Zeit verbringen mit Baby und Kleinkind

Heute möchte über ich ein Baby-Thema schreiben, an dem nicht wirklich viel „anderes Baby“ dran ist. Es ist für mich ein wahnsinnig wichtiges Thema, weil es sich mit dem Punkt beschäftigt, der für mich die größte eigene Entwicklung ins Elternwerden darstellt. Der Punkt, in dem ich am meisten über mich lernen muss. Der Punkt, in dem ich mein bisheriges Leben bisher am meisten auf den Kopf stellen musste und in dem ich auch weiterhin nach Ideen suche. Und ein Thema, über das ich noch nie etwas gelesen habe: Beschäftigung bzw. Langeweile mit dem eigenen Kind.
Ob das daran liegt, dass darüber keiner reden möchte oder ob es niemanden gibt, der solche „Sorgen“ auch hat, weiß ich nicht. Ich habe dazu mal eine Weile recherchiert und nur einen Blogartikel gefunden. Ansonsten lese ich in den einschlägigen Mamaforen nur wüste Beschimpfungen von Müttern, die Langeweile zu Hause mit Baby nicht nachvollziehen können.

Früher habe ich sehr digital gelebt. Eigentlich nur digital. Oder ich habe mich gelangweilt. Ich habe entweder am PC gesessen und viel gelesen und recherchiert. Oder ich habe Fernsehserien geschaut. Oder ich habe auf meinem Handy „rumgedaddelt“. Und während meines Studiums vor einigen Jahren habe ich auch noch die zeitraubenste digitale Beschäftigung von allen für mich entdeckt, die nebenher auch die größte Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag darstellt: das Zocken.
Ich bin nicht dumm oder schlecht erzogen. Meine Vorliegen hängen vermutlich damit zusammen, dass ich ein eher häuslicher Typ bin, schon immer war und irgendwann gerne in der Bequemlichkeit gelebt hat, dass nach einem Tag Arbeit und einem Minimum an Haushalt ein unüberschaubares Angebot an medialer Unterhaltung folgte. Vermutlich gar nicht so verwunderlich, wenn man fernab der Natur und umgeben von Menschen aufwächst, die ebenso medienaffin sind.

Dann kam der Stöpsel in mein Leben. Natürlich wusste ich während der Schwangerschaft, dass der bisherige Lebensstil so nicht mehr funktionieren wird. Wer will schon Mama werden und das Kind einfach in denselben Alltag einbauen, ihm sozusagen ein Vorbild für all die Dinge sein, die man ihm nicht vermitteln möchte. Ich habe immer eine Szene aus der ersten Folge der Internetserie „The Guild“ – gibt’s auf YouTube – vor Augen, wie eine spielsüchtige Mamas ihre Kinder handhabt. Und auch wenn ich darüber schmunzel, so lustig finde ich das für die Realität wirklich nicht.
Was ich während der Schwangerschaft aber noch unterschätzt habe: es ist schon schwer, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden. Aber noch schwerer ist es: Ersatzbeschäftigung zu finden.

Und so kämpfe ich seit Geburt des Stöpsels damit, Tagesabläufe zu erfinden, an denen mein Kind und ich nicht zu kurz kommen wir uns nicht täglich in demselben Trott langweilen. Trotzdem: ich kann euch sagen, dass sich meine Tage wie mehrere anfühlen. Und jeder Wochentag geht einher mit der wahnsinnigen Sehnsucht nach dem Feierabend meines Mannes – noch immer.

