Einschlafen geht nicht, Ausschlafen auch!

Ich tue mich gerade verdammt schwer damit, einen Anfang für das Thema zu finden, das unser „anderes Baby“ am meisten ausmacht. Es ist ein so unendlich ausführliches Thema. Es gibt so viel zu sagen. Und ich versuche mich seit Tagen in die mentale Lage zurückzuversetzen, wie verzweifelt ich vor einem Jahr noch war. Es klappt aber nicht.

Hier und Jetzt

Ich hatte es bereits erwähnt, dass die Schlafschwierigkeiten (und deren Folgen) so gut wie weg sind. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich selbst inzwischen viel erholter bin, weil der Stöpsel halt auch richtig durchschläft. Es hat aber mehr damit zu tun, dass er selbst viel erholter ist, weil er durch das Durchschlafen und den langen Mittagsschaf ausgeschlafener ist. Er ist und bleibt eine Lerche, die gerne früh aufwacht. Vor allem mit Aufwachzeiten vor 7 Uhr habe ich immer noch stark zu kämpfen. Er schläft nachts recht kurz. Wenn es 10 Stunden sind, dann freue ich mich, aber meist sind es eher 8,5 und 9,5 Stunden. Wenn man sich wünscht, abends Auszeiten zu haben, wenigstens eine kurze kinderfreie Zeit, dann ist das natürlich eine viel zu kurze Schlafenszeit.

Vor einigen Monaten gab es einen Punkt, da hatte ich das gute Gefühl, dass der Stöpsel jetzt auch beim Papa einschlafen könnte. Und es funktionierte direkt beim ersten Versuch und er weinte auch nur ganz kurz. Seither habe ich zwei bis drei Abende die Woche Zeit für mich. Zeit für uns als Paar gibt es immer noch nicht, da der, der im Bett liegt meist dabei auch einschläft oder zu müde ist, um dann noch mal für 30 Minuten aufzustehen.
In den schwierigen Zeiten war auch der Papa viel müde, weshalb wir am Wochenende immer etwas darum kämpften, wer mit dem Stöpsel aufstehen soll. Inzwischen kann ich mich darauf verlassen, dass ich am Wochenende ausschlafen darf, weil der Papa aufsteht, wenn der Stöpsel nicht mehr schlafen möchte. Der ist nämlich ab 6 Uhr meist selbst schon wach, wenn nicht sogar schon aufgestanden. So kann ich meinen eigenen Schlafbedarf auch mal ausschlafen. Oder einfach mal noch eine Stunde die Ruhe im Bett genießen.

Der Mittagsschlaf klappt inzwischen recht gut. Manchmal schläft er 3 Stunden, manchmal nur 90 Minuten, allerdings immer noch nur zu Hause im abgedunkelten Schlafzimmer. Neuerdings darf ich mittags nach dem Einschlafen aufstehen, ohne dass er davon aufwacht. Es kann passieren, dass er aufheult im Schlaf. Dann gehe ich einfach zu ihm, rede ihm gut zu, kuschele mich kurz an ihn und dann schläft er weiter. Früher wäre er dann aufgewacht, hätte miese Laune gehabt und ewig geweint und gemotzt.

Phasenweise haben wir immer noch Schwierigkeiten damit zu erkennen, wie wir seinen Mittagsschlafbedarf erfüllen. So ganz mit sich selbst im Rhythmus ist der Stöpsel da immer noch nicht. Wir haben irgendwann vor 6 Monaten der Einfachheit halber auf einen Mittagsschlaf umgestellt, weil eh kein eigener Rhythmus erkennbar war: haben wir ihn nämlich trotz Müdigkeitsanzeichen (um 10 Uhr morgens z.B. oder später mittags um 2 Uhr) hingelegt, hat er trotzdem nicht geschlafen. Seit etwa 6 Monaten schläft er einfach gegen 12 / 13 Uhr. Punkt. Fertig. Das klappt auch ganz gut. Und dennoch gibt es Zeiten wenige Stunden nach dem Aufstehen, da scheint er an einen toten Punkt zu kommen. In letzter Zeit ist das etwa um 10 Uhr morgens und manchmal am frühen Abend noch mal. Er reibt sich dann die Augen, wird quengeliger, ruhiger… und wenn wir dann vormittags unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er im Buggy oder auf dem Rücken einschläft. Was ich versuche zu vermeiden, da er dann nur kurz schläft, zu Hause im Bett dann nicht mehr einschlafen kann und der restliche Tag tendenziell anstrengend ist. Ansonsten bleibt es einfach so, dass er nicht einschlafen kann, wenn er müde ist. Je länger der Tag anhält, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er dann auch – trotz Müdigkeit – die Kurve in den Schlaf bekommt. Ohne das eigene Bett im dunklen Zimmer sowieso nicht.

Alles in allem haben wir aufgehört, am Schlaf herumzudoktern. Man könnte meinen, der beste Weg ist es, auf die Zeichen des Kindes zu achten – und ich komme auch immer wieder in Versuchung, den Schlaf nach seinem Takt zu probieren oder so Methoden wie „wach halten, bis er einfach nicht mehr kann“ – aber tatsächlich hat es bei uns besser geklappt, ihm die Schlafbedingungen vorzugeben. Nach all den Büchern zum Schlaf (die bedürfnisorientierten Bücher), die ich gelesen habe, ist das ja eigentlich eher ungewöhnlich. Normalerweise fahren Eltern besser damit, auf das Kind zu achten und zu hören, um die besten Schlafbedingungen zu ermitteln.

Mein letzter Wunsch wäre es, dass der Stöpsel bald auch die Reife hat, dass er erst lernt die Kurve in den Schlaf zu bekommen und dann irgendwann ohne uns gut einzuschlafen. Ich dränge ihn nicht dazu. Es wird schon gesehen, wenn es geschieht. Aber das wäre mein letzter Wunsch bezüglich Schlaf. Zurzeit verbringen wir noch wahnsinnig viel Zeit im Bett mit ihm, bis er eingeschlafen ist. Mittags meist eine halbe Stunde, abends gerne mal über eine Stunde. Oft noch so lange, dass ich durch die Dunkelheit müde werde und teilweise mit einschlafe. Er kriecht beim Einschlafen dann wie ein Irrer durchs Bett hin und her (das macht er auch schon sehr lange, seit dem 1. Geburtstag mindestens), knabbert und knirscht auf unseren Kissen herum (das macht er erst seit Abstillen). Er kann überhaupt nicht ruhig liegen bleiben, nicht mal 2 Sekunden. Das macht er (abends) eine Stunde lang und länger, bis er plötzlich in einer Position verharrt und dann friedlich und ratzfatz einschläft. Neuerdings dreht er sogar so sehr auf, dass er in Redelaune verfällt oder gar aufsteht. Was ihn da in den Wahnsinn treibt, warum er trotz Müdigkeit und inzwischen sogar Vorfreude aufs Bett nicht still liegen kann, sondern eher wieder aufdreht, ist uns ein Rätsel. Und Hilfsmittel wie ein Gute-Nacht-Lied oder Vorlesen helfen bei ihm nicht. Beim Singen fängt er an zu quatschen, um mich vom Singen abzubringen. Vorlesen ist eh nicht sein Ding. Aber es ist wie es ist und auch wenn es Tage gibt, an denen mich das Knirschen auf den Kissen wütend macht oder die Tatsache, dass die Zeit im Bett einfach nicht vergeht, es ist einfach so unendlich viel einfacher geworden mit dem Stöpsel, seit er sein Schlafbedürfnis wenigstens halbwegs erfüllt bekommt und tagsüber bessere Launen dadurch hat.
Zu dem Thema Einschlafen lernen (ohne Begleitung) kann euch Kathrin von Nestling noch viel besser erklären, mit welchen Erwartungen man da heran gehen kann. Wir schlafen übrigens immer noch gemeinsam im Familienbett, bei weißem Rauschen. Auch zum Thema Familienbett gibt es bei Nestling ausführliche Infos.

Mit Babys Schlafstörungen bist du allein!

Schlafstörungen bei Babys und Kleinkindern sind eine wirklich schwierige Angelegenheit. Und eine Angelegenheit, die man scheinbar besser in seinen eigenen vier Wänden ausficht. Denn sobald man Menschen hinzuzieht – mögen es Vertraute, Bekannte oder „Experten“ sein – ist man nur frustriert. Wenn man anderen Eltern mit Schlafproblemen kommt, nicken sie alle verständnisvoll und erzählen einem, wie lang es gedauert hat, bis das eigene Kind durchgeschlafen hat. Dass das mit dem Durchschlafen nicht unsere Sorge war, dass es ernsthafte Schlafprobleme gibt, das kann man diesen Eltern dann gar nicht vermitteln.
Geht man in der Verwandtschaft mit dem „nicht einschlafen können und ständig aufwachen“ hausieren, erntet man nur Zweifel, ob man denn wirklich alles richtig macht, auch wirklich alles probiert habe oder ob man nicht ein wenig übertreibt. Verständlicherweise wird man allerdings auch gerne darauf hingewiesen, dass manche Kinder einfach nicht so viel Schlaf brauchen bzw. dass sie sich doch den Schlaf holen den sie brauchen und schon einschlafen werden, wenn sie müde sind. Ich weiß noch, wie die Schwiegermutter irgendwann im zweiten Jahr nach allem, was sie inzwischen über Stöpsels Schlafprobleme hätte wissen sollen, fragte, ob er denn auch nicht beim Spielen einschliefe. Da blieb mir erstmal der Mund offen stehen. Abgesehen davon, dass sie eigentlich auch wusste, dass er sich nicht selbst beschäftigte, davon auszugehen, dass wenn er nirgends verlässlich einschläft trotz Müdigkeit, dann ja möglicherweise beim Spielen… ich kam mir schon ein wenig veräppelt vor. Da fällt mir auch wieder ein, wie sie mich in den ersten Monaten auf meine Schlaferzählungen hin immer gerne daran erinnerte, wie toll ihr Sohn als Baby immer und überall geschlafen habe. Immer und immer wieder. Anfangs fand ich das seltsam. Irgendwann sah ich darin einen nett verpackten Angriff auf meine Gene, bzw. eine Andeutung, dass es ja dann meine Schuld sein muss, weil ihr prächtiger Sohn kann so ein schlechtes Verhalten ja nicht vererbt haben. Dann irgendwann, als die ganze Familie zusammengekommen war, versuchte sie es erneut. Nach so vielen Vorlagen kam dann aber die richtige Antwort aus mir geschossen, in der ich sie daran erinnerte, welche Schlafprobleme ihr Sohn jetzt als Erwachsener habe. Dass er ja auch tagsüber nicht schlafen kann (stimmt wirklich!), schon gar nicht bei Licht (stimmt wirklich!), dass er nachts ständig aufwacht (stimmt wirklich!) und auch ansonsten ein unruhiger Wälzer ist. Sie hat mich danach nie wieder daran erinnert, wie prächtig ihr Sohn als Baby geschlafen hat. Touché!

