dankbar, dass ich mein zweites Kind in der Heimat bekomme. Nicht, dass ich hier nach den vielen Jahren noch ein Netzwerk hätte, aber ich bin überzeugt, hier in meiner vertrauten Stadt einfach mehr Möglichkeiten zu haben.
Und so arbeite ich schon daran eine Voraussetzung zu korrigieren, die ich vom Elternwerden nie erwartet hätte: sei nicht allein, wenn du Kinder haben möchtest.