Aber eins nach dem anderen…

Die ersten Monate

In den ersten Monaten war das Leben noch halbwegs wie vorher. Die Tage waren anstrengend, ja, wegen des vielen Weinens und anderer Startschwierigkeiten. Aber im wachen Zustand konnte ich den Stöpsel neben mich legen oder auf dem Arm halten und mich beschäftigen. Die meisten meiner bisherigen Hobbies blieben da nicht mal gänzlich auf der Strecke. Selbst für eine Runde am PC blieb abends etwas Zeit.
Dennoch kämpfte ich selbst mit mir in der Zeit, diese häufige Stille auszuhalten. War ich es doch gewohnt, dass von irgendwo Geräusche, Musik, Stimmen etc. kamen. Ich bekam es gleich anfangs mit dem schlechten Gewissen zu tun, wenn mich die Ruhe wahnsinnig machte, und ich dagegen den Fernseher einschaltete. Natürlich ist das nicht gut für ein Kind, vor allem für ein Kind, das viel weint. Ist ja der Fernseher die pure Reizüberflutung, die es ja eher zu reduzieren gilt bei Schreikindern. Wenn das schlechte Gewissen überwog, recherchierte ich auf dem iPad oder las ein Buch. Mehr gab es anfangs nicht. Aber verglichen mit dem, was folge, war das noch harmlos – auch wenn ich schon zu der Zeit darüber schimpfte, dass ich mich nicht mit Kind auch irgendwie beschäftigen kann.
Der Haushalt musste erledigt werden, wenn der Papa da war. Entweder er machte ihn oder ich, während der Papa den Stöpsel hielt. Bei uns klappte das einfach nicht, die Hausarbeit zu machen, während der Stöpsel im Tragetuch lag. Das war ihm „zu ruhig“. Ohnehin finde ich es leichter gesagt als getan, mit Kind im Tragetuch den Haushalt zu machen. Geschirr, Wäsche, für all diese Tätigkeiten muss man sich verdammt viel bücken. Abgesehen davon, dass Tragen bei uns nicht gut ankam, Bücken mit Kind auf dem Bauch finde ich wirklich unangenehm.

Anfangs gehen viele mit ihren Babys spazieren. Wie bereits erwähnt habe ich mich das kaum getraut, weil ich immer befürchtete, dass der Stöpsel unterwegs wieder einen untröstlichen Schreianfall bekommen könnte. Aber ich mag spazieren alleine ohnehin nicht. Es macht mir keinen Spaß, niemanden dabei zu haben, mit dem man sich unterhalten kann. Ich weiß, andere machen es gerne, weil sie dann gut abschalten können, sich ihren Gedanken überlassen können, endlich mal alleine sind. Ich bin es gewohnt, so viel allein zu sein, dass für mich allein (mit Kind) spazieren keinen Reiz hatte. Vor allem, weil der Stöpsel unterwegs auch nicht schlafen konnte (weder im Tragetuch noch im Kinderwagen). Wenn ich raus gegangen bin, was ein paar Male vorkam, dann fühlte ich mich hinterher meist furchtbar einsam.

Nur eine ernsthaftere Sorge hatte ich in diesen ersten Monaten. Da hatte ich jetzt ein Kind, in das ich trotz allem völlig verliebt war und wusste einfach nicht, was ich mit ihm machen kann. Irgendwie sah ich mich in der Pflicht, das Kind zu beschäftigen, es nur einfach da liegen lassen kann ja nicht ausreichen. Oder? Nur wie beschäftigt man ein Neugeborenes? In einem anderen Blog las ich zu der Zeit von einer Neu-Mama, die sich dazu etwa so äußerte: mit Singspielen, Fingerspielen und ähnlichem beschäftigte sie ihren Spross… und war dann irgendwann genervt, weil die Tage dadurch so eintönig waren, sie sich langweilte und auf Dauer keinen Spaß mehr an immer denselben Spielen hatte. Natürlich habe ich solche Dinge wie Fingerspielchen auch „mal“ gemacht, aber das ist doch ehrlich gesagt auf Dauer auch wirklich langweilig. Das macht doch keiner den ganzen Tag. Und so kam ich wieder zu der Frage, wie ich das Kind nun beschäftige.
Inzwischen würde ich mich das nicht mehr fragen. Zeit zurückgedreht, würde ich einfach meinem Alltag nachgehen (wie ich ihn jetzt etwa gestalte), und zwischendurch die Bedürfnisse des Babys stillen. Ich denke für einen Säugling ist das für eine lange Zeit völlig ausreichend. Und wer weiß, vielleicht ist mein zweites Kind dann auch ein (Gerne-)Tragling, so dass es einfacher wird, mit Bündel auf dem Bauch seinem Leben nachzugehen.

Zwei Tipps aus dem eigenen Repertoire habe ich allerdings, falls es euch ähnlich geht mit der Frage, wie man sich mit Säugling beschäftigt.