In der Rückbildung lernte ich eine andere Frau kennen, deren Baby auch einen schwereren Start hatte. Es fühlte sich so schön an, mit einer Mama zu sprechen, die ähnliche Verzweiflung durchgemacht hatte. Allerdings stellte sich auch heraus, dass der Spuk bei ihr nach den üblichen 3 Monaten weitgehend vorüber war. Und so spendete sie mir weiterhin Trost und Verständnis für Situationen, die sie schon lange hinter sich gelassen hatte. Sie dachte, sie verstand unsere Schlafprobleme, aber ich merkte bald, dass sie das gar nicht konnte. Denn bei ihr hatte ja immer irgendwas geholfen und es ging vorbei. Ihr Babysohn schlief auch in seinem eigenen Bett, hielt meist ordentlichen Mittagsschlaf und sie konnte, während er friedlich im Laufstall spielte, den Haushalt schmeißen. Dass bei uns nichts half und nichts vorbei ging, das machte mich zusehends wütend, wenn sie mich wieder ausführlich darüber belehrte, was sie alles mit Erfolg probiert hatte und glaubte, das muntere mich auf oder half mir daran zu glauben, dass es bald vorbei sei.

Wenn man ein Baby bindungsorientiert aufwachsen lassen möchte, dann bekommt man auch keinen vernünftigen Rat von Ärzten. Natürlich können diese helfen, mit einer Überweisung in die Schreiambulanz, wenn die Mutter einfach nicht mehr kann, aber spätestens da wird einem nur einer helfen, wenn man von seinem Wunsch abkommt, dass man die Bedürfnisse seines Kindes erfüllen möchte. Da gehören nämlich zur „Erziehung“ des Kindes (zu mehr Schlaf, Erholtsein und weniger Anhänglichkeit), ihm all die Dinge abzugewöhnen, die es zu stark an die Mutter bindet: (nächtliches) Stillen, Familienbett, viel Nähe und Trost. Das mag in verzweifelten Situationen hilfreich sein, für mich wäre das allerdings der falsche Weg gewesen, meinem Kind zu helfen.

Aber auch mit andersgesinnten Experten, Heilpraktikern z.B., hatte ich so meine Verständnisprobleme diesbezüglich. Unsere Schlafprobleme wurden dann gerne auf unsere Erwartungen geschoben (ich finde es nicht wirklich anspruchsvoll zu wollen, dass das Kind ausgeschlafen ist tagsüber) oder aufs Stillen („natürlich wacht es nachts häufiger auf, wenn er weiß, dass er dann gestillt wird“). Oder wir ernteten gut gemeinte Ratschläge zur Tagesgestaltung, die den Schlaf des Kindes sicherlich von alleine verbessern würden. Natürlich kannten wir die alle und hatten schon lange festgestellt, dass die Tagesgestaltung keinen Einfluss auf das Schlafverhalten hatte.

Jeder weiß, was zu tun ist bei schlaflosen Kindern. Es gibt sogar Kinderlose, die mit Tipps aufwarten können. Aber keiner, nicht ein einziger von all den Menschen bis jetzt konnte uns sagen, was unser Kind braucht, um die Kurve in den Schlaf zu bekommen statt wie ein Duracell-Männchen immer weiter und weiter und weiter zu machen. Der Kampf mit Stöpsels vielfältigen und doch irgendwie zusammenhängenden Schlafproblemen war dann halt letztendlich unser – und unser allein. Wobei wir am Ende doch einen Weg einschlugen, für den wir Hilfe holten.

Die Bandbreite von Schlafstörungen

Dass ein Baby Schlafstörungen haben kann, können sich scheinbar nur wenige vorstellen. Ist man unterwegs in der Stadt, schlafen nämlich irgendwie alle Babys, die man in Kinderwagen oder neuerdings immer öfter in Tragehilfen auf der Brust ihrer Mutter sieht.
Ich lasse das Thema „Durchschlafstörung“ übrigens erst mal außen vor, weil ich nach all dem, was ich gelesen habe, z.B. diese schöne Zusammenfassung von Nestling (ihr ahnt schon: eine ganz tolle Seite), es als normal erachte, dass Kinder teilweise bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr mehrfach nachts erwachen, besonders Stillkinder. Für mich gibt es keine da Durchschlafstörung, es sei denn, es ist wie bei uns: das Kind wird häufig wach, kann dann einfach nicht mehr richtig in den Schlaf finden – trotz Stillens und Trost und ist morgens unerholt.

Unser Alltag jedenfalls drehte sich bis letzten Herbst ausschließlich um das Thema Schlaf. Es fing damit an, dass der Stöpsel oft zwischen 5 und 6 Uhr morgens schon wach wurde, man mit ihm aufstehen musste und er dann trotzdem unausgeschlafen war. Wieso unausgeschlafen? Unausgeschlafen war er für uns, weil er oft sofort, meist nach kurzer Zeit, vielleicht 15 Minuten, quengelig wurde, weinte, unzufrieden war, an mir hing, alles blöd fand incl. Wickeln, Tragen, Kuscheln, auf dem Schoß sitzen oder liegen. Für mich ist das kein ausgeglichenes Baby, ergo: unausgeschlafen. Das viele Gähnen und Augenreiben bestätigte das nur. Wobei es Zeiten gab, wo er komischerweise diese deutlichen Müdigkeitsanzeichen einfach mal wegließ, aber trotzdem genau so schlecht drauf war, so dass wir auf „müde“ schlossen. Wie oft las ich nach, woran man sicher erkennt, dass ein Baby müde ist. Ich wollte ja mein Kind nicht zum Schlafen zwingen, wenn es nicht müde war. Ich fand heraus, dass das Augenreiben und das ans Ohr greifen eindeutige Zeichen sind. Gähnen auch. Dann soll man das auch in den Augen erkennen. Sie sehen einfach müde aus, starren „leer“. Blöd nur, wenn das Kind gerade erst aufgestanden ist und die Müdigkeitszeichen von Anfang an zeigt.  Oder – wenn das Kind schon ewig quengelig ist und man sicher ist, dass es eigentlich müde ist – aber ausnahmsweise die eindeutigen Signale gar nicht von sich gibt.
Ich habe so oft gelesen, dass eine Mutter weiß, wann ihr Kind müde ist. Hmm… also ich nicht. Ich konnte auch diese „Fenster“ nie erahnen, in denen es scheinbar am besten funktionieren sollte, die Babys hinzulegen. Verpasst man diese Einschlaffenster nämlich, wird das Baby nicht schlafen und man muss 45 Minuten warten, bis sich das nächste Einschlaffenster ergibt. Wir mussten immer warten, also war es egal, ob Fenster oder nicht.

Und so drehte sich der Tag darum zu überlegen, wann man ihn wieder hinlegt und wie man dazwischen die schlecht gelaunten Phasen gestaltet.
Manchmal habe ich ihn dann tatsächlich um 7 Uhr morgens schon wieder hingelegt. Später versuchten wir, mindestens 90 Minuten seit dem letzten Aufwachen abzuwarten. Denn dann kam das nächste Problem dazu: trotz Müdigkeit war er tagsüber einfach nicht zum Schlafen zu bekommen.

Auf dem Arm in den Schlaf schaukeln – aufrecht oder liegend, Singen, „Shhh“ machen, Rauschen, Melodien aus dem Babyphone, Streicheln, auf einem Gymnastikball in den Schlaf hüpfen, im Tragetuch schaukeln, im Dunklen, im Hellen, auf dem Arm im Wohnzimmer, in seinem Bett (schlafend und wach), draußen, drinnen, in unserem Bett liegend und stillend… wir haben wirklich alles probiert, um eine verlässliche Methode zu finden, wie der Stöpsel gut einschlafen kann. Was ich jetzt hier in wenigen Sätzen abhandele, war in Wirklichkeit ein sehr nervenaufreibender Prozess, jeden Tag, jedes einzelne Hinlegen davon. Wir beobachteten den Stöpsel und seine Müdigkeitsanzeichen, sein Weinen, seine Unzufriedenheit. Wir analysierten, wenn er mal gut schlief oder einschlief, woran es gelegen haben könnte und suchten nach Zusammenhängen. Wir probierten systematisch alles durch, was uns einfiel und zusagte (Staubsauger und Fön waren nicht unsere Methoden und zum Glück ohnehin nicht akzeptiert). Und trotzdem funktionierte nichts, von dem man sagen konnte „gut, wenn wir das machen, dann braucht er zwar seine Zeit, aber er schläft dann!“.

Hatten wir mal zwei Tage Erfolg mit einer Methode, was schon selten genug war – oder Glück? – waren wir schon fast euphorisch, jetzt endlich am Ziel angekommen zu sein. Dann schlug der Wind aber doch wieder schnell um, und der Stöpsel fand diese Methode dann doch nicht mehr so hilfreich. Meist verbrachte ich die Zeit mit Ideensuche fürs Einschlafen, was einfach daran lag, dass der Stöpsel ab einem gewissen Zeitpunkt den Papa verweigerte, was vermutlich nicht zuletzt am Stillen lag. Aber wenn ich dann regelmäßig doch die Nerven verlor, musste der Papa ran. Manchmal half das, vermutlich, weil ich selbst dann einfach zu aufgebracht war. Aber wenn der Stöpsel nicht schlafen konnte, dann gab auch der Papa regelmäßig auf. Und dann blieb der schlecht gelaunte Stöpsel halt wach. Bis zum nächsten (vergeblichen) Versuch einige Zeit später.