  1. Fotos: Ich habe einige Male richtige Fotosessions gemacht. Ich habe mir eine Weile gut überlegt, wo man das Kind fotografieren könne, in welchem Outfit und mit welchen Requisiten. Ich habe dann mit einer guten Kamera (eine Handykamera geht natürlich auch) gefühlte 100 Fotos gemacht (aber bitte ohne Blitz!), von oben, aus der Froschperspektive, mit veränderten Requisiten, so dass ich letztendlich ein oder zwei schöne Portraits aussuchen konnte, die Vorzeigecharakter hatten.
    Noch schöner ist das natürlich, wenn sich der Partner auch für Fotos interessiert und man auf diese Weise Motive mit Baby und Mama oder Baby und Papa aufnehmen kann. Es macht auf jeden Fall Spaß, auch dem neugierigen Baby und vertreibt gelegentlich mal die Zeit, wenn sie doch mal angehalten hat.
  2. Tagebuch führen: das macht man zwar nicht mit Baby, aber ich bereue es, nicht früher damit angefangen zu haben. Ich habe es erst mit etwa 7 Monaten für mich entdeckt. Das tolle dabei: es gibt Apps, mit denen man auf dem Handy Tagebuch führen kann. Das hat mir anfangs wirklich geholfen, da man das Handy ja doch oft in der Nähe hat, ein Notizbuch oder den Computer nicht.
    Ich führe übrigens noch heute Tagebuch. Mal täglich, mal alle paar Wochen. Und da kommt alles rein: wie der Stöpsel sich entwickelt, wann er welchen Zahn bekommen hat, was wir wann und mit wem schönes erlebt haben, was wir weniger schönes erlebt haben. Vor allem kann ich anhand des Tagebuchs heute noch einigermaßen nachvollziehen, wie sich Stöpsels Schlafprobleme verschlechtert und verbessert haben und wie es mir damit gegangen ist. Und die süßesten Schnappschüsse vom Stöpsel sind auch im Tagebuch hinterlegt. Das tolle am Handy: auch unterwegs kann man schnell eine Notiz hinterlegen, wenn man gerade etwas Aufregendes erlebt hat.
    Ein Tipp am Rande: Wenn ihr Tagebuch führen möchtet und es digital macht, denkt bitte unbedingt daran, eure Worte sowie Fotos regelmäßig zu sichern, zusätzlich auch als Kopie auf dem PC einer Freundin z.B. Es wäre doch unendlich schade, wenn wegen Diebstahls oder Defekt des Handys irgendwann alles weg ist.

Schön zusammengefasst findet man weitere Beschäftigungen mit Baby auch auf der Seite Zehn Dinge, die man mit seinem Baby unbedingt machen sollte und Wie beschäftige ich mein Baby (0-6 Monate)?. Beim zweiten Artikel muss ich allerdings gestehen, dass ich beim Lesen schon ein wenig verbittert werde. So einfach wie beschrieben ist es mit KISS/24h-Baby natürlich nicht. In unserem Fall fielen viel Tragen und viel Kuscheln ja weg. Zufrieden und ausgeschlafen war der Stöpsel ja auch nicht so oft, was man auch am mangelnden Interesse an der Umwelt gemerkt hat – ein Thema, das uns noch bis ins zweite Lebensjahr verfolgte. Es ist dennoch ein schöner Artikel, der mich rechtzeitig zum zweiten Kind daran erinnert, wie ich es unter „normalen“ Bedingungen machen kann.

Die Decke auf dem Kopf

Und dann kamen die Zeiten, in denen ich mir angewöhnen musste, ohne aktive Beschäftigung zu leben. Zeit allein hatte ich ja nun seit Geburt schon nicht (ich muss gestehen, ich sehne mich auch nicht nach Alleinsein). Aber gar keine Zeit für eigene Interessen, u.a. auch wegen fehlender Schlafpausen, zu haben ist schon ziemlich grausam. Und ich gehöre nicht mal zu den Frauen, die Schlafpausen nutzen, um als erstes den Haushalt zu reinigen. Es gab einfach keine Schlaf“pausen“. Gelegentlich versuchte ich es während Stöpsels Wachzeiten, irgendetwas für mich zu tun zu finden, lernte aber immer wieder, dass der Stöpsel dann noch unzufriedener wurde. Und so ertrug ich das Nichtstun bis der Stöpsel gut anderthalb war. Rückwirkend kann ich euch gar nicht mehr sagen, wie ich das geschafft habe. Die Zeit hielt bei uns jedenfalls verdammt oft an.

Aus dieser Zeit werde ich noch genauer berichten. Das war die Zeit, in der ich wahnsinnig viel Zeit mit dem Stöpsel im Bett verbrachte. Die Zeit, in der er nicht schlief, ohne dass ich bei ihm war. Die Zeit, in der er auch trotz mir so schlecht schlief, dass er eigentlich immer unerholt war. Die Zeit, in der ich mir die Feierabendaktivitäten komplett abgewöhnen musste, weil der Stöpsel auch abends ohne mich ständig aufwachte. Und die Zeit, in der der Stöpsel mobil wurde und (entgegen meiner Erwartung) nicht anfing zu spielen und die Welt zu erkunden, sondern trotzdem meistens im wachen Zustand auf oder später an mir hing. Die Zeit, in der die Nächte immer kürzer wurden und das Aufwachen immer häufiger. Die Zeit, in der ich tagsüber dazu gezwungen war, meinen Haushalt komplett liegen zu lassen, also auch die Zubereitung von Essen.
Und es war nicht nur hart für mich – auch für meinen Mann. Denn er musste nach der Arbeit den Hausmann mimen, die Küche aufräumen, die Wäsche waschen und das Essen kochen. Das Minimum an Haushalt regeln halt. Der restliche Hausputz fiel auf hart erarbeitete 1-2 Stunden samstags, in denen der Stöpsel bei Papa bleiben musste, aber meist nicht wollte.

Die Tage in diesem Jahr waren ziemlich eintönig. Wenn der Stöpsel seine wenigen gut gelaunten Momente hatte und die Welt erkundete, konnte ich die Zeit dennoch nicht nutzen, weil es sich meist um 5-10 Minuten handelte. Die ich dann höchstens nutzen konnte, schnell etwas auf dem Handy zu lesen.

Spielzeug kam in der Zeit nicht gut an, auch früh die Rasseln und selbst gebauten Kuscheltier-Mobiles kamen ja schon nicht an. Eine lange Zeit lang kauften wir immer mehr und mehr Spielzeug, in der Hoffnung, dass irgendwann etwas dabei ist, was den lieben Stöpsel in Bann hält. Ich kann euch sagen: Spielzeug kann man getrost lassen, auch das blinkende, piepsende, sprechende Spielzeug. Wenn das Kind keinen Erkundungsdrang hat, dann gibt es auch kein Interesse am Spielzeug. Höchstens das Spielzeug, das Mama und Papa mal in der Hand halten. Nur das sogar.
Trotzdem probierte ich es immer und immer wieder mit Spielzeug. Auch indem ich mit ihm spielte. Er nahm mir das Spielzeug dann allerdings nur ab und schleuderte es durch die Gegend. Das gehört sicherlich auch zur Entwicklung dazu, ist allerdings schon frustrierend, wenn man ja gerne möchte, dass sich das Kind für irgendetwas fasziniert, Gegenstände auch mal genau betrachtet, sie vielleicht sogar in den Mund nimmt.
Dem Stöpsel Bücher vorzulesen (Kinderbücher oder meine) war auch unmöglich. Dafür war der Stöpsel zu unruhig. Ich hatte ohnehin nie das Gefühl, dass er mir zuhört. Später klaute er mir dann sogar die Bücher und blätterte einfach wild umher und schmiss das Buch weg. Überhaupt, wenn ich höre, dass Kinder es mögen, dass man ihnen vorliest oder sie sich für bunte Bilderbücher faszinieren: das gilt wohl nicht für alle Kinder.

Allerdings entdeckte der Stöpsel gelegentlich eine Faszination für Küchenutensilien. Der Stöpsel krabbelte gerne in die Küche und nahm dort die unteren Küchenschränke auseinander. Und das durfte er auch. Ich hatte dort die komplette Tupper- und Schüsselsammlung verstaut, die er auch mit Vorliebe auseinander nahm. Immerhin etwas, was er gelegentlich gerne machte. Die Küche war übrigens so beliebt, dass ich ab Sitzalter (mit 1) anfing, ihn in seinem Hochstuhl neben mich in die Küche zu stellen, während ich anfing, einfache Aufgaben in der Küche zu übernehmen. Das ging leider ganz oft auch nicht, er wollte lieber auf meinen Arm, aber wenn es ging, nutze ich es aus, um endlich selbst mal was tun zu können und wenn es kleine Gerichte kochen oder wischen war. Ich empfehle übrigens unbedingt einen „Lernturm“ ab Stehalter (Laufen ist nicht nötig). Das ist so eine Art Stehbalkon auf Küchenzeilenhöhe. In den Phasen, in denen Stöpsel gut drauf war, konnte man ihn so gleich an der Küchenzeile einbinden. Zugegeben, es ist wahnsinnig anstrengend, weil die Kleinen immer das wollen, was man ihnen nicht geben will, aber es ist endlich mal eine Beschäftigung mit Kind, die funktioniert.