Die vergeblichen Einschlafversuche waren die, die mich am meisten verzweifeln ließen. Besonders an Tagen, wo es mehrfach vergeblich war. Immer wieder der Versuch des Hinlegens und immer wieder stieg man mit mies gelauntem Baby aus dem Bett raus und wusste, dass man gleich einfach irgendwie weiter ausharren musste.

So in etwa spielten sich ab dem 4. bis zum etwa 18. / 19. Lebensmonat die Tage ab. Ich war übermüdet, weil er Stöpsel so früh wach wurde, dann schlecht drauf war, viele Versuche ihn hinzulegen scheiterten, ich dann weiter ausharren musste mit miesgelauntem Baby, bis zum nächsten Versuch und übernächsten Versuch usw.
Wenn er einschlief, dann übrigens meistens für nur 30 Minuten. Es gab einzelne Male, da schaffte er auch 45 Minuten, aber die Regel waren 30 Minuten. Es gab also Tage, da lag der Stöpsel vier oder fünf Mal im Bett tagsüber für 20-30 Minuten und das waren schlaftechnisch gesehen dann tatsächlich die „guten“ Tage. An der Laune änderten Kurzschläfe allerdings gar nichts.

Abends hatten wir dann andere Schlafgeschichten zu bewältigen. Der nächtliche Schlaf war anders anstrengend. Wir hatten da anfangs noch recht elternfreundliche Abende, später dann leider immer seltener. Elternfreundlich war, der Stöpsel meldete sich nach Einschlafen erst nach mindestens 2 Stunden Schlaf wieder. Das waren 2 Stunden für die Eltern, immerhin. Ich gewöhnte mir schon recht früh an, nach den 2 Stunden von alleine ins Bett zu gehen. Es gab aber auch Abende, an denen er nach Einschlafen alle 30 Minuten aufwachte. Damals war ich davon aber noch nicht so aufgebracht darüber, wie später, denn normalerweise waren es die ersten vier bis sechs Monate folgende Schlafrhythmen nach Einschlafen: 4 Stunden, Stillen, und ab da alle 2 Stunden und Stillen. Es gab allerdings auch einfach nur etwa alle 2 Stunden und dann stillen.
Um den 6. Monat wurde es aber schlimmer und häufiger, dass er aufwachte, direkt nach Einschlafen und auch die restliche Nacht. Und – was ab da richtig anstrengend wurde – sich oft nicht mit Stillen wieder zum kompletten Einschlafen bewegen lassen konnte oder sich gleich gegen das Stillen wehrte.

Das Aufwachen blieb lange unvorhersehbar. Er konnte um 5 Uhr aufwachen, oder um 8 Uhr. Gerne auch an 2 aufeinanderfolgenden Tagen in der Reihenfolge. Ich kann mir vorstellen, dass das anfangs aber völlig normal ist. Aber bei allen Schlafproblemen die wir zu bewältigen hatten, war es immens ärgerlich einfach keine Ahnung zu haben, welche ungefähre Uhrzeit einem das Kind am nächsten Morgen bescheren würde.

Etwa um das erste halbe Jahr herum fingen wir auch an, das Babybett nur noch als Rausfallschutz zu nutzen und vollständig zu akzeptieren, dass er dort jetzt einfach gar nicht mehr schlafen wollte. Das funktionierte nämlich bis dahin zeitweise noch recht gut, manchmal immerhin für 1-2 Schlafphasen nachts, manchmal mittags für seine „Mini-Naps“ und ganz selten sogar bis zum frühen Morgen. Dass um das erste halbe Jahr irgendwas mit den Kindern geschieht, was auch noch mal am Schlaf dreht, las ich auch hier. Das bestätigt das Gefühl, dass in dieser Zeit irgendwas passiert, weil auch wir nahmen einen schlagartigen (keinen guten) Wechsel der Schlafgewohnheiten wahr, der von da an blieb. Inzwischen würde ich sagen, es sind die Zähne. Aber was soll ich auch sonst für eine Erklärung haben?
Ich weiß noch, dass ich in seinem 8. Lebensmonat irgendwann Nägel mit Köpfen machte und sagte: ok, dann liegt er halt immer neben mir und ok, dann muss ich auch beim Schlafen bei ihm bleiben. Was so klingt, als hätte ich eine große Abneigung dagegen gehabt, habe ich eigentlich gerne gemacht, in der Hoffnung es könnte ihm helfen. Aber der unglückliche Nebeneffekt war halt: gar keine Zeit mehr für mich (das wiederum störte mich schon). Ich hatte die Hoffnung, das „mit ihm schlafen“ würde ihm helfen, nicht immer nach 30 Minuten aufzuwachen, was ja offensichtlich keine Erholung brachte. Egal, wie lange er auch brauchen würde das zu lernen. Denn auch der Versuch, mich einfach neben sein Bett zu legen und ihn beim Aufwachen mit Streicheln oder Zureden so zu beruhigen, dass er weiter schlief, scheiterte. Bzw. der Versuch glückte, für einige Tage, und dann wachte er wieder nach 30 Minuten auf.

Es waren sehr lange Monate, in denen ich immer mit ihm im Bett lag. Mittags, abends… immer. Was diese vielen Monate so schlimm machte war wie gesagt, dass ich meine Rechte auf eigene Zeit aufgab, es die Schlafsituation im Allgemeinen aber nicht verbesserte. Dass ich also viel im abgedunkelten Zimmer lag mit ihm und versuchte, dabei nicht einzuschlafen. Denn es ist einfach grausam, selbst mit einzuschlafen und dann nach 20 oder 30 Minuten wieder geweckt zu werden und gleich funktionieren zu müssen. So viel zum Rat der „Profis“, sich selbst mit hinzulegen; das mag gut gehen, wenn das Kind einen ordentlichen Mittagsschlaf hält, aber nicht bei 30-Minuten Schläfern. Und trotzdem schlief ich ständig ungewollt mit ein und war nach 20-30 Minuten Schlaf völlig groggy. Und auch sonst bessere sich nichts. Stöpsels Launen besserten sich von meiner Schlafbegleitung nicht. Das Interesse an der Umwelt besserte sich nicht. Durch meine Anwesenheit klappte es zeitweise etwas besser mit dem Einschlafen, dank des Stillens. Das war aber kein dauerhafter Erfolg und mit der Mobilität kam dazu, dass er nach dem Stillen wieder aufdrehte und durch das Bett kroch. Ein Problem, das wir  ja jetzt noch haben. Er schlief nicht regelmäßig länger, auch nachts nicht, wo er jetzt immer neben mir lag. Und er wachte morgens trotzdem viel zu früh auf. Das war schon frustrierend.
Dass er aufwachte, wenn ich versuchte, mich „mal“ raus zu schleichen (man muss halt auch mal auf Toilette), war noch frustrierender. Und so musste ich tagsüber den Papa rufen, wenn ich rauskroch oder nachts den Papa sogar wecken, wenn ich dringend aufstehen musste, weil es garantiert war, dass der Stöpsel davon aufwachen würde. Er war überhaupt sehr reizempfindlich. Nahm jede Bewegung wahr im Schlaf. Jedes Türöffnen. Alles. Das wurde irgendwann so schlimm, dass es keine andere Lösung gab, als den Papa eine Weile auf der Couch schlafen zu lassen, weil der morgens so früh raus musste und dabei öfter als mir lieb war ungewollt den Stöpsel mit weckte.

Und dann kamen trotz allem manchmal Phasen dazu, wo es einfach noch schlimmer wurde. In denen er auch nachts alle 30-60 Minuten aufwachte, und morgens ab 4 Uhr nur noch sehr unruhig schlief, um 5 aufwachte, tagsüber sich noch öfter gegen das Einschlafen wehrte. Das waren dann sehr lange Tage. Noch länger als sonst. Wo ich doch eh schon auf niedriger Flamme funktionierte. Aber bei diesen Phasen blieb mir trotzdem nichts anderes übrig als Augen zu und durch. Dass ich in diesen Zeiten besonders viel fern sah und besonders viel Süßes vertilgte… ich glaube, das darf man mir wirklich nicht vorwerfen.

Wir gaben schon ziemlich früh auf, noch weitere neue Methoden zu probieren. Ich weiß noch, dass ich in meiner letzten Verzweiflungstat das Buch „Schlafen statt Schreien“ las. In der Hoffnung, dass dort etwas für uns stand. Es ist übrigens ein wirklich schönes Buch zum Thema Schlaf, wenn jegliche Schreienlassen-Methoden für einen nicht in Frage kommen, aber unser Problem konnte es leider trotz vieler wahnsinnig guter Einsichten nicht lösen. Zum Beispiel probierten wir es durch das Buch inspiriert noch mal mit einem festen Tagesrhythmus. Ich strukturierte den Tag komplett durch in Aufwachzeiten, Frühstückszeiten, Spazierzeiten, Schlafzeiten, und in welchen Zeitfenstern ich mich wie mit ihm beschäftigte. 2 Tage klappte der Rhythmus, dann nicht mehr. Und ich probierte es noch lange. Durch seine Müdigkeit wurden mir jegliche Pläne zunichte gemacht. Ich musste ihn doch anders hinlegen, weil er nur rumjaulte. Das Spielen funktionierte nicht, weil er einfach null Bock hatte und nur motzte. Ich konnte das Essen nicht vorbereiten, weil er an mir klebte. Das Essen schmiss er nur durch die Gegend. Ich gab also auf und sah die schönen Tipps aus dem Buch für uns als sinnlos an. Wobei es dennoch ein schönes Buch ist mit liebevollen „Umgewöhnungs“-Ideen für unzufriedene Eltern. Nur einen Kritikpunkt habe ich an dem Buch: dass der Tagschlaf einfach zu kurz kommt. Die Autorin (selbst verzweifelte Mama eines nachts ständig aufwachenden Juniors) löste einen Teil ihrer Schlafprobleme durch einen festen Mittagsschlaf, den der Kleine vorher scheinbar einfach nicht zu brauchen schien. Wie sie ihrem Kleinen den Mittagsschlaf angewöhnte, warum sie welche Zeit wählte und überhaupt wie man als Eltern das Tagschlafbedürfnis erahnen kann, das fehlt in dem Buch leider.