Diese Zeiten, in denen das Baby erkunden wollte oder wir gemeinsam etwas machten, waren aber ohnehin rar gesät, sehr rar. Manchmal lag es an seiner schlechten Laune, manchmal konnte ich einfach nicht mehr bzw. musste meine Sinne auf „Durchzug“ schalten. Weil die letzte Nacht wieder stark geprägt war von wieder und wieder in den Schlaf helfen, der Morgen um 5 oder halb 6 beendet wurde (meist in Kombi, lange Nacht und frühes Ende) oder ich seit morgens damit beschäftigt war, es irgendwie mit Tagschlaf hinzubekommen, dass der Stöpsel endlich mal ausgeruht und gut gelaunt war und nicht ständig gähnte und seine Augen rieb.

Alles in allem waren unsere Tage eher geprägt von Rumsitzen, Leerlauf, Trost spenden und Langeweile. Jeden Tag. Der Stöpsel wollte den ganzen Tag nur Mama, auch wenn wir unter Menschen waren. Wenn wir nicht sowieso im Bett lagen und „schlafen geübt“ haben. Bei meiner Bekannten z.B. saß er immer auf meinem Schoß, obwohl er schon krabbeln konnte und es dort einen anderen Knirps in seinem Alter gab.
Natürlich probierte ich auch mehrfach, einen Rhythmus zu etablieren, in dem ich vielleicht doch den Haushalt einbauen konnte, aber das klappte in vielen Anläufen nie, weil die Launen und die ständige Müdigkeit jegliche zeitlichen Rhythmen unmöglich machten.

Was also tun, wenn man zum Nichtstun gezwungen ist und jegliche Beschäftigungen auf Eis legen muss? In der Zeit schaute ich wahnsinnig viel fern. Da ich gewöhnliches Fernsehprogramm nicht ertrage, meistens eine Serien-DVD nach der anderen.
Da ich aber eigentlich überhaupt nichts davon halte, Kindern (auch Babys schon) ein Leben im Fernseher vorzuleben, probierte ich es alternativ immer wieder mal mit Hörbüchern. Allerdings stellte ich fest, dass das regelmäßige Gequengel es mir einfach unmöglich machte, genügend vom Buch mitzubekommen. Und so lernte ich, im Leerlauf zu leben oder den Fernseher laufen zu lassen. Und dabei den Stöpsel zu halten, ihn stillen zu lassen und ihn irgendwie bei Laune zu halten.

Sitzen kam bei uns leider erst mit einem Jahr, aber ab dem Zeitpunkt ging es auch häufiger auf den Spielplatz, damit das Kind ein wenig Wiese und Sand erkunden konnte. Man kann natürlich – je nach Jahreszeit – auch schon im Krabbelalter gut auf Spielplätze gehen. Bei uns war das aber Winter. Ich hatte ja gehofft, wenn ich mich dazu zwinge, statt spazieren zu gehen auf den Spielplatz zu gehen, würde mir das gut tun, weil es dort andere Kinder und Mütter gibt, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es vormittags nur selten Kinder auf Spielplätzen gibt. Und nachmittags schliefen wir bis der Papa kam und Familienleben angesagt war.

Wenn ihr es mit eurem Würmchen auch über die ersten paar Monate hinaus recht schwer habt, dann kann ich eigentlich nur – für euren Seelenfrieden – sagen: tut, worauf ihr Lust habt. Wirklich! Und wenn es der Fernseher wird: jeder wird euch beschimpfen, der böse Fernseher buhuu! Es funktioniert aber einfach nicht, den ganzen Tag geduldig mit einem unzufriedenen, müden, desinteressierten Kind auf dem Teppich zu sitzen und zu versuchen es von irgendetwas zu begeistern. Dann doch lieber trösten und euch dabei selbst unterhalten (lassen). Ich finde wie gesagt Fernsehen wirklich keine kinderfreundliche Beschäftigung. Aber bevor euch die Decke auf den Kopf fällt und ihr irgendwann nicht mehr wisst, wofür ihr noch aufsteht, oder gar das Kind verflucht, schaut doch lieber eine nette TV-Serie, die euch auf fröhliche Gedanken bringt.  Eine Beschäftigung im Übrigen, die euch das Kind nicht aus der Hand klauen kann.

In der Heimat und mit besser gelauntem Kind

Seit gut einem halben Jahr, ein wenig länger, hat der Stöpsel oft gute Laune und nimmt mir die Bude auseinander. Langsam kommt Ruhe bei uns rein und seither sind die Tage entspannter. Sein Spielzeug kommt jetzt auch viel besser an. Und nicht nur, weil wir es dekorativ und übersichtlich in ein offenes Regal sortiert haben. In Kisten liegen jetzt nur noch die sperrigen Bausteine aus Plastik.
Man kann ihn dank seines Lernturms sehr gut in der Küche einbinden, was er auch oft einfordert, wenn ich in der Küche bin.