Nachdem ich angefangen hatte, als allerletzte Lösung, mich immer dazuzulegen (siehe oben), änderte ich erst nach dem ersten Geburtstag noch mal etwas: den Schlafrhythmus. Ab da legte ich ihn einmal vormittags und einmal nachmittags hin. Es war mein Versuch, für mich etwas Planung in die Tage zu bekommen. Zwischen diesen Schlafphasen harrte ich meist trotzdem mit unglücklichem Kind aus, das natürlich wegen der ausgedehnten Wachphasen jetzt noch müder war.  Bis zur Schlafenszeit lebte ich in ständiger Sehnsucht nach der nächsten Schlafpause. Denn das war sie inzwischen für mich geworden: eine Pause. Trotz, dass ich im Bett gefangen war, nutzte ich die Pausen, um Hörbücher zu hören oder digitale Bücher zu lesen. Auf zwei feste Schlafphasen umzustellen, das war im Übrigen wirklich harte Arbeit – über Monate. Ich weiß noch, dass ich meine Bekannte damals verzweifelt fragte, wie lange es gedauert hat, bis ihr Wurm den einzigen Mittagsschlaf verinnerlicht hatte. Sie hatte ihn kurz vor dem 1. Geburtstag umgestellt, weil sie wieder arbeiten wollte und die zwei Mittagsschläfe die er sonst hielt, für die Betreuung unpraktisch gewesen wären. 2 – 4 Wochen dauerte die Umgewöhnung sagte sie. Der Stöpsel war noch 2 Monate später zu den falschen Zeiten müde. Was besonders nachmittags echt ärgerlich war, weil er nämlich sehr oft müde war, wenn wir zu Abend aßen. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt. Der Stöpsel brauchte ohnehin immens lange, bis er sich für Nahrung interessierte. Und dann war er zu unserer Hauptmahlzeit abends immer müde. So müde, dass er entweder nichts aß oder lustlos aß und sich dann ständig am Essen verschluckte. So oft würgte er am Essen, mehrfach hatten wir das Gefühl, er kriegt keine Luft mehr. Und scheinbar einfach nur, weil er zu müde und lustlos war, essen zu lernen.

Um Stöpsels ersten Geburtstag herum, ich glaub im April 2015, änderte sich der Mittagsschlaf immerhin langsam insofern, als dass er immer öfter länger als 30 Minuten schlief, bis zu 90 Minuten sogar. Es war etwa zu der Zeit, dass wir zum ersten Mal etwas probierten, was erst beim zweiten Versuch ein halbes Jahr später anschlug. Was genau das übrigens war, kommt gleich noch.  Wenn ich mich also wach halten konnte mittags, dann hatte ich wirklich viel Zeit zum Lesen. Stöpsels Unzufriedenheit blieb allerdings und auch das Unausgeschlafen sein. Und die Nächte wurden auch immer anstrengender.

Alles in allem waren die Nächte wirklich harte Arbeit für mich. Die Nächte waren einfach mit mehr „Wache halten“ verbunden als mir lieb war. So oft musste ich nachts stundenlang wach bleiben, weil er so oft hintereinander unruhig wurde und das Beruhigen ja auch nicht einfach mit Stillen funktionierte. Die Phasen, in denen er nah an mir lag und in denen er seinen eigenen Platz brauchte, wechselten sich ab. Mit den körpernahen Phasen tat ich mich etwas schwerer, weil ich da in eine Seitenlage gezwungen war, in der ich nicht einschlafen konnte.
Und dann gab es dann zu meinem Leidwesen die Tage, in denen der Stöpsel „mal“ längere Phasen nachts schlief und ich nicht einschlafen konnte aus Angst, ich könnte gleich wieder geweckt werden. Das allerdings denke ich, kann jeder Mama von Zeit zu Zeit mal passieren. Wir Erwachsenen sind ja auch keine Schlafroboter, die unter jeder Bedingung und jeder Anspannung einfach einschlafen können. Es ist sicherlich normal, nach einer anstrengenden Zeit gelegentlich mal in der Angst zu leben, nicht mal 2 Stunden am Stück schlafen zu dürfen und deshalb gar nicht erst einschlafen zu können.

Es gibt übrigens noch so ein Randthema, das irgendwie mit in den Schlaf einspielte. Stöpsels Radar oder Antenne. Er hatte eine sehr sensible Antenne für alles: Bewegungen im Schlaf, Geräusche im Schlaf, unsere Launen. Die Antenne, die meinen Mann am meisten in den Wahnsinn trieb (Männer! :-)), war die, die uns die Kuschelzeit verwehrte. Oder sollte ich lieber schreiben: Bedürfnisbefriedigung. Der Stöpsel nahm es irgendwie wahr, dass wir was vor hatten und schlief dann einfach nicht ein bzw. brauchte besonders lange, so dass mindestens ich, wenn nicht auch mein Mann dabei gleich mit einschliefen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht vergessen, dass er unterwegs natürlich auch nicht geschlafen hat. Bzw. genauso unzuverlässig wie zu Hause. Vereinzelte Male ist er im Tragetuch eingeschlafen. Im Kinderwagen ist er genau einmal eingeschlafen und das auch erst nach über 3 Stunden Spazieren. Kam der Kinderwagen zum Stillstand, bzw. betraten wir das Haus (auch mit Tragetuch), war er sofort wach. Solche Aktionen wie unterwegs zum Schlafen bekommen und dann zu Hause schnell ins Bett legen wären bei uns völlig undenkbar gewesen. Selbst wenn er nicht mit Betreten eines Gebäudes aufwachte (Veränderung der Akkustik, die er wahr nahm, egal, ob er gerade eingeschlafen war oder schon 20 Minuten schlief), dann reichte das aus der Tragehilfe nehmen und er war sofort wach.

Die Facetten der Verzweiflung

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist es wirklich schwer nach so langer Zeit genau auszudrücken, wie die Zeit sich zog, wie ich tagsüber unter Strom stand, wie ich die Tage rum bekam.

Geweint habe ich damals nicht oft. Irgendwie fehlte mir für Tränen oft die Kraft oder ich fühlte mich zu gelähmt. Statt dessen hab ich meine Sinne auf Durchzug gestellt. Oder ich habe mich mit meinem Mann gestritten. Wenn das Drumrum (die Partnerschaft, der Haushalt, die Erledigungen) nämlich auch liegen bleibt, gibt es wahnsinnig viel Streitpotential. Oder ich hab gemeckert, über alles und jeden. Oder ich habe geschrien. Ins Kissen.  Oder geschimpft. Ich habe auch den Stöpsel mal angeschimpft. Ich habe ihn nie geschlagen oder ihn geschüttelt. Ich musste ihn allerdings wenige Male einfach trotz Schreiens ignorieren. Ich glaube, selbst die größte Verfechterin davon, die Bedürfnisse des Babys nach Trost zu stillen, kann verstehen, dass es in Ausnahmesituationen mal besser ist, das Kind für einen Augenblick sich selbst zu überlassen statt die Kontrolle zu verlieren. Wenn jedenfalls kein anderer da ist. Ja, ich bin auch mal aus dem  Zimmer gerannt, obwohl der Stöpsel im Bett schrie (wenn der Papa da war, übernahm er dann). Oder ich hab ihn mal 2 Minuten neben mir liegend ungetröstet schreien lassen. Später im 2. Lebensjahr kam es auch zwei- oder dreimal vor, dass ich ihn bewusst von mir wegschob, wenn er immer wieder angekrochen kam um getröstet zu werden. Weil er sich eh nicht trösten ließ und mich das gelegentlich wirklich rasend machte und ich für den Moment jetzt einfach nicht mehr wollte. Auch ein Gefühl, dass nur jemand nachvollziehen kann, der die Verzweiflung kennt, dass das eigene Kind einfach keine Methode des Trostes akzeptiert. Solche grausamen Zurückweisungen, die wirklich, wirklich selten waren, taten mir hinterher immens leid. Aber es war für mich wichtig, es manchmal genau so zu tun, bevor ich meine Wut am Kind auslasse. So konnte ich kurz abschalten, einmal tief Luft holen und nach wenigen Minuten den Stöpsel wieder in meine Arme schließen und lieb haben. Klingt einfach. Ist aber an sich wirklich richtig harte Arbeit an einem selbst.

Folgende Worte schrieb ich mir in der Zeit irgendwo mal auf:

… Aber ich hab es einfach durchlitten. Ohne von irgendwem Trost oder Verständnis zu bekommen. Ich habe Bekannte verprellt. Ich habe mich fett gefressen. Ich habe richtig viel schlechte Laune gehabt. Ich musste allen Kummer runterschlucken, habe manchmal geweint. Und trotzdem musste ich jeden Morgen aufstehen, den Kleinen versorgen… Ihn drücken wenn ich es konnte. Nur um im nächsten Moment wieder die pure Verzweiflung zu spüren. Monatelang. Ohne Ausgleich. Weil entweder ist das Baby wach (und man mit Baby beschäftigt) oder man ist mit ihm im Bett. Also 24 Stunden Baby, Baby, Baby. Das kann sich einfach keiner vorstellen. Auch mein Mann konnte manchmal nicht verstehen wie es mir geht. Obwohl er zwei Monate zu Hause bei mir war. Obwohl er selbst müde war. Obwohl er zeitweise genau so verzweifelte an gescheiterten Einschlafversuchen. Und trotzdem verstand er meine Ausbrüche nicht. …

Ich möchte gerne noch ein Wort zum Thema Schütteln loswerden. Ich habe es wie gesagt nicht gemacht. Ich möchte schreiben „ich habe es natürlich nicht gemacht“. Das geht aber nicht. Ich möchte allen sofort die Illusion nehmen, dass das nur „schlechten“ Menschen passieren kann. Das ist nämlich nicht so. Ich habe dazu noch einen eigenen Artikel in petto, den ich vor anderthalb Jahren schon geschrieben hatte. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sein Kind nicht schüttelt. Es ist selbstverständlich, dass man das bei guter Nervengesundheit nicht möchte. Aber das Schütteln ist ein Reflex, der scheinbar in uns steckt und bei extremer Anspannung einfach kommt. Es sind – meines Erachtens – Bedingungen wie Sicherheit, Rückhalt und Entlastung, die verhindern, dass uns der Reflex überkommt und wir nachgeben. Oder geübte Überlebensstrategien wie Distanz suchen. Ich habe diesen Drang zu Schütteln verspürt. Mein Mann sicherlich auch. Wir haben widerstanden. Die meisten verzweifelten Eltern können widerstehen. Aller leider nicht. Ein so unendlich trauriges Thema.

Ich habe von Anfang an eigentlich keine Zweifel daran gehabt, dass ich all das mache, was eine Mama so machen muss. Ich bin zum Glück nicht in die Falle gegangen, dass ich an meinen Mamafähigkeiten zweifelte, weil sich mein Kind schwer tat, schlecht schlief, zu viel schrie oder sonst was. Nie dachte ich, ich hätte irgendwie versagt. Und ich hatte nie das Gefühl, dass ich mein Kind deshalb emotional abstoße. Im Gegenteil. Ich hatte zwar nicht die Kraft, alles immer gut zu bewältigen, aber ich liebe mein Kind über alles und gab ihm auch nie die Schuld für unsere Misere. Das wäre auch das aller-aller-aller-erste, was ich einer Frau sagen würde, wenn sie mir von ihren Babysorgen erzählt. Es ist nicht deine Schuld. Du hast nichts falsch gemacht. Dein Kind ist so. Es liebt dich trotzdem. Es braucht nur viel Hilfe. Punkt.
Und trotzdem habe ich mich hinterfragt, während ich so zum vielen Nichtstun gezwungen war. Ich habe den Stöpsel beobachtet, ich habe mich beobachtet. Ich habe mir z.B. immer wieder solche Fragen gestellt, meine durch Müdigkeit manchmal eingeschränkte Aufmerksamkeit Schuld daran seien, dass das Problem Schlaf unlösbar war. Das ist natürlich Quatsch, weil auch durch gesteigerte Aufmerksamkeit änderte sich ja nichts und ich verweigerte ihm ja auch nicht die Nähe, die er brauchte. Oder ich fragte mich, ob er noch mehr Nähe braucht, ob er vielleicht „verstört“ ist dadurch, dass ich ihn ganz am Anfang zu oft ablegen wollte oder habe, wenn er zufrieden war. Oder ob wir gar nicht erst mit dem eigenen Bett hätten anfangen dürfen. Oder ob das ständige Rausschleichen Schäden hinterlassen hat. Ob ihn dieses immer wieder allein aufwachen anfangs verunsichert hat und das Problem so geschaffen hat. Oder hätte ich von Anfang an Schlafzeiten einführen müssen? Viele solche Fragen schwirrten mir im Kopf umher. Sie sind allerdings nicht zielführend, weil rückwirkend lässt sich eh nichts mehr ändern. Inzwischen glaube ich, dass wenn man irgendwann später erst damit anfängt, die Bedürfnisse eines Babys korrekt zu beantworten, muss das doch eigentlich spätestens dann Besserung herbeiführen. Ist ja bei uns auch nicht so gewesen.

Und trotz gesundem Selbstvertrauen hinterfragte ich ständig, ob ich das Einschlafstillen aufhören müsse oder die dauernde Einschlafbegleitung. Ob die vielleicht doch irgendwie Schuld wären, ob sie die schlechten „Gewohnheiten“ heraufbeschworen haben, die es unmöglich machten, dass er jemals noch mal schlafen lernen wird.
Heute kann ich sagen, dass sich alles von alleine gerichtet hat. Das Durchschlafen kam von alleine. Das Einschlafen ging auch ganz plötzlich ohne Stillen. Die längeren Schlafphasen hat er bewältigt, ohne dass ich ihm meine Anwesenheit wieder abgewöhnen musste. Also waren die Schlafhilfen auch nicht Schuld.

Und immer, wenn ich keine Erklärung dafür fand, warum es jetzt schon wieder schlimmer wurde als vorher, dann suchte ich mir die Wachstumsschübe raus, die man von Babys ja kennt. Aber irgendwie stecken Babys ja auch genau so oft in Wachstumsschüben wie nicht. Und doch bemerkten wir den Beginn eines Wachstumsschubs später doch eindeutig daran, dass der Stöpsel jetzt noch häufiger den Schlaf verweigerte als vorher. Mehr aber auch nicht. Wir nahmen auch nicht die neuen Entwicklungen beim Stöpsel wahr, die der Schub so mit sich bringen sollte.
Was allerdings mit jedem Wachstumsschub von neuem passierte, war, dass ich es mit der Angst bekam, die neusten Schlafveränderungen (die niemals gut waren), würden nach dem Schub bleiben: z.B. das Erwachen um 5 Uhr oder die komplette Einschlafverweigerung. Das war zum Glück nicht so. Hinterher war einfach alles normal anstrengend.

Das schlimmste an der Zeit war aber meine starke Müdigkeit. Sogar mein Mann, selbst Lerche, brauchte in den Monaten wahnsinnig viel Schlaf. Ich bin ja eh von Natur aus Vielschläfer. Aber wenn man so viel Zeit im dunklen Zimmer verbringt, mehrfach mittags teilweise, dann sogar mit einnickt, abends um 7 bis 8 Uhr ins Bett geht, nachts mindestens 4x, meist eher 5-6x aufwacht und die Nacht um 5 oder halb 6 Uhr morgens vorbei ist, dann ist man nie ausgeschlafen, nie erholt. Ich glaube sogar fast, dass ich nachher einfach selbst zu viel geschlafen habe und schon alleine dadurch ständig müde war.
Die Müdigkeit hat mir jedenfalls die meiste Kraft geraubt. Mich missmutig gemacht, schlechte Launen ausgelöst, mich ungeduldig mit anderen Menschen gemacht. Ich wollte oft auch gar nicht funktionieren. Das ist sicherlich auch ein kleiner Teufelskreis. Müde Mama, schwieriges Baby. Aber oft genug habe ich alle Kräfte zusammengenommen – immer und immer wieder – um mich wieder ein paar Tage mehr darum zu bemühen, den schlechten Tagen mit irgendwelchen neuen Ideen positiv entgegenzusteuern. Und stellte oft genug fest, dass sich damit auch keine Sorgen lösen ließen. Deshalb weiß ich auch bis heute, dass ich nicht das Problem war. Oder meine Ideenarmut. Oder irgendetwas, was ich machte. Weil wir so viel probierten, mit so viel Geduld, weil ich mich immer wieder selbst zu „mehr“ zwang und nichts am Ende einen Unterschied machte. Das machte mich wütend, manchmal. Dass man mit einem Baby konfrontiert ist, dem man nichts geben kann, gar nichts. Dem man nicht helfen kann. Das man manchmal nicht mal richtig trösten kann. Ich habe viel aufgegeben. Zeitweise habe ich mich dem Stöpsel zuliebe selbst aufgegeben. Und nichts, absolut gar nichts, hat irgendeinen Unterschied gemacht für Stöpsels Schlafprobleme und die folgende Unzufriedenheit. Ich war so müde so viele Monate lang. Durchaus selbstverschuldet, weil ich dem Würmchen ja die Hilfe beim Schlafen geben wollte. Und es hat nichts gebracht. Das hat mich schon wütend gemacht. Oft. Und immer wieder.

Hier noch ein Ausschnitt aus meinen Notizen. Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich nicht ambitioniert war, das Kind einfach zum vielen Schlafen zu bekommen. Ich möchte klarstellen: der Stöpsel war einfach nie erholt. Deshalb hab ich so viel Kraft ins Schlafen gesteckt. In solchen Notizen wird das deutlich:

Schlechte Laune – schon wieder. Mir geht dir Energie aus. Wieder so ’ne Nacht wo Stöpsel irgendwann einfach nicht mehr schlafen kann. Jault und motzt. Alles probiert… gestillt, bei Licht bespaßt, gehalten, gekuschelt, gestreichelt. Immer wieder jammert er auf. Neben mir schläft der Papa der Atmung zu urteilen schon wieder ein. Und ich halte Wache und probiere. Habe wieder in einen meiner Babybücher gelesen und bekomme echt Frust dabei. Ich mach alles richtig… Ok fast. Manchmal muss ich ihn einfach mal einen Augenblick motzen lassen. Aber sonst: stillen tragen nicht schreien lassen geduldig sein. Ich mach alles wovon ich glaube dass er es braucht. Und ich kriege keine Belohnung dafür. Er ist immer noch immer müde. Er mag immer noch nicht sich allein beschäftigen. Er schläft immer noch nicht besser. Und jetzt sogar nachts NOCH schlechter. Keine Pause. Keiner da, der ihn vormittags mal 2 Stunden in der Nähe bei Laune hält, während ich einfach mal alle Sinne abschalten kann.

Und während ich das schreibe hängt er über der Couch (morgens im 5:21 Uhr) auf seinen Knien. Er ist motiviert, stehen und laufen zu lernen um mir überall hin zu folgen, aber nicht sitzen zu lernen damit er sich selbst mal beschäftigen kann mit seinem Spielzeug.

Der Entwicklung nach muss ich das um den ersten Geburtstag geschrieben haben, etwas früher. Denn der Stöpsel hat sich tatsächlich erst mit einem Jahr aufgesetzt, obwohl er mit 6 Monaten krabbeln konnte. Ich glaube er bewegte sich schon wochenlang sicher an Möbeln entlang, bevor er mit dem Sitzen anfing.