Seit wir umgezogen sind, gehen wir viel öfter raus. Wir probieren Spielplätze, gehen Einkaufen (das ging vorher ohne Auto nicht), gehen nebenan in den Park, in dem immer viele Hunde unterwegs sind und wo der Kleine gerne Äste, Steine, Kiesel und Büsche erkundet. Oder im nassen Rasen herumrobbt. All diese Dinge wären vor einem Jahr noch undenkbar gewesen. Für mich aus Energiegründen und für ihn aus Desinteresse.

Gerade begeistert er sich für ein Wörterlernbuch mit vielen bunten Abbildungen. Vorlesen darf ich ihm immer noch nicht, aber das besagte Buch blättert er gerne durch und lässt sich von mir auf Bilder zeigen, damit er das Wort sagen kann (das sind noch nicht viele).
Und er hat eine neue Faszination fürs Wasser entdeckt. Auf dem Wasserspielplatz um die Ecke, im Minipool auf dem Balkon oder in der Badewanne vergeht gerne mal eine Stunde, während der Stöpsel mit Hilfe von Bechern, Schüsseln und Gießkannen Wasser hin und her gießt. Es ist so unglaublich beruhigend zu wissen, dass er die Kurve noch bekommen hat und jetzt in seinem Tempo die Welt entdeckt.

Natürlich braucht er mich und meine „Unterhaltung“ auch noch regelmäßig. Denn er beschäftigt sich immer nur kurz mit einer Sache (was auch völlig normal und altersgerecht ist) und weiß dann manchmal nicht so recht, was er mit sich anfangen soll. Oder er braucht mal 15 Minuten auf meinem Schoß oder sitzt einfach nur unmittelbar neben mir mit seinem Spielzeug, so dass er „Kontakt“ mit mir hält. Das finde ich völlig normal und auch schön. Es ist wohl seine Art, mit mir zu kuscheln.

Dennoch sind unsere Tage nicht einfach. Vor allem für mich. Ich habe es geschafft, mir inzwischen jegliche Medienabhängigkeit abzugewöhnen. OK, gut, nicht ganz. Mein Handy ist immer noch täglicher Begleiter, für wenige Unterhaltungen, für Musik, meine Hörbücher im Bett und natürlich das Tagebuch mit Fotos. Am Laptop sitze ich in letzter Zeit auch häufiger, um hier die Texte zu schreiben. Ansonsten vermisse ich weder Spiele, Filme noch Serien. An deren Stelle sind lesen, haushalten und weggehen gerückt. Das macht mich wahnsinnig stolz.
Aber ein Tag ist immer noch sehr lang. Ich lasse mir wirklich viel für den Stöpsel einfallen (es mangelt mir ja wirklich nicht an Kreativität), das habe ich irgendwie in meiner Verzweiflung ja auch schon immer gemusst. Ich inspiriere ihn, wie er sein Spielzeug nutzen kann, hole Spielsachen raus, die er schon länger nicht mehr angefasst hat. Spiele ihm vor. Ich bastel für ihn, male ihm was vor. Mache laienhaft etwas Musik für ihn. Ich lasse mir wirklich viel einfallen. Aber da seine Geduld nun mal nicht länger als für 15 Minuten reicht, muss ich das tagsüber halt ziemlich häufig machen. Und so viele Ideen habe ich dann auch wieder nicht. Weshalb sich die Tage ziehen wie Kaugummi.

Dafür habe ich Stöpsel ein wenig zur Medienabhängigkeit erzogen. Was ich ihm mangels Alternativen für die Tagesgestaltung auch nicht ganz abgewöhnen kann gerade. Während des ersten Trimesters meiner Schwangerschaft lag ich wegen starken Unwohlseins sehr häufig auf der Couch und irgendwie schaffte es der Stöpsel in dieser Zeit, sich selbst die Bedienung meines Tablets beizubringen. Dort hatte ich damals einige Kinderlieder in Audio- und Videoform für ihn gespeichert. Die sah er sich gerne an. Immer und immer wieder. Anschließend entdeckte er YouTube für sich, nachdem ich ein paar Videos gefunden hatte, die ich akzeptabel fand, und er lernte durch wildes Antippen der Symbole, YouTube irgendwann selbst zu bedienen, zumindest anhand von Empfehlungen.
Früher hätte es mich wahnsinnig stolz gemacht zu behaupten, dass mein 20 Monate altes Kind die Bedienung eines Tablets beherrscht. Wenn er nicht irgendwann so wahnsinnig viel Zeit damit verbracht hätte und zuletzt nur noch Schrott (für Kinder) geschaut hätte. Die Tabletentwöhnung die folgte war zum Glück einfach. Noch einige Tage versuchte er das leergelaufene Tablet zu nutzen, beschwerte sich aber auch nicht groß darüber, dass es nicht ging.
Dafür habe ich ihm seine einzige Lieblingsserie auf dem Fernseher ermöglicht. Weil ich einfach immer noch keine Ahnung habe, wie ich einen ganzen Tag (vor allem bei schlechtem Wetter) mit ihm organisiere, so dass wir ganz ohne Glotze auskommen. Und ich versuche wirklich, Alternativen für das Problem zu finden.