Wenn ich übrigens andere Blogs lese, die sich mit dem Thema Schlafen, Durschlafen oder ähnlichem beschäftigen, dann klingt das zwar alles auch sehr nervenaufreibend mit dem Babyschlaf, aber dennoch nicht nach großer Verzweiflung. Oft habe ich mich gefragt, ob ich einfach ein zu schwaches Nervenkostüm habe und es deshalb bei uns so ungleich viel schwerer ist. Aber auch hier komme ich eigentlich zu dem Schluss, dass das nicht sein kann.

Häufig habe ich mich auch gefragt, ob ich einfach mit den falschen Erwartungen an das Thema herangehe. Auch das kann natürlich nicht sein, weil ich ja meine eigenen Erwartungen am Ende nach hinten gesteckt habe.
Und eigentlich finde die Erwartungen einfach nicht zu hoch gesteckt, wenn man erwartet, dass ein müder Mensch (ob groß oder klein) spätestens am toten Punkt die Augen zufallen lässt, egal wann und wo. Dass das Baby nach dem Schlaf erholt und wach ist. Dass auch ein Baby sich lesen lässt: wie lange es wach bleiben kann, wann es müde ist, wie viel Schlaf in etwa es braucht.
Die Erwartung, dass es irgendwann wenigstens kurz Pausen für Anderes gibt, weil Kinder nun mal mehr Schlaf brauchen als Erwachsene, finde ich auch nicht allzu ungewöhnlich. Wenn ich mich umhörte, hatten die meisten Mamas das. Ja, und irgendwie erwartete ich in der ganzen Zeit, dass es doch auch für uns eine verlässliche Schlafhilfe geben muss. Irgendwas half bei anderen ja immer.
ALL das finde ich sind Punkte, die bei anderen Kindern einfach funktionieren. So scheint es zumindest. Bei einigen natürlich nicht alle Punkte. Aber bei uns hat keines davon geklappt. Und das ist die Tatsache, an der ich mich bis heute aufhänge, dass bei uns einfach irgendwas anders ist.

Den Versuch wert

Es gibt einige Hilfsmittel, von denen ich lese, dass sie bei anderen Babys helfen um gut zu (einzu)schlafen. Allen voran: mehr Nähe anbieten. Ganz häufig lese ich heute noch so Sätze wie „Hilfe, mein Kind schläft nur im Tragetuch“. Es gab ja die Anfangszeiten, da habe ich ja selbst noch darüber geschimpft, warum sich mein Kind nicht ablegen ließ. Glaubt mir, später kamen mir bei Gemotze darüber, dass das Kind nur getragen oder auf dem Bauch oder sonst wie an der Mutter schläft fast die Tränen und ich hätte gerne zurück geschrien: „Hallo, seid dankbar!!! Immerhin habt ihr eine Methode! Meinem Kind hilft gar nichts beim Einschlafen!“ Natürlich ist es anstrengend und man hat sich das anders vorgestellt. Aber ich wäre so dankbar gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass der Stöpsel auf dem Bauch, auf dem Rücken, beim Hopsen, beim Spazieren, nach dem Baden, unter irgendwelchen Bedingungen hätte gut schlafen können. Denn wir hatten keine Methode. Gar keine. Und ohne unser abgedunkeltes Schlafzimmer auch keine Chance!
So wie in diesem Video wäre es schön gewesen.

Die gut gemeinten Ratschläge, die Reize zu reduzieren – was ich ernsthaft auch als sinnvoll erachte – haben bei uns auch nichts gebracht. Und wir haben so reizarm gelebt, wie wir es ermöglichen konnten. Wir haben nie viel unternommen, schon gar nicht an reizüberfluteten Orten und wenn wir unterwegs waren, dann haben wir den Stöpsel immer auf dem Bauch getragen, damit er nicht so wahnsinnig viel mitbekommt. Zu Hause hielten wir es reizarm. Wir probierte es mit TV-freien Zeiten und später auch eine Weile mit Ausquartieren des Fernsehers in das leer stehende Zimmer. Wir probierten es mit Spaziergängen am späten Abend vorm Schlafen. Durch nichts schlief der Stöpsel später besser ein oder länger durch.

Um zur Beruhigung beizutragen vorm Einschlafen gab es noch mehr Experimente. Wir probierten es mit ruhiger Musik, mit klassischer Musik. Mit Kinderliedern. Mit Singen. Wir probierten ein fest definiertes Einschlafritual mit gleich bleibender Reihenfolge. Wie gesagt probierte ich auch einen festen Tagesrhythmus. Man könnte ja meinen, dass das Kind irgendwann wahrnimmt, dass Mama (und Papa) daneben schlafen und das Schlafen so lernt. Das kann er aber bis heute nicht. Ob das normal ist oder nicht weiß ich nicht.

Nichts funktionierte beim Stöpsel, auch nicht beim Versuch, ihn zum „länger schlafen“ zu animieren. Kein Streicheln beim „fast“ aufwachen, kein Händchen halten. Kein Reden und mit Stimme beruhigen. Um uns die langwierige Einschlafbegleitung am Abend zu ersparen probierten wir, ihn einfach abends bei uns im Wohnzimmer zu lassen, bis er von allein einschlief, z.B. beim Stillen. Aber da weinte er nur mehr, weil er ja eh zu müde war, nicht schlafen konnte und jetzt auch noch unser helles Abendprogramm als „Reizüberflutung“ dazu kam.

Ich habe inzwischen sehr viel darüber gelesen, was andere verzweifelte Eltern so probieren. Zum Beispiel fand ich diesen netten Artikel einer Mama, die versuchte am Durchschlafen rumzuschrauben, ohne nachhaltigen Erfolg. Vielleicht ist ja für euch etwas dabei. Ich las auch von Eltern, die mit Magnesium oder Eisen nachhelfen, also Nahrungsergänzungsmitteln. Während ich es für mich selbst als normal erachte, hier mal ne Pille Magnesium oder da mal eine Kapsel Vitamin D einzuschmeißen, irgendwas sagt mir, das ist nix für Babys. Eine eindeutige Ursache für Schlafprobleme kann der Mangel an Nährstoffen allerdings auch nicht sein, sonst hätten Flaschenkinder diese Schlafprobleme ja nicht. Die Milch ist ja gut angereichert mit allen Nahrungsmitteln, die ein Baby braucht. Wobei ja auch ich anfangs einmal die Erfahrung machte, dass der Stöpsel nach Premilch schlafen konnte. Eisenmangel schloss ich übrigens als Übelttäter auch aus, indem ich (später) einen Monat lang sehr gezielt auf eisenhaltige Lebensmittel achtete (Haferflocken, Sesam(mus), pürierte Linsen, etc.)

Ein wenig hilft übrigens auch, als stillende Mutter, manchmal etwas innezuhalten, bevor man das aufwachende Kind nachts mit Stillen tröstet. Es ist wohl wirklich so, dass Babys sich daran gewöhnen, direkt versorgt zu werden. Einfach nachts mal abzuwarten hilft einem und dem Baby zu lernen, dass es auch allein klar kommt (nicht, wenn es heult). Ich habe manchmal wirklich daneben gelegen und einfach abgewartet, was der Stöpsel jetzt macht. Und tatsächlich hat er manchmal selbst die Kurve bekommen. Nicht regelmäßig, schon gar nicht immer. Aber manchmal halt.

Noch etwas zum Allheilmittel Rhythmus und Rituale. Sagt man ja immer. Gib deinem Kind einem Schlafrhythmus vor und ein eindeutiges Schlafritual, halte die Tagesabläufe konstant und schon ist das Thema Babyschlaf ein Selbstläufer. Das mit dem Tagesrhythmus hatte ich ja probiert. Der Rest…?
Fangen wir doch einfach an dem Punkt an, über den die meisten dann gar nicht reden. Ich selbst kann Rhythmus nicht. Ich bin kein getakteter Mensch. Wenn ich morgens aufstehe, renne ich manchmal als erstes zur Kaffeemaschine und erst dann aufs Klo. Am nächsten Morgen mache ich es andersherum. Manchmal laufe ich noch eine Stunde in Schlafmontur rum, manchmal muss ich sofort angezogen sein. Manchmal ist erst Stöpsel dran mit anziehen und manchmal ich. Manchmal muss ich erst aufräumen und manchmal brauche ich erstmal eine Weile Musik und rumsitzen. Ich esse, wenn ich Hunger (oder Appetit) habe, nicht wenn 12 Uhr schlägt. Abends habe ich oft gar keine Lust auf Essen und manchmal könnte ich dann wieder Berge davon verschlingen. Ich orientiere mich zwar an einer ungefähren Schlafenszeit, die schwankt aber mindestens 1 Stunde nach vorne und hinten. Ich tue mich schwer, jeden Tag dasselbe zu machen. Ich kann Rhythmus also einfach nicht. Und so schwer es mir fiel, ich habe es für mein Kind trotzdem probiert. Und es hat nicht funktioniert. Für ihn auch nicht. Vielleicht ist er auch kein Rhythmus Mensch. Rituale, die wir mehrfach probiert haben, klappten übrigens bei uns auch nicht. Selbst heute haben wir im Grunde genommen dasselbe Einschlafritual, ungeplant.

Ich kann euch wirklich absolut nicht sagen, was ihr machen könnt, wenn euer Baby auch nicht einschlafen kann. Ich kann euch nur sagen, was ich probiert habe. Den Rest muss ich eurem Gefühl und eurer Kreativität überlassen.
Als der Stöpsel übrigens mit 9 Monaten das erste Mal krank wurde, sagte die Ärztin zu uns, dass der Kleine jetzt vermutlich ganz viel Schlaf brauchen würde. Ich weiß noch, dass mein Mann und ich uns damals ansahen und sehr skeptisch waren. Und wir hatten allen Grund dazu. Auch Kranksein half ihm nicht, besser zu schlafen (eher schlechter). Und als er wegen der verstopften Nase nachts auf einmal gar nicht mehr einschlafen konnte, half am Ende nichts andere als eine Nachtschicht mit Tragen. Denn da half die Tragehilfe ausnahmsweise mal verlässlich beim Schlafen.

Und wenn ihr mal wieder verzweifelt, dann habe ich noch eine kleine Geschichte für euch. Das Buch „Go the Fuck to Sleep“ bzw. die gelesenen Versionen davon, wie z.B. diese: Go the Fuck to Sleep Read by Samuel L Jackson.

Öffentliche Meinungen zum Thema Babyschlaf

Ich habe inzwischen so einiges gelesen im Internet und in Büchern zum Thema Babyschlaf. Ich hatte einfach oft das Bedürfnis zu erfahren, wie es andere handhaben. Beispielsweise war ich ja anfangs auch verwundert darüber, dass man ein Baby nicht wach hinlegen kann und dann schläft es. Oder ich fragte mich, ob das jetzt mit dem Stillen zum Einschlafen so bleiben würde. Natürlich wünscht man es sich als Eltern eines Kindes so einfach, dass das alles wie von allein funktioniert. Aber ich bin dankbar über meine Recherchen, denn so konnte ich einfach so unendlich viel über mein Kind lernen. Inzwischen sehe ich diese Anhänglichkeit oder sollte ich sagen Abhängigkeit des Kindes als völlig normal an. Das hat sich aber auch erst entwickelt.

Vor anderthalb Jahren noch erfuhr ich im Gespräch mit einer anderen Familie, dass sie gerade versuchte ihr paar Monate altes Kind dazu zu bekommen, dass es erst ohne Händchen halten einschlafen kann und dann völlig alleine. Es sei eine schlechte Angewohnheit. Und überhaupt wird es Zeit, dass das Kind lernt allein einzuschlafen. Dafür lag das Kind abends im Bett, Mama daneben und weinte sich neben Mama in den Schlaf, ohne dass Mama die Hand hielt wie gewohnt. Damals kam ich ins Grübeln. Ich stillte mein Kind zur der Zeit in den Schlaf und hatte bis dahin auch nicht das drängende Bedürfnis, das zu ändern. Dennoch grübelte ich, ob man das Einschlafstillen auch abgewöhnen musste. Es folgte eine lange Recherche, bei der ich z.B. diese Diskussionen fand: Langzeitstillen und Einschlafhilfe, Einschlafstillen schlechte Angewohnheit. Außerdem fand ich noch diesen Austausch darüber.

Seither mag ich das Wort Gewohnheit überhaupt nicht mehr und weigere mich, irgendeiner Einschlafhilfe das Unwort Gewohnheit zu verpassen. Natürlich ist es eine Gewohnheit des Kindes, irgendetwas zum Einschlafen zu brauchen. Das Wort Gewohnheit wiederum ist allerdings in unserer Sprache so negativ besetzt und deutet an, dass es sich um etwas handelt, was es besser so nicht gäbe. Alle Einschlafhilfen wie Einschlafstillen, wie Körperkontakt, wie überhaupt das Familienbett gelten in der „Volkspädagogik“ als Gewohnheit, die sich nachher nicht mehr abgewöhnen lassen, wenn man es nicht rechtzeitig abgewöhnt.
Ich habe mich inzwischen von diesem Gedanken distanziert, dass es sich um abzugewöhnendes Verhalten handelt, dem Kind etwas zu geben, was ihm hilft, den Schlaf positiv zu assoziieren, bis es den Schlaf gut genug verstanden hat, aus eigener Ressource heraus positiv in den Schlaf zu finden. Das sehen zum Glück auch viele andere Mütter so.

Ich werde meinen Stöpsel also weiterhin ausgiebig mit Schlafhilfe verwöhnen, wenn auch nicht immer mit unendlicher Geduld, und mein zweites Kind wird den Luxus erhalten, diese Behandlung von Anfang an zu erhalten, so ich diese neben einem immer noch schlafgestörten Kind anbieten kann.

Natürlich ist es ärgerlich, dass es nicht einfacher geht. Es geht ja auch im die eigenen Freizeit. Und ich werde mich bestimmt noch sehr lange traurig dazu äußern, dass all diese liebevolle Zuwendung nicht gegen Stöpsels Schlafprobleme geholfen hat. Aber es ist Zeit nach vorn zu blicken und ich weiß, dass ich mich in der Zukunft an dem Gedanken erfreuen kann, meinem Stöpsel so gut es ging ein gutes Gefühl beim Schlaf vermittelt zu haben. Den Mangel an Freizeit werde ich nämlich sicherlich irgendwann vergessen haben.

Dennoch werden mich vermutlich auch mit Würmchen #2 einige Fragen sicherlich erneut beschäftigen. Es sei denn, dieses Würmchen kommuniziert eindeutiger mit mir, so dass sich diese Fragen gar nicht erst stellen. Der nächtliche Schlaf ergibt sich sicherlich von selbst. Aber was den Mittagsschlaf betrifft, kann ich mir immer noch nicht beantworten, woran ich erkenne, dass ich den Mittagsschlaf des Kindes offiziell ins Bett verlege und wann und wie häufig? Dazu habe ich damals auch schon auch viel recherchiert und so Diskussionen wie diese gefunden. Die Antworten der Mütter halfen bei uns natürlich nicht, aber es macht mir ein wenig Hoffnung, dass es mit einem „kommunikativen“ Kind einfacher wird, weil es alles von allein signalisiert.

Zum Abschluss noch ein Video zum Thema Rausschleichen. Auch etwas, was bei uns so nie funktioniert hat. Das Video dient daher weniger als Inspiration für Ideen als dafür, euch einen Grund zu lachen zu geben.

Unsere Lösung

Jetzt seid ihr sicherlich gespannt wie ein Flitzebogen, was denn jetzt bei uns Erleichterung im Schlafthema gebracht hat. Es war jedenfalls kein Schlaftraining (offensichtlich!). Was ich von Schlaftraining halte (auch genannt Ferbern), darüber werde ich mich gleich noch kurz auslassen.

Nachdem Schreiambulanzen, Ärzte im Allgemeinen für uns nicht in Frage kamen, dachten wir lange Zeit, es gäbe dann einfach nichts mehr, was man tun kann.

Und doch stolperte ich per Zufall damals im Frühjahr 2015 wieder über die Homöopathie, die die Hebamme ja schon probiert hatte gegen die „Koliken“. Ich bin genau so skeptisch gewesen wie der nächste, dass ein bisschen Zucker ohne Wirkstoff funktionieren kann. Ich hatte früher mal eine Ärztin, die mir vereinzelte Male Kügelchen in die Hand drückte, die meiner Meinung nach nicht wirkten.
Dennoch fing ich zunächst an selbst zu recherchieren in Foren, was dort bekannt war über Schlafprobleme und Homöopathie. Da ich keinen Schaden befürchtete, probierte ich sogar 1-2 solcher Mittel aus, nachdem sie in Foren empfohlen wurden. Auch hier kein Unterschied. Den Gang zum Homöopathen schloss ich jedoch aus. Weil warum soll ich viel Geld zahlen, wenn es doch Bücher gibt und das Internet.

Wir sind am Ende doch zu einer ordentlich ausgebildeten Homöopathin gegangen. Weil ich so viel von Familien las, die sich komplett homöopathisch begleiten ließen und damit gute Erfahrungen machten. Ich blieb dennoch skeptisch, dass es helfen könnte, so aufgeschlossen ich sonst auch den Naturheilmethoden bin. Aber den Versuch war es uns wert. Im März 2015 fanden wir eine Homöopathin, die uns auch 2 Monate begleitete. Ich brach die Therapie allerdings ab, weil mich bei ihr das Gefühl nicht losließ, dass sie mich als Ursache für seine Schlafprobleme sah. Oder die Schlafprobleme nicht als Problem sah. Zu dem Zeitpunkt war der Stöpsel seit Februar dauererkältet gewesen. Das therapierte sie auch mit Erfolg. Da sie mich aber sonst irgendwie nicht ernst nahm, brach ich ab und hakte die Homöopathie zunächst ab. Womöglich würde sie eh nicht beim Schlafen helfen.

Erst als ich im September einige Monate später wieder eine riesengroße Verzweiflung verspürte, wieder drohte ich ein tiefes Loch zu fallen, kam der Wunsch wieder auf, es noch mal zu probieren. Da ich zu dem Zeitpunkt schon wusste, dass wir kurz- oder mittelfristig umziehen würden, suchte ich an unserem zukünftigen Wohnort nach einem Homöopathen. Und fand eine Homöopathin, mit der ich mich gleich darüber verständigte, dass es mir wichtig ist, dass sie mir das Stillen nicht ausredet und sie Schlafprobleme bei Kleinkindern auch ernst nimmt. Im Oktober wurde Stöpsels Erstanamnese gemacht. Auch diese Homöopathin ließ sich wenig von unseren Einschlafproblemen bzw. Ein- und Ausschlafproblemen beeindrucken. Ich bekam gleich Zweifel, ob wir an der richtigen Stelle waren. Sie betonte allerdings, dass ihr das häufige Aufwachen nachts ein Dorn im Auge war. Durchschlafen war bekanntlich nicht meine größte Ambition, aber ich akzeptierte, dass sie das angehen wollte.

Ab da wurde es besser. Wie genau und in welcher Reihenfolge weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Es dauerte auf jeden Fall einige Wochen bis sich was bemerkbar machte. Diese Geduld muss man auch mitbringen. Der Stöpsel schlief auf jeden Fall noch vor dem neuen Jahr durch, ich glaube sogar einige Wochen später schon. Der Mittagsschlaf wurde viel besser, so dass ich auf einen Mittagsschlaf umstellen konnte. Der Stöpsel wurde auch ansonsten gesünder. Weniger Probleme mit ständigem Schnupfen, nicht mehr so blass und so weiter. Es wurde besser mit den Launen tagsüber. Mit der Neugierde. Und seit März fängt er nach einer Umstellung der „Arznei“ auch endlich, endlich, endlich mit der Sprache an.