Abschließend zu dem Thema muss ich auf jeden Fall sagen, dass ich festgestellt habe, dass Langeweile und Leerlauf eine wichtige Voraussetzung dafür waren, dass er angefangen hat, sich für sein Spielzeug zu interessieren.
Natürlich muss ich oft nachhelfen, indem ich ihm ein Spielzeug aussuche, das ich ihm auf dem Wohnzimmerteppich lege und ihm vorspiele. Oder indem ich seine Spieleecke aufräume, was ihn immer magisch anzieht, damit er gleich wieder alles auseinandernehmen kann.

Ansonsten, wer Ideen braucht zu Beschäftigung mit Kleinkindern, der findet im Internet sicherlich viele schöne Ideen, z.B. mit Hilfe von Diskussionen wie hier bei mamikreisel.

Kinderbetreuung

Der Vorsatz also, bei seinem Kind zu Hause zu bleiben und es die ersten Jahre selbst zu begleiten, stellt sich als wahre Herausforderung dar, muss ich feststellen. Nicht nur, weil der Stöpsel halt bisher so viel schlecht drauf und uninteressiert war. Weshalb ich auch verstehen kann, dass heutzutage so viele Kinder mit einem Jahr schon fremdbetreut werden.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, gleich meinen Senf zu dem Thema Betreuung zu geben. Mein Mann und ich waren uns seit eh und je einig darin, dass wir keine Kinder bekommen würden, um sie dann früh wegzugeben. Insbesondere für mich gilt: das ist einfach, wer ich bin. Ich bin in Heimbetreuung aufgewachsen (ich war später vormittags im Kindergarten und habe heute keine positiven Erinnerungen daran) und mir persönlich ist es wichtig, die ersten 3 Jahre zu nutzen, mein Kind kennenzulernen, so schwer es sich manchmal auch gestaltet. Mir persönlich ist das wichtig.

Ich bin dennoch auch kein Freund von U3-Betreuung. Ich werde mit niemandem darüber diskutieren, der es für seinen Lebensentwurf als wichtig erachtet. Das ist auch dessen Meinung zu fällen nicht meine. U3-Kinderbetreuung kann man allerdings nicht schönreden mit Argumenten, die betonen, was daran gut für Kinder sein soll. Diese Argumente sind für mich uninteressant, da ich ohnehin kein Interesse habe, mein Kind in irgendeiner Weise für das Leben zu trainieren, das macht das Leben schon ganz allein. Es gibt in meinen Augen nur einen Grund für U3-Betreuung: beide Elternteile so lang wie möglich für den Beruf freizustellen (EDIT: hierzu noch schnell den Blog-Artikel Kindergärten: (k)ein Ort für Kinder!? nachgereicht, den ich frisch entdeckt habe. Kritisch und vollständig, wie ich finde.).
Und da sind wir beim eigentlichen Grund, warum ich kein Freund von früher Fremdbetreuung bin. Mir gefällt dieses moderne Gesellschaftsbild einfach nicht mehr, in dem „berufliches Schaffen“ das Zentrum unseres Daseins darstellt und wir uns immer weiter von unserer Natur entfernen, die irgendwie immer auch die eigenen Kinder mit einbezogen hat. Und jetzt sind Kinder dabei, aber irgendwie weggesteckt. Das Bild gefällt mir einfach nicht. Es mag am Alter liegen, aber das ist meine Ansicht, die keiner teilen muss. Ich möchte sie lediglich erklären. Und bevor jemand denkt „das sagt die so einfach, die haben bestimmt genug Geld, so dass sie nicht arbeiten muss“: nein, haben wir nicht. Und es geht trotzdem. Irgendwie.

Der Stöpsel wird mit 3 in den Kindergarten kommen, sofern wir den gewünschten Platz bekommen. Denn ich bin unheimlich dankbar für die Möglichkeit, mein Kind ab diesem Alter für wenige Stunden am Tag mit anderen Kindern spielen zu lassen. Und auch nur das: spielen, nicht erziehen, nicht sozial fördern.