Ich weiß, dass Homöopathie nicht wirklich eine beliebte Behandlungsmethode in der Öffentlichkeit ist. Glaubt mir, ich hatte selbst meine Zweifel. Es ist auch wirklich kein günstiges Unterfangen, sich homöopathisch behandeln zu lassen, wenn man chronische Leiden hat (der erste Termin kostet schon mehrere hundert Euro). Denn immer wieder muss die Arznei gewechselt werden oder man muss sich austauschen darüber, ob eine Gabe wiederholt werden soll. Diese Zwischengespräche sind mitunter noch mal sehr teuer. Aber für uns hat sich dieser Weg bewährt. Und wir sind froh ihn gegangen zu sein. Weil ich lese in letzter Zeit wieder öfter, wie spätentwickelt manche dieser „regulationsgestörten“ Kinder werden. Und momentan habe ich das Gefühl, der Stöpsel holt wieder auf.

Ich verzichte hier übrigens bewusst auf die Nennung der Namen der Globuli, die wir gegeben haben. So funktioniert die klassische Homöopathie nämlich einfach nicht. Da steckt eine Lehre dahinter, die sogar ich mir nicht zutraue, über Recherchen nachzuvollziehen. Und ich habe es oft probiert. Und probiere es immer noch, wann auch immer wir ein neues Mittel bekommen. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, warum unsere Frau H. jetzt diese Globuli verabreichen möchte, wie sie darauf gekommen ist. Manchmal habe ich auch das Gefühl, sie lag falsch. Aber das gehört zu dem Weg dazu. Dann wird halt was anderes gesucht.

Ich kann euch nicht empfehlen, ob ihr es auch probieren sollt. Ihr müsst euch wohl damit fühlen. Wenn ihr euch auch daran probieren wollt, dann kann ich euch nach unserer Erfahrung nur empfehlen, den Homöopathen sehr sorgfältig auszuwählen. Fachlich sind sie sicherlich alle gut auf ihre Weise. Aber ohne ein gewisses Verständnis füreinander wird die Homöopathie nicht funktionieren. Wenn eine Homöopathin noch wenig Kontakt zu Babys mit Schlafproblemen hatte, wird sie – wie alle anderen – erstmal anfangen, euch zu analysieren und entsprechend zu belehren. Das ist nicht zielführend. Auch unsere Frau H., mit der wir sehr glücklich sind, hat Momente, in denen sie mir das Gefühl vermittelt, es läge an unseren anspruchsvollen Erwartungen.

Die Lösung Schlaftraining

Wer versucht, sein Baby oder Kleinkind besser zum Schlafen zu bringen, wird früher oder später im Internet oder mit Büchern über das Thema „Ferbern“ stoßen. Auch ich bin schon ganz früh darüber gestolpert. Ich musste allerdings nicht lange überlegen, um derartige Methoden abscheulich zu finden und gar nicht weiter in Betracht zu ziehen. Ziel des Ferbern, des Schlaftrainings oder wie auch immer man es nennen möchte, ist es einfach, dem Kind „beizubringen“, dass es ohne Hilfe einschlafen kann. Ich habe nie genau nachgelesen, wie das funktioniert. Es reicht zu wissen: Baby wird ins Bett gelegt, es wird dann noch liebevoll in den Schlaf verabschiedet, dann geht man aus dem Zimmer und lässt das Kind sich in den Schlaf weinen. Zwischendurch darf man das Kind auch mal trösten, auf ganz besondere Weise. Binnen Tagen hat das Kind „gelernt“ zu schlafen. Es klingt ganz einfach.

Die Kritiker dieser Methode (zum Glück viele, scheinbar wie ich lese inzwischen Herr Ferber selbst) äußern viele Gründe, die gegen diese Methode sprechen, vor allem langfristige an der Psyche des Kindes. Ihr werdet noch feststellen, dass ich kein großer Freund von Studien bin. Es mag wissenschaftlich zwar nachgewiesen sein, welche furchtbaren Folgen Schlaftrainings mit sich bringen. Für mich zählt allerdings ein ganz einfacher Gedanke, der mir sagt, dass das nicht zielführend sein kann. Guckt euch doch mal genauer euer Baby an. Es ist ein Meister im Dazulernen, ja. Aber ehrlich, glaubt ihr es ist in der Lage zu lernen: „wenn Mama nicht mehr beim Schlafen da ist, erwartet sie, dass ich das ab jetzt alleine schaffe.“ Das fänd ich schon eine enorme Leistung für so ein kleines Wesen. Zu wissen, dass Mama das absichtlich macht, dass Mama damit eine Erwartung hat. Können sie in dem Alter das Konzept des „Wiederkommens der Mutter“ überhaupt verstehen? Erst vor ein paar Tagen las ich, dass man hier gerne damit argumentiert, ab wann die Kleinen das Thema „Objektpermanenz“ verstehen, und dass das offensichtlich die Grundlage dafür ist, dass das Kind natürlich versteht und vertraut, dass die Mutter wiederkehrt, wenn es da alleine im Bett liegend lernt einzuschlafen. Das finde ich ehrlich gesagt etwas einfach gedacht. Aber ich bin auch kein Psychologe (oder nur ein halber).

Weshalb ich das Thema Schlaftrainings wider Erwarten jetzt doch noch mal aufgreife, hat allerdings weniger Aufklärungsgründe als die Tatsache, dass ich die Tage erst über etwas gestolpert bin, was mich stark ins Grübeln brachte. Ich habe im Internet einige Foren gefunden, in denen sich Mütter von KISS-Kindern, von Schreikindern oder regulationsgestörten Kindern austauschen. In einem dieser Foren las ich frisch einen Bericht einer verzweifelten Mutter, die sich jetzt in stationäre Hilfe mit ihrem Kind begeben hat, weil sie einfach nicht mehr konnte. Dort wird sie therapeutisch begleitet. Zum Hintergrund: das ehemalige Schreikind hat jetzt auch starke Schlafprobleme und ist wirklich sehr unausgeglichen tagsüber. Interessiert verfolgte ich den Austausch zwischen allen neugierigen Müttern. Denen, die den Weg schon beschritten hatten (mit Erfolg), die, die sich nicht trauten und all die Frauen mit Fragen.

Jetzt erst langsam wird mir klar, wie naheliegend auch für uns die Diagnose „regulationsgestört“ schon die ganze Zeit war. Das Wort hatte ja eigentlich nur Britta, Stöpsels Physiotherapeutin und Osteopathin, verwendet. Denn wie ich nach weiteren Recherchen herauslese, gibt es doch viel mehr Kinder, die einen identischen Leidensweg hinter sich haben. Die ersten Monate viel Schreien. Anschließend immense Schlaf- und Wachprobleme und Entwicklungsverzögerungen. Nicht jedes Kind hat KISS. Nicht jedes Schreikind bekommt Schlafprobleme. Es gibt ganz unterschiedliche Facetten einer „Regulationsstörung“. Aber unterm Strich lerne ich gerade: es gibt noch viel mehr Kinder mit dem exakten Problem“spektrum“ wie der Stöpsel.

Und wie ich lese, gibt es in diesen Fachkliniken, in denen diese Störungen behandelt werden, eine ganz gezielte Methode der Therapie: Schlaftraining und Mutterentzug. In diesen Kliniken, so wie ich lese, ist man fest davon überzeugt, dass in dieser starken Bindung zur Mutter das eigentliche Problem liegt. Dass die Kinder zu abhängig sind von der Mutter um selbstständig zu werden oder das Kind gelernt hat, die Mutter herumzuscheuchen mit seiner Heulerei. Also versucht man die Bindung zu lösen. Jedem seine Ansichten. Ich glaube, dass wenn das Kind ein Problem hat, die Brücke in einen erholsamen Schlaf zu finden, dann liegt die Ursache im Nervensystem oder der Entwicklung des Gehirns und nicht in der Bindung zur Mutter.

Ich las also weiter den besagten Bericht aus der Klinik und stellte fest, dass die Mütter in der Klinik wirklich überzeugt werden davon, dass die dort verwendete Therapie Hand und Fuß hat, logisch ist. Und so geben die Mütter fortan für den weiteren Aufenthalt ihre Kinder freiwillig in die Hände von gelernten Schwestern, die ihnen die harte Aufgabe des Schreienlassens beim Schlaftraining abnehmen. Sie geben ihre Kinder stundenweise in Fremdbetreuung, während es sich die Mütter gut gehen lassen mit Wellness und Meditation und ähnlichem, damit das Kind lernt dass die Mama wieder kommt. Die Auszeit gönne ich den Müttern.

Und doch stolpere ich über eine Tatsache, die mich stutzig macht. Das Schlaftraining hilft. Nein, ich meine nicht, dass das Kind durchschläft. Dass das hilft, weiß ja jeder. Das Schlaftraining hilft insofern, als dass diese Kinder, die wie Stöpsel unausgeglichen, unausgeschlafen und immer schlecht drauf sind, die Kurve bekommen. Sie haben gelernt sich „selbst zu regulieren“. Sie schlafen binnen weniger Minuten Einschlafbegleitung ein. Sie schlafen sich aus. Sie sind erholt. Gut drauf. Und entwickeln sich ab da wieder ziemlich normal.
Wie kann das sein? Was haben die Kleinen wirklich gelernt? Wie kann etwas so grausames so wirkungsvoll sein? Bitte sag mir doch jemand, dass die langfristigen Schäden trotzdem zu immens sind, dass ich mit meiner liebevollen und alternativen Methode, besser dran bin. Oder wirkt dieses blöde Training am Ende nur, weil der einzige Übeltäter für alles am Ende ausschließlich das Schlafdefizit ist und wenn das Kind einmal genug Schlaf für seine Bedürfnisse bekommt, der Rest von alleine läuft?

Wer will kann sich hierzu gerne eine Dokumentation zum Thema Schreikinder ansehen. Da sieht man so eine Therapie sogar. Unser Stöpsel war so extrem nicht. Ob die „Störung“ bei ihm weniger ausgeprägt war oder ihm meine Sonderbehandlung mit Familienbett und Schlafbegleitung dabei half, sich nicht mit so lautstarkem Brüllen gegen das Schlafen zu wehren wie diese Babys kann natürlich keiner sagen. Aber wenn ich das Video schaue, fühle ich mich durch und durch verstanden mit unseren Problemen.

Trainiert eure Kinder bitte trotzdem nicht in den Schlaf, damit es ihnen nicht so gehen muss.

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