Nichtsdestotrotz habe ich mich bisher schon einige Male mit der Frage beschäftigt, ob ich von meinen Prinzipien abkomme und den Stöpsel doch früher in die Betreuung entlasse. Um mich zu entlasten, mir jeden Tag ein Programm für uns beide überlegen zu müssen, wie die Tage gut vergehen. Um mir vielleicht auch eine berufliche und sinnvolle Aufgabe für wenige Stunden am Tag zu suchen, mit der ich mir das bisschen Bestätigung abholen kann, das man als Frau im Haushalt mit Kind nun mal nicht bekommt. Und doch bin ich davon abgekommen. Stattdessen mache ich es mir gerade zur Aufgabe, am neuen Wohnort ein Umfeld zu schaffen, das mir bisher fehlte, um mit mehr Spaß und Leichtigkeit eine Umgebung zu schaffen, in der ich meine Kinder aufwachsen sehen möchte.

Das Umfeld

Es wird euch sicher schon aufgefallen sein, dass ich mich eigentlich immer nur in meiner kleinen Familie aufhalte, während ich erzähle. Es gibt da noch die Bekannte (die in Wirklichkeit meine bisherige Nachbarin war) und ansonsten niemand. Und genau das sehe ich inzwischen als größtes Problem beim Kinder haben an.

Es ist heute eine verdammt einsame Aufgabe, Mama zu sein. Denn ich glaube bei vielen gibt es da nach der Geburt erst mal niemanden außer einem selbst, zumindest am Tag. Der Papa arbeitet, die Omas und Opas arbeiten, die Geschwister arbeiten, die Freunde arbeiten. Mamas die nur Mamas sind gibt es (meist) höchstens für 12 Monate. Und ich glaube, trotz all der Kurse, die man mit seinem Baby in dieser Zeit belegen kann, ist man doch recht viel allein. Weshalb ich auch verstehen kann, dass man sich nach einem Jahr erlöst fühlt, wenn man endlich wieder arbeiten kann.

Aber es muss doch irgendwie auch anders gehen? Es muss doch irgendwo Mütter geben, die gerne bei ihren Kindern geblieben sind oder zumindest die meiste Zeit, die auch nach Gesellschaft tagsüber suchen (vor allem vormittags). Ich habe sie bisher auch in der Stadt (noch) nicht gefunden. Auch hier sind die Spielplätze leer.

Ich kann mir vorstellen, mit so einem Netzwerk an Müttern lässt es sich einfach viel schöner Kinder haben. Nicht nur, dass das Leid in der Anfangszeit gelindert ist, wenn man nicht nur ausschließlich mit sich selbst und dem Baby umgeben ist. Es ist sicherlich auch eine viel spannendere Erziehungszeit, wenn die Mutter sich nicht allein fühlt, auch mal mehr als „bababa“ und „wääääh“ hört.

Meine Bekannte übrigens hat das wahnsinnige Glück, in einer großen Familie aufgewachsen zu sein, in der es viele Mamas gibt. Als sie anfing sich nach halbwegs überstandener Koliken-Zeit unter Menschen zu trauen empfing sie eine große Familie, die sie und ihren Spross an ihren freien Tagen (sie arbeitete später 2 Tage die Woche) ordentlich auf Trab hielt. Man merkte ihr gleich an, wie gut ihr das tat, täglich in großer Gesellschaft zu sein und wie unentspannt es im Umgang mit ihrem Kleinen an Tagen wurde, an denen sie wegen Wäsche und Co. mal zu Hause „gefangen“ war und ich sie besuchte.

In dem Sinne lauten meine Abschlussworte zu diesem Thema wie folgt: wenn ihr nicht gerade wie ich fernab der eigenen Heimat lebt und ein Netzwerk an Freunden habt, von denen einige z.B. in Schicht arbeiten oder ohnehin mit Kindern zu Hause sind: es ist das beste, was euch passieren kann, wenn ihr dieses Netzwerk aktiviert!

Und so bin ich dankbar, dass ich mein zweites Kind in der Heimat bekomme. Nicht, dass ich hier nach den vielen Jahren noch ein Netzwerk hätte, aber ich bin überzeugt, hier in meiner vertrauten Stadt einfach mehr Möglichkeiten zu haben.
Und so arbeite ich schon daran eine Voraussetzung zu korrigieren, die ich vom Elternwerden nie erwartet hätte: sei nicht allein, wenn du Kinder haben möchtest.

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